Forschungsprojekt stärkt Lehrerkräfte-Bildung in Afrika

26.05.2026 Viele junge Menschen, zu wenige Lehrkräfte: Innerhalb einer länderübergreifenden Zusammenarbeit soll deshalb die Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Subsahara-Region gefördert werden.

„Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2050 die Hälfte der Weltjugend in Afrika leben wird, wodurch Bildung zu einem entscheidenden Motor für nachhaltige Entwicklung wird“, sagt Prof. Dr. Daniel Fischer, Professor für Bildung für nachhaltige Entwicklung und Sachunterricht. Die Region Subsahara-Afrika sieht sich jedoch mit einem Lehrkräftemangel konfrontiert – sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch hinsichtlich der Ausbildungsqualität. Es besteht ein Bedarf bei Lehrkräften Kompetenzen zu stärken angesichts der komplexen und tiefgreifenden Herausforderungen, vor denen Afrika und die Welt mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung stehen.

„Sub-Saharan Africa Teacher Leadership for Education for Sustainable Development“ ist eine transformative Initiative zur Stärkung der Führungsrolle von Lehrkräften im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Region Subsahara-Afrika (SSA). Aufbauend auf über 30 Jahren an Forschung und Praxis zur BNE und Lehrkräftebildung bei den beteiligten Partnern vermittelt diese länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen 15 Institutionen aus SSA und Europa Lehrkräften in Führungspositionen Kompetenzen, um das Wissen, die Fähigkeiten und die Werte der nächsten Generation in Bezug auf nachhaltige Entwicklung, grüne Wirtschaft und kulturell vielfältige und inklusive Gesellschaften zu verbessern.

Das Projekt will bei Lehrkräften die Führungskompetenzen stärken - insbesondere im Bereich der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, so dass sie Lehrplaninnovationen und transformative Pädagogik in ihren Institutionen vorantreiben können. Durch BNE-Veränderungsprojekte - ein Modell, das in SSA etabliert wurde – sollen Lernende und Lehrkräfte befähigt werden, in ihren Institutionen und Bildungsprogrammen als Akteure des Wandels zu agieren. Zudem stellt das Projekt Unterstützung bereit für die Einrichtung digitaler Lernzentren, um digitales Lernen und innovative Lehr- und Bewertungsmethoden zu unterstützen. Weiterhin wird ein internationales Netzwerk zum Austausch bewährter Verfahren und zur Förderung systemischer Veränderungen gefördert.

Mit dem Fokus auf BNE-Veränderungsprojekte wird ein handlungsorientiertes Lernmodell genutzt, das zuerst in mehreren Versionen des „Sustainability Starts with Teachers“-Programm erprobt wurde. Darin wurden Führungskräfte eingeladen, notwendige Veränderungen in ihren Institutionen und Umgebungen in Angriff zu nehmen, um Lehrplan-Innovationen und transformatives Lernen hervorzubringen. 

Die Initiative legt großen Wert auf Zusammenarbeit zwischen afrikanischen und europäischen Hochschuleinrichtungen, politischen Entscheidungsträger*innen und lokalen Gemeinschaften, um die Wirkung und langfristige Nachhaltigkeit zu maximieren. Das Vorhaben steht im Einklang mit globalen Rahmenwerken wie den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen, und dem Rahmenwerk für Kompetenzen und Standards für den Lehrerberuf der Afrikanischen Union (2023). Insbesondere strebt das Projekt an, Erkenntnisse zur Integration von BNE in diese Rahmenwerke einzuspeisen. Dieses Teilvorhaben wird geleitet von Dr. Zintle Songqwaru-Kamangu von der Rhodes Universität in Südafrika und dem UNESCO Lehrstuhlinhaber Professor Dr. Overson Shumba von der Copperbelt Universität in Sambia. Es baut auf einer umfassenden empirischen Bedarfsanalyse auf, die von Dr. Manoah Muchanga von der Universität Sambia geleitet wurde.

Das Vorhaben ist eine gemeinsame Initiative von 15 Partnerinstitutionen aus Subsahara-Afrika und Europa, darunter die Leuphana Universität Lüneburg mit Prof. Dr. Daniel Fischer als Hauptforscher und Leiter des Projektkonsortiums sowie Deepika Joon und Dr. Claire Grauer als Projektkoordinatorinnen und Universitäten in Südafrika, Sambia, Namibia, Malawi, Kenia, Zypern und Griechenland. Professorin Dr. Heila Lotz-Sisitka und Dr. Charles Chikunda von der Rhodes Universität in Südafrika leiten die regionale Koordination in SSA mit Unterstützung von Dr. Wilma van Staden, die für die Online-Kurse verantwortlich zeichnet. 

Mit dem kürzlich abgeschlossenen Training of Trainers-Programm, das von Dr. Sirkka Tshininganyamwe von der University of Namibia und Teresa Ruckelshauss von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg verantwortet wurde, konnte ein wichtiger Meilenstein im Projekt erreicht werden. „Wir haben nun eine Kohorte von vierzig trainierten Hochschuldozierenden in den Partnerinstitutionen, die selbst Kurse anbieten können zu BNE-Führungskompetenz und die ihre Kolleginnen und Kollegen anleiten können darin, BNE-Veränderungsprojekte umzusetzen”, erklärt Prof. Dr. Lotz-Sisitka. Als nächstes konzentriert sich das Projektteam auf die Skalierung der BNE-Veränderungsprojekte. Diesen Prozess leiten werden Dr. Caleb Mandikonza von der Universität Witwatersrand in Südafrika und Dr. Tiffany Banda von der University of Malawi. 

Ein Kennzeichen der Veränderungsprojekte ist der Ansatz „geteilter Führung“, der auch der Ansatz im Projekt selbst ist. „Wir haben in über 20 Jahren auf regionaler Ebene eine große Community von BNE-Führungskräften aufgebaut. Es ist wundervoll zu sehen, wie sich diese Kolleginnen und Kollegen gemeinsam in geteilter Verantwortung in diesem neuen Projekt mit Partnern aus Europa zusammenarbeiten“, sagt Dr. Chikunda. 

Das Projekt wird vom Erasmus+-Programm der Europäischen Kommission kofinanziert, das den Kapazitätsaufbau im Hochschulbereich und die internationale Zusammenarbeit fördert. Es wird zudem von regionalen Partnern und afrikanischen Universitäten durch Ko-Finanzierung und das Einbringen eigener Ressourcen unterstützt, die nicht im EU-Budget enthalten sind. 

Kontakt

  • Prof. Dr. Daniel Fischer