Vorlesungsverzeichnis

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Veranstaltungen von Prof. Dr. Christoph Brunner


Lehrveranstaltungen

Theorien des Ökologischen Denkens II (Von Gregory Bateson zu Anna Tsing) (Seminar)

Dozent/in: Christoph Brunner

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 16:15 - 17:45 | 20.10.2022 - 02.02.2023 | C 5.311

Inhalt: Das Seminar versteht sich im Dialog mit dem Seminar "Geschichte und Theorie der Ökologie." Der Fokus liegt auf der Ausweitung des Ökologiebegriffs wie er seit den 1930er Jahren bis in die Gegenwart als ein Kernelement der Kulturtheorie entwickelt wurde. Ausgehend von Vorbereiter*innen der Kybernetik, insb. Gregory Bateson, werden unter Einbezug des systemischen und auf Rekursivität basierenden Theorien als Ökologien betrachtet. Neben dieser stark mathematisch-technischen sowie naturwissenschaftlichen Perspektive werden auch bei Bateson schon die Verknüpfungen von Kognition, Wahrnehmung und Umwelt zu einer Kritik eines anthropozentrischen Denkens, wie dies in Strömungen des Postrukturalismus, New Materailism, Posthuman Studies, cyberfeministischen Theorie, den Feminist Science Studies oder den Queer und Trans-Studies hervorgehoben werden. Ebenso spielt der Ökologiebegriff in der Kunst seit den 1960er Jahren eine zentrale Rolle und lässt sich parallel zu ökologischen sozialen Bewegungen sehen. Beide Perspektiven werden das Seminar immer wieder begleiten. Anschließend an die ökologischen Aufbrechungen der Kategorie Mensch wird das Seminar nach den Grundlegungen eines ökologischen Denkens und insbesondere auf die Transformation klasssicher Verhältnisse wie Mensch-Natur, Subjekt-Objekt, Geist-Körper, eingehen und sich den neuren Studien der Envrionmental Humanities zuwenden.

Hannah Arendt und Walter Benjamin - Zwischen Ästhetik und Politik (Seminar)

Dozent/in: Christoph Brunner

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 19.10.2022 - 26.10.2022 | C 7.320
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 02.11.2022 - 01.02.2023 | C 40.146

Inhalt: Das Seminar befasst sich mit zwei aufs engste Verbundene und von ihren Ansätzen doch so weit entfernten Denker*innen des 20. Jahrhunderts. Im geteilten Exil in Paris standen Hannah Arendt und Walter Benjamin in einem engen Austausch, inhaltlich ebenso wie politisch, da sie als Jüd*innen auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nicht nur ihre Lebensumstände ständig anpassen mussten bzw. in Lebensgefahr schwebten, sondern auch den Absprung in die USA gemeinsam geplant hatten. Die Pariser Jahre bilden für beide eine prägende Zeit, die mit der Weitergabe seines letzten Traktats „Über den Begriff der Geschichte“ an Arendt und dem an der spanischen Grenze vollzogenen Suizids Benjamins ein dramatisches Ende fand. Arendt emigrierte mit ihrem Partner Heinrich Blücher in die USA, von wo aus sie einen regen und kämpferischen Austausch mit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bezüglich des philosophischen Nachlasses von Benjamin führte. Die Differenzen und Verbindungen dieser historischen Konstellation stehen im Fokus des Seminars, das Einblicke in die menschlichen Abgründe des 20. Jahrhunderts und insbesondere das Leben jüdischer Denker*innen bietet. Mit Benjamin, dem Essayisten und Flaneur, dem kein wahrnehmbares Detail seiner Umwelt entging und Arendt, der scharfsinnigen Denkerin des politischen Handelns und der Aktion finden wir zwei Zugänge zum Verhältnis von Denken, Sprache und Wahrnehmung, die das Politische für beide jeweils unterschiedlich und zugleich zeitkritisch miteinander verbinden. Den Differenzen und Gemeinsamkeiten unter Berücksichtigung der absoluten Notwendigkeit einer Kritik ihrer Gegenwart widmet sich das Seminar diesen Verbindungen zwischen Denken und Handeln mit und durch Arendt und Benjamin.

Paradigmen der Kulturwissenschaften 2: Konjunkturen des Konflikts (Vorlesung)

Dozent/in: Christoph Brunner, Andrea Kretschmann

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 12:15 - 13:45 | 17.10.2022 - 03.02.2023 | C HS 3 | C HS 3
Einzeltermin | Mi, 18.01.2023, 18:15 - Mi, 18.01.2023, 19:45 | Online-Veranstaltung | Online-Veranstaltung (Zoom)
Einzeltermin | Mi, 25.01.2023, 18:15 - Mi, 25.01.2023, 20:00 | extern | Heinrich-Heine-Haus (Am Ochsenmarkt 1a, 21335 LG)

Inhalt: Konflikte, wie sie aus divergierenden Zielstellungen, widerstreitenden Interessen oder kollidierenden Wertvorstellungen entstehen, prägen gesellschaftliche Verfasstheiten in der Geschichte wie in der Gegenwart. Dissuasio in der lateinischen Bedeutung des Widerratens, der Gegenrede daherkommend, kann auf der einen Seite als gesellschaftlicher, zeitlich begrenzter Sonderfall betrachtet werden: Als Krieg, als Revolte oder als Streik, der gesellschaftliche Umbrüche herbeizuführen vermag. Exemplarisch für diese Perspektivierung ist Georg Simmels Abhandlung über den Streit zu nennen. In ihr behandelt er keine bloßen Meinungsverschiedenheiten, sondern Kampf und Konflikt, wie sie aus „Hass und Neid, Not und Begier“ zustande kommen. Konflikte können aber auch strategisch eingesetzt werden, um Wandel gerade zu verhindern. Dies ist die Gruppe der Scheinkonflikte, die von eigentlichen Konflikten abzulenken oder diese zu überdecken vermag. An diese angrenzend sind solche Konflikte gelagert, die kaum thematisierbar sind, weil sie in Bereichen der Marginalität angesiedelt sind und durch die bestehenden Herrschaftsverhältnisse verdeckt werden. Gleichermaßen sind tabuisierte Konflikte zu nennen, die wiederum als kollektiv oder individuell Unbearbeitbare in die psychische Marginalität gedrängt werden. Den gesellschaftlichen, mithin ‚externen‘ Konflikten, entspricht somit die Thematik der inneren Konflikte, etwa in Form von Gewissenskonflikten oder dilemmatischen Situationen für den Einzelnen. Zum Teil spiegeln soziale Konflikte im Widerstreit befindliche Denkweisen, Methoden und wissenschaftliche Ansätzen oder stehen mit ihnen in Wechselwirkung. Konflikte können gerade nicht als Sonderfall verstanden werden, insofern sie als ein grundlegendes Strukturmerkmal des Sozialen ebenso als im Konflikt befindliche Denkweisen in den Blick rücken. Es sind die kulturtheoretischen Strömungen in der ‚konflikttheoretischen‘ Tradition, die den Konflikt als gesellschaftliches und kulturelles movens betrachten. Karl Marx und Friedrich Engels haben diesbezüglich den Kampf der sozialen Klassen als historischen Bewegungsfaktor benannt; Lewis A. Coser gründet seine Konfliktsoziologie auf den „Streit“ und Axel Honneths ‚Kampf um Anerkennung‘ (1994) gründet auf Hegels Konzeption von „Herr und Knecht“. In diesem Sinne wird die konstituierende und dynamisierende Logik des Konflikts betont: Es sind Konflikte, die gesellschaftliche Vorgänge überhaupt erst antreiben und strukturieren und Gesellschaften in der Folge einerseits stabilisieren, indem sie eine spezifische Konstellation auf Dauer stellen, ebenso wie sie für deren Wandel sorgen. Gleiches gilt für theoretische Ansätze, deren Aktualität sich nicht zuletzt an der Unabgeschlossenheit von Debatten und deren teils konflikthaften Aushandlungen abzeichnet, wie es u.a. Mark Poster anhand von kritischer Theorie und Poststrukturalismus oder Frederic Jameson mit Bezug auf die Postmoderne aufgezeigt haben. Die Vorlesung widmet sich den konflikthaften Formen sozialer Kohäsion und sozialen Wandels in dieser doppelten Hinsicht aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Dabei gilt das Interesse neben ihrer theoretischen und phänomenologischen Beschaffenheit den Konjunkturen des Konflikts: In Frage steht das Konflikthafte in seiner Historizität, sprich dem Zusammenfließen spezifischer sozialer, politischer, philosophischer, geographischer und kultureller Dimensionen und ihrer jeweiligen Situiertheit. In der Vorlesung wird demnach auch der Frage nach sich wiederholenden Konfliktmustern nachgegangen, nach der Wiederkehr längst bewältigter Konflikte, nach der unbemerkten oder unerwarteten Verflüchtigung spezifischer Konfliktkonstellationen oder nach Unterbrechungen, Transformationen, Diskontinuitäten und Verschiebungen von Konfliktlinien.

Einführung in die Hermeneutik - Texte lesen, Begriffe verstehen, in eigenen Worten schreiben (Seminar)

Dozent/in: Christoph Brunner

Termin:
Einzeltermin | Mi, 07.12.2022, 10:15 - Mi, 07.12.2022, 11:45 | C 12.015 | .
Einzeltermin | Mi, 14.12.2022, 10:15 - Mi, 14.12.2022, 11:45 | C 40.530 Multifunktionsraum | .
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 21.12.2022 - 01.02.2023 | C 7.319
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 18.01.2023 - 08.02.2023 | C 7.319 | Tutorium

Inhalt: Unter Hermeneutik wird im Allgemeinen die Interpretation theoretischer Texte verstanden. In den Geisteswissenschaften bildet die Hermeneutik eine der Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. Zu ihren Elementen gehört: Wie argumentiert ein Text, was sind seine Kernthesen, wie ist der Aufbau, was ist das Anliegen und Ziel. Zugleich sind die Kulturwissenschaften als interdisziplinäres Feld jenseits klassischer geisteswissenschaftlicher Textgrundlagen gespickt mit unterschiedlichsten Textformen, audio-visuellen Gegenständen und enthalten empirische Elemente. Das Begleitseminar soll eine Grundlage in wissenschaftliche „Textarbeit“ liefern und zugleich der eben beschriebenen Ausweitung kulturwissenschaftlicher Materialien Rechnung tragen. Wir werden uns mit einem Grundverständnis kulturwissenschaftlicher Hermeneutik vertraut machen und unterschiedliche Textarten kennenlernen. Hieran sollen Zugangsweisen und Interpretationen erprobt werden. Teil des Seminars sind kleine Schreibübungen (u.a. Lektüreprotokoll, Begriffserläuterung, Kommentar, Kurzessay), die erste eigene Praxiserfahrungen des (kultur-)wissenschaftlichen Schreibens eröffnen. Das Seminar wird durch ein Tutorium begleitet, dass eine wöchentliche Schreibwerkstatt anbietet und so die Teilnehmenden beim Verfassen der Texte unterstützt.

Ästhetiken des Protests (Seminar)

Dozent/in: Christoph Brunner

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 10:15 - 11:45 | 20.10.2022 - 02.02.2023 | C 5.019
Einzeltermin | Do, 12.01.2023, 10:15 - Do, 12.01.2023, 11:45 | C 40.606 | mit Gruppe des Gymnasiums Oedeme

Inhalt: Das Seminar befasst sich mit den ästhetischen Aspekten historischer und gegenwärtiger Protestbewegungen. Mit Ästhetik sind nicht nur die Wahrnehmung oder die Ausdrucksformen von Protest, bzw. auch das „Künstlerische“ als Teil von Protest gemeint, sondern ein zentrales Element der Organisation von Protest. Ästhetiken des Protests verweisen auf die Art und Weise, wie sich Widerstand nicht allein aufgrund von Inhalten formiert, sondern inwiefern Widerstand eine Frage der Wahrnehmung und Empfindung ist. Dies schließt sowohl einer Anerkennung von Erfahrung als Grundlage von Widerständigkeit und deren teilbare Dimension mit ein als auch die Organisation des Sinnlichen (bzw. der Wahrnehmung) als Teil sog. affektiver Politiken von Protest. Anders gesagt, jede Art von Protest hat ihre jeweils spezifischen Kommunikations- und Ausdrucksweisen, die die jeweiligen Anliegen und Kämpfe vermitteln sollen. So ist z.B. die Variation karnevalsartiger Proteste, wie sie im Westen erstmals 1999 in Seattle bei Protesten gegen das WTO-Treffen aufkamen, seitdem Inspirationsquelle für Demonstrationsstrategien zur Vermeidung von (polizeilicher) Gewalt. Ebenso sind Strategien der Repräsentation von Protest seit langem ein wichtiger Bezugspunkt medialer Praktiken, in denen Protestierende, Main-Stream-Medien und Staatsgewalt (Polizei) um die Interpretationshoheit in der Darstellung von Protest kämpfen. Somit widmet sich das Seminar insbesondere auch den medialen Strategien, sozialen Medienplattformen und ihren Logiken der Anordnung und Orientierung sinnlicher Wahrnehmung. Es werden unterschiedliche ästhetische Ansätze verglichen und ihre Differenzen herausgearbeitet. Wichtig ist anzumerken, dass mit Protest hierbei nicht allein progressive, sprich linke, soziale Bewegungen gemeint sind. Gegenstand des Seminars werden ebenso Strategien (neuer) rechter Bewegungen oder auch Verschwörungstheorien und Phänomene wie die Querdenker sein. Ein übergeordnetes Anliegen ist die Sensibilisierung für die jeweiligen medialen, praktischen und geopolitischen Differenzen von Protest, die sich an einer allzu vereinheitlichenden Vorstellung von Ästhetik und Wahrnehmung reibt, bzw. diese hinterfragt. Daher werde Protestformen und -praktiken aus unterschiedlichen geographischen Kontexten behandelt und sowohl historische als auch gegenwärtige Beispiele herangezogen. Das Seminar enthält zahlreiche Materialien, die eine Theoriebildung in den Kulturwissenschaften über eine rein textliche Praxis hinaus eröffnen.