Film ab gegen Kohlekraft!
Ein gut gemachtes Video von Böll-Stiftung und Oxfam zu einem bedrückenden Thema.
Mehr Infos zur Klimapolitik im Blog Klima der Gerechtigkeit.
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Seit einem Jahr gibt es die grüne Hochschulgruppe campus.grün Lüneburg – Zeit für eine kleine Bilanz und einen Ausblick.
Wer sind wir und was machen wir?
Wir sind Studierende an der Uni Lüneburg, die sich für grüne Politik interessieren. Kuwis, Uwis und Wisos haben sich hier zusammengefunden, um sich für eine nachhaltige Hochschule einzusetzen, politische Bildungsarbeit zu machen, miteinander zu diskutieren und sich einzumischen.
Unsere Themen bisher: Nachhaltigkeit auf dem Campus, soziale Bildungspolitik, Atompolitik und anderes.
Ganz konkret haben wir
… mit Sven Giegold und Jan Philipp Albrecht, die jetzt beide im Europaparlament sitzen, über die Idee des Green New Deal und die Rechte des Europaparlamentes auf gut besuchten Diskussionsveranstaltungen gesprochen.
… den Film „The Corporation“ gezeigt und eine kleine Weihnachtsgeschenkebörse organisiert
… gegen die Veranstaltung einer Schnitzelmeisterschaft in Lüneburg argumentiert
… mit Jochen Stay von .ausgestrahlt über die Atompolitik nach der Bundestagswahl gesprochen
… 637 Unterschriften für Ökostrom an der Uni Lüneburg gesammelt und diese dem Präsidenten übergeben
… bei der Großdemo im September in Berlin für den Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert
… zu Ostern auf das Problem Käfighaltung hingewiesen
… die DirektkandidatInnen aus dem Wahlkreis Lüneburg-Lüchow-Dannenberg zur Bundestagswahl nach ihren Vorhaben gefragt.
… uns im Rahmen der Bildungsstreikwelle kritisch mit den Folgen des Bologna-Prozesses in der deutschen Hochschullandschaft auseinandergesetzt und dazu eine Stellungnahme verfasst
Es gibt noch viel mehr zu tun. Studis an der Uni für grüne Themen begeistern, die Mensa dazu drängen keine gefährdete Fischarten anzubieten. Den Datenschutz an unserer Uni kritisch unter die Lupe zu nehmen. Politik in Lüneburg kritisch begleiten. Für den Atomausstieg mobilisieren. Für das Studierendenparlament kandidieren. Was fällt euch noch ein?
Wir brauchen Nachwuchs!
Einige von uns sind am Ende ihres Studiums angelangt und jetzt seid ihr gefragt. Wie wollen wir die Hochschule gestalten? Kommt zu unserem nächsten Treffen am 1. März, 18 Uhr ins PONS am Stint und macht mit!
Per Mail erreicht ihr uns über campus.gruen @ uni-lueneburg.de. „Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben“, hat Heinrich Böll gesagt. Recht hatte er.
Das Leben und Lernen an den bundesdeutschen Hochschulen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Verschulte Lernprozesse mit hohen zeitlichen Anforderungen und enger
fachlicher Orientierung stellen hohe Leistungsansprüche sowohl an Studierende wie auch an Lehrkräfte. Selbstorganisiertes Lernen und Freiräume für Experimente gehören der Vergangenheit
an. Ein enger Stundenplan grenzt darüber hinaus auch den Raum für politisches Interesse und gesellschaftliches Engagement sowohl innerhalb wie außerhalb der Hochschule erheblich ein.
Die Strukturen an den Unis und Fachhochschulen verfestigen sich immer weiter. Studierende bangen um ihre Zukunftsperspektiven, weil sie nicht das lernen, was sie im Anschluss an das Studium brauchen. Hochschulen hinken möglicherweise hinter einer gesellschaftlichen Entwicklung hinterher, die sich längst mit anderen existenziellen Fragen beschäftigen muss.
Klimakrise, Weltwirtschaft, Nachhaltigkeit und Demografischer Wandel, Geschlechtergerechtigkeit und Wertediskussion, was bedeutet dies alles für das Selbstverständnis von Hochschulen, die Zukunft von Gesellschaft und Lehre sowie die Weichenstellung durch die Politik?
Das alles könnten Themen sein, mit denen wir uns bei der „Campus Tour 2010 – Wissen, was wirkt!“ beschäftigen. die Heinrich-Böll-Stiftung wird, in Kooperation mit den grün-alternativen Hochschulgruppen zum zweiten Mal eine solche Tour quer durch die Republik durchführen und zwar unter dem Rahmenthema “Neue Leitbilder für Hochschulen“. (vgl. letztjährige Tour: www.boell.de/campustour)
Johanna, Anna und ich finden diese Idee ganz spannend und laden euch alle herzlich dazu ein mit uns darüber zu diskutieren, welche Hochschule wir wollen/brauchen? Wir wollen eine kleine Veranstaltungsreihe mit euch machen, in der es möglich sein wird abseits des täglichen Studienstresses darüber nachzudenken und Ideen zu sammeln, wie wir Studierende uns eine gute Hochschule vorstellen und was sich, um dies zu ermöglichen, alles ändern müsste, insb. an unserer Uni natürlich. Eine erste Ideensammlung stellen wir euch hier als PDF zur Verfügung stellen.
Treffen: Montag, den 22.02.2010 um 19 Uhr im 1. OG des Gebäude 9 auf dem Campus und freuen uns auf viele neue und bekannte Gesichter!
Auf unserem Blog veröffentlichen wir verschiedene Arten von Beiträgen. Unter dem Autorennamen “campus.grün Lüneburg” werden Beiträge verfasst, die die Meinung der gesamten Gruppe widerspiegeln. Unter anderen AutorInnen-Namen werden Einzelbeiträge verfasst, die die Meinung der Autorin/des Autors wiedergeben. Dazu gehört dieser Beitrag.
zu “Regeln für die ganze Innenstadt”, LZ vom 10.02.10
Nach der geplanten neuen Gestaltungssatzung für die Innenstadt Lüneburgs sollen Solaranlagen nur in Ausnahmefällen auf Nebengebäuden zugelassen werden. Als Begründung führt Stadtbaurätin Gundermann an, man könne ja alternativ in Bürgersolaranlagen investieren (die sich offenbar außerhalb der Innenstadt befinden sollen). Eine solche Argumentation greift allerdings zu kurz. Denn solarthermische Anlagen, mit denen man Warmwasser zum Waschen und zur Unterstützung der Heizung gewinnt, können sinnvoll nur da eingesetzt werden, wo die Wärme gebraucht wird, also vor Ort. Schon mittelgroße Solaranlagen können bis zu einem Viertel der Wärme für Heizung und Warmwasser bereitstellen. In Deutschland werden nach Angaben der Agentur für erneuerbare Energien aber bisher lediglich 7,4% der benötigten Wärme aus regenerativen Quellen gewonnen.
Wir befinden uns hier scheinbar in einem Dilemma zwischen Denkmalschutz und Klimaschutz. Die historische Bausubstanz in der Lüneburger Innenstadt ist sehens- und erhaltenswert. Die Frage ist aber, ob wir wirklich etwas einbüßen, wenn dunkelblaue Solaranlagen auf roten Ziegeldächern angebracht werden. Viele Lüneburger Häuser haben ihre Dachflächen nicht zur Straßenseite, also nicht zur Hauptansichtsfläche hin. Solaranlagen dürften daher nur von der Höhe aus vollständig sichtbar sein. Selbst dann trüben sie meiner Meinung nach nicht das Stadtbild – im Gegenteil: zukunftsfähige Energieversorgung und traditioneller Baustil können sich ergänzen, ihr Anblick durchaus erfreuen. Die zahlreichen Leuchtreklamen von Handels- oder Fastfoodketten, die in fast jeder deutschen Innenstadt zu finden sind, beeinträchtigen das Bild der Lüneburger Innenstadt weitaus gravierender und machen es auswechselbar.
Zugegeben, die mögliche Nutzung von Solarenergie in der Lüneburger Innenstadt trägt nur einen kleinen Teil zur Lösung des Klimaproblems bei. Das ist aber bei den meisten Klimaschutzmaßnahmen der Fall. Wenn wir beim Klimaschutz nach dem Motto verfahren: “Nicht jetzt! Nicht hier! Nicht wir!”, dann ist es schlecht bestellt um die Freiheit zukünftiger Generationen. An Althergebrachtem festzuhalten ist nicht immer zukunftsfähig.
Dieser Beitrag ist als Leserbrief in der LZ vom 15.02.10 erschienen.
Auf unserem Blog veröffentlichen wir verschiedene Arten von Beiträgen. Unter dem Autorennamen “campus.grün Lüneburg” werden Beiträge verfasst, die die Meinung der gesamten Gruppe widerspiegeln. Unter anderen AutorInnen-Namen werden Einzelbeiträge verfasst, die die Meinung der Autorin/des Autors wiedergeben. Dazu gehört dieser Beitrag.
Bremen hat ihn. Marburg hat ihn. Cambridge hat ihn. Und in zwei Jahren hoffentlich auch die Uni Lüneburg – echten Ökostrom. Zumindest ist das von der Hochschulleitung geplant. Und ab heute hat das Präsidium dafür die Unterstützung von 637 UnterzeichnerInnen unserer Petition, überwiegend Lüneburger Studierenden. Im Oktober letzten Jahres hatten wir hier die Universitätsleitung in der Online-Petition „Eine nachhaltige Uni braucht nachhaltigen Strom“ aufgefordert, den Stromvertrag der Universität unter ökologischen Kriterien neu auszuschreiben und zu einem echten Ökostromanbieter zu wechseln. Die Unterschriften haben wir Uni-Präsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun heute überreicht.
Unsere Forderung
Wir verstehen die 637 Unterschriften als Unterstützung für die begonnene Transformation hin zu einer nachhaltigen Hochschule mit nachhaltigem Strom. Die hohe Resonanz zeigt, wie wichtig das Thema Ökostrom an unserer Uni ist, besonders auch unter den Studierenden.
Aus unserer Sicht sind bei der Ökostrom-Ausschreibung zwei Dinge besonders wichtig: Die Wahl muss auf echten Ökostrom fallen, bei dem ein festgeschriebener Teil des Strompreises in die Investition in neue Anlagen fließt. Etikettenschwindel, wie es beispielsweise bei RECS-zertifiziertem Strom der Fall ist, sollte ausgeschlossen werden. Und es muss sichergestellt sein, dass an der Uni dauerhaft Ökostrom bezogen wird.
Aktueller Stand
Sascha Spoun hat uns bei der Übergabe der Unterschriften signalisiert, dass die Uni einer Ausschreibung für Ökostrom positiv gegenüberstehe. Das Ziel klimaneutrale Hochschule solle nicht allein über Kompensationen, sondern vor allem durch Vermeidung von Treibhausgasen erreicht werden. Derzeit sei die Uni bis Ende 2011 an einen landesweiten Stromvertrag gebunden, der zentral ausgeschrieben wird. Er sehe zwei Möglichkeiten: Zum einen Einfluss darauf auszuüben, dass die landesweite Ausschreibung auf Ökostrom umgestellt werde, zum anderen, dass sich die Uni aus der zentralen Vergabe löse und selbst Ökostrom ausschreibe. Letztere Möglichkeit ist aus Sicht des Präsidenten die realistischere. Zur Zeit sei es aber noch nicht geklärt, ob das tatsächlich möglich ist.

Nun muss die Liebe nur noch den Verwaltungsweg gehen…
Where do we go from here?
Aus unserer Sicht sollte die gesamte Hochschulgemeinschaft dabei einbezogen werden, das Ziel einer nachhaltigen Hochschule zu erreichen. Mögliche Mehrkosten für ökologisch verträglichen Strom müssen wir gemeinsam an anderer Stelle einsparen. Dabei sollten wir Studierende uns aktiv beteiligen und auch beteiligt werden.
Möglichkeiten wie jede und jeder Einzelne an der Uni Energie sparen kann, sollten noch offensiver beworben werden. Ideenwettbewerbe für ökologische Verbesserungsvorschläge sollten ausgeschrieben werden. Auch Energiesparwettbewerbe und –patenschaften können den Stromverbrauch senken. Ein anderer Ansatz wird beispielsweise an britischen Unis vorangetrieben: sogenannte „personal pledges“, also Selbstverpflichtungserklärungen, motivieren Studierende und Mitarbeitende für mehr Engagement in Sachen Energiesparen und Umweltschutz. „EcoRepresentatives“ heißen freiweillige bzw. bezahlte engagierte Studierende an zwei weiteren britischen Unis. Sie sind BotschafterInnen für nachhaltiges Verhalten an ihrer Uni. Ihre Aufgabe ist es, das Umweltmanagement zu unterstützen. Solche Ideen sollten auch für Lüneburg diskutiert werden. Ohne uns Studierende wird das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreicht werden.
Hintergrund – Warum sollte unsere Uni Ökostrom beziehen?
Die Uni Lüneburg hat sich im Bereich nachhaltige Entwicklung einen Namen gemacht. Innerhalb der Hochschule tragen verschiedene Gruppen dazu bei, dass die Uni dem Ziel der nachhaltigen Hochschule näher kommt: Das Präsidium durch den angestoßenen Neuausrichtungsprozess, in dessen Rahmen das Nachhaltigkeits-Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ eingeführt wurde, sowie durch die Stärkung der Nachhaltigkeit im Forschungsbereich.
Im Jahr 2004 wurde unsere Uni nach dem EMAS-Umweltmanagement zertifiziert – als erste Hochschule in Europa. Das Studentenwerk Braunschweig hat die Bio-Mensa eingerichtet, in dem täglich ein vegetarisches Bio-Bericht angeboten wird.
Last but not least: die Studierenden. Das Ökologie-Referat des AStA hat die Nachhaltigkeitsziele der Uni seit Beginn unterstützt – so half es beispielsweise aktiv bei der Einrichtung der Bio-Mensa, es führte eine Kampagne zur Benutzung von Recyclingpapier durch und veranstaltet Filme, Ausstellungen und Diskussionsrunden rund um das Thema Nachhaltige Entwicklung. Und nicht zu vergessen der Leitfaden „Uni, Nachhaltigkeit und du“, dessen zweite Auflage vom Präsidium finanziert wurde und der mittlerweile mit dazu beiträgt, dass die Uni Lüneburg als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit bundesweit bekannt wird – mehrere Hochschulgruppen in anderen Städten (z.B. Marburg, Duisburg-Essen, Darmstadt) sind dabei den Leitfaden auf ihre Uni zu übertragen. Der Leitfaden leistet einen Beitrag dazu, dass durch die Sensibilisierung für Energiethemen die Energiekosten der Uni mittel- bis langfristig sinken werden.
Hinzu kommt, dass die Uni Lüneburg weltweit führend mit dem Ziel ist, bis 2012 klimaneutral zu arbeiten. Da ist es nur konsequent, durch den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien und durch Energiesparmaßnahmen einen Großteil der rund 1100 Tonnen CO2, die an der Uni jährlich anfallen, von vornherein zu vermeiden, anstatt sie nachträglich durch teure Zertifikate auszugleichen. Die Tatsache, dass die Uni noch immer Atom- und Kohlestrom von Eon-Avacon bezieht, ist mit dem Anspruch, eine nachhaltige Uni zu sein, nicht vereinbar.
Timo Eckhardt (Netzwerk Klimagerechte Hochschule) und Matthias Schröter (campus.grün Lüneburg)
Zur ganzseitigen Berichterstattung in der LZ vom 30.02.10, über Eckhard Pols, MdB, unter dem Titel „Kein unbeschriebenes Blatt“
Auf einer ganzen Zeitungsseite erfährt der LZ-Leser fesselnde Neuigkeiten rund um Eckhard Pols, der fröhlich-staunend durch Berlin wandelt: Der Gang durchs Brandenburger Tor ist erhebend, der Herr Abgeordnete muss furchtbar viel lesen, schlägt aber auch einmal selbst einen Nagel in die Bürowand und ist vor seiner ersten Rede im Bundestag mächtig aufgeregt. So so. Herzlichen Dank für diese umfassende Bilanz der ersten 100 Tage im Amt. Sie scheint vollständig, war doch politisch von Pols nicht viel zu hören, seit er in den Bundestag einzog. Aufgabe der Landeszeitung wäre es aber gewesen, auch die großen Fragen zu stellen: Wie sehen Pols’ Bedingungen für eine Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz aus? Wie will er Klimaschutz voranbringen, wie die ungelöste Endlagerfrage für Atommüll lösen? Sind Parteispenden von Unternehmen in Millionenhöhe schädlich für die Demokratie? Übrigens: Pols ist stolzer Vorsitzender der Kinderkommission und stimmt gleichzeitig den Steuersenkungsplänen der Regierung zu – obwohl wachsende Schuldenberge die nachkommenden Generationen um Zukunftschancen bringen. Im Magazin Focus glänzt der Abgeordnete mit kritischen Tönen, hebt im Bundestag aber brav die Hand, um sein Vorbild Angie zufrieden zu stellen. Zwei andere CDU-Abgeordnete, einer von ihnen Bundestagspräsident Norbert Lammert, hatten mehr Rückgrat, zumindest was das Steuergeschenk der Koalition für Hoteliers betrifft. Hier nachzuhaken, hätte der LZ gut zu Gesicht gestanden. Den Kollegen von der „Lüneburg kompakt“ verwehrt Pols das gewünschte Interview komplett. Einem anderen Blatt – er wird wohl die LZ meinen – habe er ein „exklusives Interview“ zugesagt. Das grenzt an eine provinzielle Politikposse. Wem, wenn nicht allen Leserinnen und Lesern im heimischen Wahlkreis, ist Pols Rechenschaft schuldig?
Die Landeszeitung hat diesen Beitrag als Leserbrief erhalten, ihn jedoch – wenig selbstkritisch – leider nicht abgedruckt.
UPDATE: Der Leserbrief ist in gekürzter Form am Donnerstag, 04.02. in der LZ erschienen. Bleibt nur zu hoffen, dass es irgendwann ein kritisches Interview mit unserem arbeitsamen MdB geben wird.
Auf unserem Blog veröffentlichen wir verschiedene Arten von Beiträgen. Unter dem Autorennamen “campus.grün Lüneburg” werden Beiträge verfasst, die die Meinung der gesamten Gruppe widerspiegeln. Unter anderen AutorInnen-Namen werden Einzelbeiträge verfasst, die die Meinung der Autorin/des Autors wiedergeben. Dazu gehört dieser Beitrag.
Die Landeszeitung berichtete über unsere Tauschaktion in der Hausbar (LZ vom 22.12.09, S. 4):


Erinnert ihr euch an euren Deutschunterricht? Sicher habt ihr dort auch das klassische Drama besprochen und einen Standardaufbau kennen gelernt. Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen erinnern mich gerade stark daran, was ich dort gelernt habe.

(Quelle: de.wikipedia.org)
1. Akt: Exposition
Die Vorgeschichte: Spätestens seit Bali sind wir auf dem Weg nach Kopenhagen. Es deutet sich an, dass der Klimawandel von der Welt als dringlich empfunden wird. Die handelnden Personen werden eingeführt. Eine neue US-amerikanische Administration verspricht “Change”, die Menschen blicken hoffnungsvoll auf den neuen Präsidenten. China wird als Gegenspieler präsentiert, ein Bösewicht, der mittlerweile der “größte” Verschmutzer ist (jedoch nur, wenn man nicht die pro-Kopf-Emissionen betrachtet). In den Nebenrollen auch Deutschland mit einer nicht mehr als selbsternannten [ich lass das Attribut hier weg]-Kanzlerin. Als Komparsen treten auf: kleine Staaten mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie Kabinettssitzungen wahlweise unter Wasser oder am Mount Everest. Die Zivilgesellschaft mobilisiert für den Gipfel.
2. Akt: Komplikation
Bei den Verhandlungen wird deutlich, dass die kleinen bedrohten Inselstaaten und auch China eine andere Gerechtigkeitsauffassung haben als die großen Industrieländer. Sie wollen, dass Pro-Kopf-Emissionen auf alle Menschen gleich verteilt werden und dass die Industrieländer ihrer historischen Verantwortung gerecht werden. Gleichzeitig bieten die USA als Land mit einer der höchsten Pro-Kopf-Emission von Treibhausgasen marginale Minderungen in Höhe von 4 Prozent (bis 2020 gegenüber 1990) an. Die EU bietet trotz des emissionsmindernden Zusammenbruches der sozialistischen Ökonomien gerade mal 20 Prozent Minderungen bis 2020 an.
3. Akt: Peripetie
Tuvalu bricht mit dem Minimalkonsens und fordert statt eines 2-Grad-Zieles 1,5 Grad bis 2100 um den Inselstaat vor der drohenden Überflutung zu retten. Ein dänischer Vorschlag ohne konkrete Finanzzusagen aber mit Minderungsverpflichtungen auf Seiten der Entwicklungsländer macht die Runde. Vermehrt wird der Vorschlag eingebracht, das Kyoto-Protokoll auslaufen zu lassen und nochmal von vorne anzufangen. 100.000 Menschen ziehen zum Verhandlungsort und fordern Klimagerechtigkeit. Nach Angaben eines dänischen Politikers die größte Demonstration, die Dänemark seit vielen, vielen Jahren erlebt hat.
4. Akt: Retardation
Spätestens seit gestern verlangsamt sich nun die Handlung. Von Scheitern, Verhandlungsunterbrechung und Ultimatum ist die Rede. Die [ich werde es auch jetzt nicht schreiben]-Kanzlerin zeigt in ihrer Regierungserklärung auf die anderen, die bereits auf andere zeigen. Die Zivilgesellschaft wird ausgeschlossen.
5. Akt: Katastrophe oder Dénouement?
Was uns in den folgenden zwei Tagen erwartet, ist alles andere als vorhersehbar. Schauen wir einer Tragödie zu, dann ist es eine Katastrophe, ein Scheitern des Gipfels. Ist es eine Komödie, dann kommt es zur gespielten globalen Glückseligkeit – mit um 2 Grad höheren globalen Durchschnittstemperaturen, zunehmenden extremen Wetterereignissen, Klimaflüchtlingen, weniger Biodiversität. Wir sollten vorher die Zuschauerränge verlassen und selbst aktiv werden.
Vielen Dank an Hermann E. Ott (MdB), der mit klaren Worten zur “Klima-Show”, dieses Thema heute publik gemacht hat.
Derzeit trifft sich in Kopenhagen nicht nur die politische Vertretung der Staaten der Erde, sondern auch die globale Zivilgesellschaft. Bunter Protest an allen Ecken Kopenhagens und Gedankenaustausch im Alternativ-Gipfel Klimaforum.
Von “There is no planet B”, “Nature doesn’t compromise”, “Climate change kills”, und der simplen Botschaft “350!” zu “Change the politics, not the climate”,”No offsetting, climate justice now”, “Shut down tar sands” und “Respect indigenous peoples rights”, “Vores verden er ikke til salg” (Unsere Welt ist keine Ware) und “Waht we do to our planet, we do to ourselves”: Vier Tage Kopenhagen mit 100.000 TeilnehmerInnen beim Protestmarsch zum Verhandlungsort geben Mut für mehr Klimapolitik von unten.
Lüneburger Eindrücke findet ihr hier in unseren Fotoalben bei Facebook und bei Flickr.

Liebe Leute,
ihr seid eingeladen zur Weihnachtsgeschenke-Tausch-Aktion! Bald schon rückt Weihnachten näher und ihr habt das passende Geschenk noch nicht gefunden?
Dann tauscht einfach einen alten liebgewonnen Gegenstand gegen einen neuen anstatt euer Geld an Namenstassen, Kinogutscheine und Badesets zu verlieren.
Warum wir das anzetteln: Weil es uns eine Herzensangelegenheit ist, an Weihnachten konsumkritisch umzudenken, Geld zu sparen und Spaß zu haben.
Was ihr braucht: Einen Tauschgegenstand, der verschenkbar und funktionstüchtig sein muss. Vielleicht freut sich ja die Tante deiner Freundin über deine alten André Rieu CDs?
Der Film: The Corporation. Zeigt, welche Macht Firmen über unseren Alltag haben. Jounalistisch brilliant aufbereitet und hochgelobt, gibt euch der Film den richtigen Input für frohe Feiertage.
Wo und Wann: Getauscht und Film geschaut wird am 17.12. in der Hausbar. Der Tausch beginnt um 18 Uhr. Los gehts mit dem Film ab 19:30 Uhr.
Herzlichst,
eure politische Hochschulgruppe campus.grün