Vorlesungsverzeichnis

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Veranstaltungen von Dr. Maria Teresa Costa


Lehrveranstaltungen

Übersetzung als Paradigma für die Kulturwissenschaften (Seminar)

Dozent/in: Maria Teresa Costa

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 02.04.2024 - 05.07.2024 | C 12.001 Seminarraum

Inhalt: Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts versteht man unter Translational turn die Übersetzung als epistemologisches Paradigma für die Kulturwissenschaften. Aus dieser Perspektive gesehen bilden die Kulturwissenschaften ihre eigene Identität durch Übersetzungsprozesse aus anderen fachlichen Methoden und Gegenstandsbereichen. Übersetzung ist eine geradezu inflationär verwendete Metapher für Transfer- und Transformationsprozesse aller Art geworden. Das Seminar nimmt sich vor, den Begriff der Übersetzung zu verschärfen, indem er auch für andere Bereiche fruchtbar gemacht wird außerhalb denen, die zur Textdimension des schriftlichen Textes und des gesprochenen Wortes gehören. Insofern soll jede Übersetzung als Übersetzung zwischen Kulturen gedacht werden. Im Seminar werden verschiedene Übersetzungsauffassungen vorgestellt und Alternativen, um die traditionelle Idee eines Gegensatzes zwischen Original und Übersetzung und die darausfolgende Idee von Übersetzung als Suche von Äquivalenzen zu überwinden. Übersetzung wird als ein komplexer und problematischer Prozess untersucht, der nicht gewaltfrei ist und der uns helfen kann, nicht nur über die Natur der Sprache, sondern auch über ethisch-politische Themen wie Identität, kulturelle Aneignung, Pluralität von Kulturen, Globalisierung und Nationalismen nachzudenken.

Sehen und gesehen werden. Zur Frage des Subjekts und der Subjektivierung in der gegenwärtigen Philosophie (Seminar)

Dozent/in: Maria Teresa Costa

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 16:15 - 17:45 | 02.04.2024 - 05.07.2024 | C 14.201 Seminarraum

Inhalt: Das Thema des Sehens und des Blicks kann uns einen interessanten theoretischen Zugang zu einer der zentralsten Fragen der westlichen Philosophie liefern: die Frage des Subjekts und der Subjektivierung. Sehen und Gesehen Werden sind nämlich ein guter Ausgangspunkt, um über Praktiken der Machtausübung nachzudenken. In diesem Sinne besonders einleuchtend ist das, was wir „Sehen ohne gesehen zu werden“ nennen können. Von Jeremy Benthams „Panopticon“ über Foucaults Überwachen und Strafen bis zum Big Brother, Google Suche und Videoüberwachung werden wir uns im Laufe des Seminars mit folgender Frage beschäftigen: Wie kann die Dimension der Macht, aber auch der Ohnmacht des Blicks, die das Sehende und das dem Sehen ausgesetzte Subjekt stets in ambivalenter Weise in sich vereint, uns helfen, eine „Ethik des Sehens“ aufzubauen?

Das Risiko des Denkens. Hannah Arendt und das Denken als Form des Widerstands (Seminar)

Dozent/in: Maria Teresa Costa

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 10:15 - 11:45 | 02.04.2024 - 05.07.2024 | C 11.308 Seminarraum

Inhalt: Hannah Arendt gilt als exemplarisches Beispiel dafür, wie man in „finsteren Zeiten“ den eigenen Spielraum finden kann, um ein kritisches Denken gegen den Strom zu entwickeln. Verfolgt, ausgeschlossen und ausgewandert, zeigt sie ihre Freiheit, indem sie eine Philosophie entwickelt, deren Grund vom Begriff der Geburt gebildet ist. In dieser Perspektive ist jeder Akt des Handelns oder des Sprechens eine Art neue Geburt. Ob sie sich mit politischen Themen, mit dem Wesen der Philosophie oder mit Literatur, Sprache und Dichtung beschäftigt, lehnt Arendt jede Denkweise ab, die sich als stumpfsinnig und einfältig gezeigt hat, indem sie von dem „Willen zu verstehen“ immer geführt ist. Während des Seminars werden wir unterschiedliche Texten lesen, in denen Arendt das Denken als Form des Widerstands auftauchen lässt.

„Die Geschichte verfällt in Bildern, nicht in Geschichten“. Bilddenken und Philosophien der Geschichte (Seminar)

Dozent/in: Maria Teresa Costa

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 14:15 - 15:45 | 02.04.2024 - 05.07.2024 | C 14.102 b Seminarraum

Inhalt: Was vergangen ist, können wir nicht betrachten. Alles, was wir von der Vergangenheit wissen, erfahren wir nämlich durch eine Vermittlung: durch Erinnerungen, Erzählungen, Objekte, Text- und Bildquellen. Das heißt, dass unser Zugang zur Geschichte kein direkter und linearer Weg ist, sondern bruchstückhaft ist und durch Umwege geht. Dass die Sprache als Leitmedium des Historischen gilt, kommt fast als Gemeinplatz vor. Es wird aber selten darüber nachgedacht, inwieweit Bilder ein wesentlicher Bestandteil unseres Zugangs zur Geschichte sind. Das hat wichtige Folgen sowohl für die Geschichtswissenschaften als auch für die Philosophie. Es ist kein Zufall, wenn die Theoretiker, die nach einem kritischen Geschichtsdenken strebten, oft das Bild als Erkenntnismedium benutzt haben. Dem Modell einer linearen, progressiven und kontinuierlichen Zeitlichkeit, welches im Abendland seit der Aufklärung herrscht, werden Diskontinuität und Zäsur als Kategorien alternativer Zeit- und Geschichtsauffassungen bevorzugt. Da Bilder ihrer Struktur wegen – im Gegensatz zu Texten – verschiedene Aspekte eines Objekts oder eines Ereignisses gleichzeitig enthüllen können, gelten sie sowohl als Medium als auch als erkenntniskritisches Modell einer diskontinuierlichen Zeitlichkeit. Das Thema wird im Seminar anhand einiger Fallbeispiele analysiert. Die theoretischen Kategorien für ein kritisches Geschichtsdenken werden wir im Werk von Walter Benjamin und Aby Warburg suchen.