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Veranstaltungen von Prof. Dr.rer.oec. Claus-Dieter Hohmann


Lehrveranstaltungen

Seminar #4 Neue Balance - neue Partner: "Grünes" Controlling für Ökonomie und Ökologie in Unternehmensumfeldern (Seminar)

Dozent/in: Claus-Dieter Hohmann

Termin:
Einzeltermin | Do, 30.04.2020, 13:00 - Do, 30.04.2020, 18:00 | C 40.601 | Lehrveranstaltung findet via ZOOM statt.
Einzeltermin | Di, 05.05.2020, 13:00 - Di, 05.05.2020, 15:00 | C 40.601 | ZOOM
Einzeltermin | Fr, 05.06.2020, 12:00 - Fr, 05.06.2020, 19:00 | C 40.606
Einzeltermin | Fr, 12.06.2020, 12:00 - Fr, 12.06.2020, 19:00 | C 14.006

Inhalt: Die Wissenschaft vermehrt das Wissen von der Welt mit fortwährender Beschleunigung. Das 20. Jahrhundert hat Durchbrüche in der Mikrophysik, in der Biogenetik und in den Neurowissenschaften bewirkt – und fast ebenso schnell die umwälzenden technologischen Folgen dieser Erkenntnisse. Nicht nur immer mehr über die umgebende Natur, sondern nun auch über die Natur, die der Mensch selber ist, muss gelernt werden. Wir leben im Anthropozän und in einer postmodernen informatisierten Gesellschaft (Lyotard) in unübersichtlichen Verhältnissen mit kaum kontrollierbaren Abfolgen von Ursache und Wirkung.Die Verlustrisiken können immens sein, welche zugleich neu Möglichkeiten eröffnen können. In der Ökonomie werden Erkenntniswirklichkeiten nicht zuletzt durch eine vielfältig wahrgenommene Ökonomisierung aller Lebensbereiche durch Individualisierung und Pluralisierung neu bestimmt: Wirtschaftliche Denkmodelle und Werte werden hierbei durch Institutionen oder das Individuum adaptiert. Szenarien beschreiben einen solchen Zustand, bei dem, jenseits von rein ökonomischen Sichtweisen (Gewinn/ Verlust), alle nicht-ökonomischen Prozesse von ökonomischen Maximen überlagert werden, zumindest in soweit, dass ihnen Priorität eingeräumt wird. Wir leben schon länger in einer Zeit, in welcher ein zunehmend ambivalent enmfunderner global wirkender wissenschaftlich-technischer Fortschritt auf Wertschöpfungen, Geschäftsmodelle und Verbraucherverhalten wirkt: Zum Betrieb von Unternehmen benötigtes Kapital wird dort eingesetzt , wo höchster Ertrag zu erwarten ist. Es entwickeln sich Modelle, welche das heutige "Gesicht" des Wirtschaftens und damit der sie umgebenden Lebensnwirkichkeiten verändern. Zudem setzen sich Unternehmen mit ihrem Handeln in den sozialen Medien wie Pop Stars glamourös zunehmend in Szene. Das wirkt nicht unbedingt überzeugend für eine auf Logik beruhende Auseinandersetzung in der Sache. Vielmehr ist mit Empirie kontraproduktiven Feststellungen zu begegnen. Aktuell vermehren sich Anzeichen und Stimmen deutlich, die den wirtschaftlichen und globalen Überlebensoptimismus infrage stellen. Wie tief können die Börsenkurse sinken, ohne eine Erholung unmöglich werden zu lassen? Ist eine Kontinuität in der bisherigen (ja keinesfalls idealen) Versorgungslage der Weltbevölkerung wirklich garantiert? Ist Verordneter sozialer globaler Stillstand also nicht nur ein Tag auf dem Weg zur Überwindung einer Pandemie, sondern auch ein Tag auf dem Weg zum Ende der Menschheit? Vordenkendes Ökonomieverständnis für ganzheitliches und nachhaltiges Handeln und gute Unternehmenspraxis in zyklischen, lernenden und agiler werdenden Prozesstopologien im globalen Kontext angesichts der aktuellen Disruption infolge der Corona-Pandemie wird notwendig sein. Daher wird von der betriebswirtschaftlichen Forschung entsprechende Erkenntnisbildung auch im ökologischen Kontext gefordert und von deren Praxis eine daraus folgende Handlungsorientierung. Auch das hat für dieses Seminar zu gelten. Es muss zu einer Sprache gefunden werden , welche den Austausch von Gedanken und Gefühlen zulassen muss, welche Technik und deren Ethik umfasst und nicht Zugehörigkeiten zu Lebenswelten signalisiert, welche mit anderen inkompatibel sind. Die Topoi müssen den Bedürfnissen der heutigen Generation so entsprechen, dass die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht gefährdet werden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen (vgl. Brundtland Bericht 1987), insbesondere dann, wenn mit einer deutlichen in ihrer Wirkung noch nicht absehbaren Rezession zu rechnen ist. Das Wirtschaftswachstum kann durchaus an ökonomische Grenzen stoßen. Das ist dann der Fall, wenn Unternehmen nur noch Gewinne erwirtschaften, indem sie ihr Umfeld exploitieren. Bergbauunternehmen und Ölgesellschaften beuten ihre physische Umgebung aus und zerstören die Globalen Öffentlichen Güter (GPGs), Social-Media-Unternehmen beeinflussen zielgerichtet das gesellschaftliche Umfeld. In diesem Zusammenhang wird auf die Kritik an den Monopolen der Agroindustrie von Wendell Berry verwiesen (Berry W. 2018: Die Erde unter den Füßen, Essas zur Kultur und Agrikultur, Wuppertal). Die betriebliche Erfolg wird in neuen mitunter disruptiv und spontan gestalteten Wertschöpfungsketten bzw. Geschäftsmodellen erwirtschaftet. Kunden bzw. Konsumenten werden zielgerichtet in neue Netzkulturen von Angeboten und Leistungen (Bspw. Pay-What-You-Want-Modelle / Ausschussware als Gechäftsmodell) im Sinne spezifischer Ekosysteme integriert. Der unternehmerische Fokus soll dabei auf Produkte bzw. deren daraus ableitbaren Dienstleistungen mit den damit verbundenen innovativen Business bzw. Organizational Practises während des gesamten Zyklus' gelegt werden. Diese Innovationsfähigkeit ist im Oslo Manual: Guidelines for Collecting and Interpreting Innovation Data von 2005 von der Europäischen Union näher ausgeführt worden. Mittels Weiterentwicklung der Unternehmensberichterstattung von Kapitalgesellschaften auf Basis des International Integrated Reporting Framework (IIRF) hat sich die unternehmensbezogene Wirkweite der Kosten- und Ertragssteuerung / -sicherung und seine unternehmensweite Interaktion darauf einzustellen, dass für die Sicherung des Fortbestandes der Unternehmung durch Nachweis der "social licence to operate" menschliche Lebensumstände oder nichtfinanzielle Faktoren und Innovation als Motor für nachhaltiges unternehmerisches Handeln anzusehen sind. Die Wirtschaftswissenschaften sind gefordert, infolge der bisherigen der digitalen Vermessung und der Ökonomisierung der Welt angesichts der dramatischen ökologischen Befunde durch Forschung systematisch die Zusammenhänge in eine neue plausible Balance zu überführen, weil Formen der Ökonomisierung sowohl in derzeitig ökonomisierten, als auch in noch nicht ökonomisierten Bereichen und aus verschiedensten Motiven heraus radikal umzurüsten sind. Jonathan Franzen will nicht, dass wir uns über die Folgen der Umweltkrise etwas länger vormachen. Die Folgen werden eintreten. Es muss einen Weg geben, zu retten, was in diesem Szenario zum Weiterleben benötigt wird. Erkenntnisse hieraus sind nutzbar zu machen und diese immer wieder zu hinterfragen, sowie in Praxis und Lehre die Einführung neuer Methoden in die Geschäftspraxis, Arbeitplatzorganisation oder externe Beziehungen zu fördern. Hierzu gehört auch Sustainable Management Accounting bzw. CSR-Controlling. Auf diese Weise müssen Impulse und wichtige Beiträge für die Diskussion der vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen ausgehen, so auch durch dieses Seminar.

Seminar #7 - Ökosysteme, Biotope, rationale Aktivierung? Erkenntnisse aus der gegenwärtigen Praxis in Unternehmungen als nichttriviale Systeme (Seminar)

Dozent/in: Claus-Dieter Hohmann

Termin:
Einzeltermin | Do, 23.04.2020, 13:00 - Do, 23.04.2020, 18:00 | intern | Lehrveranstaltung findet via ZOOM statt.
Einzeltermin | Di, 28.04.2020, 13:00 - Di, 28.04.2020, 15:00 | intern | Lehrveranstaltung findet via ZOOM statt.
Einzeltermin | Do, 14.05.2020, 12:00 - Do, 14.05.2020, 19:00 | C 40.162
Einzeltermin | Do, 18.06.2020, 12:00 - Do, 18.06.2020, 19:00 | C 40.606 | Dozent möchte gerne in Raum C40.606
Einzeltermin | Do, 25.06.2020, 12:00 - Do, 25.06.2020, 19:00 | C 40.606

Inhalt: Bisheriges Handeln von nach ökonomischer Effizienz und damit angestrebter globaler Überlegenheit strebenden kapitalistischen und Non-Profit-Organisationen bewirkt zunehmende kritische Sichtweisen. Massive Disruptionen, Umbrüche und verursachte Bedeutungsverluste in bisherigen Ordnungen und (monopolistischer) Institutionen in einer informatisierten Gesellschaft (Lyotard) verstärkten unübersichtliche Verhältnissen mit sich beschleunigenden kaum kontrollierbaren Abfolgen von Ursache und Wirkung.Die Verlustrisiken könnten immens sein, welche zugleich auch neue Möglichkeiten eröffnen.Von der betriebswirtschaftlichen und auch zunehmend der geisteswissenschaftlichen Forschung wird eine entsprechende Erkenntnisbildung hierzu gefordert und von deren Praxis eine daraus folgende Handlungsorientierung.«Die Geisteswissenschafter verfehlen ihre wichtigste Rolle, wenn sie nur interne Debatten in ihren Fachgebieten führen», sagt Yuval Noah Harari. Es wird deutlich, wie Wissenschaft als abgehobene Autorität während der vergangenen Jahrzehnte die Religion ersetzt hat. Andererseits aber steigert der gegenwärtige Zustand die Nervosität, weil eine Alternative zur Wissenschaft eben nicht mehr in Sicht ist. Die zuweilen anhaltende Unfähigkeit der einschlägig kompetenten Spezialisten, kohärente Orientierungen zu liefern, hat erstaunlicherweise noch keinen definitiven Vertrauensverlust ausgelöst. Das hat für dieses Seminar zu gelten. Es muss zu einer Sprache gefunden werden , welche den Austausch von Gedanken und Gefühlen zulassen muss und technisch-wissenschaftlichen Fortschritt und die damit verbundene Ethik reflektierend einschließt. Auf diese Weise müssen Impulse und wichtige Beiträge für die Diskussion der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen empirisch belegbar ausgehen. Milliarden von Menschen sind davon erfasst, Städte werden verändert und Landschaften für Industrie mit ihrer vorherrschenden Technologie, Wirtschaft und Tourismus gleichermassen erschlossen und entstellt. Es ist zu fragen, warum verantwortliche Eliten sich der Natur wie in einem Supermarkt bedienen und mittels Oligopole bzw. Duopole damit den Wettbewerb in Märkten mittels Marketing und Marktinteressen verengen sich mit ihrem Handeln in den sozialen Medien wie Pop Stars glamourös zunehmend in Szene setzen. Sie schienen ihre Erkenntnis- und Wohlstandswelt klandestin gegen die abzuschotten, auf deren Kosten dieser Wohlstand geschaffen worden ist, wenngleich die Erde rund ist und ein durchaus wünschenswertes Schicksal ist: Sie reduziert die Unterschiede unter den Menschen und optimiert zugleich die weltweite Verteilung der Ressourcen, aber auch, - wie gegenwärtig -, pandemischer Krankheiten. Werden also den in dieser Welt lebenden Wohlstandsgesellschaften für die Gelegenheit zu schnellem und auch destruktivem Geschäft für Bereicherung mit fortwährendem Ausbeuten der Global Public Goods (GPGs) mit hoher Affinität zu Moral Hazard Grenzen gesetzt? Ist Mut gefragt, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und einzugestehen, dass wir uns mehr mit den Folgen der radikalen Destabilisierungen unseres Lebens befassen müssen infolge des Klimawandels, wie Jonathan Franzen es ausdrückt oder der Pandemie? Das hätte ein radikales Umrüsten zur Folge. Die Kapitalismuskritiker Brand und Wissen meinen, dass diese Orientierung auf ständigem wirtschaftlichen Wachstum und billiger Verfügbarkeit fossiler Energieträger bisher als "Schmiermittel" für einen scheinbaren sozialen Frieden diente, an dem nicht alle teilhaben können. In diesem Zusammenhang wird auf die Kritik an den Monopolen der Agroindustrie von Wendell Berry verwiesen (Berry W. 2018: Die Erde unter den Füßen, Essays zur Kultur und Agrikultur, Wuppertal). Immer wieder beschrieben führendene Ökonomen Szenarien, deren Thesen hervorbringen (Piketty, Krugmann, Gordon, Nordhaus, Romer), dass die Zeiten hoher Wachstumsraten und Produktivitätszuwächse vorbei seien. Die großen ikonischen Innovationen hätten Anfang und Mitte des 20.Jahrhunderts stattgefunden. Es geht nicht mehr um die Frage, wie sich Wirtschaftswachstum durch möglichst effizienten und schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen und dem Klimawandel kombinieren lässt. Aus Sicht von Yuval Noah Harari ("Homo Deus") befindet sich die Menschheit mit einer neuen Agenda am Anbruch des Dritten Jahrtausends. Es stellt sich nicht die Frage, o b sondern w i e soziale Netzwerke, Apps, Roboter und Computer mit künstlicher Intelligenz für unser Leben im gleichen Maße wie die großen Erfindungen der Vergangenheit g r u n d s t ü r z e n d e Möglichkeiten infolge des Dataismus (biochemische wie elektronische Algorithmen) bereithalten und der bisherige Homo sapiens die Kontrolle weiter ausüben kann. Das Durchdringen von Apparatur und Mensch erzeugt Gleichzeitigkeit und -wertigkeit von realer, virtueller und technologischer Existenz, wie Dora Harraway meint. Pankaj Mishra vertritt die These, dass eine beispiellose politische, ökonomische und soziale Unordnung weite Teile der Welt befallen hat und wir in einem "Zeitalter des Zorns" leben, was sich mehr und mehr in einem globalen Unbehagen über die Ökonomisierung ausdrückt. Szenarien beschreiben einen solchen Zustand, bei dem, jenseits von rein ökonomischen Sichtweisen (Gewinn/ Verlust), alle nicht-ökonomischen Prozesse von ökonomischen Maximen überlagert werden, zumindest in soweit, dass ihnen Priorität eingeräumt wird. Repräsentanten deutscher oberster zentraler Verfassungsorgane und Institutionen wie die BAFIN artikulierten zudem ihren Anspruch, ökonomische Sachverhalte und Vorgehensweisen juristisch eingehend zu prüfen, da die Erklärungsmacht ökonomischer Theorien häufig auf kontextlosen Modellbetrachtungen und Grundannahmen, die nur von bestimmten Schulen geteilt werden, beruhen würden (Voßkuhle). Es scheint aktuell so zu sein, dass globale Infrastrukturen für Mechanismen und Kanäle des Handels und internationaler Arbeitsteilung Risiken und akuten Gefährdungslagen (Beck) ausgesetzt werden. Der Ökonom Thomas Straubhaar debattierte öffentlich, dass wir eine neue Stufe der Globalisierung erleben: "Daten- statt Warenströme werden immer wichtiger", denn digitale Geschäftsmodelle seien dabei, eine dominante Rolle übernehmen. Es vermehren sich Anzeichen und Stimmen deutlich, die den wirtschaftlichen und globalen Überlebensoptimismus infrage stellen. Wie tief können die Börsenkurse sinken, ohne eine Erholung unmöglich werden zu lassen? Ist eine Kontinuität in der bisherigen (ja keinesfalls idealen) Versorgungslage der Weltbevölkerung wirklich garantiert? Diese multiperspektivischen Meinungsbilder müssen bewirken, bisherige Antworten auf grundlegende Fragen zu unternehmerischem Handeln als Biotope oder Ökosysteme im Kontext sich ändernder Rahmenbedingungen zu reflektieren.Große Mengen von Daten für Simulationen und tausendfache mögliche Szenarien werden wohl eher nicht benötigt. Der radikale Klimawandel, der Temperaturanstieg mit mindesten zwei Grad und die aktuelle Pandemie wird ganz sicher uns alle erfassen. Unser bisheriges Denken und Handeln ist radikal umzurüsten , wie Franzen verdeutlicht. Wir leben in der realen und nicht in der virtuellen Welt, die von menschlichen Verhaltensweisen genährt wird. Die virtuelle Welt ist die neue Biosphäre, in welcher unser Leben aufgezeichnet, berechnet und abgebildet wird. Sich falsche Hoffnungen zu machen, ist schädlich. Jared Diamond drückt es am Ende seines Prologs in seinem neuesten Buch (Kollaps) schonungslos klar aus: Zum ersten Mals droht ein weltweiter Niedergang und zu ersten Mal können wir aus Entwicklungen lernen, die irgendwo auf der Welt sich ereignen. Nur schnell muss es gehen.