BonusBot: Digitalisierung im Sozialbereich

20.06.2024 Eine App, die bürokratische Prozesse im deutschen Sozialsystem vereinfacht: Die Anwendung BonusBot, die Gründerin Dr. Diana Schönenberger und Softwareentwickler Heiko Laas gemeinsam entwickelten, bietet Menschen in Not schnellen und unkomplizierten Zugang zu sozialen Leistungen. Die Idee reifte im Holistic Impact Incubator (HOLII), dem Inkubator für Geschäftsideen mit gesellschaftlichem Mehrwert, den die Leuphana im Rahmen des Verbundprojektes Startup Port eingerichtet hat, und steht nun kurz vor der Markteinführung.

BonusBot: Digitalisierung im Sozialbereich ©Marc Riedel
Einen großen Entwicklungsschritt hat das Geschäftsmodell von BonusBot im HOLII, dem Holistic Impact Incubator des Startup Port, gemacht. // Gründerin Dr. Diana Schönenberger

Die Gründung von BonusBot wurde durch persönliche Schicksalsschläge und Schönenbergers Engagement in der Diakonie inspiriert. Die Arbeit dort machte ihr bewusst, dass im deutsche Sozialsektor Ungerechtigkeiten häufig dadurch entstehen, dass nicht alle Menschen in Not die bürokratischen Vorgaben zur Beantragung von Hilfeleistungen gleichermaßen verstehen und durchdringen. Verschlimmert wird die Situation durch den fortschreitenden Fachkräftemangel. In der Sozialarbeit fehlen Ressourcen für eine umfangreiche Begleitung bei Recherche nach Fördermöglichkeiten und die anschließende Antragstellung. So ist nicht gewährleistet, dass alle Menschen die ihnen zustehenden Leistungen auch wirklich erhalten.

Digitalisierung, die konkret hilft

Schönenberger erkannte die Möglichkeit, diese Herausforderungen in der Sozialarbeit mit IT-Lösungen anzugehen. „Im Grunde bauen wir jedes Sozialgesetz und jede Zuschussart in eigene Algorithmen um“, erklärt Schönenberger. „Das ist extrem aufwendig, denn KI oder OCR können dafür Stand heute noch nicht genutzt werden. Denn Gesetze und die Merkblätter und Handlungsanweisungen für Mitarbeiter widersprechen sich aufgrund ihres Aufbaus teilweise.“ Die Algorithmen hinter BonusBot vergleichen die gesetzlichen Vorgaben mit den spezifischen Haushalts- und Einkommenssituationen der Antragstellenden und ihrer Familien. Die benötigten Daten der Personen werden durch ein intelligentes Frontend erfasst. Bei der Gestaltung der Abfrage konnte Schönenberger auf die Kenntnisse aus ihrem Studium der Wirtschaftspsychologie an der Leuphana zurückgreifen. So beschleunigt und professionalisiert BonusBot die Fördermittelberatung, indem es zeigt, welchen Anspruch auf zum Beispiel Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag Klient*innen haben, und sofort bei der Beantragung hilft. „Die Anträge können im Anschluss einfach per Klick ausgefüllt werden. In ersten Tests konnte die Zuschussberatung von 48 min auf 8,5 min verkürzt werden.“, berichtet Schönenberger.

Die Innovation ist  aber nicht nur ein neuer Algorithmus, den es so vorher nicht gab, betont Schönenberg. Es geht vielmehr auch darum, ein Produkt in die Welt zu bringen, das einen großen Nutzen für unsere Gesellschaft hat. „Wir stellen die Menschen ins Zentrum und nicht die Anträge“, so Schönenberger. Ihr Startup-Team hat sie bei Ihrer Arbeit in der Diakonie kennengelernt. „Alle meine Mitarbeitenden haben eine Behinderung, einen Migrationshintergrund oder waren bereits in Rente. "Sie haben jeweils eine Geschichte, eigene Erfahrungen und wissen, worum es bei uns geht“, erklärt die Gründerin.

Holistic Impact Incubator

Bestätigung für dieses Vorgehen hat die Gründerin auf ihrem Weg auch an verschiedenen Stellen von Expert*innen erhalten. Einen großen Entwicklungsschritt hat das Geschäftsmodell von BonusBot im HOLII, dem Holistic Impact Incubator des Startup Port, gemacht. Bei der Bewerbung für das Programm war es Schönenberger besonders wichtig, ein starkes Netzwerk aufzubauen, um Zugang zu wertvollen Ratschlägen und Erfahrungen aus Bereichen zu erhalten, die ihr bis dahin fremd waren. Der daraus resultierende Austausch mit anderen und insbesondere den Mentor*innen war äußerst hilfreich. „Als wir uns dazu entschlossen hatten, zunächst eine Pro-Version auf den Markt zu bringen, dann schrittweise in den 4U-Bereich und später in andere Sektoren zu gehen, haben wir dafür viel Zuspruch von den Expert*innen erhalten. Das hat uns in unserem Plan bestärkt“, berichtet Schönenberger. Auch die Unterstützung und Vernetzung an der Leuphana durch Gründungsberater Carsten Wille und Prof. Paul Drews hat sehr geholfen, auch bei der erfolgreichen Beantragung des Gründungsstipendium des Landes Niedersachsen.

Später ist geplant, mit der Smartphone-App BonusBot 4U aktiv in die Breite zu gehen und dann auch Optische Zeichenerkennung (OCR) und Spracherkennung zum Einsatz zu bringen – möglichst in mehreren Sprachen. Durch die App soll es jedem Menschen ermöglicht werden, eigene Leistungsansprüche einfach auf dem Smartphone zu prüfen und Anträge bei verschiedensten Stellen direkt zu stellen.

Schönenberger resümiert: „Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und der wachsenden Zahl an Menschen, die Unterstützung benötigen, steht unserem Startup eine bedeutende Aufgabe bevor.“

Dr. Diana Schönenberger ist Keynote-Speakerin bei der Konferenz „Vom Öko zum Ökopreneur – Zwischen Aktivismus und Unternehmer*Innentum: Praktische Ansätze nachhaltiger Transformation“ (27.-28.06.2024) an der Leuphana Universität Lüneburg.