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Veranstaltungen von Dr. phil. Christoph Behnke


Lehrveranstaltungen

Kunst und Rassismus (Seminar)

Dozent/in: Christoph Behnke

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 12:15 - 13:45 | 17.10.2019 - 30.01.2020 | C 12.111

Inhalt: Das Seminar wird zunächst versuchen, unterschiedliche Verwendungen des Begriffs „Rassismus“ herauszuarbeiten, wie etwa die Unterscheidung zwischen einem biologistisch begründeten Rassebegriff und den in jüngerer Zeit verwendeten kulturalistischen Differenzkonstruktionen. Vereinfacht lassen sich ideologiekritische Positionen, die von einem „falschen Bewußtsein“ ausgehen (z.B. „pathische Projektion“, Horkheimer und Adorno) von solchen unterscheiden, die machtkritisch von diskursiv hergestellter sozialer Dominanz ausgehen. Eines der folgenreichsten historischen Beispiele für ein offenes Regime des Rassismus ist die Vorstellung der Überlegenheit der weißen „Rasse“ („White supremacy“), mit der die Rassentrennung in den Südstaaten der USA einherging. Bekanntlich erreichte der in hohem Maße gewalttätige Rassismus in den Südstaaten seinen Höhepunkt nach dem Ende des Bürgerkriegs (und der Abschaffung der Sklaverei) in der Jim Crow Ära. In dieser historischen Konstellation entwickelt sich zugleich ein Feld der kulturellen Produktion, zu dessen Strukturmerkmalen neben der Dominanz kommerzieller Motive die Segregation nach „rassischen“ Kriterien gehörte - mit dem Ergebnis, dass bis heute, wie Radano schreibt, „American listeners remain committed to the belief that racial differences could be heard in music, and this belief motivated performers to produce styles that affirmed colorline thinking” (siehe Radano 2010). Nachgezeichnet werden soll, wie unter den Bedingungen der Segregation eine musikalische colorline entstand, die bis heute wirksam ist. Ausgangspunkt bildet die Beschäftigung mit Blackface Minstrelsy, zu der eine Reihe inzwischen klassischer Studien vorliegen, wie etwa die von Eric Lott. Sozialhistorische Studien werden herangezogen, um den Eintritt von afroamerikanerikanischen AkteurInnen unter den Bedingungen der Segregation in das musikalische Feld nachzuzeichnen (Abbott & Seroff, 2008). Typisch für diese erste Phase (um 1900) ist die Rassifizierung der Musik; AfroamerikanerInnen konnten nur unter der Bedingung erkennbarer “black music” Teil des Feldes werden. Dies ging einher mit Exotisierung und dem Kult des Authentischen (Miller 2010, Nunn 2015). Ein paradoxer Effekt der musikalischen Segregation besteht darin, dass “black music” zurückwirkte in die kommerziell motivierten Segmente des musikalischen Feldes und von weißen Produzenten und MusikerInnen appropriiert wurde. Zudem war sie kommerziell erfolgreich wie in den 1920er Jahren am Beispiel des Superstars Bessie Smith gezeigt werden soll (Davis 1998). Die Erfindung von “race records” gab der musikalischen colorline auch eine kommerziell aufgestellte Struktur. Gleichzeitig beginnt die “Erforschung” von afroamerikanischer Musik, die jenseits des professionellen Betriebs als “Folklore” insbesondere in den Südstaaten verbreitet war. Die Feldforschungen von Lomax sicherten insbesondere Bluesaufnahmen, die Jahrzehnte später in der Civil Rights Bewegung von weißen Jugendlichen angeeignet wurden (Schroeder 2004, Garabedian 2014). Zu den durch die musikalische Corlorline bzw. den gewalttätigen Rassismus verursachten Formen afroamerikanischer Musikproduktion gehört die Technik des “Signifyin(g)”, “Verstellungen”, die in ihrer Subversivität nur von der afroamerikanischen Population verstanden wurden (Floyd 1995, Switzer 2001). Die sozialhistorische Rekonstruktion der musikalischen Colorline soll mit Beiträgen zu den 1960er Jahren (Adelt 2010, Schwartz 2007, George 1988) enden; jenem Zeitpunkt, in der “black music” in der popular culture dominant zu werden begann. Eine abschließende Theoretisierung mit den im Eingang des Seminars erarbeiteten Begrifflichkeiten soll die sozialhistorischen Beiträge bewerten. Auswahl Literatur: Abbott, Lynn & Doug Seroff (2008): “They Cert’ly Sound Good to Me”: Sheet Music, Southern Vaudeville, and the Commercial Ascendancy of the Blues. In: Evans, David (ed.): Ramblin’ on my mind: New Perspectives on the Blues. University of Illinois Press. S. 49-104 Adelt, Ulrich (2010): Blues Music in the Sixties. A Story in Black and White. Rutgers University Press. Davis, Angela Y. (1999): Blues Legacies and Black Feminism: Gertrude “Ma” Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday. New York: Vintage. Fields, Barbara J. and Karen E. Fields (2012): Racecraft. The Soul of Inequality in American Life. Verso: London, New York. Floyd, Samuel (1995): The Power of Black Music. Oxford University Press Fredrickson, George M. (2002): Racism : a short history. Princeton: Princeton University Press Garabedian, Steven P. (2014): The Blues Image in the White Mind: Blues Historiography and White Romantic Racialism, Popular Music and Society, 37:4, 476-494. George, Nelson (1988): The Death of Rhythm and Blues. New York: Pantheon Books. Dt. Hannibal Verlag 1990. Gilroy, Paul (1991): Sounds Authentic: Black Music, Ethnicity, and the Challenge of a “Changing” Same, in: Black Music Research Journal, Volume 11/2, pp. 111-136 Grazian, David (2010): Demystifying Authenticity in the Sociology of Culture. In: Handbook of cultural sociology, eds. John R. Hall, Laura Grindstaff, and Ming-Cheng Lo. London: Routledge Lopes, Paul (2004): The Rise of a Jazz Artworld. Cambridge University Press. Lott, Eric (1992): Love and Theft: The Racial Unconscious of Blackface Minstrelsy. Representations, No. 39. (Summer, 1992), pp. 23-50. Miller, Karl Hagstrom (2010): Segregating Sound. Inventing Folk and Pop Music in the Age of Jim Crow. Duke University Press. Nunn, Erich (2015): Sounding the Color Line: Music and Race in the Southern Imagination. University of Georgia Press. Radano, Ronald (2010): On Ownership and Value, in: Black Music Research Journal , Vol. 30, No. 2 (Fall 2010), pp. 363-370. Roy, William G.(2004): “Race records” and “hillbilly music”: institutional origins of racial categories in the American commercial recording industry. Poetics, Volume 32, Issues 3–4, June–August 2004, Pp. 265-279. Schroeder, Patricia (2004): Robert Johnson, Mythmaking, and Contemporary American Culture. Urbana: University of Illinois Press. Schwartz, Roberta Freund (2007): How Britain Got the Blues: The Transmission and Reception of American Blues Style in the United Kingdom. London: Ashgate. Switzer, Robert (2001): Signifying the Blues. Alif: Journal of Comparative Poetics, No. 21, The Lyrical Phenomenon pp. 25-76. Wacquant, Loic (2002): From Slavery to Mass Incarceration. Rethinking the 'race question' in the US. In: New Left Review, 13, pp. 41-60.