Digitale Souveränität im Widerstreit
21.05.2026 21.05., 10:00–18:00 & 22.05., 10:00–11:30, C5.326 Workshop (in German and English) Bei dem Workshop handelt es sich um den zweiten Teil einer Serie von Workshops zu “Digitaler Souveränität”, einer Kooperation zwischen Prof. Dr. Claus Pias (Leuphana Universität Lüneburg) und Dr. Johannes Bennke (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf).
Workshop
Im Workshop „Digitale Souveränität im Widerstreit" untersuchen wir den Begriff der digitalen Souveränität in seiner begrifflichen Unschärfe und inneren Widersprüchlichkeit. Wir diskutieren die These, dass die Fragmentierung digitaler Öffentlichkeiten – wie sie Habermas in seiner Analyse des Strukturwandels beschreibt – nicht allein auf Dynamiken des Plattformkapitalismus zurückzuführen ist, sondern einer tiefer liegenden medialen Übertragungslogik folgt. Mit Jean-François Lyotards Begriff des Widerstreits (le différend) schlagen wir ein Konzept vor, das die Inkommensurabilität konkurrierender Formen digitaler Souveränität fassbar macht: Divergierende Werte und Normen sind nicht nur sozial ausgehandelt, sondern in Codes, Algorithmen und Protokollen eingeschrieben. Die fehlende übergreifende Urteilsregel wird dabei im Plattformkapitalismus durch intransparente Governance-Strukturen mit monopolisierenden Tendenzen gefüllt. An der Schnittstelle von Kunst, Philosophie und Medienwissenschaft erweitern wir den Souveränitätsdiskurs zur Technologievorherrschaft und dem Ausnahmezustand um angrenzende Konzepte wie Autonomie, Selbstbestimmung, individuelle und kollektive Handlungsmacht.
Paneldiskussion mit Prof. emerit. Dr. Joseph Vogl (Princeton University)
Moderation: Dr. Johannes Bennke (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf), Dr. Irina Kalinka (Columbia University)
Wir freuen uns, Prof. emerit. Dr. Joseph Vogl (Princeton University) als Gesprächspartner zur Abendveranstaltung unseres Workshops begrüßen zu dürfen. Joseph Vogl hat Lyotards Le Différend in den 1980er Jahren ins Deutsche übersetzt und wird mit uns über die Aktualität von Lyotards Philosophie des Widerstreits für gegenwärtige Debatten um digitale Souveränität sprechen. Ausgangspunkt ist eine Beobachtung aus unserem ersten Workshop in Potsdam: Der Begriff der digitalen Souveränität wird im öffentlichen Diskurs oft unreflektiert verwendet, so als gäbe es noch eine Position, die uneingeschränkte Souveränität beanspruchen könnte. Genau hier setzt Lyotards Widerstreit (1983) an: ein unterschätztes, prophetisches Werk, wie wir finden, das zeigt, warum Legitimität grundsätzlich umkämpft und universelle Urteilsregeln nicht ohne Weiteres beansprucht werden können. Kein Akteur – weder Staaten, Unternehmen, digitale Plattformen, mehr oder weniger informelle Netzwerke, noch Individuen – kann Souveränität unhinterfragt für sich reklamieren. Welche Konsequenzen dies für die Legitimität von Formen digitaler Souveränität hat, welche Rolle verwandte Konzepte wie Autonomie und Selbstbestimmung dabei spielen, aber auch der Plattformkapitalismus, Protokolle und Formen sozialer Organisation, darüber sprechen Dr. Johannes Bennke (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) und Dr. Irina Kalinka (Columbia University) mit Joseph Vogl.