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Veranstaltungen von Elisa Linn Roguszczak


Lehrveranstaltungen

Potenziale der dekolonialen Repräsentation im Ausstellungsmachen (Seminar)

Dozent/in: Ann-Kathrin Eickhoff, Elisa Linn Roguszczak, Maria Zamel

Termin:
wöchentlich | Freitag | 14:00 - 19:30 | 12.04.2024 - 26.04.2024 | C 12.013 Seminarraum
wöchentlich | Freitag | 14:00 - 19:30 | 10.05.2024 - 17.05.2024 | C 12.013 Seminarraum
Einzeltermin | Fr, 07.06.2024, 14:00 - Fr, 07.06.2024, 19:30 | C 12.013 Seminarraum

Inhalt: Das Seminar beschäftigt sich in Vorbereitung auf ein im Herbst stattfindendes Symposium im Museum Lüneburg und in der Halle für Kunst e.V. mit Fragen nach Strategien der Dekolonisierung von Museen und Kulturinstitutionen. Ziel hierbei ist es, die Kontinuitäten der kolonialen Geschichte Deutschlands sowie heutige globale koloniale Ereignisse in europäische und lokale Kontexte einzuordnen und unter Rückbezug zentraler Annahmen der Critical Race Studies das Potenzial widerständiger Praktiken und Allianzen bei der Erprobung neuer Wissens- und Lernpraxen in Ausstellungskontexten zu untersuchen. Der von Fatima El-Tayeb in “Undeutsch. Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft” skizzierte Prozess der Objektivierung und Rassifizierung marginalisierter Gruppen durch westliche Wissensformationen wird in Beziehung zu der in der Halle für Kunst präsentierten Ausstellung der britisch-jamaikanische Künstlerin und Schriftstellerin Rhea Dillons gesetzt, die sich heutigen Diasporaerfahrungen und der Frage widmet, was es bedeutet, sich dem „Europatriarchat” zu entziehen und vorgeformte und repressive Gemeinschaftsformen zu verlassen. Anhand der Lektüre von Auszügen aus Saidiya Hartmans Buch Wayward Lives, Beautiful Experiments (2019) im Seminar soll Dillons Ausstellung gemeinsam erschlossen, kontextualisiert sowie erforscht werden, wie “ein Selbst” im Archiv gegründet und von diesem „Ort" aus poetisch weiter imaginiert werden könnte: Archivarische Transposition trifft hier auf die Fiktionalisierung von Aussagen sowie die Akzeptanz von Undurchsichtigkeiten. Gemeinsam setzen wir uns dabei mit Dillons selbst geprägten Begriff des „humanen Afrofuturismus" auseinander, mit dem sie eine humane und auf Gleichberechtigung ausgerichtete Sichtweise auf die Visualisierung schwarzer Körper propagiert. Im Zuge des Auslotens der Frage, wie Orte künstlerischer Produktion Dekolonialisierung nicht als Weiterführung linear-hegemonialer Denklogiken zu fassen vermögen, ohne gleichsam die stetige Involvierung und Reproduktion kolonialer Strukturen zu negieren, werden im Seminar Formen des Handelns, Repräsentierens, Schauens und Zuhörens untersucht und erarbeitet, die marginalisierte Identitäten und alternative Epistemologien und Zeigekulturen in den Fokus rücken. In dem Theorie- und praxisbezogenen Seminar soll anhand von Textlektüre und der gemeinsamen Rezeption und Reflektion der Ausstellungsinhalte im institutionellen Kontext der Halle für Kunst Lüneburg mit den Studierenden untersucht werden, welche Möglichkeiten Ausstellungen als Räume bieten könnten, um eine Vielfalt an widerständigen Handlungen zu ermöglichen, durch die dominante Narrative und bestehende Unterdrückungsstrukturen einer kapitalistisch-kolonialen Gegenwart in Frage gestellt werden. Wie werden Wissen und Erfahrungen um komplexe koloniale Verflechtungen in Ausstellungen produziert, inszeniert und kritisch reflektiert? Und wie gelingt es, über koloniale Gewalt zu reflektieren, ohne diese sogleich zu reproduzieren?