„Von Staatsräson bis Völkerrecht“ – Leuphana Security Dialogue
20.05.2026 Unter dem Titel „Von Staatsräson bis Völkerrecht“ diskutierten im Rahmen des Leuphana Security Dialogue Dr. Mariam Salehi (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Antje Wiener (Universität Hamburg) vergangenen Mai über deutsche historische Verantwortung und ihre außenpolitischen Konsequenzen. Moderiert wurde der Abend von Konfliktforscher Dr. Wolfgang Minatti (Leuphana Universität).
Ausgangspunkt war die seit Angela Merkels Knesset-Rede 2008 etablierte Norm der „Staatsräson“, die Deutschlands historische Verantwortung aus dem Holocaust mit der unbedingten Unterstützung Israels verknüpft. Antje Wiener ordnete die Entstehung und normative Entwicklung dieses Konzepts ein und stellte die Frage, ob die Staatsräson wirklich als funktionale Norm im politikwissenschaftlichen und völkerrechtlichen Sinne gesehen werden kann, da diese von ihren Vertretern unscharf und vielfach undefinierbar verwendet werde. Mariam Salehi sprach indes über die politischen Funktionen der Staatsräson und deren Verbindungen zu deutscher Identität, historischer Aufarbeitung und der Innen- und Außenpolitik des Landes. Beide Sprecherinnen diskutierten anschließend die Hypothese, dass die Staatsräson oft vielmehr für innenpolitische statt außenpolitischer Zwecke verwendet wird.
Weiters loteten Salehi und Wiener alternative Wege aus, wie Deutschlands historische Verantwortung in die Außen- und Sicherheitspolitik des Landes übersetzt werden könnte. Diskutiert wurden etwa stärkere Bezüge zu Völkerrecht und Menschenrechten als universelle Prinzipien sowie die Frage, inwiefern weitere Kapitel deutscher Geschichte – etwa der Kolonialismus oder die deutsche Teilung – eine historisch informierte, aber breiter verantwortete Politik ergänzen könnten.
©Leuphana/Phillip Bachmann