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Lehrveranstaltungen

Mythos Napoleon (Seminar)

Dozent/in: Patrick Stoffel

Termin:
Einzeltermin | Mi, 16.10.2019, 10:15 - Mi, 16.10.2019, 11:45 | C 40.606
Einzeltermin | Mi, 23.10.2019, 10:15 - Mi, 23.10.2019, 11:45 | fällt aus !
Einzeltermin | Mi, 30.10.2019, 10:15 - Mi, 30.10.2019, 11:45 | C 40.530 Multifunktionsraum
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 06.11.2019 - 31.01.2020 | C 6.316

Inhalt: Napoleon – so lehrte es der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen in den 1820er Jahren in Berlin gehaltenen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte – sei ein Beispiel für jene "welthistorischen Individuen", "geschichtlichen Menschen" oder "Heroen", durch die in Zeiten des Umbruchs der "Weltgeist" walte. Hegel diagnostizierte damit die Neugestaltung der Verhältnisse, die mit der Französischen Revolution einsetzte und mit den Napoleonischen Kriegen überall in Europa die Grundlagen einer neuen, modernen Ordnung legte, wie viele seiner Zeitgenossen auch als Anbruch einer neuen Epoche. Das gilt in besonderem Maße auch für Deutschland. Noch Thomas Nipperdey ließ seine "Deutsche Geschichte" (1983–1992) mit dem Satz beginnen: "Am Anfang war Napoleon". Mit Napoleon fand die Moderne einen Helden, der ebenso widersprüchlich sein soll wie sie selbst und damit als Identifikationsfigur für eine ganze Epoche dienen konnte. Dieser Mythisierung seiner Person hatte Napoleon selbst Vorschub geleistet: Er führte die radikale Indienstnahme der Künste, wie sie die Französische Revolution hervorbrachte, weiter und betrieb eine alle Künste und Lebensbereiche umfassende Kunst- und Propagandapolitik. So wurde er bereits zeit seines Lebens zu einem "Halbgott der Moderne", in dem das Individuelle der Persönlichkeit mit den charakteristischen Zügen der Epoche zusammenfällt. Als Archetyp des modernen Helden avancierte Napoleon dann einerseits zu einer der wichtigsten Figuren erst der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts, danach des Kinos im 20. Jahrhundert, andererseits beförderte er allerorten den modernen Nationalismus und beeinflusste die europäische Politik bis in die Zeit der Weltkriege hinein. Das Seminar thematisiert die Genese und Funktion des mythischen "Helden der Moderne" im intermedialen Vergleich. Beginnend mit den propagandistischen Anfängen der Heroisierung Napoleons in den Gemälden Jacques-Louis Davids und Antoine-Jean Gros’, fährt das Seminar mit der ambivalenten Gestalt Napoleons in der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts weiter, wirft einen Blick auf die Vereinnahmung Napoleons durch bzw. wider den Faschismus und endet mit Abel Gances "Napoléon" (1927) in dem Medium, das die großen Mythen des 20. Jahrhunderts hervorbrachte: das Kino.