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Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Marit Kristine List – Nachhaltigkeit auf dem Stundenplan

29.06.2026 Wie lernen Lehrkräfte, Nachhaltigkeit gut zu unterrichten? Und wie lässt sich wissenschaftlich erfassen, welche Kompetenzen dafür notwendig sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Marit Kristine List. Die Juniorprofessorin für Methoden der empirischen Bildungsforschung verbindet Bildungswissenschaft, Psychologie und Nachhaltigkeitsforschung mit quantitativen wie qualitativen Methoden.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
„Unterricht über die Klimakrise oder das Artensterben kann Ängste auslösen – bei Schüler*innen wie Lehrkräften. Mich interessiert deshalb auch, wie Lehrkräfte professionell mit diesen Herausforderungen umgehen können, ohne sich selbst zu überfordern“, erklärt Prof Dr. Marit Kristine List.

Was haben die Schulfächer Biologie, Politik und Erdkunde gemeinsam? „Alle können sich in ihrem Kern auch mit Nachhaltigkeit beschäftigen“, betont Prof. Dr. Marit Kristine List. Im Zentrum ihrer Forschung steht Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), also die Frage, wie Schulen Themen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder soziale Gerechtigkeit vermitteln können – und was Lehrkräfte dafür mitbringen müssen.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Bildungsforschung, Kompetenzmessung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dabei untersucht sie sowohl das Wissen der Schüler*innen als auch die Kompetenz der Lehrer*innen. 

Gemeinsam mit Forschenden aus Deutschland und der Schweiz arbeitete sie an einem Modell, das Kompetenzen von Lehrkräften im Bereich nachhaltiger Bildung systematisch erfassen soll. Langfristig möchte Marit List daraus einen wissenschaftlichen Test entwickeln. Ziel ist es, systematisch zu beschreiben, welche Fähigkeiten, Wissensbestände und professionelle Haltungen Lehrkräfte für nachhaltigkeitsorientierten Unterricht benötigen. „Bisher wissen wir noch zu wenig darüber, welche Kompetenzen Lehrkräfte konkret brauchen“, ordnet sie ein.

Dabei geht es längst nicht nur um Umweltwissen. „Eine Lehrkraft muss beispielsweise nicht nur verstehen, was Biodiversitätsverlust bedeutet. Sie muss auch politische, gesellschaftliche und psychologische Zusammenhänge einordnen können.“ Unterricht über Artensterben könne schnell Fragen von Konsum, globaler Gerechtigkeit oder politischer Verantwortung berühren. Nachhaltigkeitsbildung verlange deshalb oft fachübergreifendes Denken.

Auch emotionale Belastungen spielen eine Rolle. „Unterricht über die Klimakrise oder das Artensterben kann Ängste auslösen – bei Schüler*innen wie Lehrkräften. Mich interessiert deshalb auch, wie Lehrkräfte professionell mit diesen Herausforderungen umgehen können, ohne sich selbst zu überfordern“, erklärt sie.

Methodisch setzt Marit List vor allem auf eine Vielzahl von Methoden aus der empirischen Bildungsforschung. Analysen mit Daten aus großen internationalen Bildungsstudien wie PISA gehören ebenso zu ihrem Arbeitsfeld wie qualitative Interviews oder psychologische Fragebogenstudien. „Es gibt nicht die eine richtige Methode. Quantitative und qualitative Forschung ergänzen sich. Entscheidend ist, welche Frage beantwortet werden soll“, erklärt sie.

Deswegen will sie ihren Studierenden eine breite Methodenkenntnis vermitteln – nicht allein der Forschung wegen: „Wir leben in einer Zeit voller Fehlinformationen. Gerade deshalb sollten Studierende verstehen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und kritisch eingeordnet werden“, erklärt Marit List.“

An der Leuphana reizt sie besonders die gelebte Interdisziplinarität: „Hier wird über Fachgrenzen hinweg gearbeitet. Genau das brauchen wir für Forschung zu Nachhaltigkeit und Bildung.“

(Box) Prof. Dr. Marit Kristine List studierte Psychologie, Philosophie und Kognitionswissenschaft an den Universitäten Hamburg, Osnabrück und der Lawrence University, USA. 2018 promovierte sie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu Leistungstests und Kompetenzmessung. Von 2013 bis 2018 war sie am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) tätig, anschließend wechselte sie an die Universität Kassel. Von 2020 bis 2024 arbeitete sie am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, bevor sie 2024 an die Universität Greifswald ging. Seit 2026 ist sie Juniorprofessorin für Methoden der empirischen Bildungsforschung an der Leuphana Universität Lüneburg. 

Kontakt

  • Prof. Dr. Marit Kristine List