Vorlesungsverzeichnis

Suchen Sie hier über ein Suchformular im Vorlesungsverzeichnis der Leuphana.

Veranstaltungen von Christoph Görlich


Lehrveranstaltungen

Rechenknechte: Geschichte des Computers (Seminar)

Dozent/in: Christoph Görlich

Termin:
Einzeltermin | Mi, 19.10.2022, 14:15 - Mi, 19.10.2022, 15:45 | Online-Veranstaltung | online
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 13:45 | 25.10.2022 - 03.02.2023 | C 5.325 / Aufzug außer Betrieb! Erneuerung der Aufzugsanlage 19.10.-29.11.2022 | .

Inhalt: In diesem Seminar werden wir uns die Geschichte der Idee mechanisierten Rechnens (»Rechenknecht«) von der Geschichte der Formalisierung bis in die Gegenwart anschauen und uns dabei auch methodisch mit der Frage auseinandersetzen, was das heißt: Mediengeschichte schreiben und wie sich das in die Aufgabe des Geschichte Schreibens einfügt und inwiefern es sich unterscheidet. Das Seminar wird daher zwar keine umfassende Geschichte des Computers bieten können, soll aber theoretische und methodische Reflexionen mit konkreter Mediengeschichte verbinden, sodass am Beispielfall des Computers Fragen und Grundlagen der Mediengeschichte verhandelt werden.

Technik und Zeit (Seminar)

Dozent/in: Christoph Görlich

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 17.10.2022 - 03.02.2023 | C 6.320

Inhalt: In der Moderne wird der Zeitbegriff virulent: zunächst tritt er aus Metaphysik und naturwissenschaftlichem Postulat heraus (»absolute, wahre und mathematische Zeit« bei Newton) und wird bei Kant zu einer alle Erfahrung mit-konstituierenden Kategorie (Raum und Zeit), zu einem bewusstseinsphilosophischen Grundbegriff, der dann mit Hegel in den Begriff der geschichtlichen Erfahrung eingeht. Doch dieser Erfahrungsbegriff wird ebenso brüchig wie der Begriff der Geschichte, in dem er aufgefangen war. So kommt es im zwanzigsten Jahrhundert zu erneuten Befragungen der Grundstruktur der Zeit, die teils metaphysisch, teils phänomenologisch, teils geschichtstheoretisch oder gesellschaftstheoretisch grundiert sind. Betrachtet man den Gang der entsprechenden Krise der Zeit im zwanzigsten Jahrhundert, die auf dem philosophischen Terrain mit der Postmoderne weiteren Lauf bekam, dann sollte mit beachtet werden, dass der Zeitbegriff in der philosophischen Reflexion wie kaum ein anderer durch seine technischen Bedingungen geprägt ist: Lange bevor Zeit als ein natürliches Phänomen der Bewegung bzw. der Wiederkehr betrachtet wurde – wofür insbesondere die Astronomie von Bedeutung war –, betrachtete man es, im alten Ägypten bis hin zu Aristoteles, als Effekt künstlicher Vorrichtungen (hier ist besonders die Sanduhr in ihren verschiedenen Variationen zu nennen, paradoxerweise auch die Sonnenuhr). Das änderte sich erst später, mit der neuzeitlichen Naturwissenschaft bis hin zu Newton und dessen Postulat einer absoluten Zeit. Betrachtet man den modernen Zeitbegriff so scheint es daher unabdingbar, dabei immer zugleich nach der technisch-mediale Bedingung zu fragen – zumal hier u.a. in puncto Bewegung (Stichwort »Beschleunigung«) und ‚Zeitnutzung‘ große Veränderungen vonstatten gingen. Dies soll im Seminar geschehen, indem kanonische Texte zum Zeitbegriff in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts vor dem Hintergrund ihrer technischen, medialen und nicht zuletzt auch politisch-ökonomischen Bedingung (was freilich nicht allein die Techniken der Zeitmessung meint) diskutiert werden. Thematische Fluchtlinie dessen wird die technisch-mediale Bedingtheit der Zeitform in den digitalen Kulturen der Gegenwart sein, welche auf der Basis der Seminarlektüren und -diskussionen in ihrer Genese, heutigen Geltung und weiterreichenden Bedeutung kritisch beleuchtet werden soll.