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Veranstaltungen von Marie Rotkopf


Lehrveranstaltungen

Ist es möglich, gegen die Europäische Union zu sein? (Seminar)

Dozent/in: Marie Rotkopf

Termin:
wöchentlich | Freitag | 12:15 - 15:45 | 18.10.2019 - 31.01.2020 | C 11.117

Inhalt: Im Mai 2005 stimmt die französische Bevölkerung mehrheitlich mit Nein über das Referendum zur Annahme des Vertrages über eine Verfassung für Europa. Dieses Nein wurde nicht ernst genommen, wurde nicht gehört und respektiert von den französischen Regierungen. Die « europäische » Politik nimmt ihren Lauf, währenddessen die Macht, das leadership Deutschlands -wirtschaftlich und kulturell-, begleitet von einem Diskurs für den Frieden und die deutsch-französische Freundschaft ans Licht kommt. Die Normalität der von Deutschland geführten Europäischen Union baut sich Stück für Stück auf, unter Ausschluss der Mehrheit der Bevölkerungen und der sozialen Gerechtigkeit, ganz zu schweigen von der Ökologie, wobei Griechenland von den betroffenen Ländern das am meisten in den Medien präsente Beispiel ist. Diese Wende geht einher mit einer Form der Erstickens der kritischen Stimmen, was in den 90'er und 00'er Jahren noch nicht der Fall war, was wir in diesem Seminar untersuchen werden. Obwohl die AfD und der Rassemblement national seit langem nicht mehr ganz gegen die Europäische Union sind und obwohl die Europäische Union den Rechtsextremismus und den « Hass » zu Wahlkampfzwecken instrumentalisiert, wie bei den letzten Präsidentschaftswahlen Frankreichs seit Jacques Chirac, hört man heutzutage, dass gegen die EU zu sein ein Synonym von Populismus wäre. Kann man immer noch im Jahr 2019 die Europäische Union in Frage stellen? Das deutsch-französische Seminar schlägt eine Recherche und den Versuch Antworten auf diese brennenden und aktuellen Fragen zu finden vor. Das Lesen und die Analyse von theoretischen und literarischen Texten, in fachlicher und interdisziplinärer Hinsicht, sowohl historisch und soziologisch, philosophisch und anthropologisch, ermöglichen uns die Diskussion zu vertiefen. Wir werden ebenfalls die Debatten der beiden Länder Deutschland und Frankreich durch das Spektrum der politischen Kommunikation (Presse, Social Media) diskutieren. Wir werden mittels dieser interdisziplinären Annäherung die Möglichkeit einer Kritik Europas als Mythos studieren, zuerst einmal durch die Differenzierung zwischen Europa und der Europäischen Union. Wir werden die politische Kritik (im etymologischen Sinne der Organisation der polis) der Konstruktion der Europäischen Union analysieren und sein ideologisches Pendant: die deutsch-französische Freundschaft. Die Bewegung der „Gelbwesten“ interessiert uns ebenfalls als Objekt der Leidenschaft und Offenlegung des Unterschiedes der Wahrnehmung der sozialen Realität bei den Franzosen und den Deutschen, um so die Differenzen der kulturellen Mentalitäten zu berücksichtigen. Warum gibt es eine Bewegung der „Souveränisten“ in Frankreich und nicht in Deutschland oder anders formuliert warum ein Souveränist in Deutschland als «Nationalist» bezeichnet wird? Ist der Brexit ein Versuch die Unabhängigkeit gegenüber Deutschland wieder zu gewinnen? Ist es möglich, das Konzept Europa und der Europäischen Union frei und auf demokratische Weise zu kritisieren oder ist die Kritik schon vorbelastet? Und inwiefern?