Zum Hauptinhalt springen

Trauer um Prof. Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg

07.09.2026 Lüneburg. Die Leuphana Universität Lüneburg trauert um Prof. Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg. Er verstarb am 23. August 2026 im Alter von 83 Jahren.

©Brinkhoff/Mögenburg
Prof. Dr. Hartmut Wittenberg

Der Professor für Hydrologie und Wasserwirtschaft trat 1988 in den Dienst der damaligen Fachhochschule Nordostniedersachsen am Standort Suderburg ein. Hartmut Wittenberg studierte Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig und schloss sein Studium 1969 als Diplom-Ingenieur ab. Im Anschluss war er bei einem Bauunternehmen in Braunschweig tätig mit den fachlichen Schwerpunkten Statik und Konstruktion. 1974 wurde er an der Universität Karlsruhe zum Thema „Der Einfluß zunehmender Bebauung auf den Hochwasserabfluß“ promoviert. Die wegweisende Dissertation erfasste quantitativ und mathematisch, wie sich die fortschreitende Urbanisierung und Flächenversiegelung auf das Entstehen und den Verlauf von Hochwasserwellen auswirkt. Von 1975 bis 1983 übernahm Hartmut Wittenberg Planungs- und Leitungsaufgaben für wasserwirtschaftliche Projekte in Europa, Afrika, Lateinamerika sowie Asien mit einem Schwerpunkt in der Hydrologie.

Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit standen Fragen des Wasserhaushalts und des verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Wasser. Hartmut Wittenberg forschte unter anderem zu Grundwasser und seiner Neubildung, wasserwirtschaftlichen Aspekten und den Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf den Wasserhaushalt. Mit weit über 100 Publikationen leistete er einen bedeutenden Beitrag zu seinem Fachgebiet; zu seinen Veröffentlichungen zählt auch das Lehrbuch „Praktische Hydrologie“, das sein Wissen für Lehre und Praxis zugänglich machte.

Mit seinem besonderen Einsatz für die Lehre prägte er Generationen von Studierenden. Bis heute erinnern sich Alumni an seine große fachliche Expertise. Daneben widmete er sich der Erforschung historischer Wasserbausysteme, etwa auf Madeira. Neben der Hydrologie interessierte sich Hartmut Wittenberg besonders für die Geschichte vergangener Kulturen und für Fremdsprachen. Unter anderem beherrschte er Spanisch und Portugiesisch.

Über viele Jahre engagierte er sich in der akademischen Selbstverwaltung der Hochschule, unter anderem in der Forschungskommission und im Ausschuss für Internationalisierung. Von 2005 bis 2006 war er Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen. Von 1998 bis 2000 hatte er das Amt des Vizepräsidenten der Fachhochschule Nordostniedersachsen inne. Darüber hinaus begrüßte er zahlreiche Gastwissenschaftler*innen und Stipendiat*innen in Lüneburg, die unter anderem von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und dem DAAD gefördert wurden. 

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Hochschullehrer und Forscher war er als unabhängiger Sachverständiger und Berater bei internationalen Wasserprojekten tätig. Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2008 blieb er der Leuphana Universität in vielfältiger Weise eng verbunden. Insbesondere widmete er sich weiterhin der Betreuung von Dissertationen und Abschlussarbeiten und bereicherte den wissenschaftlichen Diskurs durch zahlreiche weitere Publikationen. 

2017 ehrte ihn die Deutsche Hydrologische Gesellschaft mit dem renommierten Deutschen Hydrologiepreis. 2022 wurde er vom Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft (BWK) mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Wegen seiner herausragenden fachlichen Kompetenz, seiner hilfsbereiten Art und seiner Forschungsleistungen wurde er von Mitarbeitenden und Studierenden ebenso wie von Kolleginnen und Kollegen hoch geschätzt. Bis zuletzt war der fachliche Rat des kritischen und gleichsam zukunftsorientierten Denkers gefragt.

Die Leuphana Universität Lüneburg gedenkt seiner in tiefer Trauer und großer Dankbarkeit. Seiner Familie gilt unser tiefempfundenes Mitgefühl.