Errant Intelligence: A Media Theory of Machine Learning (Clemens Apprich)
10. Juni
Das Centre for Digital Cultures (CDC) lädt ein zum Book Launch von Errant Intelligence von Clemens Apprich (Universität für angewandte Kunst Wien).
- Mittwoch, 10. Juni / 18 – 19 Uhr / C25.019
- Diese Veranstaltung findet auf Englisch statt.
- Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Kontakt: cdcforum@leuphana.de
Künstliche Intelligenz wird oft als das Bestreben dargestellt, das menschliche Gehirn nachzubilden. Sie verspricht reibungsloses Denken sowie eine Zukunft der nahtlosen Automatisierung. Doch was, wenn diese allgegenwärtige Erzählung eine tiefere, „abweichende“ Wahrheit verschleiert? Errant Intelligence stellt die vorherrschenden biologischen und individualistischen Interpretationen des maschinellen Lernens in Frage und plädiert stattdessen für ein neues Verständnis maschineller Intelligenz. Das Buch betrachtet Abweichungen, Inkonsistenzen und „abweichendes Verhalten“ als grundlegend für die Entdeckung neuen Wissens und geht damit über die Illusion bloßer Optimierung hinaus. Unter Rückgriff auf Medientheorie, Kybernetik und eine einzigartige psychoanalytische Perspektive untersucht es das „technologische Unbewusste“ des maschinellen Lernens. Es zeichnet die historischen Wurzeln der KI nach, von frühen Automaten und der Turing-Maschine bis hin zur Verarbeitung natürlicher Sprache und zeitgenössischen Systemen des maschinellen Lernens. Das Buch stellt die Vorstellung einer autonomen, sich selbst generierenden KI in Frage und deckt die verborgene Arbeit, die zugrunde gelegten Logiken und die inhärenten Vorurteile auf, die ihren Betrieb antreiben. Es bewertet das computergestützte Denken neu, betont dessen inhärent sozialen, kollektiven und symbolischen Charakter und zeigt auf, dass Sprache und logische Paradoxien keine Hindernisse sind, sondern konstitutive Kräfte, die intelligente Maschinen formen.
Errant Intelligence bietet einen wichtigen neuen Rahmen für das Verständnis der tiefgreifenden Koevolution von menschlichem und maschinellem Lernen. Es ist an der Zeit, unsere Annahmen zu „verlernen“ und die produktive Mehrdeutigkeit und Fehlbarkeit anzunehmen, die den Kern der maschinellen Intelligenz ausmachen.
Das Buch erscheint im Juli 2026 bei Routledge.
Clemens Apprich ist Professor für Medientheorie und Mediengeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo er zudem als Vizerektor für Wissenschaft, Forschung und Digitalität tätig ist. Er leitet den Lehrstuhl für Medientheorie und ist Direktor des Weibel-Instituts für digitale Kulturen. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf Computerkulturen und maschinelles Lernen – Themen, die er in seinem neuen Buch Errant Intelligence: A Media Theory of Machine Learning behandelt, das 2026 bei Routledge erschienen ist.