Staatswissenschaftliches Kolloquium: Die Magie des Amtes
Ein Werkstattgespräch mit Astrid Séville und Stefan Klingbeil
04.11.2026 Wer handelt eigentlich, wenn ein Polizist jemanden festnimmt? Wer spricht, wenn ein Richter ein Urteil verkündet? Und was geschieht mit einem Menschen, der ein politisches Amt übernimmt? Um diese Fragen ging es beim Auftakt des Staatswissenschaftlichen Kolloquiums im Wintersemester 2026/27. Am 3. November 2026 diskutierten der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Stefan Klingbeil und die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Astrid Séville in einem voll besetzten Raum über die Magie des Amtes.
Den Aufschlag machte Stefan Klingbeil mit einer rechtstheoretischen Annäherung an das Phänomen des Amtes. Seine These: Das Amt ist weit mehr als eine soziale Rolle – es bildet einen unsichtbaren Ort in der Architektur der Rechtswelt, an dem individuelle Akte in kollektive Handlungen verwandelt werden. Wenn ein Polizist jemanden festnimmt oder ein Richter ein Urteil spricht, handelt, juristisch gesehen, der Staat durch seine Organe, etwa durch die Polizei oder ein Gericht. Das Amt erscheint damit als eine magische Transformationskammer, durch die individuelle Worte und Handlungen zu Akten einer übergeordneten Institution werden.
Astrid Séville ergänzte diese Perspektive durch einen Blick auf das spannungsreiche Verhältnis zwischen Amt und Mensch in der Gegenwartspolitik. Während das politische Amt traditionell Sachlichkeit, Distanz und die Zurückstellung persönlicher Interessen verlangt, wächst heute die Erwartung, Politikerinnen und Politiker müssten zugleich authentisch, nahbar und menschlich sein. Der Wahlkampfslogan von Robert Habeck brachte dieses Spannungsverhältnis präzise auf den Punkt: „Kanzler werden. Mensch bleiben.“ Doch was geschieht, wenn hinter dem Amt zunehmend der Mensch sichtbar wird? Und welche Bedeutung hat die Unterscheidung von Amt und Person für die Demokratie?
Die beiden Impulse mündeten in eine lebhafte Diskussion, an der sich die zahlreichen Teilnehmenden engagiert beteiligten. Dabei ging es aus rechts-, politik- und kulturwissenschaftlicher Perspektive um die Macht der Institutionen, die Grenzen persönlicher Verantwortung und das Verhältnis von Mensch und Amt. „Wir freuen uns sehr über den institutionellen Rahmen, den das Staatswissenschaftliche Kolloquium für den interdisziplinären Austausch bietet“, erklärten Astrid Séville und Stefan Klingbeil. „Gerade solche Werkstattgespräche zeigen, wie fruchtbar der Dialog zwischen Politik- und Rechtswissenschaft sein kann.“


