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Veranstaltungen von Prof. Dr. Frieder Nake


Lehrveranstaltungen

Algorithmische Kunst & Digitale Medien (Seminar)

Dozent/in: Frieder Nake

Termin:
Einzeltermin | Fr, 18.11.2022, 14:15 - Fr, 18.11.2022, 17:45 | C 5.325
Einzeltermin | Sa, 19.11.2022, 10:15 - Sa, 19.11.2022, 16:30 | C 5.325
Einzeltermin | Fr, 25.11.2022, 14:15 - Fr, 25.11.2022, 17:45 | C 5.325
Einzeltermin | Sa, 26.11.2022, 10:15 - Sa, 26.11.2022, 16:30 | C 5.325
Einzeltermin | Fr, 02.12.2022, 14:15 - Fr, 02.12.2022, 17:45 | C 5.325
Einzeltermin | Sa, 03.12.2022, 10:15 - Sa, 03.12.2022, 16:30 | C 5.325
Einzeltermin | Fr, 09.12.2022, 14:15 - Fr, 09.12.2022, 17:45 | C 5.325
Einzeltermin | Sa, 10.12.2022, 10:15 - Sa, 10.12.2022, 16:30 | C 5.325

Inhalt: Ausgangspunkt für den Workshop ist die Behauptung, dass alle Dinge und Prozesse, wenn sie dem Computer verfallen, eine doppelte Existenz gewinnen. Was heißt das? Dinge und Prozesse, wenn sie algorithmisch behandelt werden, existieren in ihrer gewöhnlichen stofflichen, uns vertrauten, weil sinnlich wahrnehmbaren Form. Sie sind nun aber zusätzlich von einer zweiten Form begleitet. In dieser zweiten Form erscheinen Dinge und Prozesse als berechenbare Zeichen. Ihre Daseinsweise ist also eine doppelte, indem sie wahrnehmbar und berechenbar sind. Auf diese Weise werden sie zu algorithmischen Zeichen, die eine Oberfläche und eine Unterfläche aufweisen. Die Oberfläche ist für den Menschen sichtbar; wir interpretieren sie. Die Unterfläche aber ist für den Computer berechenbar; er determiniert ihre Bedeutung im Kontext der Berechenbarkeit. Und das ist auch schon alles, was dem Computer möglich ist und zusteht. In aller Knappheit sagen diese Sätze das, was den Computer ausmacht. Wir wollen dem genauer nachgehen, theoretisierend und praktizierend. Wir werden auch mit Programmen umgehen. In vielen vergangenen Wintersemestern hatte ich das Vergnügen, ein solches Angebot an der Leuphana machen zu dürfen. Wir wollen es jetzt wieder versuchen, falls Ihr mitmacht (worüber ich mich freuen würde). Das Format von vier Wochenenden (als Freitag und Samstag) hat sich bewährt. Ich möchte es inhaltlich ein wenig zuspitzen: Drei Themen werden anklingen und unsere Bemühungen kennzeichnen: die algorithmische Kunst / das algorithmische Denken / die digitalen Medien. Die beiden äußeren Themen setzen dem mittleren – dem algorithmischen Denken – einen Kontext. Unser allgemein umfassender Kontext ist die seit den 1960er Jahren in Wellen spürbare Algorithmische Revolution. Sie wälzt sämtliche technischen Grundlagen der Gesellschaft in einer nie dagewesenen globalen Kulturrevolution um und um. Marx und Engels hatten schon 1848 im Kommunistischen Manifest geschrieben (hier in schöner englischer Übersetzung wiedergegeben): "All that is solid melts into air." Diese Ahnung über den gnadenlos alles freisetzenden Gang des Kapitalismus erweist sich heute als vor unseren Augen und mit unserer Hilfe stattfindende Wirklichkeit. Wir erlauben uns einen Blick aus harmlos erscheinender Distanz, indem wir ein wenig die Geschichte der in den 1960er Jahren aufkommenden Algorithmischen Kunst befragen (damals unter dem Namen "Computerkunst") und Erscheinungen jetziger digitaler Medien betrachten. Beide sind, wie alle derzeitigen gesellschaftlichen Prozesse, vor allem durch das algorithmische Prinzip gekennzeichnet, das ihnen unterliegt. Und das heißt: durch die Berechenbarkeit aller Prozesse. Zugegeben, das verlangt auch nach digitaler Form. Doch sie ist nur notwendige Begleitung der Algorithmisierung, der Reduktion also auf Berechenbares; Algorithmisierung ist der Kern des Ganzen. Wenn wir das in Ansätzen verstehen wollen, wenn wir der Umwälzung aller Verhältnisse begegnen und von ihr nicht nur mitgerissen werden wollen, dann ist es notwendig, dass wir Grundkenntnisse dessen erlangen, was beim Programmieren geschieht. Deswegen soll der Kern des Workshop dem algorithmischen Denken gewidmet sein. Ihm werden derzeit in vielen Ländern, auch in der BRD, große Anstrengungen besonders in Hinblick auf die Schulbildung gewidmet, wie vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch. In den USA wird von computational thinking gesprochen. Das wird zu eng erscheinen. Wir nehmen die Mathematik zum Ausgangspunkt, nicht den Computer. In der oben angesprochenen Verdoppelung liegt die Besonderheit aller Computerdinge, nahezu aller Dinge also, die als Dinge heute relevant sind. In der Verdoppelung liegt das, wovon wir als digitale Kultur, als digitale Gesellschaft, in den Digital Humanities lesen. Diese Verdoppelung steht auch hinter dem, was Big Data genannt wird und allerlei mystische Nebelschwaden erzeugt. Die Verdoppelung ist einfach zu begreifen und doch von viel Spekulation umschwirrt. Sie ist wesentliches Ergebnis der algorithmischen Revolution. Zumuten werde ich Euch, dass Ihr Euch auf die Ebene dessen aufschwingt, was heute Kultur ausmacht, oder, sagen wir es etwas bescheidener: was heute für kulturelle Prozesse wichtig ist. Es soll praktisch werden und wir werden programmieren, denn aus der Praxis lernen wir. Dazu werden wir uns konkret mit der Programmiersprache Processing befassen und erleben, dass Programmieren erst einmal anstrengen mag, im Grunde jedoch kinderleicht ist. In praktischer Auseinandersetzung mit dem "digitalen" Bild werdet Ihr (so hoffe ich jedenfalls) einerseits spüren, wie begeisternd eigenes Schaffen sein kann. Andererseits werdet Ihr eine Grundlage für die Beurteilung digitaler Bilder in ihren Besonderheiten erwerben. Ihr gewinnt Instrumente und Denkweisen für einen Umgang mit der Welt des Digitalen, der auf der Höhe der Zeit ist und der sich nicht von vornherein in Spekulation flüchten muss. Ihr als Teilnehmende sollt, wenn Ihr hier Leistungspunkte aufsammeln wollt, als eigene Leistung ein Gestaltungs-Projekt mit Processing bearbeiten, dessen Einzelheiten wir besprechen werden. Den Rahmen dafür gebe ich vor. – Sehr zu wünschen ist, dass Ihr an "unseren" vier Wochenenden keine anderen Block-Kurse belegt. Ich setze darauf, dass wir ungehindert arbeiten können.