Vorlesungsverzeichnis

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Lehrveranstaltungen

Der Alltag der Ausnahme: Die sozialen Folgen der COVID-19-Pandemie (Seminar)

Dozent/in: Lars Alberth

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 08.04.2020 - 08.07.2020 | C 14.102b

Inhalt: ACHTUNG: Diese Veranstaltung ersetzt die bisher geplante Lehrforschung "Repräsentationen der Gewalt gegen Kinder"!! Diese findet nicht statt. Während ich diese Änderungen vornehme ist das öffentliche Leben aufgrund der COVID-19-Epidemie weitestgehend zum Erliegen gekommen. Deutschland hat im Gegensatz zu anderen Ländern zwar (noch) keine Ausgangssperren verhängt, aber die Infrastrukturen der Zivilgesellschaft wurden weitestgehend stillgelegt und die Bevölkerung ist angehalten, physische Sozialkontakte möglichst zu vermeiden. Die alltägliche Lebensführung kann sich damit nicht mehr auf als für selbstverständlich genommene Routinen und Ressourcen (Schulen und Institutionen der Kinderbetreuung, Freizeit- und Konsumgelegenheiten, öffentlicher Personenverkehr, Vereinswesen usw.) verlassen. Als Gesellschaft ist uns ein solcher Ausnahmezustand nahezu unbekannt - und diese Fremdheit bietet auch eine Gelegenheit, die eigene Situation ethnographisch zu beforschen: Wie verändern sich die alltäglichen Muster der Lebensführung, die Sozialbeziehungen in Familien und Freundeskreisen oder auch die Zonen der Privatheit und Öffentlichkeit? Für die Sozialforschung heißt das, dass die üblichen Strategien des Samplings und der Datenerhebung nicht mehr in gewohnter Weise verfolgt werden können. Die Lehrforschung wird daher zunächst explorativ am eigenen Alltag ansetzen und mittels Tagebuchmethoden, informellen Gesprächen und Feldnotizen die Fremdheit der Ausnahmesituation sowie die Anpassungsstrategien der Betrofffenen erfassen, mit denen sie versuchen, Normalität aufrecht zu erhalten. Die erste Forschungsphase wird - virtuell gestützt und supervidiert - also der Erarbeitung und Durchführung eines angemessenen ethnographischen Erhebungsverfahrens zur Untersuchung des Alltags gewidmet sein. Im Verlauf der Lehrforschung soll dann der Blick systematisch von solchen "Hinterbühnen" gesellschaftlicher Krisen auf die öffentlichen, d.h. politischen, professionellen, zivilgesellschaftlichen und medialen Folgen ausgeweitet werden, die dann abhängig von der Gesamtlage in weiteren Einzelprojekten (z.B. Diskursanalysen oder Interviews) verfolgt werden sollen.

Frühpädagogische Praktiken der Ernährungsprävention in kindheits- und gendertheoretischer Perspektive (Seminar)

Dozent/in: Friederike Schmidt

Termin:
wöchentlich | Montag | 14:15 - 15:45 | 06.04.2020 - 08.07.2020 | C 12.112

Inhalt: AKTUELLE INFORMATIONEN ZUR SEMINARGESTALTUNG: Angesichts der Regelungen zur Corona-Pandemie wird das Seminar den Vorgaben der Leuphana Universität Lüneburg folgend mindestens temporär auf Präsenzveranstaltungen verzichten. In der Folge wird das Seminar zum einen über moderierte Selbststudiumseinheiten organisiert. Zum anderen wird es in digitaler Form durchgeführt, und das Seminar wird dann auch teilweise zu den anberaumten Seminarzeiten stattfinden. Genutzt werden die digitalen Angebote von myStudy, Moodle, Etherpad und ZOOM. Ein Moodle-Kurs zur Lehrveranstaltung ist bereits eingerichtet; den Einschreibeschlüssel zum Moodel-Kursangebot erhalten Sie in der ersten Sitzung. Bitte halten Sie sich den regulär geplanten ersten Sitzungstermin frei, da geplant ist, die erste Sitzung als Videokonferenz durchzuführen. Es lässt sich feststellen, dass frühpädagogische Einrichtungen politisch und öffentlich zunehmend als zentrale Instanzen der Ernährungserziehung und -bildung von Kindern adressiert werden. So sind auch verschiedene ernährungsbezogene Projekte für die frühpädagogische Praxis in den letzten Jahren entwickelt worden, deren Realisierung in der Praxis jedoch bislang nicht näher untersucht worden ist. Deren Erforschung ist aus lebensphasentheoretischer Perspektive aus zweierlei Gründen von Belang: Einerseits stellen frühpädagogische Institutionen zentrale Orte des Aufwachsens von Kindern dar und bedingen mit ihren Angeboten gegenwärtige Kindheiten; andererseits wird auf Ernährung in aktuellen Debatten zum gelungenen Aufwachsen von Kindern vermehrt fokussiert. Vor diesem Hintergrund soll im Forschungsprojekt untersucht werden, wie frühpädagogische Einrichtungen Angebote der Ernährungserziehung und -bildung organisieren und gestalten, wie in diesen Zusammenhängen auf Kinder eingegangen wird, was als ‚kindliche' Ernährung erfasst wird und welche Probleme der ‚kindlichen' Ernährung wie erkannt sowie bearbeitet werden. Ziel des Lehrforschungsprojekts ist es, die Praktiken der frühpädagogischen Ernährungserziehung und -bildung nachzuvollziehen und dabei zu rekonstruieren, wie das Essen von Kindern in der frühpädagogischen Praxis zu einem Gegenstand der Ernährungserziehung und -bildung wird und wie 'Kinder' und 'Kindheit' hierbei hervorgebracht werden. Falls die Teilnehmer*innenzahl des Lehrforschungsprojekts es zulässt und/oder Interesse besteht, werden im Projekt auch gendertheoretische Perspektiven aufgegriffen. So zeigen kultur- und sozialwissenschaftliche Studien zum Essen, dass Ernährung kulturhistorisch eng mit Geschlechtskonstruktionen verknüpft wird. Eigene Programmanalysen ernährungsbezogener Präventionsmaßnahmen wie auch Untersuchungen zu Sichtweisen von Pädagog*innen machen außerdem deutlich, dass vor allem Mütter als Verantwortliche der Ernährung von Kindern erfasst werden. Insofern soll im Lehrforschungsprojekt auch untersucht werden, ob, und wenn ja, wie geschlechtsspezifische Konstruktionen die frühpädagogische Ernährungserziehung und -bildung bedingen und wie dabei Generationen- und Geschlechterordnungen miteinander verwoben werden (z.B. in Bezug auf die Erziehungs- und Sorgepraktiken der Eltern, hinsichtlich des Verhaltens der Kinder oder des pädagogischen Umgangs mit diesen). Für das ethnographische Forschungsprojekt sind mehrere Aufenthalte in frühpädagogischen Einrichtungen geplant, in denen ernährungsbezogene Angebote der frühpädagogischen Praxis teilnehmend beobachtet und mit den Akteur*innen vor Ort Gespräche geführt werden. Im Seminar wird in die analytischen Konzepte des Forschungsprojekts eingeführt, und die ethnographischen Beobachtungen sowie Interviews werden gemeinsam vor- und nachbereitet.

Gewalt im Generationen- und Geschlechterverhältnis (Seminar)

Dozent/in: Julia Ganterer, Angelika Henschel

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 08.04.2020 - 08.07.2020 | C 1.312

Inhalt: Die Gewaltforschung hat eine lange Tradition, die in unterschiedlichen Disziplinen (z.B. Soziologie, Psychologie oder Kriminologie) zu finden ist und das Gewaltphänomen auf ihre jeweils eigene Weise definiert. Das Forschungsinteresse für die Gewalt im Generationen- und Geschlechterverhältnis weist eine deutlich kürzere Historie auf. Die als privat geltende Gewalt in Paarbeziehungen sowie zwischen der generativen Abfolge von Älteren und Jüngeren gewann erst in den letzten Jahrzehnten an wissenschaftlicher Relevanz und erlangte öffentliche Aufmerksamkeit. Im Rahmen des Lehrforschungsprojekts werden Grundlagen, Ursachen, Erscheinungsformen, Daten und Fakten sowie Auswirkungen und Folgen von Gewalt und Missbrauch innerhalb mehrdimensionaler Geschlechter- und Generationenverhältnisse thematisiert sowie diskutiert und reflektiert. Es werden unterschiedliche qualitative Erhebungs- und Auswertungsmethoden vorgestellt, um den Studierenden die Pluralität an möglichen Zugängen der Gewaltforschung zu zeigen. Im Forschungsprojekt „Leiblichkeit und Gewalt“ ist der Fokus auf die häuslichen Gewalterfahrungen von Frauen* gerichtet, das mittels eines feministisch-phänomenologischen Ansatzes drei zentrale Erkenntnissinteressen verfolgt: 1.Verflechtung geschlechtlicher Dimensionen von Gewaltverhältnissen 2. Verstehen von Gewalterfahrungen in Ehe- und Partnerschaftsbeziehungen 3. Zusammenhang zwischen leiblichen Intersubjektivierungsprozessen und häuslichen Gewalterfahrungen bei Frauen*. Die Studierenden werden Teil des Projekts, indem sie eigene Forschungsschwerpunkte auswählen, durchführen und mitgestalten. Vom gemeinsamen Forschungsprojekt ausgehend, wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben, Expert*inneninterviews und teilnehmende Beobachtungen durchzuführen sowie sich im Schreiben von Vignetten und Anekdoten zu erproben. Die Datenerhebung wird in mehreren Phasen in unterschiedlichen Frauenhäusern und Gewaltschutzzentren in Niedersachsen, Kärnten und Südtirol stattfinden, sofern die aktuelle Situation dies aufgrund der Corona Krise zulässt. Aus aktuellem Anlass wird dieses Seminar im Sommersemester nicht nur Online angeboten, sondern es soll ermöglicht werden, vermutete Gewaltrisiken, die im Zusammenhang mit der Corona Krise entstehen können (z. B. soziale Isolierung im häuslichen Bereich, etc.), mit verschiedenen Methoden (Dokumentenanalyse, ethnografische Methoden, etc.) in den forschenden Fokus zu nehmen.