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Veranstaltungen von Dr. phil. Felix Lösing


Lehrveranstaltungen

'Afrika im Spiegel' - Das Afrika-Bild im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL (Seminar)

Dozent/in: Felix Lösing

Termin:
14-täglich | Freitag | 12:15 - 15:45 | 25.10.2021 - 04.02.2022 | C 12.101 a

Inhalt: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen", so formulierte es einst der Soziologe Niklas Luhmann, "wissen wir durch die Massenmedien". Das durch deutschen Journalismus vermittelte 'Wissen' über die Geschichte, Gesellschaft und Natur Afrikas ist seit Jahrzehnten geprägt durch einen fragwürdigen Dualismus. Die kulturelle, politische und ökonomische Vielfalt des Kontinents wird zum einen auf die '3 Ks' – Kriege, Krankheiten, Katastrophen – reduziert und zum anderen durch einen romantisierenden Exotismus verzerrt. Afrika ist für deutsche Medien auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts häufig noch immer 'Hölle' und 'Paradies' zugleich – eine Darstellung mit langer, kolonialer Tradition. Besonders die Berichterstattung des SPIEGELs war und ist dabei Gegenstand oft deutlicher Kritik. So wurde Deutschlands auflagenstärkstem Nachrichtenmagazin immer wieder vorgeworfen, Stereotype, Sprachmuster und Erzählweisen zu verbreiten, die in ungebrochener Kontinuität kolonialer Afrikabilder stehen. Dies ist keinesfalls nur aus medienkritischer Perspektive problematisch: Das in einem anerkannten Leitmedium (re-)produzierte rassistische Wissen legitimiert sowohl die Aufrechterhaltung von ökonomischen Ungleichheitsverhältnissen zwischen Europa und Afrika als auch die Diskriminierung und Herabwürdigung von Menschen mit einer tatsächlichen oder zugeschriebenen afrikanischen Herkunft in Deutschland. Aber sind die heftige Vorwürfe gegen den SPIEGEL gerechtfertigt? Anhand des umfangreichen SPIEGEL-Archivs wirft dieses Seminar einen kritischen Blick auf dessen Afrika-Berichterstattung. Gemeinsam werden dazu ausgewählte Artikel aus sieben Jahrzehnten gelesen, diskutiert und analysiert. Dabei sollen sowohl problematische Kontinuitäten als auch positive Entwicklungen gewürdigt werden. Von Sitzung zu Sitzung werden der analytische Blick geschärft und die Perspektiven erweitert. U.a. wird mit der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie die Einseitigkeit vorherrschender Medialisierungen Afrikas problematisiert und der Nachrichtenwert der (afrikanischen) Nachrichtenfaktoren medientheoretisch erschlossen. Es wird die Kontinuität eines kolonialen Rassismus für den deutschen Afrika-Diskurs der Gegenwart untersucht und mit dem Mitbegründer der cultural studies Stuart Hall die Relevanz von Stereotypen für die mediale Repräsentation von Differenz diskutiert. Am Beispiel der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse werden methodische Ansätze zur kritischen Medienanalyse vorgestellt und schließlich der Frage nachgegangen, wie eine respektvolle Berichterstattung über Afrika aussehen kann.

Einführung in die sozialwissenschaftliche Diskursanalyse (Seminar)

Dozent/in: Felix Lösing

Termin:
14-täglich | Dienstag | 16:15 - 19:45 | 18.10.2021 - 04.02.2022 | C 40.256

Inhalt: Was ist in unserer Gesellschaft über Themen wie Kriminalität oder Zuwanderung sagbar? Was ist nicht sagbar? Was gilt als gesellschaftlich akzeptierte Wahrheit z.B. über Geschlecht oder Sexualität? Und was galt in den selben Themen vor zehn, zwanzig, hundert Jahren als wahr? Und wie fließen überhaupt soziale Wissensvorräte durch die Zeit? Die gesellschaftliche Konstruktion von Bedeutung und Wirklichkeit – oder auch die 'Politik der Wahrheit' (Foucault) – ist Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse. Im engen multidisziplinären Dialog mit der Soziologie, Philosophie, Linguistik und den Geschichts- und Literaturwissenschaften untersucht sie die soziale Praxis des Sprechens und Schreibens, die kollektive (Re-)Produktion von Wissensordnungen und die darin involvierten Institutionen und Akteure. Ihr Untersuchungsgegenstand können Texte und audiovisuelle Dokumente, aber auch materielle Objekte und sozialen Praktiken sein – darunter immer häufiger auch digitalisierte und genuin digitale Daten. Dieses Seminar bringt den Studierende diese florierende und vielseitige sozialwissenschaftliche Methode näher. Dabei werden theoretische Grundlagen diskutiert, verschiedene Ansätze der Diskursforschung vorgestellt und die Strategien und Herausforderungen der diskursanalytischen Forschungspraxis vermittelt. Gemeinsam wird dabei immer auch der empirische Nutzen der vorgestellten Methoden erprobt und der Frage nachgegangen: was taugt sozialwissenschaftliche Diskursanalyse zur Untersuchung der drängenden gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit?