Course Schedule

Veranstaltungen von Christoph Görlich


Lehrveranstaltungen

Einführung in den Strukturalismus und Poststrukturalismus (Seminar)

Dozent/in: Christoph Görlich

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 10:15 - 11:45 | 03.04.2023 - 07.07.2023 | C 12.111

Inhalt: »Der Strukturalismus ist keine Methode, er ist das erwachte und unruhige Bewußtsein des modernen Wissens«. Das schrieb der französische Philosoph Michel Foucault 1966, auf dem Höhepunkt einer wissenschaftlichen Bewegung, die Anfang der 50er Jahre angetreten war, erst die Anthropologie und dann die gesamten Geistes- und Sozialwissenschaften von Grund zu revolutionieren. Ihre Kernaussage: Bedeutung leitet sich nicht von den Dingen sondern von den Zeichen her und die Zeichen sind Elemente eines sinn- und bedeutungslosen Zeichensystems. Ihre Methode: die der neuesten Linguistik, die sich die Ebene der Zeichen und ihrer Differenzen, nicht ihrer Sinnbezüge anzuschauen hat. Der Strukturalismus wird aber auch zur Mode, er verselbstständigt sich und nimmt verschiedene Formen und immer wieder neue Titel an: aus den reinen Zeichensystemen werden »Diskurse«, aus den Diskursen werden »Dispositive«, aus den Dispositiven werden »Simulakren«. Vor allem aber nimmt sich der Strukturalismus immer neuer Disziplinen an: zunächst der Sprachwissenschaft und Anthropologie bzw. Ethnologie (die er immerhin ein ganzes Stück weit von ihrem rassistischen Erbe löst); alsbald der Psychoanalyse (Jacques Lacan), der Geschichtswissenschaft (Michel Foucault), der politischen Ökonomie (Louis Althusser), selbst der Filmwissenschaft (Christian Metz; Umberto Eco) und schließlich auch der Philosophie (Jacques Derrida). Der Strukturalismus verändert sich dabei stark, er bekommt Risse, auch unter dem Druck der trotz alledem ins Bild drängenden Geschichte (Mai 1968). Dennoch bleibt der Strukturalismus bis heute über die Grenzen des akademischen Diskurses hinaus wirkmächtig, informiert Theorien und Weltbilder noch immer, oft auch ohne, dass man noch Notiz davon nimmt. Auch für die Medientheorie ist der Strukturalismus von prägender Bedeutung gewesen – was die deutschsprachige Medientheorie anbelangt, so lässt sich sagen: es gäbe sie nicht ohne den Strukturalismus. Für einen kulturwissenschaftlich interessierten Blick auf den Strukturalismus aber ist noch viel wichtiger die Frage, inwiefern im Strukturalismus überhaupt so etwas wie ‚das Medium‘ oder ‚die Kommunikation‘ auftaucht: Schon bevor man das Wort »Medien« überhaupt so prominent im Munde führt, spielt im Strukturalismus die Idee eine Rolle, dass nicht der Mensch die Medien sondern diese den Menschen ‚anwenden‘, eine Rolle. Doch wie kommt das – wieso fängt man plötzlich an, an die Stelle von Sinn und Bedeutung die bedeutungsleeren Strukturen einer Zeichenökonomie, an die Stelle von Rede und Ausdruck die Diskurse und Aussagemengen, an die Stelle des Menschen Wissenssysteme und an die Stelle des Subjekts anonyme »Macht-Wissen-Strukturen« zu setzen? Woher kommt das und was sagt das über den Entstehungskontext des Strukturalismus aus? Und sagt das auch noch etwas über unsere Gegenwart aus, über die Weise, in der wir heute noch über Gesellschaft und Kultur nachdenken und in ihnen handeln? Diese Fragen mögen im Seminar vielleicht nicht in Gänze beantwortet werden ;-) – - aber wir können beginnen, Sie uns zu stellen, indem wir uns einmal einführend mit dem Strukturalismus, mit seiner Herkunft und seiner Entwicklung, mit seinen Vertreter*innen und seinen Gegner*innen beschäftigen. Das Seminar möchte also eine kulturwissenschaftliche und gesellschaftstheoretisch interessierte Einführung in den Strukturalismus bieten. Und da wir uns auf diesem Wege fragen müssen, ob der Strukturalismus schon immer über Medien nachdenkt, werden wir uns auch Gedanken darüber machen müssen, was das überhaupt sein kann oder soll – ein Medium. Alle sind herzlich eingeladen – Vorkenntnisse werden keine erwartet!