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Forschungsgebiete Kooperative Sicherheit

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu den fünf Forschungsbereichen:

International Security

Doktorand*innen in diesem Bereich befassen sich mit zentralen Herausforderungen der internationalen Sicherheit – in einem erweiterten Verständnis, d. h. zwar unter Einbeziehung, aber nicht beschränkt auf militärische Sicherheit – sowie mit den Strategien, die staatliche Akteure zu ihrer Herstellung einsetzen. Von besonderem Interesse sind Projekte, die sich damit befassen, wie Muster asymmetrischer Interdependenz im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich neu entstehende Sicherheitsbedrohungen prägen und wie Staaten als Reaktion darauf kooperative und autonomiefördernde Strategien kombinieren. Projekte zur internationalen Sicherheitsgovernance, einschließlich der politischen Dynamiken innerhalb internationaler Organisationen wie den Vereinten Nationen, sind ebenfalls willkommen.  

Mögliche Forschungsfragen sind unter anderem:  

  • Wie führen Muster asymmetrischer Interdependenz zu neuen Formen der Verwundbarkeit und des Sicherheitswettbewerbs?
  • Unter welchen Bedingungen räumen Staaten der Zusammenarbeit Vorrang vor Autonomie ein, wenn sie auf internationale Sicherheitsbedrohungen reagieren?
  • Wie beeinflussen innenpolitische Faktoren die Entscheidungen von Staaten zwischen kooperativen und auf Autonomie ausgerichteten Strategien?
  • Wie nutzen Großmächte Interdependenz strategisch, um ihre eigene Sicherheit zu stärken oder andere einzuschränken?
  • Inwieweit mildern oder verschärfen kooperative Sicherheitsvereinbarungen geopolitische Rivalitäten?

Beiträge, die theoretische Innovationen mit empirischer Analyse verbinden, sind besonders erwünscht. Die Projekte können qualitative, quantitative oder gemischte Methoden anwenden und sich mit einem breiten Spektrum regionaler oder globaler Kontexte befassen.

Erstbetreuer

(Institut für Politikwissenschaft)

  • Prof. Dr. Tobias Lenz

(European) Migration Governance

Promovierende in diesem Forschungsbereich untersuchen Migration als zentrales Thema der Außenpolitik und internationalen Sicherheit. Der Fokus liegt darauf, wie Migrationsdynamiken sicherheitspolitische Herausforderungen erzeugen, verändern und sich in ihnen verfestigen – sowie darauf, wie staatliche und nichtstaatliche Akteure darauf mit Strategien reagieren, die Kooperation und Autonomie miteinander verbinden. Migration ist zunehmend mit geopolitischem Wettbewerb, asymmetrischer Interdependenz und hybriden Konfliktformen verflochten und stellt damit ein zentrales Untersuchungsfeld zeitgenössischer Sicherheitsforschung dar.

Von besonderem Interesse sind Projekte, die die Versicherheitlichung und strategische Instrumentalisierung von Migration in den internationalen Beziehungen analysieren. Dazu gehören die Nutzung von Migrationsbewegungen als Mittel der Zwangsausübung, des Drucks oder der politischen Destabilisierung – häufig als „weaponization“ von Migration bezeichnet – sowie die zunehmende Praxis der Migrationsdiplomatie. Projekte können untersuchen, wie solche Strategien Interdependenzen und institutionelle Verwundbarkeiten ausnutzen, wie sie sicherheitspolitische Ergebnisse und Bedrohungswahrnehmungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene beeinflussen und wie europäische Staaten und Institutionen auf diese Herausforderungen reagieren.

Ein zentraler Schwerpunkt dieses Forschungsbereichs ist die Rolle von Desinformation und Informationsmanipulation in migrationsbezogenen Sicherheitsdynamiken. Zunehmend setzen ausländische und inländische Akteure Desinformation, postfaktische Narrative und koordinierte Einflusskampagnen ein, um migrationsbezogene Ängste zu verstärken, Gesellschaften zu polarisieren und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Solche Praktiken können als Teil umfassenderer Strategien hybrider oder asymmetrischer Kriegsführung verstanden werden, in denen informationelle Instrumente mit der strategischen Nutzung von Migration kombiniert werden, um politische Systeme zu destabilisieren und Sicherheitswahrnehmungen zu prägen. Es sind Forschungsprojekte willkommen, die sowohl die Mechanismen und sicherheitspolitischen Folgen dieser Dynamiken als auch die Reaktionen europäischer und nationaler Akteure sowie deren Implikationen für Demokratie, Menschenrecht, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Resilienz untersuchen.

Zugleich befasst sich dieser Forschungsbereich mit den Bedingungen, unter denen kooperative Sicherheitsarrangements entstehen, um als migrationsbezogene wahrgenommene Risiken zu bewältigen, Konflikte abzumildern und Resilienz zu stärken. Dazu gehören die Rolle europäischer und internationaler Institutionen ebenso wie die Wirksamkeit und Grenzen koordinierter Reaktionen angesichts von Politisierung, strategischer Kontestation und wachsendem Druck in Richtung Autonomie und Grenzkontrolle.

Mögliche Forschungsvorhaben können unter anderem folgende Fragen behandeln:

  • Wie nutzen Staaten und andere Akteure Migration strategisch im geopolitischen Wettbewerb, beispielsweise durch Zwangsausübung oder Migrationsdiplomatie?
  • Wie nutzen ausländische und inländische Akteure migrationsbezogene Desinformation und Informationsmanipulation als Instrumente politischer Destabilisierung oder hybrider Kriegsführung?
  • Wie interagieren Desinformationskampagnen mit Migrationsdynamiken, um Bedrohungswahrnehmungen zu prägen und politische Ergebnisse in europäischen Staaten zu beeinflussen?
  • Wie schaffen Muster asymmetrischer Interdependenz sicherheitspolitische Verwundbarkeiten im Bereich Migration?
  • Unter welchen Bedingungen entstehen kooperative Arrangements auf EU- oder internationaler Ebene zur Bewältigung migrationsbezogener Sicherheitsbedrohungen, und wann sind unilaterale oder auf Autonomie zielende Reaktionen wahrscheinlicher?
  • Wie wirken sich Reaktionen der EU und ihrer Mitgliedstaaten auf migrationsbezogene Sicherheitsherausforderungen auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und gesellschaftliche Resilienz in Europa aus?
  • Welche Rolle spielen europäische und internationale Institutionen bei der Ausbalancierung von Sicherheit, Kooperation und demokratischer Governance in der Migrationspolitik?

Beiträge, die theoretische Innovation mit empirischer Analyse verbinden, sind ausdrücklich erwünscht. Die Projekte können qualitative, quantitative oder Mixed-Methods-Ansätze verwenden und sich mit einem breiten Spektrum regionaler oder vergleichender Kontexte befassen, mit besonderem Schwerpunkt auf Europa und seinen Außenbeziehungen. 

Erstbetreuerin

(Institut für Politikwissenschaft)

  • Prof. Dr. Natascha Zaun

Economic Security

Doktorand*innen in diesem Bereich setzen sich mit den zentralen Herausforderungen der wirtschaftlichen Sicherheit und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik auseinander. Geopolitische Spannungen, internationale Handelsstreitigkeiten und Störungen globaler Lieferketten haben in jüngster Zeit das Interesse an Fragen der wirtschaftlichen Sicherheit verstärkt. Im Einklang mit dem allgemeinen Schwerpunkt des Programms auf drängenden globalen Sicherheitsherausforderungen befasst sich dieser Bereich damit, wie wirtschaftliche Verflechtungen und internationale Handelsbeziehungen die wirtschaftliche Sicherheit prägen. Die geplanten Forschungsvorhaben können beispielsweise an die Bereiche Internationale Wirtschaft, Internationale Finanzen und Öffentliche Wirtschaftswissenschaften anknüpfen. Es wird empfohlen, dass die Projekte sowohl die Ursachen und Folgen von Herausforderungen für die wirtschaftliche Sicherheit als auch die entsprechenden politischen Reaktionen auf europäischer und nationaler Ebene untersuchen. Ebenfalls willkommen sind Projekte zur Widerstandsfähigkeit des internationalen Handels und globaler Lieferketten sowie geoökonomische Analysen im Zusammenhang mit internationaler Handelspolitik, multinationalen Investitionen und Wirtschaftssanktionen.

Mögliche Forschungsfragen sind unter anderem:

  • Wie führen internationale Handelsmuster zu neuen Formen wirtschaftlicher Verwundbarkeit und Bedrohungen der wirtschaftlichen Sicherheit?
  • Welche geoökonomischen Faktoren bestimmen Bedrohungen der wirtschaftlichen Sicherheit entlang der globalen Lieferkette?
  • Inwieweit beeinflussen multinationale Investitionen und internationale Kapitalströme die wirtschaftlichen Abhängigkeiten und die wirtschaftliche Sicherheit von Ländern?
  • Welche Strategien sollte die Wirtschaftspolitik verfolgen, um den Vorteilen und Risiken wirtschaftlicher Verflechtungen Rechnung zu tragen?
  • Inwieweit tragen internationale Handels- und Investitionsabkommen zur wirtschaftlichen Sicherheit bei oder gefährden sie diese?
     

Beiträge, die theoretische Innovationen mit empirischen Analysen verbinden, sind besonders willkommen. Die Projekte können analytische und quantitative Methoden auf verschiedenen Aggregationsebenen anwenden, einschließlich regionaler, branchenbezogener und internationaler Perspektiven.

Erstbetreuer

(Institut für Volkswirtschaftslehre)

  • Prof. Dr. Florian Unger

International Law and Security

Dieser Forschungsbereich heißt Promotionsprojekte willkommen, die die Rolle des internationalen Rechts bei der Gestaltung gegenwärtiger globaler Sicherheitsherausforderungen und bei Reaktionen auf diese untersuchen – im Einklang mit dem Schwerpunkt des Programms auf Interdependenz, Kooperation und Autonomie. Der Bereich umfasst sowohl klassische Felder der Frieden- und Sicherheitsforschung, etwa die Anwendung von Gewalt und die friedliche Streitbeilegung, als auch Themen, die in der Sicherheitsforschung zunehmend an Bedeutung gewonnen haben, darunter Geoökonomie, maritime Sicherheit oder die Governance kritischer Infrastrukturen und Lieferketten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie rechtliche Normen und Institutionen die Strategien staatlicher und nichtstaatlicher Akteure im Umgang mit Sicherheitsrisiken strukturieren, die aus — insbesondere asymmetrischer — Interdependenz entstehen, und wie diese Normen und Institutionen ihrerseits durch solche Strategien verändert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie Akteure durch Auslegung und Anwendung des Rechts mit Spannungen zwischen rechtlichen Verpflichtungen und sicherheitspolitischen Erfordernissen umgehen, einschließlich der Berufung auf Ausnahmen und Rechtfertigungsgründe, sowie den weitergehenden Implikationen für Kooperation, Autonomie und die Kohärenz des internationalen Rechts.

Forschungsfragen können beispielsweise lauten:

  • Inwieweit bewahrt das internationale Recht seine normative Autorität und systemische Kohärenz in einem zunehmend umkämpften sicherheitspolitischen Umfeld?
  • Wie werden völkerrechtliche Normen als Reaktion auf sich wandelnde Strukturen von Interdependenz, staatlichem Wettbewerb und Sicherheitsbedenken ausgelegt, angepasst oder begrenzt?
  • Welche Rolle kann das internationale Recht bei der Aufrechterhaltung von Kooperation in den globalen Gemeingütern spielen, einschließlich maritimer und terrestrischer Räume?
  • Wie verändern geoökonomische Dynamiken bestehende Rahmenwerke des internationalen Wirtschafts- und Handelsrechts?
  • Wie wirken sich informelle und minilaterale Kooperationsformen auf die Auslegung, Kohärenz und mögliche Fragmentierung völkerrechtlicher Verpflichtungen aus?
  • Wie befassen sich internationale Gerichte, Schiedsgerichte und andere Streitbeilegungsmechanismen mit sicherheitsbezogenen Rechtfertigungen, und wie entscheiden sie darüber?
  • Inwieweit ermöglichen oder begrenzen rechtliche Rahmenbedingungen staatliche Strategien, die auf Resilienz, Autonomie und Kontrolle über kritische Infrastrukturen und strategische Sektoren abzielen?

Das Programm ist für Projekte offen, die eine anspruchsvolle rechtswissenschaftliche Analyse mit Perspektiven aus den internationalen Beziehungen, der politischen Ökonomie oder verwandten Feldern verbinden. Methodisch können die Vorhaben dogmatisch, empirisch oder interdisziplinär angelegt sein und vergleichende oder globale Perspektiven einnehmen. 

Erstbetreuerin

(Institut für Nachhaltigkeitssteuerung)

  • Prof. Dr. Jelena Bäumler

Negotiation Psychology and Security

Promovierende in diesem Forschungsbereich untersuchen psychologische Entscheidungsprozesse in sicherheitsrelevanten Verhandlungen. Der Fokus liegt darauf, wie interdependente Akteure unter Bedingungen interner Uneinigkeit sowie externer oder interner Bedrohung Kooperation aushandeln. Von besonderem Interesse sind Projekte, die untersuchen, wie Parteien mit divergierenden Interessen, Werten oder strategischen Prioritäten kooperative Koalitionen bilden, aufrechterhalten oder an ihrer Bildung scheitern können, wenn sie zugleich voneinander abhängig sind, um wirksam auf bedrohliche Akteure oder destabilisierende Entwicklungen zu reagieren.

Die Promotionsprojekte können Verhandlungen zwischen politischen Parteien, staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren, Institutionen, Organisationen oder gesellschaftlichen Gruppen untersuchen, die gemeinsamen sicherheitspolitischen Herausforderungen gegenüberstehen und zugleich konfligierende Interessen verfolgen. Solche Herausforderungen können externe Bedrohungen, interne Polarisierung, demokratische Instabilität, migrationsbezogene Konflikte, Klima- und Energieunsicherheit oder andere Kontexte umfassen, in denen kollektive Sicherheit von koordiniertem Handeln zwischen Akteuren abhängt, die nicht von vornherein übereinstimmende Positionen vertreten.

Der Forschungsbereich interessiert sich insbesondere für psychologische Mechanismen, die beeinflussen, ob Akteure über enge Eigeninteressen und positionsbezogenes Verhandeln hinausgehen und sich integrativen, vertrauensbasierten oder koalitionsbildenden Formen der Koordination zuwenden. Relevante Prozesse können Vertrauen und Misstrauen, strategische Kommunikation, wahrgenommene Abhängigkeit, soziale Identität, Risikowahrnehmung, Mandatsbeschränkungen sowie die psychologischen Bedingungen umfassen, unter denen Akteure bereit werden, Zielkonflikte zugunsten gemeinsamer Sicherheit zu akzeptieren.

Mögliche Forschungsfragen:

  • Wie beeinflussen wahrgenommene externe oder interne Bedrohungen die Bereitschaft voneinander abhängige Akteure, über institutionelle oder ideologische Gräben hinweg zu verhandeln?
  • Unter welchen Bedingungen erkennen Akteure mit konfligierenden Interessen ihre wechselseitige Abhängigkeit und treten in kooperative, sicherheitsorientierte Verhandlungen ein?
  • Wie wirken sich Bedrohungswahrnehmungen auf Koalitionsbildung, Vertrauen, Konzessionsbereitschaft und integrative Problemlösung in sicherheitsrelevanten Verhandlungen aus?
  • Wann untergraben interne Spaltungen zwischen potenziellen Koalitionspartnern koordinierte Reaktionen auf bedrohliche Akteure oder destabilisierende Szenarien?
  • Welche Kommunikationsstrategien helfen dabei, konfrontatives Verhandeln zwischen interdependenten Akteuren in kooperative Koalitionsbildung zu überführen?
  • Wie behindern psychologische Prozesse wie Misstrauen, Identitätsbedrohung, moralische Überzeugung oder wahrgenommener Verrat parteiübergreifende Kooperation in Sicherheitskontexten?
  • Wie verhandeln Vertreter*innen, wenn sie die Interessen ihrer eigenen Bezugsgruppe verteidigen und zugleich zu umfassenderer kollektiver Sicherheit beitragen müssen?
  • Welche Rolle spielen wahrgenommene Legitimität und Mandatsbeschränkungen dafür, ob Verhandelnde in Koalitionsbildungsprozessen Zugeständnisse machen können?

Die Projekte können experimentelle, quasi-experimentelle, umfragebasierte, qualitative, computergestützte oder Mixed-Methods-Ansätze verwenden. Besonders willkommen sind Projekte, die psychologische Theorie mit empirisch gut untersuchbaren Verhandlungsparadigmen verbinden, darunter dyadische oder Mehrparteienverhandlungen, Koalitionssimulationen, Rollenspielstudien, Kommunikationsanalysen oder szenariobasierte Entscheidungsaufgaben. Die Arbeiten sollen das Verständnis dafür erweitern, wie Kooperation unter Bedingungen von Interdependenz, Konflikt und sicherheitsrelevanter Bedrohung entstehen, scheitern oder wiederhergestellt werden kann. 

Erstbetreuer

(Institute of Sustainability Psychology / Negotiation Research Group)

  • Prof. Dr. Roman Trötschel