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Veranstaltungen von Dr. Ilsemargret Luttmann


Lehrveranstaltungen

Wissensproduktion in und über Afrika (Seminar)

Dozent/in: Ilsemargret Luttmann

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 10:15 - 11:45 | 18.10.2022 - 03.02.2023 | C 14.103 | C 14.103

Inhalt: Das Wissen über Afrika wurde in den letzten Jahrhunderten vornehmlich im Westen generiert, der seit der Aufklärung eine hegemoniale Position im wissenschaftlichen Diskurs und in der medialen Verbreitung einnimmt. Viele Stimmen, die aus den Reihen der Kolonisierten und Marginalisierten erhoben werden, können sich kein Gehör verschaffen und werden sogar zum Schweigen gebracht. Die Forderung, dass auch die Randgesellschaften an der Wissensproduktion teilhaben müssen und eine Dezentrierung der Kontrolle über das Wissen dringend erforderlich ist, wird durch den verstärkten Einfluss der postkolonialen und dekolonialen Theorieansätze in den letzten Jahren immer lauter. Die Dominanz der westlichen Epistemologien ist nämlich ein zentrales Machtinstrument zur Aufrechterhaltung der Ungleichheit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden, die aus Gründen der Gerechtigkeit aufgebrochen werden muss. Die Dekolonisierung des Wissens – sowohl im Westen als auch in Afrika - ist die Grundvoraussetzung für ein faires und gerechtes Zusammenleben der Menschen. In unserem Seminar wollen wir uns mit den Strukturen, Mechanismen und ideologischen Inhalte der so genannten Kolonialität des Wissens beschäftigen und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie stark wir in unserer Gesellschaft von diesem kolonialen Denken am Beispiel tradierter Afrika-Bilder geprägt sind. Und wie kann dekoloniales Denken, das alternative, marginalisierte Standpunkte und Weltansichten zulässt und als gleichwertig anerkennt, aussehen? Welche Ansätze gibt es auf dem afrikanischen Kontinent, sei es im Bildungssektor, sei es auf den Gebieten der Kunst und Kultur, sich von den kolonialen Zwängen zu befreien und zu neuen, eigenen Wegen zu finden?

Dekoloniale Perspektiven in der Kunst und in der Kultur (Seminar)

Dozent/in: Ilsemargret Luttmann

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 08:15 - 09:45 | 18.10.2022 - 03.02.2023 | C 14.103 | C 14.103

Inhalt: Die medial stark aufbereiteten Berichterstattungen über die Initiativen der Black-lives-matter-Bewegung haben mittlerweile den gesamten gesellschaftlichen Diskurs erfasst und unsere bisherigen Gewissheiten über unser Wissen, unsere Werte und unsere Verortung in der Weltgemeinschaft sowie -geschichte stark erschüttert. Wir stoßen auf Kolonialismen, Diskriminierungen und Rassismen in unserem Alltag, in der Sprache und in den Bildern, in den Institutionen, der Kultur etc, der in Teilen der Wissenschaft zu einem „decolonial turn“ geführt hat mit dem Ziel, diesen tief verankerten rassistisch begründeten Eurozentrismus sichtbar zu machen und ihn auch in der Praxis zu überwinden. Der in diesem Ansatz zentrale Begriff der Kolonialität verweist auf das Überdauern der kolonialen Strukturen und Wirkungsmechanismen über die formale politisch und verwaltungstechnisch abgesicherte Kolonialherrschaft hinaus und bezieht sich auf die globalen Machtverhältnisse. Aus der dekolonialen Perspektive geht es mit Nachdruck um die epistemische Gewalt – also das Denken und Sprechen, das gewaltsam wirkt, indem lokales Wissen als minderwertig betrachtet und unterdrückt wird. Der Universalitätsanspruch der westlichen Moderne muss in einen Pluriversalismus überführt werden: die lokale, spezifische Lebenserfahrung steht gleichberechtigt neben der (lokalen) westlichen modernen Episteme. Dekolonisierende Praktiken setzen das Bekenntnis und die Anerkennung der eigenen Verstrickung im kolonialen Machtgefüge voraus.