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Lehrveranstaltungen

Kritische Theorie und Literatur: Modelle und Perspektiven (Seminar)

Dozent/in: Lukas Betzler

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 17.10.2022 - 03.02.2023 | C 11.319 | .

Inhalt: Denkt man an die zentralen Arbeits- und Wirkungsfelder der (älteren) Kritischen Theorie, wird einem die Beschäftigung mit Literatur wohl kaum als erstes in den Sinn kommen. Ein gesellschaftstheoretisch ausgerichtetes Institut für Sozialforschung, das sich maßgeblich auf G.W.F. Hegel, Karl Marx und Sigmund Freud bezog, scheint auf den ersten Blick kein naheliegender Ort für die Erörterung literaturwissenschaftlicher Fragestellungen zu sein. Und doch wurde der kritischen Auseinandersetzung mit klassischer und zeitgenössischer Literatur am Institut und in seinem Umfeld bereits früh ein hoher Stellenwert zugewiesen. »Textgelehrte« wie Leo Löwenthal, Herbert Marcuse, Walter Benjamin und Theodor W. Adorno entwickelten, diskutierten und erprobten hier neue Ansätze, Literaturanalyse mit kritischer Gesellschaftstheorie zu vermitteln. Durch Flucht und Exil veränderten sich die Bedingungen dieser Auseinandersetzungen teils dramatisch, dennoch erstreckten sie sich über mehrere Jahrzehnte. Die verschiedenen, durchaus heterogenen literaturtheoretischen Ansätze und Modelle der Kritischen Theorie eint – neben ihrem kritischen Erkenntnisinteresse –, dass die Konventionen der etablierten Literaturwissenschaft sie nicht bekümmern. Ihr Ziel ist ein Verständnis des Ineinanderwirkens von Literatur, Kultur und Gesellschaft, das nicht von disziplinären Grenzen einzuhegen ist. Damit bietet die Kritische Theorie insbesondere für eine kulturwissenschaftlich orientierte Literaturwissenschaft wichtige Ansatzpunkte. Vor allem aber bietet sie Modelle, den gesellschaftlichen Gehalt literarischer Werke aufzuschließen und damit die Gegenwart in ein kritisches Licht zu stellen, ohne dabei kurzschlüssige und ahistorische Aktualisierungen vorzunehmen. Die Seminarlektüre besteht einerseits aus theoretischen Texten (von Herbert Marcuse, Leo Löwenthal, Walter Benjamin und Theodor W. Adorno), andererseits aus literarischen Texten, an denen deren Versuche und Modelle befragt und erprobt werden sollen.