Bachelor Lehren und Lernen: Gemüse anbauen, Wissen ernten
08.07.2026 Kohlrabi, Karotte und Kartoffelkäfer: Seit Frühjahr 2026 nutzen Lehramtsstudierende der Fächer Sachunterricht und Biologie den neu angelegten CampusAcker als Lernort. Hier erwerben sie praktische Kenntnisse, um später Schulgärten an Schulen und Kitas aufzubauen und gemeinsam mit Schüler*innen zu bewirtschaften. Studieninteressierte können sich noch bis zu 15. Juli 2026 für dieses und weitere Studienprogramme am Leuphana College bewerben.
©Dr. Marietta Hülsmann
Laima Franke schaut genau hin. Versteckt sich zwischen den Blättern noch ein Kartoffelkäfer? Als sie einen entdeckt, sammelt sie ihn vorsichtig mit der Hand ab. Auf dem neuen CampusAcker wird alles nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit bewirtschaftet. Auf Pestizide verzichten die Studierenden bewusst. Stattdessen setzen sie auf biologische Schädlingsbekämpfung – etwa mit selbst angesetztem Brennnesselsud.
Die angehende Grundschullehrerin gehört zu rund 40 Studierenden, die seit Beginn des Sommersemesters den neuen CampusAcker zwischen Zentralgebäude und dem ehemaligen Vamos bewirtschaften. Dort wachsen inzwischen Palmkohl, Kartoffeln, Mangold, Kohlrabi, Zucchini und Ringelbeete. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Gemüsegarten aussieht, ist in Wirklichkeit ein besonderer Lernort für die Lehrkräfte von morgen.
„Es ist fantastisch, dass wir im Seminar nicht nur theoretisch über Schulgärten sprechen, sondern selbst Gemüse anbauen können“, sagt Lea Lietz. Gemeinsam mit Studierenden der Biologie kümmern sich die angehenden Grundschullehrkräfte bei Sonne, Regen und Wind um die Pflanzen – vom Säen über das Jäten bis zur Ernte.
Die praktische Arbeit ist Teil der CampusAckerdemie, die seit März 2026 auf einer rund 50 Quadratmeter großen Fläche zwischen ehemaligem Vamos und Zentralgebäude eingerichtet wurde. In den Seminaren der Fächer Sachunterricht und Biologie lernen die Studierenden, wie nachhaltige Ernährung, Umweltbildung und Gemüseanbau später auch an Schulen und Kitas vermittelt werden können – ganz im Sinne der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE). Das theoretische Fundament wird im Seminar gelegt, anschließend geht es aufs Feld.
„Man wird selbst wieder zur Schülerin“, erklärt Marie Görsmann, die Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Sachunterricht studiert. Es sei ein anderes Lernen als im Hörsaal: „Wir ernten wortwörtlich die Früchte unserer Arbeit“, beschreibt Emily Schomburg. Die Lehramtsstudentin schätzt den Wechsel zwischen Theorie und Praxis: „Alle packen mit an und machen sich gemeinsam die Hände schmutzig“, ergänzt Ann Kathrin Palm.
Begleitet werden die Seminare von Ackercoach Katja Frielinghaus. Sie zeigt den Studierenden, welches Saatgut geeignet ist, wie groß die Pflanzabstände sein sollten und wie sich Schädlinge auf natürliche Weise bekämpfen lassen. „Kinder kennen oft nur noch sehr wenige Gemüsesorten“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, Lehrkräfte auszubilden, die Begeisterung für Natur und Lebensmittel weitergeben können.
Zum Konzept gehört auch, den gesamten Weg der Lebensmittel kennenzulernen. Nach der Ernte wird gemeinsam gekocht, verarbeitet und probiert. „Die Erträge sind so reich, dass wir oft sogar Gemüse mit nach Hause nehmen“, berichtet Emily Glaßer. In ihren Händen hält sie Ringelbeete, Palmkohl und Kohlrabi, die die Studentinnen gerade frisch geerntet haben.
Die CampusAckerdemie wird bundesweit an 14 Hochschulstandorten von Acker eV. umgesetzt. Der Verein unterstützt bei der Organisation des CampusAckers und hilft bei Flächenauswahl und Ackereinrichtung. Zudem werden Begleitmaterialien wie ein Seminarplan mit aufeinander aufbauenden Modulen und Lerntagebüchern bereitgestellt. Finanziert wird das Projekt von der IKK im Rahmen ihrer Präventions- und Gesundheitsförderung sowie der Bingo Umweltstiftung.