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Klimabürgerräte: Politik setzt Empfehlungen selten um

28.10.2026 Ein Forscherteam der Leuphana Universität Lüneburg untersuchte 488 Empfehlungen aus sechs Klimabürgerräten in Westeuropa. Die Ergebnisse wurden in Nature Climate Change veröffentlicht: Zwei Drittel der Vorschläge waren ambitionierter als die jeweils geltende Politik. Umgesetzt wurden die Empfehlungen jedoch nur selten.

Dr. Janosch Pfeffer ©Dr. Marietta Hülsmann
„Es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass die Empfehlungen der Räte tatsächlich die Entscheidungen von Politiker*innen verändern“, erklärt Dr. Janosch Pfeffer.

Weltweit sind mehr als 300 KIima-Bürgerräte registriert. Darin beraten zufällig ausgeloste Bürger*innen über eine politische Frage. Bindend sind die Empfehlungen nicht. Die Studie zeigt: „Es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass die Empfehlungen der Räte tatsächlich die Entscheidungen von Politiker*innen verändern“, erklärt Dr. Janosch Pfeffer. „Gleichzeitig ist es durchaus bemerkenswert, dass einige Empfehlungen tatsächlich zu ambitionierterer Klimapolitik führen – etwa indem sie dazu beitragen, dass sich ein Umweltministerium gegen ein Wirtschaftsministerium durchsetzt,“ ordnet der Politikwissenschaftler ein. Er führte die Untersuchung im Rahmen seiner Promotion am Institut für Nachhaltigkeitssteuerung durch. 

Politische Unterstützung ist entscheidend

Berücksichtigt wurden fünf nationale Bürgerräte in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schottland und dem Vereinigten Königreich sowie ein Bürgerrat auf Landesebene in Berlin. Auf Bundesebene in Deutschland, in Schottland und im Vereinigten Königreich hatte keine Empfehlung Einfluss auf politische Entscheidungen. In Österreich gelang dies bei einem Vorschlag, in Berlin bei zwei. In Frankreich allerdings wirkten sich etwa ein Drittel der Empfehlungen auf politische Entscheidungen aus.

Die Autoren der Studie erklären den starken Einfluss in Frankreich vor allem mit der politischen Unterstützung von oben sowie einem außergewöhnlich hohen öffentlichen Druck: „In Frankreich entstand der Klimabürgerrat nach den Gelbwesten-Protesten. Er wurde anschließend auf die Initiative von Präsident Macron eingesetzt. Dieser versprach viel, was zu großer Aufmerksamkeit führte“, erklärt Janosch Pfeffer. In anderen Ländern fehlte eine vergleichbare politische Rückendeckung.

Studierende werden Co-Autoren der Studie

Das Besondere: Bei der Untersuchung bekamen fast zehn Master- und Bachelorstudierende die Chance, bei einer internationalen Studie zu forschen. Die Studierenden untersuchten jeweils einen eigenen Fall anhand eines gemeinsamen Forschungsdesigns. Sie sind Co-Autoren der Publikation.

Dr. Janosch Pfeffer studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Halle. Anschließend schloss er den interdisziplinären Masterstudiengang Sustainable Development an der Universität Utrecht ab. 2026 schloss er seine Promotion am Institut für Nachhaltigkeitssteuerung ab. 

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