Vorlesungsverzeichnis

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Veranstaltungen von Dr. Oliver Precht


Lehrveranstaltungen

Verschwörungstheorien & Klimawandel: Theorien und Literaturen des Postfaktischen" (Seminar)

Dozent/in: Oliver Precht

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 40.152 Seminarraum

Inhalt: Die bedrohliche Verwandlung der Biosphäre und die chaotische Wucherung von Fake News und Verschwörungstheorien - das sind die beiden zentralen Herausforderungen, denen alles politische Handeln und alles Nachdenken über Politik im 21. Jahrhundert begegnen muss. Im Seminar beschäftigen wir uns mit einer Reihe von jüngeren und zeitgenössischen Theorien, die versuchen, diese beiden scheinbar getrennten Phänomene zusammenzudenken, die versuchen, das ›Postfaktische‹ als Symptom und Effekt des Klimawandels zu denken. Der Versuch, diese beiden Phänomene in ihrem Zusammenhang ernstnehmen und zu denken, erfordert eine grundsätzliche Verwandlung der Theorie. Denn der Komplex aus Klimawandel und Verschwörungstheorien stellt einige Grundannahmen der kritischen Theorien des 20. Jahrhunderts radikal infrage. Auf der Suche nach einem Verständnis dieser Kernprobleme der Gegenwart betrachten wir im Seminar daher auch literarische Texte, die sich oft leichter von solchen Grundannahmen befreien können.

Literatur (aus) der Peripherie: Machado de Assis und Roberto Schwarz (Seminar)

Dozent/in: Oliver Precht

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 14:15 - 15:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 12.013 Seminarraum

Inhalt: Im Seminar nehmen wir den wichtigsten Autor der brasilianischen Literatur, Machado de Assis, zum Ausgangspunkt, um über Fragen von Kolonialismus und Rassismus nachzudenken, ebenso über das Verhältnis von Literatur und Theorie. Anhand der faszinierenden Literatur von Machado de Assis erarbeiten wir uns einen Zugang zur Geschichte und gesellschaftlichen Realität Brasiliens. Portugiesischkenntnisse sind willkommen, aber nicht erforderlich. Joaquim Maria Machado de Assis (1839–1908) gilt als der einflussreichste Autor der brasilianischen Literatur. Als pardo – also als Person europäischer (portugiesischer) und afrikanischer Abstammung –, stotternd und aus bescheidenen Verhältnissen stammend, stieg er bereits zu Lebzeiten, noch vor der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1888, zu einer zentralen Figur des intellektuellen Lebens Brasiliens auf. In seinen Romanen, Erzählungen und crônicas zeichnet er auf subtile Weise die Abgründe, die Widersprüche und die strukturelle Gewalt einer rückständigen und abhängigen Sklavenhaltergesellschaft nach. Roberto Schwarz, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Theoretiker Brasiliens, zeigt in seinem Buch Ein Meister an der Peripherie des Kapitalismus und in Essays wie »Deplatzierte Ideen«, wie Machado de Assis’ Romane die komplexen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen der (lateinamerikanischen) Peripherie und den (europäischen) Zentren sowie die daraus resultierenden Machtstrukturen einer ›unterentwickelten‹ Gesellschaft thematisieren – nicht nur vordergründig auf der Ebene des Plots oder der Figuren, sondern insbesondere auf der Ebene der Form und der Erzählstruktur. Machado de Assis' Texte und Schwarz' Interpretationen führen uns Abhängigkeits- und Machtverhältnisse vor Augen – den zugleich rückständigen und enthemmten Kapitalismus, die patriarchalen Strukturen, den ›deplatzierten‹ Elitismus und den verdeckten Rassismus – die das gesellschaftliche Leben Brasiliens bis heute prägen (und die sich möglicherweise auch in anderen peripheren Regionen wiederfinden lassen).