Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe: Neues Zertifikatsstudium bereitet Fachkräfte auf Gesetzesreform vor

12.01.2026 Ab 2028 wird sich die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland grundlegend verändern: Künftig sollen Jugendämter für alle Kinder und Jugendlichen zuständig sein – unabhängig davon, ob sie eine seelische, geistige oder körperliche Behinderung haben. Das berufsbegleitende Zertifikatsstudium mit dem Schwerpunkt inklusive Kinder- und Jugendhilfe an der Professional School bereitet gezielt vor. Studieninteressierte können sich bis 31. Januar 2026 bewerben. Fragen werden bei einer Online-Infoveranstaltung am 13. Januar 2026 beantwortet.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
„Inklusion bleibt keine abstrakte Vision mehr, sondern ein rechtlicher Auftrag. Wir helfen mit dem Studienprogramm, sich frühzeitig mit der Reform auseinanderzusetzen. Akteure können dann aktiv gestalten, statt später nur reagieren zu müssen“, ordnet Florian Acker ein.

Was tun, wenn ein Kind Unterstützung braucht, aber niemand richtig zuständig ist? Genau das erleben viele Familien mit Kindern mit Behinderungen bis heute. „Eltern müssen sich bislang oft gleichzeitig mit Jugendamt, Sozialamt, Krankenkasse und Pflegekasse auseinandersetzen – je nachdem, welche Behörde für welche Hilfe zuständig ist“, erklärt Florian Acker, selbst Sozialarbeiter und Dozent im neuen Studienprogramm. Er fährt fort: „Gerade im Kindesalter ist es aber fachlich oft gar nicht eindeutig, ob eine seelische oder eine geistige Beeinträchtigung vorliegt. Dennoch hängt genau davon bis jetzt die Zuständigkeit ab.“ Für Eltern bedeutet das Unsicherheiten, weil sie oft ihre Rechtsansprüche nicht genau kennen. 

Rechtlicher Hintergrund ist das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz, das bereits 2021 in Kraft trat und schrittweise umgesetzt wird. Ab 2028 wird die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland dann grundlegend umgebaut. Künftig soll das Jugendamt für alle Kinder und Jugendlichen zuständig sein, gleich ob die jungen Menschen eine seelische, geistige oder körperliche Behinderung haben

Damit dieser Systemwechsel gelingt, braucht es jedoch umfassendes Wissen, neue Haltungen und gut vorbereitete Organisationen. Genau hier setzt das Zertifikatsstudium „Inklusive Kinder- und Jugendhilfe“ an. Es richtet sich an Sozialarbeiter*innen in der Kinder- und Jugendhilfe – sowohl im öffentlichen Dienst als auch bei freien Trägern – sowie an Leitungs- und Führungskräfte. Vermittelt werden drei zentrale Schwerpunkte: ein fundiertes Verständnis von Inklusion und den Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, rechtliche Grundlagen der Reform sowie konkrete Strategien zur Organisations- und Personalentwicklung.

Besonderen Wert legt das Studium auf den Praxisbezug. „Alle Lehrenden sind selbst in der Kinder- und Jugendhilfe oder in der Eingliederungshilfe tätig und bringen langjährige Erfahrung aus Reformprozessen mit“, erklärt Florian Acker. Neben rechtlichem Wissen geht es daher auch um praktische Fragen: Wie müssen sich Abläufe in Jugendämtern verändern? Welche Kompetenzen brauchen Mitarbeitende künftig? Wie lässt sich eine gemeinsame Fachsprache zwischen bislang getrennten Systemen entwickeln?

„Inklusion bleibt keine abstrakte Vision mehr, sondern ein rechtlicher Auftrag. Wir helfen mit dem Studienprogramm, sich frühzeitig mit der Reform auseinanderzusetzen. Akteure können dann aktiv gestalten, statt später nur reagieren zu müssen“, ordnet Florian Acker ein, der das Programm auch inhaltlich mitgestaltet hat.

Das Zertifikatsstudium startet im April und ist berufsbegleitend konzipiert. Die Lehrveranstaltungen finden kompakt und in Präsenz in Lüneburg statt. „Ziel ist es, Fachkräfte nicht nur fachlich zu qualifizieren, sondern ihnen auch Sicherheit im Umgang mit den kommenden Veränderungen zu geben – zum Nutzen der Praxis und vor allem der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien“, erklärt Florian Acker.