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Cornelia Funke bei der Utopie-Konferenz: „Geschichten sind Geschöpfe“

17.09.2026 Herr der Diebe, Reckless oder die Tintenwelt-Reihe: Cornelia Funke prägte mit ihrem umfangreichen Werk Generationen von Lesenden. Ihre Bücher wurden in über 50 Sprachen übersetzt. Bei der Utopie-Konferenz sprach sie über Fantasie, gesellschaftlichen Wandel und dem Ungewissen als Lebenselixier.

Cornelia Funke ©Leuphana/Raven Schult
„Ein guter Geschichtenerzähler drückt immer auch die Welt aus, in der er lebt. Das spiegelt sich hoffentlich auch in meinen Geschichten“, sagte Cornelia Funke.

Wieviel Fantasie braucht eine Utopie? Cornelia Funkes Antwort ist klar: „Wenn wir uns nichts anderes mehr vorstellen können, dann ist das Hier und Jetzt in Stein geschrieben.“ Im Gespräch während der „Langen Nacht der Utopien“ sprach sie mit Leuphana-Alumna und langjähriger Konferenz-SHK Jelta Aden über die Kraft von Geschichten: Sie beschrieb das Ungewisse als eine Art „Lebenselixier“ und verriet, wie offen ihr eigener kreativer Prozess ist: „Beim Schreiben würde ich mich langweilen, wenn ich wüsste, wie die Geschichte ausgeht“, erklärte Cornelia Funke.

Die gebürtige Nordrhein-Westfälin lebt heute in der Toskana. Sie hat sich vom Leben in der Stadt verabschiedet; die Natur stärkt ihre Vorstellungskraft. „Es gibt ein paar Dinge auf der Welt, die ganz gewiss sind, zum Beispiel Pflanzen und Tiere, alles, was mehr als menschlich ist. Aus denen kann viel Fantasie erwachsen.“

Gerade in einer Zeit, die von Krisen und Unsicherheit geprägt ist, könne Fantasie eine besondere Bedeutung bekommen. Einerseits erlebe die Gesellschaft große Krisen, andererseits sei der Alltag durch zahlreiche Verpflichtungen getaktet: E-Mails, Termine und ständige Erreichbarkeit. Fantastische Geschichten könnten eine Gegenwelt bauen. Ein kleiner Ort darin wird im kommenden Jahr in Lübeck geschaffen: Gleich neben dem Günther-Grass-Haus eröffnet Cornelia Funke den „Tintenfleck“ – ein Treff für Kreative, Bücherwürmer und ihre Fans.

„Ein guter Geschichtenerzähler drückt immer auch die Welt aus, in der er lebt. Das spiegelt sich hoffentlich auch in meinen Geschichten“, sagte Cornelia Funke. Ein Beispiel: Wilma verliebt sich in den „Wilden Hühnern“ in ihre beste Freundin. Der Roman erschien 2003. Heute würde Cornelia Funke noch andere Fragen stellen; zu Dingen, die in der eigenen Jugend noch kaum eine Rolle gespielt hätten: Was hat der Kolonialismus angerichtet? Wie gehen wir mit Geschlechterrollen um? Was bedeutet es, Mann oder Frau zu sein – und was, wenn sich jemand in diesen Kategorien nicht wiederfindet? „Für mich ist Liebe Liebe, egal, in wen man sich verliebt. Das ist das Kostbarste.“

Genauso respektvoll geht die Autorin mit ihren Geschichten um: „Eine Geschichte ist für mich ein Geschöpf, das ein eigenes Leben hat. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich sie erfunden habe. Die Geschichten kommen zu mir.“