Leuphana-Studie: Soziale Herkunft bestimmt auch das Umweltbewusstsein
27.05.2026 Lüneburg. Schulerfolg hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab - das ist schon lange bekannt. Eine aktuelle internationale Untersuchung unter Federführung von Forschenden der Leuphana Universität Lüneburg zeigt jetzt, dass auch die Einstellung junger Menschen zum Umweltschutz stark von ihrer Herkunft geprägt wird. Im Rahmen einer umfassenden Meta-Analyse werteten die Wissenschaftler*innen Daten von fast 700.000 Schülerinnen und Schülern aus 65 Ländern aus. Die Studie ist jetzt im Journal of Environmental Psychology erschienen.
Die soziale Kluft bei den ökologischen Werten von Kindern und Jugendlichen ist gerade in wirtschaftlich starken Ländern trotz umfangreicher Informationsmöglichkeiten besonders groß. Die Forschenden sehen darin die Gefahr, dass hinsichtlich der Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeitsdiskurse vor allem sozial privilegierte Jugendliche Gehör und Handlungsfähigkeit erhalten und so den öffentlichen Diskurs prägen.
Die Studie zeigt außerdem, dass die soziale Schere bei den Umwelteinstellungen bereits in der Grundschule weit offensteht und sich auch im Laufe der Zeit nicht schließt. Das deutet darauf hin, dass Schulen in ihrer derzeitigen Form und mit den gängigen pädagogischen Ansätzen nur begrenzt in der Lage sind, die Auswirkungen des familiären Hintergrunds auf die Ausbildung ökologischer Werte bei Kindern und Jugendlichen zu beeinflussen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass wirtschaftliche Entwicklung und gute Informationsmöglichkeiten allein nicht zu mehr ökologischer Gerechtigkeit führen werden“, erklärt Prof. Dr. Marcus Pietsch, der die Untersuchung leitete. „Wir brauchen gezielte pädagogische Maßnahmen, damit das Umweltbewusstsein nicht zum exklusiven Privileg der ohnehin schon sozial Bevorteilten wird“, ist der Bildungsforscher überzeugt.
Nachzulesen ist die Veröffentlichung hier;
doi.org/10.1016/j.jenvp.2026.103085