Promovieren: Dr.in Laura Wenzel – Neue Perspektiven für die Migrationsforschung
22.06.2026 Ihre Dissertation verbindet Forschung zu Fluchtmigration, Familie und Vertrauen mit methodischen Fragen der Migrationsforschung. Dafür wurde die Sozialwissenschaftlerin Laura Wenzel mit dem Dissertationspreis der Leuphana Universität Lüneburg ausgezeichnet. Die nächste Infosession Promotion „Getting started with a doctorate: Everything you need to know” findet digital am 2. Juli 2026 von 12 bis 14.30 Uhr statt. Interessierte sind herzlich willkommen.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Kitas oder andere frühpädagogische Angebote sind für Familien mit Fluchtmigrationserfahrung häufig wichtige Orte der Orientierung und des Ankommens. Gleichzeitig entstehen dort neue Erwartungen, Unsicherheiten und Vertrauensverhältnisse. In ihrer Dissertation hat Laura Wenzel deshalb untersucht, welche Rolle Vertrauen zwischen Eltern mit Fluchtmigrationserfahrung und frühpädagogischen Angeboten spielt. „Vertrauen ist ein Schlüssel für Teilhabe“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin.
Gleichzeitig richtet ihre Arbeit den Blick auf die Forschung selbst: „Forschung über Migration entsteht nie losgelöst von gesellschaftlichen Vorstellungen und Kategorien. Wie Fragen gestellt werden, welche Begriffe verwendet oder wie etwa standardisierte Erhebungen sprachlich und kontextuell angepasst werden, beeinflusst auch, welche Ergebnisse sichtbar werden“, sagt Laura Wenzel.
Ausgangspunkt der Dissertation war ein quantitatives Teilforschungsprojekt zu Vertrauen fluchterfahrener Eltern gegenüber frühpädagogischen Angeboten in Niedersachsen. Die Datenerhebung fiel jedoch in die Zeit des ersten Corona-Lockdowns und stellte das Forschungsteam vor besondere Herausforderungen. Die Erfahrungen im Forschungsprozess wurden für Laura Wenzel zugleich Anlass, stärker über methodische und methodologische Fragen sowie die Bedingungen von Migrationsforschung nachzudenken. Im Rahmen einer Methodentriangulation wurden quantitative und qualitative Zugänge miteinander verbunden und die Möglichkeiten und Grenzen verwendeter Kategorien, Übersetzungsstrategien und Erhebungsformen reflektiert.
Laura Wenzel promovierte kumulativ und publizierte ihre Ergebnisse in internationalen Fachzeitschriften. Ein zentrales Anliegen ihrer Forschung ist es, vereinfachende Darstellungen von Migration aufzubrechen. Statt homogenisierender Kategorien plädiert Laura Wenzel für eine differenzierte Betrachtung individueller Lebensrealitäten: „Geflüchtete Menschen sind eine sehr diverse gesellschaftliche Gruppe.“ Belastbare Forschungsergebnisse entstünden, wenn diese Vielfalt bereits bei der Methodik mitgedacht würde.
Ihr Interesse für dieses Forschungsfeld wurde durch praktische Erfahrungen während ihres Masterstudiums an der Universität Bremen gelegt: „Gleich neben der Uni standen Zelte, in denen Geflüchtete lebten. Die Begegnungen mit dort untergebrachten Menschen waren für mich prägend.“
Unterstützung während der Promotion fand sie unter anderem im Mentoring-Programm ProViae. Es richtet sich an Promovendinnen, die sich vor dem Hintergrund ihrer wissenschaftlichen Qualifizierung und ihren Erfahrungen hinsichtlich möglicher Wege sowie Positionen orientieren wollen. Geprägt wurde die Promotionszeit außerdem durch die Zusammenarbeit im Forschungsprojekt und den interdisziplinären Austausch im Team: „Ich habe viel Rückhalt durch Kolleg*innen und Betreuer*innen erfahren und durch die gemeinsame Arbeit viel gelernt“, beschreibt sie rückblickend.
2025 erhielt sie dann per Mail die ebenso erfreuliche, wie für sie auch überraschende Nachricht: Ihre Arbeit wird mit dem Leuphana-Promotionspreis ausgezeichnet.
In der Begründung heißt es: Laura Wenzel entwickelt mit ihrer Dissertation eine eigenständige methodologische Perspektive und eröffnet damit die Konturen eines umfassenden Forschungsprogramms, das über die Dissertation hinausweist. Sie verbindet hohe wissenschaftliche Relevanz mit gesellschaftspolitischer Bedeutung. Geschickt und nachvollziehbar verknüpft Frau Wenzel interdisziplinäre Forschungsstände zu den Themen Vertrauen, Flucht/Migration, Familie und Diversität.“
Zudem wurde bemerkt, dass sie bereits über ein „außergewöhnlich starkes wissenschaftliches Fundament“ für ihre weitere Karriere verfüge. Bereits vor ihrer Zeit an der Universität sammelte Laura Wenzel Forschungserfahrung am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, wo sie im Bereich Migration und transnationale Familien arbeitete.
Seit Juni 2022 ist Laura Wenzel wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Sozialpädagogik am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik der Leuphana Universität Lüneburg. Zuvor arbeitete sie dort im Projekt „Integration durch Vertrauen“ (2019–2022). Seit April 2025 ist sie zusätzlich im Projekt „Konstruktiver Diversity Talk für angehende Lehrkräfte (KoDiTa)“ tätig.
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- Dr. Laura Wenzel