Calls
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Poster
Auch der LüneGAL wird es wieder eine Poster-Session geben! Wir laden angewandt forschende Linguist*innen aus allen Bereichen herzlich dazu ein, ihre Forschungsprojekte und- ergebnisse im Rahmen der Poster-Session zu präsentieren, um auch in diesem Format mit Interessierten in Austausch und Diskussion zu treten.
Zeit: 17.9.2026, 13.30 bis 14.30 Uhr
Ort: im Foyer des Zentralgebäudes (C40)
Wenn Sie auf der LüneGAL ein Poster präsentieren möchten, reichen Sie bitte ein Abstract im Umfang von max. 300 Wörtern (exkl. Literaturverzeichnis) ein. Ihr Abstract sollte Angaben über die Forschungsfragen, die genutzten Daten und Methoden sowie Aussagen zum Stand des Projektes und damit auch zum Anliegen Ihrer Posterpräsentation (Projektskizze, Work in Progress, Projektergebnisse o.ä.) enthalten. Der Call richtet sich insbesondere an Nachwuchswissenschaftler*innen.
Das Poster sollte die Größe DIN A1 oder DIN A0 haben. Beide Größen können gut auf den bereitgestellten Stellwänden angebracht werden.
Einreichungen für die Poster erfolgen wie alle anderen Einreichungen auch über das ConfTool. Die Deadline für die Einreichung der Poster ist der 1.5.2026.
World Café
Haben Sie eine Frage oder ein Thema, die oder das Sie gerne mit anderen Tagungsteilnehmer*innen diskutieren möchten? – Dann melden Sie sich als Gastgeber*in für einen Tisch im World Café an!
Ihre Aufgabe: Sie moderieren den Tisch zu Ihrem Thema/Ihrer Fragestellung und kommen dort für den Zeitraum von ca. einer Stunde mit wechselnden Gruppen von Interessierten ins Ge- spräch. An einer zur Verfügung gestellten Pinnwand können Ideen festgehalten werden. (Für Papier und Stifte wird gesorgt sein.)
Ablauf: Es gibt 4–6 Gesprächsrunden. Eine Runde dauert zwi- schen 10 und 15 Minuten (die Länge einer Gesprächsrunde richtet sich nach den Anmeldezahlen der Tische). Das Ende ei- ner Gesprächsrunde wird jeweils angekündigt. Teilnehmende haben dann die Möglichkeit, den Tisch zu wechseln (oder auch zu bleiben).
Zeit: 17.9.2026, 13.30 bis 14.30 Uhr
Ort: im Foyer des Zentralgebäudes (C40)
Wer einen Tisch im World Café moderieren möchte, gibt dies bitte bei der Tagungsanmeldung über das ConfTool an (↗ 4). Die Anmeldungsfrist ist dafür der 31.8.2026.
Sektion Fachkommunikation
Organisation: Lars Bülow (LMU München), Ulrike Krieg-Holz (Universität Klagenfurt)
Sektionsthema: Formen der Kommunikation und des Transfers von Fachlichkeit
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
In einer zunehmend wissensbasierten und digital vernetzten Gesellschaft kommt dem Transfer von Fach-wissen eine zentrale Bedeutung zu. Fachliche Inhalte werden in unterschiedlichen Kommunikationskontexten – etwa in wissenschaftlichen Publikationen, populärwissenschaftlichen Formaten, Bildungsmedien, sozialen Netzwerken oder der institutionellen Kommunikation – jeweils spezifisch aufbereitet, sprachlich gestaltet und adressatengerecht vermittelt.
Insbesondere digitale Medien und Technologien verändern die Fachkommunikation grundlegend. Sie beeinflussen, wie Fachlichkeit sprachlich und multimodal vermittelt, legitimiert und rezipiert wird. Neben klassischen Formen fachinterner und fachöffentlicher Kommunikation gewinnen hybride, plattformbasierte und zunehmend auch automatisierte Kommunikationsformate an Relevanz.
Die Sektion „Fachkommunikation“ widmet sich vor diesem Hintergrund den vielfältigen linguistischen Perspektiven auf Formen der Vermittlung und des Transfers fachlicher Inhalte in unterschiedlichen Kommunikationszusammenhängen. Besonderes Augenmerk gilt dabei digitalen, hybriden und KI-gestützten Formaten sowie den damit verbundenen sprachlichen, kommunikativen und ethischen Herausforderungen.
Willkommen sind Beiträge zu folgenden Themenkomplexen:
- Textsorten und Genres fachinterner vs. fachöffentlicher Kommunikation
- Professionelle Kommunikation und Expert*inneninteraktion; institutionelle Fachdiskurse und sprachliche Praktiken (z.B. Medizin, Recht, Verwaltung)
- Wissensaustausch zwischen Expert*innen und Laien; sprachliche und multimodale Strategien der Vermittlung von Fachlichkeit und Fachterminologie; Praxistransfer in Beratung, Lehre, Aus- und Weiterbildung
- Fachkommunikation und Wissensvermittlung in digitalen Medien und auf Social-Media-Plattformen (z.B. Instagram, YouTube, TikTok, Blogs, Podcasts); Wissenspopularisierung und Wissensrekontextualisierung (z.B. Influencer*innen in der Wissenschaft, Fachsprache in Erklärvideos und Infografiken); KI-gestützte Fachkommunikation (z.B. Chatbots, Textgeneratoren) sowie linguistische und ethische Fra-gestellungen
- Verständlichkeitsforschung, Leichte Sprache und Barrierefreiheit
Abstracts (max. 300 Wörter, exklusive Literaturangaben) für Vorträge (20 Minuten plus 10 Minuten Diskus-sion) können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Die Einreichung erfolgt über ConfTool bis zum 1.5.2026. Die Auswahl der Beiträge wird bis zum 1.6.2026 bekannt gegeben.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Adamzik, Kirsten (2018): Fachsprachen. Die Konstruktion von Welten. Stuttgart: UTB.
Bredel, Ursula & Maaß, Christiane (2016): Leichte Sprache. Berlin: Duden.
Göpfert, Winfried (2019): Wissenschaftsjournalismus. Wiesbaden: Springer.
Hoffmann, Lothar (Hrsg.) (1998): Fachsprachen. Ein internationales Handbuch. Berlin/New York: De Gruyter.
Jaki, Sylvia & Sabban, Annete (Hrsg.) (2016): Wissensformate in den Medien: Analysen aus Medienlinguistik und Medi-enwissenschaft. Berlin: Frank & Timme.
Jaki, Sylvia et al. (Hrsg.) (2024): Multimodalität in Wissensformaten. Berlin u.a.: Peter Lang.
Janich, Nina & Simon, Niklas (Hrsg.) (2023): Nichtwissen und Unsicherheit in der Wissenschaftskommunikation / Igno-rance and Uncertainty in Science Communiation. Themenheft. Fachsprache. In: Journal of Professional and Scientific Communication 45/1–2.
Langer, Inghard et al. (2011): Verständlichkeit in der Kommunikation. München: Reinhardt.
Niederhauser, Jürg (1999): Wissenschaftssprache und populärwissenschaftliche Vermittlung. Tübingen: Narr.
Sektion Gesprächsforschung
Organisation: Maximilian Krug (Universität Duisburg-Essen), Ina Pick (Universität Bielefeld)
Sektionsthema: Order and Beyond: Nicht-Musterhaftigkeit, Abweichung und Einzelfälle in der
Gesprächsforschung
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Seit ihren Anfängen steht die Gesprächsforschung unter dem programmatischen Leitmotiv, dass es in so-zialer Interaktion „order at all points“ (Sacks 1984) gibt. Entsprechend wurden Ordnungen in Gesprächen auf unterschiedlichsten Ebenen rekonstruiert: von feinsten sequenziellen (Jefferson 1973; Fetzer & Meierkord 2002), prosodischen (Freese & Maynard 1998; Couper-Kuhlen 2004) und multimodalen Strukturen (Goodwin 2018; Mondada 2020) über wiederkehrende kommunikative Praktiken (Schegloff 1972; Hazel 2015; Depper-mann, Feilke & Linke 2016) bis hin zu größeren Handlungsschemata, z.B. Aktivitäten (Krug 2022), Gattun-gen (Günthner & Christmann 1996; Dix 2021) und institutionellen Formaten (Drew & Heritage 1992; Groß & Harren 2016). Ordnung erscheint dabei nicht als von außen auferlegte Struktur, sondern als lokal, situiert und interaktiv hervorgebracht.
Gleichzeitig ist eine ebenso grundlegende Einsicht der Konversationsanalyse, dass jede konkrete Realisie-rung einer Praxis letztlich einzigartig ist (Garfinkel 1967). Sie wird von spezifischen Teilnehmenden, mit spezifischen semiotischen Ressourcen und zur Bearbeitung eines lokal relevanten Problems hervorgebracht (Sidnell 2013). Teilnehmende begegnen jeder Situation „another first time“, und analytische Kategorien müssen sich an dieser Situiertheit und Indexikalität messen lassen. Die Spannung zwischen Ordnung und Ein-zigartigkeit, zwischen Musterhaftigkeit und Abweichung ist damit nicht randständig, sondern konstitutiv für die Gesprächsforschung (Schegloff 1997).
Die geplante Sektion setzt genau an dieser Spannung an. Wir möchten Ordnungen beleuchten, dabei aber auch nach Abweichungen von den Ordnungen fragen. Die Rekonstruktion von Mustern, Rekurrenzen und Typenbildung, also Ordnungen aufzuzeigen, sind wichtige wissenschaftliche Methoden, die zu systematischen Beschreibungen dessen führen, was über Einzelfälle hinaus vergleichbar ist. Dazu kommt, dass nur ein Wissen um Ordnungen Abweichungen und Einzelfälle überhaupt erst als solche erkennbar machen kann. Gleichzeitig tendieren Ordnungen aber auch dazu, alles Abweichende zu vernachlässigen. Wir möchten daher den analytischen Blick systematisch auf jene Phänomene richten, die sich bestehenden Ordnungen entziehen, sie irritieren oder ihre Grenzen sichtbar machen. Was lernen wir aus Daten und über unsere Phä-nomene, wenn wir den Blick auf Nicht Musterhaftes, Abweichungen, Einzelfälle, Grenz- und Übergangsfälle sowie analytisch „widerständige“ Daten richten? Welche methodischen Entscheidungen sind erforderlich, um Ordnung überhaupt beschreibbar zu machen und wie verfahren wir methodisch mit Abweichungen davon?
Methodologische Bezugspunkte
Die Sektion knüpft an mehrere, teils spannungsreiche Traditionslinien der Gesprächsforschung an:
- Einzelfallorientierung und Vergleich: Ethnomethodologisch konsequent gedachte Positionen haben darauf hingewiesen, dass Vergleiche zwischen Fällen selbst erklärungsbedürftig sind und Vergleichbarkeit nicht vorausgesetzt werden kann (Watson 2008; Mair, Sharrock & Greiffenhagen 2022). Zugleich ist vergleichen-de Arbeit – etwa in Form von Fallkollektionen – ein zentrales Verfahren der Musterrekonstruktion in der CA (Sidnell 2009). Wie aber wird dabei methodologisch mit Fällen verfahren, die sich der Vergleichbarkeit ent-ziehen oder Vergleichsannahmen unterlaufen?
- Individualität und Generalität: Wenngleich in der gesprächslinguistischen Forschung in der Regel der Blick auf Musterhaftigkeit gerichtet wird, gibt es einzelne Arbeiten, die versucht haben, stärker auch auf Individua-lität (Spranz-Fogasy 2002, Bendel Larcher 2021) oder Okkasionalismen (Hellmer 2022) zu blicken. Was kann ein solcher analytischer Fokus, der auf Individualität und Einzelfälle blickt, für ein Verstehen von sozialer Interaktion leisten?
- Informale und formale Quantifizierung: Schon klassische CA arbeitet mit Formen informaler Quantifizierung („often“, „usually“, „rarely“), ohne diese auszuzählen (Schegloff 1993). Was aber in den Fällen geschieht, die „unusual“ sind, wird meist nicht weiter erwähnt. Neuere Ansätze formaler Quantifizierung und Kodierung zielen darauf, Verteilungen, Wahrscheinlichkeiten und Korrelationen sichtbar zu machen (Robinson 2007; Stivers 2015; Luginbühl et al. 2021; Krug 2025). Wie verändern solche Verfahren den Status von Abweichungen? Werden sie sichtbar gemacht, statistisch markiert oder geglättet?
- Kodierung als methodologischer Prüfstein: Aktuelle Arbeiten zur CA grounded-coding Praxis betonen die Spannung zwischen den Anforderungen von Kodierschemata (Eindeutigkeit, Exklusivität, Stabilität) und den Eigenschaften sozialer Aktion (Indexikalität, Mehrschichtigkeit, zeitliche Entfaltung, potenzielle Uneindeutig-keit) (Deppermann & Gubina 2025; Stivers & Deppermann 2025; Küttner, Kornfeld & Zinken 2023). Nicht Musterhaftigkeit tritt hier nicht nur im Datenmaterial auf, sondern hat Auswirkungen auf das methodische Verfahren selbst.
Einladung und Leitfragen der Sektion
Vor diesem Hintergrund laden wir Beiträge ein, die sich empirisch, methodologisch oder reflexiv mit Nicht Musterhaftigkeit, Abweichung und den Grenzen gesprächsanalytischer Ordnungskonzepte auseinandersetzen und u.a. mit folgenden Fragen befassen:
- Analytische Erkenntnisse: Welche Einsichten ergeben sich, wenn kommunikative Verfahren untersucht werden, die zwar empirisch auftreten, sich aber nicht eindeutig als Ordnung, Praxis oder Muster beschreiben lassen?
- Musterbildung und ihre Grenzen: Wie viel Nicht Musterhaftigkeit „vertragen“ analytische Kategorien? Ab wann sprechen wir von Varianz, Abweichung, Grenzfall oder Einzelfall und welche methodologischen Konsequenzen erwachsen daraus?
- Einzelfall vs. Sammlung: Welche Rolle spielen analytisch widerständige Fälle in Fallkollektionen? Wann werden sie produktiv integriert, wann ausgeklammert?
- Quantitative Verfahren: Wie gehen quantitative und formal kodierende Ansätze mit Abweichungen um? Sind diese dort klarer erkennbar oder werden sie durch Aggregation, Normalisierung oder Kategorisierung nivelliert?
- Ebenen von Ordnung: Gibt es Ebenen, Gegenstände oder Settings von Gesprächen, die unterschied-lich stark musterhaft organisiert sind? Welche Rolle spielen Medialität, Institutionalisierung, Vergleichbarkeit oder individuelle Interaktionsprofile?
Abstracts (max. 300 Wörter, exklusive Literaturangaben) für Vorträge (20 Minuten plus 10 Minuten Diskus-sion) können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Die Einreichung erfolgt über Con-fTool bis zum 1.5.2026. Die Auswahl der Beiträge wird bis zum 1.6.2026 bekannt gegeben.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Bendel Larcher (2021): Interaktionsprofil und Persönlichkeit. Eine explorative Studie zum Zusammenhang von sprachli-chem Verhalten und Persönlichkeit. Verlag für Gesprächsforschung.
Couper-Kuhlen, Elizabeth (2004): Prosody and sequence organization in English conversation. In Elizabeth Couper-Kuhlen (Hrsg.), Sound patterns in interaction: Cross-linguistic studies from conversation (Typological studies in lan-guage), vol. 62, 335–376. Amsterdam: Benjamins. DOI: 10.1075/tsl.62.17cou.
Deppermann, Arnulf, Helmuth Feilke & Angelika Linke (2016): Sprachliche und kommunikative Praktiken: Eine Annähe-rung aus linguistischer Sicht. In Arnulf Deppermann, Helmuth Feilke & Angelika Linke (Hrsg.), Sprachliche und kom-munikative Praktiken (Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache), vol. 2015, 1–23. Berlin; Boston: De Gruyter.
Deppermann, Arnulf & Alexandra Gubina (2025): Coding actions in social interaction: Potentials and problems. Re-search on Language and Social Interaction 58(3). 258–280. DOI: 10.1080/08351813.2025.2528494.
Dix, Carolin (2021): Die christliche Predigt im 21. Jahrhundert: Multimodale Analyse einer Kommunikativen Gattung (Wissen, Kommunikation und Gesellschaft). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. DOI: 10.1007/978-3-658-33855-8.
Drew, Paul & John Heritage (1992): Analyzing talk at work: an introduction. In Paul Drew & John Heritage (Hrsg.), Talk at work: Interaction in institutional settings (Studies in interactional sociolinguistics), vol. 8, 3–65. Transferred to digital printing. Cambridge: Cambridge Univ. Press.
Fetzer, Anita & Christiane Meierkord (Hrsg.) (2002): Rethinking sequentiality: Linguistics meets conversational interac-tion ; [based on papers from the 7th IPrA conference, which was held in Budapest in 2000 (Pragmatics & beyond). Bd. N.S., 103. Amsterdam: Benjamins.
Freese, Jeremy & Douglas W Maynard (1998): Prosodic Features of Bad News and Good News in Conversation. Lan-guage in Society 27(2). 195–220.
Garfinkel, Harold (1967): Studies in ethnomethodology. Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall.
Goodwin, Charles (2018): Co-operative action (Learning in doing). New York: Cambridge University Press. DOI: 10.1017/9781139016735.
Groß, Alexandra & Inga Harren (Hrsg.) (2016): Wissen in institutioneller Interaktion (Forum Angewandte Linguistik). Bd. 55. Frankfurt am Main: Peter Lang Edition.
Günthner, Susanne & Gabriela B. Christmann (1996): Entrüstungs- und Mokieraktivitäten — Kommunikative Gattungen im Kontextvergleich. Folia Linguistica 30(3–4). DOI: 10.1515/flin.1996.30.3-4.327.
Hazel, Spencer (2015): Acting, interacting, enacting: Representing medical practice in theatre performance. Akademisk kvarter 1(12). 44–64.
Helmer, Henrike (2022): Okkasionalismen im gesprochenen Deutsch. Bedeutungserklärungen zwischen Notwendigkeit und interaktiver Ressource. Deutsche Sprache Jg. 50 (2022) Nr. 2, S. 97–123.
Jefferson, Gail (1973): A Case of Precision Timing in Ordinary Conversation: Overlapped Tag-Positioned Address Terms in Closing Sequences. Semiotica 9(1). 47–96. DOI: 10.1515/semi.1973.9.1.47.
Krug, Maximilian (2022): Gleichzeitigkeit in der Interaktion: Bearbeitung struktureller (In)Kompatibilität multimodaler Beteiligungsweisen bei Multiaktivitäten in Theaterproben (Linguistik – Impulse & Tendenzen). Bd. 99. Berlin: De Gruyter. DOI: 10.1515/9783110769029.
Krug, Maximilian (2025): Integrating quantitative methods into conversation analysis. Nota Bene 2(1). 41–68. DOI: 10.1075/nb.00023.kru.
Küttner, Uwe-A., Laurenz Kornfeld & Jörg Zinken (2023): A coding scheme for (dis)approval-relevant events involving the direct social sanctioning of problematic behavior in informal social interaction. Online-only Publikationen des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache 5. DOI: 10.21248/idsopen.5.2023.8.
Luginbühl, Martin, Vera Mundwiler, Judith Kreuz, Daniel Müller-Feldmeth & Stefan Hauser (2021): Quantitative and Qualitative Approaches in Conversation Analysis: Methodological Reflections on a Study of Argumentative. Gesprächsforschung Online 22. 179–236.
Mair, Michael, Wes W. Sharrock & Christian Greiffenhagen (2022): Research with Numbers. In Douglas W. Maynard & John Heritage (Hrsg.), The Ethnomethodology Program, 348–370. 1. edn. Oxford University PressNew York. DOI: 10.1093/oso/9780190854409.003.0013.
Mondada, Lorenza (2020): Orchestrating Multi‐sensoriality in Tasting Sessions: Sensing Bodies, Normativity, and Lan-guage. Symbolic Interaction. DOI: 10.1002/symb.472.
Robinson, Jeffrey D. (2007): The Role of Numbers and Statistics within Conversation Analysis. Communication Methods and Measures 1(1). 65–75. DOI: 10.1080/19312450709336663.
Sacks, Harvey (1984): Notes on methodology. In John M. Atkinson & John Heritage (Hrsg.), Structures of Social Action: Studies in Conversation Analysis, 21–27. Cambridge: Cambridge University Press.
Schegloff, Emanuel A. (1972): Notes on a conversational practice: Formulating place. In David Sudnow (Hrsg.), Studies in social interaction, 75–119. New York: Free Press.
Schegloff, Emanuel A. (1993): Reflections on Quantification in the Study of Conversation. Research on Language & Social Interaction 26(1). 99–128. DOI: 10.1207/s15327973rlsi2601_5.
Schegloff, Emanuel A. (1997): Practices and actions: Boundary cases of other‐initiated repair. Discourse Processes 23(3). 499–545. DOI: 10.1080/01638539709545001.
Sidnell, Jack (2009): Comparative perspectives in conversation analysis. In Jack Sidnell (Hrsg.), Conversation Analysis, 3–28. Cambridge: Cambridge University Press. DOI: 10.1017/CBO9780511635670.002.
Sidnell, Jack (2013): Basic Conversation Analytic Methods. In Jack Sidnell & Tanya Stivers (Hrsg.), The handbook of conversation analysis, 77–99. Oxford: Wiley-Blackwell.
Spranz-Fogasy, Thomas (2002): Interaktionsprofile. Die Herausbildung individueller Handlungstypik in Gesprächen. Verlag für Gesprächsforschung.
Stivers, Tanya (2015): Coding Social Interaction: A Heretical Approach in Conversation Analysis? Research on Lan-guage and Social Interaction 48(1). 1–19. DOI: 10.1080/08351813.2015.993837.
Stivers, Tanya & Arnulf Deppermann (2025): From recordings to codes: Approaches to the study of social interaction and relationships to theory. Research on Language and Social Interaction 58(3). 211–220. DOI: 10.1080/08351813.2025.2528487.
Watson, Rod (2008): Comparative Sociology, Laic and Analytic: Some Critical Remarks on Comparison in Conversation Analysis. Cahiers de praxématique (50). 203–244. DOI: 10.4000/praxematique.967.
Sektion Interkulturelle Kommunikation und mehrsprachige Diskurse
Organisation: Beatrix Kreß (Universität Hildesheim), Bettina Lindner-Bornemann (Universität Hildesheim)
Sektionsthema: ChatGPT – Was weißt Du über Kultur?
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Der Kulturbegriff ist in der Sprachwissenschaft traditionell mehrdimensional: Er reicht von der Betrachtung sprachlicher Praktiken als Ausdruck kultureller Zugehörigkeit bis zur Analyse von Diskursen, in denen „Kultur“ sprachlich hergestellt und verhandelt wird. Sprachliche Variation, Metaphern, narrative Strukturen und Übersetzungsprozesse sind nicht nur Medien, sondern Konstitutionsformen kulturellen Wissens (vgl. u.a. Redder/Rehbein 1987; Kuße 2012; Schröter et al. 2019; Künkel 2024).
Künstliche Intelligenz und insbesondere Large Language Models wie ChatGPT sind zu neuen Akteuren sprachlicher und kultureller Kommunikation geworden. Sie generieren Texte, interpretieren kulturelle Kontexte und interagieren in Mehrsprachigkeit – oft mit erstaunlicher, manchmal irritierender Selbstverständlichkeit. Damit stellen sie grundlegende Fragen an die Sprachwissenschaft: Welche Konzepte von „Kultur“ liegen solchen Modellen zugrunde? Wie wird kulturelles Wissen in Sprache, Daten und Interaktion modelliert – und mit welchen Folgen für interkulturelle Verständigung? Mit der Einführung von KI-Systemen, die kulturelle Strukturen aus Trainingsdaten „lernen“, stellt sich die Frage neu, wie sprachlich codiertes Kulturwissen re-präsentiert und reproduziert wird – und wie Forschende diese Prozesse kritisch beschreiben können. Erste Arbeiten beschäftigen sich beispielsweise mit Stereotypisierungen, Ironie und Common Ground als Heraus-forderungen in der Mensch-Maschine Interaktion und im Vergleich von menschlicher Kommunikation und durch die KI-generierten sprachlichen Daten (z.B. Tantucci/Sparvoli 2025; Wen/Tian 2005; Diedrichsen 2025).
Mögliche Themenfelder und Fragestellungen sind
- Kulturelle Konstruktionen in den Trainingsdaten und Antworten generativer Sprachmodelle
- Wechselwirkungen zwischen Mehrsprachigkeit, maschineller Übersetzung und Kulturalisierung
- Formen digitaler Interkulturalität in der Mensch–KI-Interaktion
- Diskursive Aushandlungen von „Kultur“, „Identität“ und „Wissen“ in KI-generierten Texten
- Sprachliche und kulturelle Biases in maschinellen Sprachsystemen
- Herausforderungen für interkulturelle Kommunikation, Sprachbildung und Übersetzung im KI-Zeitalter
- Theoretische Anschlussstellen zwischen Linguistik, KI-Ethik und kulturwissenschaftlicher Forschung
Die Sektion lädt Beiträge aus allen Bereichen der Angewandten Linguistik ein, die empirisch, theoretisch oder methodologisch zu den Schnittstellen von Sprache, Kultur und KI forschen. Ziel ist eine kritische Dis-kussion darüber, was ChatGPT „über Kultur weiß“ – und was Sprachwissenschaft und interkulturelle Forschung aus diesem neuen Diskursraum lernen können.
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) kön-nen auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026. Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Diedrichsen, Elke (2025): Common ground in artificial intelligence applications, in: Intercultural Pragmatics, vol. 22, no. 2, 309-338.
Künkel, Veronika Elisabeth (2024): Brennpunkte der Verflechtung von Sprache und Kultur. Parameter einer Theorie kommunikativen Handelns und ihre Perspektiven für eine Linguistik der Interkulturalität. In: Künkel, Veronika Elisabeth/Silvia Bonacchi/Daniel Hugo Rellstab/Jörg Roche/Gesine Leonore Schiewer/Joachim Warmhold (Hrsg.): Lingu-istik der Interkulturalität. Dimensionen eines interdisziplinären Forschungsfeldes. Baden-Baden: Ergon, 125–155.
Kuße, Holger (2012). Kulturwissenschaftliche Linguistik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Redder, Angelika/Jochen Rehbein (1987): Zum Begriff der Kultur, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie Nr. 38, 7–21.
Schröter, Juliane/Susanne Tienken/Yvonne Ilg/Joachim Scharloth/Noah Bubenhofer (2019): Linguistische Kulturanalyse. Berlin/Boston: De Gruyter.
Tantucci, Vittorio/Carlotta Sparvoli (2025). AI, be less ‘stereotypical’: ChatGPT’s speech is conventional but never unique, in: Intercultural Pragmatics, vol. 22, no. 2, 231–258.
Wen, Xu/Yaling Tian (2025): Understanding ironic utterances: A comprehensive examination of ChatGPT-4o, in: Intercultural Pragmatics, vol. 22, no. 2, 259–283.
Sektion Lexikographie
Organisation: Volker Harm (Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen / Georg-August-Universität Göttingen), Renata Kwaśniak (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)
Sektionsthema: Neue Wörter: Okkasionalismen und Neologismen in Sprache und
Sprachdokumentation
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Der Wortschatz ist das dynamischste Teilsystem der Sprache. Er wird nicht nur infolge von Entwicklungen und Neuerungen in verschiedenen Sphären des Lebens, sondern auch durch Kreativität der Sprecherinnen und Sprecher stetig bereichert und erweitert. Inwieweit die Sprachdokumentation im Wörterbuch oder in vergleichbaren lexikalischen Ressourcen mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten hat, ob sie lieber die Finger davon lassen oder sich erst recht dieses Gegenstandes annehmen sollte, ist eine offene Frage. Die-se Frage stellt sich besonders für die zahlreichen Spontan- und Gelegenheitsbildungen, die sog. Okkasionalismen, die im gesamten Varietätenspektrum, sowohl in der Schriftlichkeit als auch der Mündlichkeit auftreten. Lexikalische Neulinge sind jedoch empirisch nicht einfach zu fassen und lexikographisch zudem schwer zu erfassen, zumal sie als Neologismen gelten, „so lange sie nicht in einschlägigen Wörterbüchern oder Kodices aufgenommen sind“ (Riehl 2015: 345). Ist also ein Wörterbucheintrag „dem Neologismus sein Tod“?
So marginal Neologismen und besonders Okkasionalismen für die traditionelle allgemeinsprachliche Lexikographie erscheinen mögen, so zentral sind sie für das Sprachsystem selbst, zeigt sich das Potenzial der Sprache, ihre Situativität und Flexibilität an dieser Stelle doch am deutlichsten. Mit Blick auf unterschiedliche Wörterbuchtypen ist die Frage nach der Dokumentation und dem „Dokumentationswert“ von Neu- und Spontanbildungen allerdings differenziert zu stellen. So kommt ihnen in Autoren- und Textwörterbüchern oftmals ein entscheidender Mehrwert gegenüber dem usuellen Wortschatz zu – das Okkasionelle kann etwa in literarischen Texten gerade das für einen Autor Spezifische, mindestens aber das für einen Text Konstitutive ausmachen (vgl. Gloning 2025: 116–119). Auch für die historische Lexikographie können zeitgenössische Neologismen sowie selten oder einmalig Belegtes (Hapax legomena) ein prominenter und kultur- wie sprachhistorisch überaus aussagekräftiger Beschreibungsgegenstand sein.
Für die Wortschatzerweiterung mittels Okkasionalismen und Neologismen leisten Wortschöpfungen nur einen kleinen – aber höchst markanten – Beitrag. Sehr produktiv sind demgegenüber Neubildungen mithilfe verschiedener Wortbildungstypen. Auch der Sprachkontakt spielt dabei für die Fremd- und Lehnwortbildun-gen und nicht zuletzt für die Entstehung von Neubedeutungen eine wichtige Rolle. Diese bunte Palette von Neu- und Spontanbildungen kann in Gebrauch und Rezeption sowohl reizvoll als auch herausfordernd sein; Translation und Fachkommunikation haben dabei besondere Schwierigkeiten zu bewältigen.
Mit den im Folgenden angeführten Fragenstellungen sind nur einige genannt, die für das diesjährige Thema der Sektion lohnend und zu erörtern wären:
- Wie können Neologismen bestimmt werden? Welche Indizien sprechen dafür, dass ein Wort in einer Sprachgemeinschaft oder in einer Sprechergruppe als Neologismus „empfunden“ (Engelberg/Lemnitzer 42004: 52) wird; sind fundierte Aussagen in dieser Hinsicht möglich?
- Welche operativen Definitionen werden in der Praxis (mit welcher Begründung) angewandt?
- Mit welchen Schwierigkeiten ist die lexikographische Erfassung von Neologismen und Okkasionalismen verbunden? Welche Kriterien entscheiden über die Aufnahme als Lemma? Wie können neue Technolo-gien in diesem Bereich genutzt werden?
- Wie ist der Phänomenbereich empirisch und theoretisch zu beschreiben? Wie verhalten sich Okkasiona-lismen und Neubedeutungen zu Neologismen?
- Welche Besonderheiten treten bei Idiomen auf? Welche Arten von Neologismen oder Okkasionalismen können in der Phraseologie ermittelt werden?
- Auf welchen Wegen gelangen Neologismen ins Deutsche? Welche Faktoren bewirken Wortschatzerweiterungen, welchen kulturellen Aussagewert haben sie?
- Welche Wortbildungstypen, welche Prozesse der Fremd- und Lehnwortbildung sind heute bzw. waren zur bestimmten Zeit (in bestimmten Kommunikationsbereichen, Soziolekten etc.) besonders produktiv?
- Wie sehen „Erfolgsgeschichten“ von Neologismen aus? Wie stellen sich Neologismen – etwa die intensiv erforschten Covid19-Neologismen – in der Rückschau dar?
- Wie war und ist die Akzeptanz (verschiedener Typen) von Neologismen?
- Wie gehen allgemeinsprachliche Wörterbücher der Gegenwartssprache und/oder der älteren Sprachstu-fen mit Neologismen um? Ist eine Kennzeichnung aus Benutzersicht relevant, hilfreich bzw. notwendig? Werden die einschlägigen Einträge bzw. Markierungen in den nachfolgenden Auflagen ggf. überarbeitet?
- Wie wird die Bedeutung von Okkasionalismen in einer bestimmten Kommunikationssituation vermittelt und erschlossen? Welches Potenzial entfalten diese Wörter, welche Funktionen können sie im Text (auch in gesprochener Sprache) und in einzelnen Textsorten übernehmen?
- Gibt es Besonderheiten bei Neologismen im Fachwortschatz?
- Welche Erkenntnisse bringt eine sprachkontrastive Sicht auf die Neologismen? Werden Neologismen in zweisprachigen Wörterbüchern erfasst? Werden die fremdsprachlichen Neologismen durch Paraphrasen oder durch die Angabe ermittelter Äquivalente erläutert?
- Welche Herausforderungen stellen Neologismen und Okkasionalismen bei Translation dar? Welche Strategien können angewandt werden?
Wir laden zu empirisch, praktisch oder theoretisch ausgerichteten Vorträgen ein, die sich aus lexikologischer, lexikographischer oder translatorischer Sicht mit solchen oder vergleichbaren Themenstellungen be-fassen. Die Vortragszeit beträgt 20 bzw. 30 Minuten, entsprechend stehen 10 bzw. 15 Minuten für die anschließende Diskussion zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge (Abstracts bitte im Umfang von max. 400 Wörtern plus Literaturangaben). Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Androutsopoulos, Jannis (2005): „... und jetzt gehe ich chillen“: Jugend- und Szenesprachen als lexikalische Erneue-rungsquellen des Standards. In: Eichinger, Ludwig M. / Kallmeyer, Werner (Hgg.): Standardvarietäten: Wie viel Va-riation verträgt die deutsche Sprache? Berlin / New York, S. 171–206. [Institut für deutsche Sprache. Jahrbuch 2004]
Aufinger-Scheed, Sara E. (2025): Neologismen im Deutschen und Französischen: ein Vergleich. Innsbruck.
Barz, Irmhild (1996): Die Neuheit von Wörtern im Urteil der Sprecher. In: Hertel, Volker / Barz, Irmhild / Metzler, Regine / Uhlig, Brigitte (Hgg.): Sprache und Kommunikation im Kulturkontext. Beiträge zum Ehrenkolloquium aus Anlaß des 60. Geburtstages von Gotthard Lerchner. Frankfurt a. M. u.a., S. 299–313. [Leipziger Arbeiten zur Sprach- und Kom-munikationsgeschichte 4]
Barz, Irmhild (1998): Neologie und Wortbildung. Zum Neuheitseffekt von Wortneubildungen. In: Teubert, Wolfgang (Hg.): Neologie und Korpus. Tübingen, S. 11–30. [Studien zur deutschen Sprache 11]
Christofidou, Anastasia (1994): Okkasionalismen in poetischen Texten. Eine Fallstudie am Werk von O. Elytis. Tübingen. [Tübinger Beiträger zur Linguistik 394]
Die Wortwarte. Lothar Lemnitzer, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, URL: wortwarte.de [bis zum 31.12.2020, letzter Zugriff: 27.1.2027]
Die Wortwarte – Reloaded. Wörter für heute und morgen. Lothar Lemnitzer, URL: wortwarte.org [Zugriff: 27.1.2027]
Elsen, Hilke (2011): Bibliographie Neologismus, mit Lehnwortschatz. München. URL: epub.ub.uni-muenchen.de/12130/1/Elsen_Hilke_Neologismus.pdf [letzter Zugriff: 27.1.2027]
Elsen, Hilke (22011): Neologismen. Formen und Funktionen neuer Wörter in verschiedenen Varietäten des Deutschen. Tübingen.
Elsen, Hilke / Kodantke, Aline (2022): Neologismen aus lexikografischer und lexikologischer Sicht – eine empirische Untersuchung. In: Muttersprache 132(1), S. 1–16.
Engelberg, Stefan / Lemnitzer, Lothar (42004): Lexikographie und Wörterbuchbenutzung. Tübingen.
Faulhaber, Manja / Elsen, Hilke (2016): Neologismen in der Kosmetikwerbung. In: Muttersprache 3, S. 193–207.
Földes, Csaba (2025): Sprachliche Resonanzen des Krieges: Transferneologismen im Deutschen, Ukrainischen und Russischen. In: Glottotheory 16(2), S. 189–216.
Gloning, Thomas (2025): Aufgaben literarischer Korpora und literarischer Belege für die Lexikographie. Grundlagen und Beispiele zum neueren Deutsch. In: Harm, Volker / Kramer, Undine (Hgg.): Beispiel, Beleg, Quelle: Exemplifizie-ren, Dokumentieren, und Verifizieren im Wörterbuch, S. 107–130. [Lexikographica 41(1)]
Helmer, Henrike (2022): Okkasionalismen im gesprochenen Deutsch. Bedeutungserklärungen zwischen Notwendigkeit und interaktiver Ressource. In: Deutsche Sprache 50(2), S. 97–123.
Herberg, Dieter / Kinne, Michael / Steffens, Doris (2004): Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. Berlin / New York.
Heyne, Sabine / Vollmer, Bastian A. (2016): Innovation und Persuasion in der Presse. Eine komparative Korpusanalyse zur Form und Funktion von Neologismen. Wiesbaden.
Innerwinkler, Sandra (2015): Neologismen. Heidelberg. [Literaturhinweise zur Linguistik 1]
Jakop, Nataša / Valenčič Arh, Urška (2021): Analyse potentieller phraseologischer Neologismen im digitalen Zeitalter. In: Aussiger Beiträge 15, S. 227–239.
Kirkness, Alan (2001): Europäismen/Internationalismen im heutigen deutschen Wortschatz. Eine lexikographische Pilot-studie. In: Stickel, Gerhard (Hg.): Neues und Fremdes im deutschen Wortschatz. Aktueller lexikalischer Wandel. Ber-lin / New York, S. 105–130. [Institut für deutsche Sprache. Jahrbuch 2000]
Lemnitzer, Lothar (2007): Von Aldianer bis Zauselquote. Neue deutsche Wörter. Wo sie herkommen und wofür wir sie brauchen. Tübingen.
Lemnitzer, Lothar (2023): 20 Jahre Wortwarte. Wie alles anfing (und endete). In: Beißwenger, Michael / Gredel, Eva / Lemnitzer, Lothar / Schneider, Roman (Hgg.): Korpusgestützte Sprachanalyse. Grundlagen, Anwendungen und Analysen. Tübingen. S. 171–179. [Studien zur deutschen Sprache 88]
Neologismenwörterbuch (2006 ff.), in: OWID – Online Wortschatz-Informationssystem Deutsch, hg. v. Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, URL: www.owid.de/wb/neo/start.html [letzter Zugriff: 27.1.2027]
Riehl, Claudia M. (2015): Besondere Wörter I: Lehnwörter, Neu-Wörter. In: Haß, Ulrike / Storjohann, Petra (Hgg.): Hand-buch Wort und Wörterbuch. Berlin, S. 344–370. [Handbücher Sprachwissen 3]
Schreiber, David / Mahlow, Cerstin / Juska-Bacher, Britta (2012): Phraseologische Neologismen. Identifikation und Va-lidierung. In: Yearbook of Phraseology 3, S. 3–30.
Schüler, Anja (2016): Neologismen in der Science Fiction. Eine Untersuchung ihrer Übersetzung vom Englischen ins Deutsche. Frankfurt am Main. [Leipziger Studien zur angewandten Linguistik und Translatologie 17]
Steffens, Doris (2017): Von Pseudoanglizismen und Kurzzeitwörtern. In: Sprachwissenschaft 42(3), S. 275–304.
Storjohann, Petra / Pawels, Julia (2023): Sprachliche Unsicherheiten bei bedeutungsähnlichen Neologismen und Mög-lichkeiten einer deskriptiv-vergleichenden Dokumentation. In: Sprachwissenschaft 48(1), S. 7–27.
Sulikowska, Anna (2016): Wie entsteht die Bedeutung von phraseologischen Neologismen. Eine korpusgestützte Unter-suchung der kognitiven Bedeutungskonstituierungsprozesse am Beispiel des Idioms ʻein dicker Brockenʼ. In: Studia Niemcoznawcze LVIII, S. 457–474.
Yaremko, Maryana / Dyakiv, Khrystyna (2024): Zur Wortschatzentwicklung im Ukrainischen und Deutschen in Zeiten des russisch-ukrainischen Kriegs. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik 56(1), S. 191–201.
Sektion Mediendidaktik und Medienkompetenz
Organisation: Eva Gredel (Universität Duisburg-Essen), Peter Schildhauer (Universität Bielefeld)
Sektionsthema: Kritische digitale Diskursfähigkeit: Konzeption – Anwendungen – Perspektiven
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Die Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen, sich an öffentlichen Diskursen zu beteiligen, haben sich durch das Aufkommen und die Etablierung digitaler Plattformen in den letzten Jahren vervielfältigt: „Wie in keiner anderen Generation zuvor ist es möglich, […] an öffentlichen Diskursen zu partizipieren, diese sogar selbst zu beginnen und zu bestimmen“ (Franken & Pertzel, 2019, 9). Durch Initiativen wie etwa Fridays for Future oder Letzte Generation wurde dann auch deutlich, dass Kinder und Jugendliche ihre Möglichkeiten (digitaler) Diskursteilhabe intensiv nutzen (Kerschhofer-Puhalo, 2020) und dabei „entscheidenden Einfluss auf die konzeptuelle Formation der aktuellen Diskursperiode [haben]“ (Müller, 2020, 193). Digitale Plattformen erlauben es Kindern und Jugendlichen im Kontext der „Kultur der Digitalität“ (Stalder, 2016) somit, sich nicht nur rezipierend, sondern auch produzierend an digitalen bzw. hybriden Diskurskonstellationen zu beteiligen (Gredel, 2024).
Vor dem oben geschilderten Hintergrund fordert die Kultusministerkonferenz (KMK) in ihrem Papier „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“, dass „Lehr-Lern-Prozesse […] jene Kompetenzen fördern [sollten], die den Lernenden eine mündige, souveräne und aktive Teilhabe an der digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt ermöglichen“ (KMK, 2021, 6). Ein zentrales Ziel schulischer Bildung ist es laut der novellierten Bildungsstandards daher, Lernende durch die Vermittlung entsprechender Diskurskompetenz zu befähigen, sich als mündige Bürgerinnen und Bürger inhaltlich, sprachlich und kulturell angemessen am gesellschaftlichen und kulturellen Miteinander in Europa und der Welt zu beteiligen (KMK, 2023, 6).
Diese Zielvorstellungen werden in den (Fremd-)Sprachendidaktiken bereits seit geraumer Zeit u.a. mit Konzepten adressiert wie bspw. digital literacy (Jones & Hafner, 2012) bzw. digitale Diskursfähigkeit als die „Fähigkeit, sich in den ungeheuer vielfältigen [digitalen] Angeboten und multiplizierten sozialen Kontexten zu orientieren, sich darin zu positionieren und angemessen sowie zielorientiert zu kommunizieren“ (Hallet, 2020, o.S.). Kritisch diskursfähig zu sein, bedeutet dann nicht nur Diskursfragmente funktional-sprachlich, inhaltlich und medial produzieren zu können, sondern es schließt auch die Fähigkeit ein, Diskurse und Diskursfragmente sprachlich, inhaltlich, medial und kulturell zu verstehen sowie eigene und fremde Positionen und Meinungen im Diskurs zu verorten und auf dieser Grundlage mögliche Gegenpositionen und Gegenargumente zu antizipieren (Marxl & Römhild, 2023, 108f.)
In jüngerer Zeit, so scheint es, sind die Anforderungen, die insbesondere digitale Diskursräume an Nutzer*innen stellen, noch einmal komplexer geworden: So stellen Social-Media-Plattformen offenbar einen idealen Verbreitungskontext für verschiedene Formen der Misinformation wie bspw. Verschwörungstheorien (Imhoff, 2023) und Fake News (Antos & Ballod, 2019; Gailberger et al., 2020) dar, die oftmals wissenschafts- (Douglas & Sutton, 2015) und/oder demokratiefeindlich (Römer & Stumpf, 2020) ausgerichtet sind bzw. bereits marginalisierte gesellschaftliche Gruppen attackieren (Gerwers et al., 2025). Dies ist aus mediendidaktischer Perspektive besonders brisant, weil diese Plattformen von Jugendlichen zunehmend als Informationsmedium wahrgenommen werden (Schmitt, 2023) und die ihnen inhärente Algorithmizität nicht nur das Nutzungsverhalten (Petrillo, 2021), sondern auch die Bildung (politischer) Meinungen (Schildhauer & Kemper, 2024) und u.a. auch von Körperbildern und Selbstkonzepten Heranwachsender maßgeblich beeinflussen kann (Glaser et al., 2024). In diesem Zusammenhang wird auch bedeutsam, dass digitale Diskursräume zwar einerseits ermächtigend für bestimmte Nutzer*innen wirken können (vgl. Kabatnik, 2025 zur Community #depression), andererseits aber durch (auch algorithmisch motivierte, AlgorithmWatch, 2020) Mis-Repräsentationen und Bias geprägt sind, die u.a. auch aus der vermehrten Zirkulation KI-generierter Inhalte resultieren (vgl. zu KI-Bias und Fremdsprachenunterricht Blume, 2025).
Angesichts dieser Ausgangslage rücken die „civic dimension of digital literacies“ (Jones & Hafner, 2021, xv) und somit das Wirken verschiedentlicher Machtkonstellationen verstärkt in den Fokus, wenn es um das souveräne Navigieren digitaler Diskursräume geht. Anders ausgedrückt: Aus digital literacy wird critical digital literacy (Bacalja et al., 2021; Jones & Hafner, 2021) – bzw. eine Kritische digitale Diskursfähigkeit (Weiser-Zurmühlen et al., 2025). Während zur Konzeption der Bestandteile einer solchen kritischen digitalen Diskursfähigkeit bereits einige Arbeiten vorliegen (Leander & Burriss, 2020; Schildhauer et al., 2023), fehlt es bisher an Forschung dazu, wie diese komplexe Kompetenz in Lehr-Lern-Settings gefördert werden kann und welche didaktischen Herausforderungen dabei ggf. entstehen (Gerlach et al., 2025).
Ziel der diesjährigen Sektionsarbeit soll es daher sein, sowohl konzeptionelle als auch empirische Beiträge zusammenzuführen, die sich im Kontext der Kritischen digitalen Diskursfähigkeit verorten lassen. Dabei ist die Sektion offen für Beiträge, die an unterschiedlichen Diskursbegriffen orientiert sind, sofern sie digitale Untersuchungsgegenstände berücksichtigen (Gredel, 2022): So sind u.a. Ansätze aus dem Feld der deskriptiv orientierten Diskurslinguistik in der Tradition Foucaults (Spitzmüller & Warnke, 2011), Kritische Diskursanalysen (Jäger 2012) oder Interaktionale Diskursanalysen (Quasthoff et al., 2021; Quasthoff, 2024) willkommen. Ganz konkret lassen sich die folgenden Themen und Fragen ableiten, die für alle sprachlichen Fächer und ihre Didaktiken relevant sind:
Konzeptionelle Beiträge zur Modellierung einer kritischen digitalen Diskursfähigkeit
- Welches Wissen ist grundlegend für diese komplexe Kompetenz?
- Welche Fertigkeiten sind zentral?
- Welche volitionalen Komponenten sollten angenommen bzw. entwickelt werden?
- Wie verhalten sich Entwürfe der Kritischen Digitalen Diskursfähigkeit zu anderen Kompetenzmodellen?
Entwürfe zu Lehr-Lern-Szenarien, die eine Förderung kritischer digitaler Kompetenz zum Ziel haben
- Wie können Komponenten kritischer digitaler Diskursfähigkeit in Schule und/oder Hochschule gefördert werden?
- Welche Beiträge kann die angewandte Linguistik hier leisten?
- Welche Diskursphänomene eigenen sich ggf. besonders zur Förderung Kritischer Digitaler Diskursfähigkeit?
Empirische Arbeiten zur kritischen digitalen Diskursfähigkeit und mediendidaktische Implikationen
- Wie kann – insbesondere auch mit Instrumentarien der angewandten Linguistik – nachgezeichnet werden, inwiefern kritische digitale Diskursfähigkeit in Lehr-Lern-Settings gefördert wird?
- Welche Ergebnisse liegen bereits vor?
- Welche Schlüsse lassen sich hinsichtlich didaktischer Herausforderungen bei der Förderung kritischer digitaler Diskursfähigkeit bzw. für die Weiterentwicklung der Kompetenz als solche ziehen?
Die genannten Fragen sind als erweiterbare Liste zu denken. Erwünscht sind linguistisch fundierte Beiträge mit empirischem, theoretischem und/oder methodischem Fokus. Dabei können (hoch-)schulische und/oder außerschulische Vermittlungskontexte in den Blick genommen und insbesondere auch Aspekte der Professionalisierung von Lehrkräften und Curriculafragen adressiert werden.
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
AlgorithmWatch. (2020, Januar 1). Undress or fail: Instagram’s algorithm strong-arms users into showing skin. URL: algorithmwatch.org/en/story/instagram-algorithm-nudity/
Antos, Gerd, & Ballod, Matthias (2019). Web und Wahrheit: Vorbemerkungen zu einer Didaktik informationeller Verläss-lichkeit. In Michael Beißwenger & Matthias Knopp (Hrsg.), Soziale Medien in Schule und Hochschule: Linguistische, sprach- und mediendidaktische Perspektiven (S. 23–57). Peter Lang.
Bacalja, Alexander, Aguilera, Earl, & Castrillón-Ángel, Edison F. (2021). Critical Digital Literacy. In Pandya, Jessica Z., Mora, Raúl A., Alford, Jennifer H., Golden, Noah A., & de Roock, Roberto S. (Hrsg.), The Handbook of Critical Litera-cies. Routledge.
Blume, Carolyn (2025). Teilhabe durch Sichtbarmachung: KI-Algorithmen als Thema des Fremdsprachenunterrichts. In Peter Schildhauer & Jules Bündgens-Kosten (Hrsg.), Diklusion im Fremdsprachenunterricht: Perspektiven auf Teilhabe und digitale Medien (S. 41–57). Beltz Juventa.
Douglas, Karen M., & Sutton, Robbie M. (2015). Climate change: Why the conspiracy theories are dangerous. Bulletin of the Atomic Scientists, 71(2), 98–106. DOI: doi.org/10.1177/0096340215571908
Franken, Anna & Pertzel, Eva (2019). Digital ist besser?! – Über digitales Schreiben im Unterricht. Praxis Deutschunter-richt 72(5), 4–9.
Gailberger, Steffen, Reichenbach, Laura, Rödeler, Raphaela, & Schröter, Kerstin (2020). Kritisches Lesen von ‚Fake News‘ im Deutschunterricht. Mechanismen und Modelle durch Forschendes Lernen offenlegen. Der Deutschunterricht, 6, 49–62.
Gerlach, David, Schildhauer, Peter, & Weiser-Zurmühlen, Kristin (2025). Developing Critical Minds: An Ethnographic Study on the Implementation of Conspiracy Theories to Foster Critical Digital Literacy in English Language Classrooms. System, 103871. DOI: doi.org/10.1016/j.system.2025.103871
Gerwers, Franziska, Brinkmann, Lisa M., & Melo-Pfeifer, Sílvia (2025). Lernen mit und über Fake News: Zur Entwicklung einer critical intercultural news literacy im Sprachunterricht. In Peter Schildhauer & Jules Bündgens-Kosten (Hrsg.), Diklusion im Fremdsprachenunterricht: Perspektiven auf Teilhabe und digitale Medien (S. 160–175). Beltz Juventa.
Glaser, Hanna C., Jansma, Sikke R., & Scholten, Hanneke (2024). A diary study investigating the differential impacts of Instagram content on youths’ body image. Humanities and Social Sciences Communications, 11(1), 1–13. DOI: https://doi.org/10.1057/s41599-024-02960-3
Gredel, Eva & Netzwerk „Diskurse – digital“ (2022) (Hrsg.). Diskurse – digital. Theorien, Methoden und Anwendungen (S. 47–74). De Gruyter. DOI: doi.org/10.1515/9783110721447
Gredel, Eva (2024). Zur Bildkarriere der Klimastreifen in digitalen und urbanen Räumen: Vom wissenschaftlichen Tech-nobild zum Schlagbild in hybriden Konstellationen semiotischer Landschaften. Linguistica 64, 1, 79–96. DOI: doi.org/10.4312/linguistica.64.1.79-96
Hallet, Wolfgang (2020, October 9). Digitalität: Kultur und fremdsprachliche Bildung. URL: languagelearninglog.de/2020/10/09/digitalitaet-der-kultur/
Imhoff, Roland (2023). Verschwörungstheorien im digitalen Raum. In Markus Appel, Fabian Hutmacher, Christoph Mengelkamp, Jan-Philipp Stein, & Silvana Weber (Hrsg.), Digital ist besser?! Psychologie der Online- und Mobilkommunikation (S. 233–246). Springer. DOI: doi.org/10.1007/978-3-662-66608-1_16
Jäger, Siegfried. (2015). Kritische Diskursanalyse: eine Einführung. UNRAST Verlag.
Jones, Rodney H., & Hafner, Christoph A. (2021). Understanding digital literacies: A practical introduction (Second edi-tion). Routledge.
Kabatnik, Susanne (2025). „Hallo Leute, ich bin neu hier und freue mich, Euch kennen zu lernen :)“ – Kommunikative Praktiken der Inklusion im Interaktionsraum #depression auf Twitter/X. Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur, 21, 99–122. DOI: doi.org/10.46771/9783967694604_5
Kerschhofer-Puhalo, Nadja (2020). „Take it to the streets, to the screens, and back again!“ Zur Veränderung von Prakti-ken rund um Protestschilder der Fridays-for-Future-Bewegung. In Reisigl, Martin (Hrsg.), Klima in der Krise. Kontroversen, Widersprüche und Herausforderungen in Diskursen über Klimawandel. OBST 97, 77–109.
KMK 2021 = Kultursministerkonferenz (2021): Lehren und Lernen in der digitalen Welt. Die ergänzende Empfehlung zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. URL: www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_12_09-Lehren-und-Lernen-Digi.pdf
KMK 2023 = Kultusministerkonferenz (2023): Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Ersten Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss. URL: www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2023/2023_06_22-Bista-ESA-MSA-ErsteFremdsprache.pdf
Leander, Kevin M., & Burriss, Sarah K. (2020). Critical literacy for a posthuman world: When people read, and become, with machines. British Journal of Educational Technology, 51(4), 1262–1276. DOI: doi.org/10.1111/bjet.12924
Marxl, Anika, & Römhild, Ricardo (2023). Kritische Diskursfähigkeit im Fremdsprachenunterricht Ein Beitrag zur Ausdiffe-renzierung eines Leitkonzepts schulischer Bildung. Fremdsprachen Lehren und Lernen, 52(1), 102–118.
Müller, Marcus (2020). Schlüsselkonzepte im deutschen Mediendiskurs zum Klimawandel. Eine korpuslinguistische Verlaufsstudie der Diskursverschiebungen ab 2003. In Martin Reisigl (Hrsg.), Klima in der Krise. Kontroversen, Widersprüche und Herausforderungen in Diskursen über Klimawandel. OBST 97, 167–196.
Petrillo, Sophia (2021, Dezember 13). What Makes TikTok so Addictive?: An Analysis of the Mechanisms Underlying the World’s Latest Social Media Craze – Brown Undergraduate Journal of Public Health. URL: sites.brown.edu/publichealthjournal/2021/12/13/tiktok/
Quasthoff, Uta, Heller, Vivian & Morek, Miriam (2021). Diskurskompetenz und diskursive Partizipation als Schlüssel zur Teilhabe an Bildungsprozessen: Grundlegende Konzepte und Untersuchungslinien“. In Uta Quasthoff, Vivien Heller & Miriam Morek (Hrsg.), Diskurserwerb in Familie, Peergroup und Unterricht: Passungen und Teilhabechancen (S. 13–34). De Gruyter.
Quasthoff, Uta (2024). Diskurskompetenz. In Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hrsg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. URL: diskursmonitor.de/glossar/diskurskompetenz/
Römer, David, & Stumpf, Sören (2020). „Yes we Ken“—Corona-Verschwörungstheorien unter mainstream-linguistischer Lupe. Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur, 16(02/03), 212–219.
Schildhauer, Peter, Gerlach, David, & Weiser-Zurmühlen, Kristin (2023). Considerations on Artifacts of Digital Culture in English Language Teaching: Conspiracy Theories on the Instagram Newsfeed. PFLB, 242–257: DOI: doi.org/10.11576/pflb-6388
Schildhauer, Peter, & Kemper, Kristin (2024). Towards a Critical Digital Literacy Framework. Exploring the Impact of Algorithms in the Creation of Filter Bubbles on Instagram. In Saskia Kersten & Christian Ludwig (Hrsg.), Born-Digital Texts in Language Education (S. 89–105). Multilingual Matters.
Schmitt, Josephine B. (2023). TikTok als Shooting Star unter den sozialen Medien bei der Generation Z – und medienpädagogische Herausforderung. Bundeszentrale für politische Bildung. URL: www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/230907_bpb_Hintergrund_TikTok_fin.pdf
Spitzmüller, Jürgen, & Warnke, Ingo (2011). Diskurslinguistik. Eine Einführung in Theorien und Methoden der transtextuellen Sprachanalyse. De Gruyter.
Stalder, Felix (2016). Kultur der Digitalität. Suhrkamp.
The New London Group. (1996). A Pedagogy of Multiliteracies: Designing Social Futures. Harvard Educational Review, 66(1), 60–92.
Weiser-Zurmühlen, Kristin, Schildhauer, Peter, & Gerlach, David (2025). Die Genese und Verbreitung von Verschwörungstheorien als digitale Praktik: Herausforderungen und Perspektiven für den Sprachunterricht aus Sicht von Lehrkräften. In Michael Beißwenger, Peter Schildhauer, & Eva Gredel (Hrsg.), Die Kultur der Digitalität im Spiegel von Sprach- und Mediendidaktik. SLLD-B, 483–501. URL: omp.ub.rub.de/index.php/SLLD/catalog/download/458/368/2328
Sektion Medienkommunikation + Migrationslinguistik
Organisation: Juliana Goschler (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Konstanze Marx-Wischnowski (Universität Greifswald), Simon Meier-Vieracker (TU Dresden), Till Wörfel (PH Zürich)
Sektionsthema: Mediale Repräsentationen von Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
In den vergangenen Jahrzehnten ist vielfach darauf hingewiesen worden, dass Einsprachigkeit in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und im deutschen Bildungssystem immer noch als Normalfall angesehen wird, während insbesondere durch Migration bedingte lebensweltliche Mehrsprachigkeit häufig ignoriert oder abgewertet wird („Monolingualer Habitus“, Gogolin 1994/2008, „Neo-Linguizismus“ Dirim 2010). Darüber hinaus konstruieren politische Diskurse Vorstellungen über Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache und Sprachenlernen, die migrationsbedingte Mehrsprachigkeit als eines der Hauptprobleme der Migrationsgesellschaft bzw. konkret von Bildungsteilhabe identifiziert (vgl. Wiese 2011). Auch der fachwissenschaftliche Diskurs ist von solchen Formen des othering nicht ausgenommen (vgl. Gamper et al. 2025; Wiese 2025).
Mediale Diskurse spielen hierbei historisch eine zentrale Rolle. Traditionelle Massenmedien haben maßgeblich dazu beigetragen, den privilegierten Status von Einsprachigkeit als Grundlage nationaler Identität zu festigen (Androutsopoulos 2007; Kelly-Holmes & Pietikäinen 2012). Aber auch heutige mediale Diskurse schreiben einen standardsprachlichen Monolingualismus fort, und zwar häufig auch dann, wenn sie Mehrsprachigkeit thematisieren (Jaworska & Themistocleous 2018).
Mediale Repräsentationen von Mehrsprachigkeit, Sprachenlernen und Personen mit Migrationsgeschichte sind deshalb nicht nur informierend, sondern können sprachideologische Wertsetzungen vornehmen oder gar implizite Sprachpolitik betreiben (Kelly-Holmes & Milani 2011). Mediale Diskurse (z.B. die Berichterstattung über Willkommensklassen, Sprach- und Integrationskurse sowie deren Erfolge bzw. Misserfolge), meme-artige Mottos (z.B. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“), Bebilderungen (z.B. die wiederkehrende Abbildung von Mädchen oder Frauen mit Kopftuch sowie von Personen of color als Illustrationen von Informationsmaterial und Berichten über Sprach- und Integrationskurse) als auch fiktionale Darstellungen von migrantischer Mehrsprachigkeit (z.B. über migrantische Figuren in Film, und Fernsehen und Videospielen; Delabastita & Grutman 2005; oder über mediale Inszenierungen ethnolektaler Register; Androutsopoulos 2019) formen das öffentliche Bild von Sprachenlernen, mehrsprachigen Praktiken und migrationsbedingter Mehrsprachigkeit und stecken den Rahmen für politische und pädagogische Diskussionen um Zuwanderung und Integration ab.
Dennoch sind migrantisierte Personen nicht mehr nur Objekt medialer Zuschreibungen, sondern zunehmend aktive Produzent:innen, Kurator:innen und Distributoren. Social Media-Plattformen oder auch Musikstreaminganbieter ermöglichen es, migrantisierten Personen und mehrsprachigen Sprecher:innen, sich selbst medial einzuschreiben, sprachliche Praktiken sichtbar zu machen (z.B. Texte von Capital Bra, Schwester Ewa, Chefket usw., die Elemente verschiedener Herkunftssprachen integrieren, vgl. Tikhonov 2020; Thikonov & Lucchetti 2025; Woerfel 2022) und damit dominante Diskurse über Mehrsprachigkeit aktiv zu irritieren, zu unterlaufen und sich dazu zu positionieren. Insgesamt zeigt die aktuelle Forschung, dass typische Kommunikationsformen in der Kultur der Digitalität die traditionelle Verbindung zwischen (National-)Sprache, Territorium und Identität zunehmend aufbrechen (Stæhr 2020). Auch die steigende Bedeutung popkultureller Artefakte in Spracherwerbskontexten ist hier zu nennen (Werner & Tegge 2021).
Für die Jahrestagung 2026 der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL e.V.) rufen die Sektionen „Medienlinguistik“ und „Migrationslinguistik“ gemeinsam zu Beitragsvorschlägen auf, die sich mit Fragen der medialen Repräsentation von Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen in all den genannten Facetten befassen.
Beiträge sollten eine oder mehrere der folgenden Fragen thematisieren:
- Wie werden Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen in verschiedenen Medien repräsentiert?
- Welche Veränderungen der medialen Repräsentation lassen sich über die letzten Jahrzehnte feststellen?
- Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen Sprachräumen in Europa und darüber hinaus hinsichtlich der medialen Repräsentation von Mehrsprachigkeit (Horner 2001; Sliashynskaya 2019)?
- Wie spielen berichtende Medien und fiktionale Darstellungen zusammen?
- Inwiefern beeinflussen mediale Darstellungen politische, bildungspolitische und/oder wissenschaftliche Diskussionen?
- Wie nutzen migrantisierte Akteur:innen digitale bzw. Soziale Medien, um dominante Sprachideologien herauszufordern?
- Inwiefern ermöglichen Social-Media-Plattformen neue Formen sprachlicher Sichtbarkeit – und wo reproduzieren sie bestehende Machtverhältnisse?
- Inwiefern beschleunigen typische Kommunikationsformen der Kultur der Digitalität Sprachwandel und mehrsprachige Kommunikationspraktiken?
- Inwieweit kann der Einsatz medialer Formate auch für die Sprachdidaktik fruchtbar gemacht werden?
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Androutsopoulos, Jannis. 2007. Bilingualism in the Mass Media and on the Internet. In Monica Heller (ed.), Bilingualism: A Social Approach, 207–230. London: Palgrave Macmillan UK. DOI: doi.org/10.1057/9780230596047_10.
Androutsopoulos, Jannis. 2019. Ethnolekt im Diskurs: Geschichte und Verfahren der Registrierung ethnisch geprägter Sprechweisen in Deutschland. In Gerd Antos, Thomas Niehr & Jürgen Spitzmüller (eds.), Handbuch Sprache im Urteil der Öffentlichkeit, 353–382. Berlin, Boston: De Gruyter. DOI: doi.org/10.1515/9783110296150-016.
Delabastita, Dirk & Rainier Grutman. 2005. Fictional representations of multilingualism and translation. Linguistica Antverpiensia, New Series – Themes in Translation Studies 4: DOI: doi.org/10.52034/lanstts.v4i.124.
Dirim, İnci. 2010. Zur Frage des (Neo-)Linguizismus in den Diskursen über die Sprache(n) der Migrationsgesellschaft. In İnci Dirim, Mechtild Gomolla, Sabine Hornberg & Krassimir Stojanov (eds.), Spannungsverhältnisse – Assimilationsdiskurse und interkulturell-pädagogische Forschung, 91–114. Münster: Waxmann.
Gamper, Jana, Christoph Schroeder, Julia Schlauch & Dorotheé Steinbock. 2025. Constructing a clientele in need: The field of German as a Second Language. In Artemis Alexiadou, Claudio Scarvaglieri, Christoph Schroeder & Heike Wiese (eds.), The construction of multilinguals as Others, 103–133. Berlin: Language Science Press. DOI: doi.org/10.5281/ZENODO.17132449.
Gogolin, Ingrid. 1994/2008. Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule. Münster u.a.: Waxmann.
Horner, Kristine. 2011. Media representations of multilingual Luxembourg: Constructing language as a resource, problem, right and duty. Journal of Language and Politics 10(4). 491–510. DOI: doi.org/10.1075/jlp.10.4.02hor.
Jaworska, Sylvia & Christiana Themistocleous. 2018. Public discourses on multilingualism in the UK: Triangulating a corpus study with a sociolinguistic attitude survey. Language in Society 47(1). 57–88. DOI: doi.org/10.1017/S0047404517000744.
Kelly-Holmes, Helen & Tommaso M. Milani. 2011. Thematising multilingualism in the media. Journal of Language and Politics 10(4). 467–489. DOI: doi.org/10.1075/jlp.10.4.01kel.
Kelly-Holmes, Helen & Sari Pietikäinen. 2012. Multilingualism and Media. In The Encyclopedia of Applied Linguistics. Wiley. DOI: doi.org/10.1002/9781405198431.wbeal0801.
Sliashynskaya, Hanna. 2019. ‘One nation, two languages’: representations of official languages on multilingual news websites in Belarus. Journal of Multilingual and Multicultural Development 40(4). 274–288. DOI: doi.org/10.1080/01434632.2018.1505896.
Stæhr, Andreas Candefors. 2020. Multilingualism in the Media. In Ingrid Gogolin, Antje Hansen, Sarah McMonagle & Dominique Rauch (eds.), Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung, 365–368. Wiesbaden: Springer Fachmedien. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-20285-9_54.
Tikhonov, Aleksej. 2020. Multilingualism and Identity: Polish and Russian Infuences in German Rap. multiethnica (40). 55–66. DOI: doi.org/10.33063/diva-437458.
Tikhonov, Aleksej & Cristiana Lucchetti (eds.). 2025. Rap und die slawischen Sprachen: interdisziplinäre Zugänge und Erkenntnisse (Kultur und Sprache 1). Bielefeld: transcript. DOI: doi.org/10.1515/9783839472989.
Werner, Valentin & Friederike Tegge (eds.). 2021. Pop culture in language education: theory, research, practice. London, New York: Routledge.
Wiese, Heike. 2011. Führt Mehrsprachigkeit zum Sprachverfall? Populäre Mythen vom “gebrochenen Deutsch” bis zur “doppelten Halbsprachigkeit” türkischstämmiger Jugendlicher in Deutschland. In Şeyda Ozil, Michael Hofmann & Yasemin Dayıoğlu-Yücel (eds.), 50 Jahre türkische Arbeitsmigration in Deutschland (Türkisch-Deutsche Studien 2011), 73–84. Göttingen: V&R unipress.
Wiese, Heike. 2025. Othering of multilinguals in linguistics: Implications from labelling. In Artemis Alexiadou, Claudio Scarvaglieri, Christoph Schroeder & Heike Wiese (eds.), The construction of multilinguals as Others, 35–62. Berlin: Language Science Press. DOI: doi.org/10.5281/zenodo.15655344.
Woerfel, Till. 2022. Sprache in der Kultur der Digitalität. Aufgaben einer „sprachlichen Bildung 4.0“. PlanBD-Online-Magazin für Schule in der Kultur der Digitalität. URL: magazin.forumbd.de/lehren-und-lernen/sprache-in-der-kultur-der-digitalitaet-aufgaben-einer-sprachlichen-bildung-4-0/.
Sektion Mehrsprachigkeit
Organisation: Sandra Ballweg (Universität Paderborn), Anta Kursiša (Universität Stockholm)
Sektionsthema: Gelebte Mehrsprachigkeit: Gemeinschaft, Teilhabe und Wellbeing
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Mehrsprachigkeit prägt den Alltag vieler Menschen in privaten, schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Kontexten. Dennoch wird sie in Forschung, Politik und Praxis häufig vor allem unter Gesichtspunkten der Nützlichkeit betrachtet: als Ressource, als Kompetenz, als ökonomischer Vorteil. Auch wenn diese Forschung weiterhin relevant ist, möchten wir in der diesjährigen Sektionsarbeit darüber hinausgehen.
Dazu möchten wir den Blick bewusst weiten und Mehrsprachigkeit als gelebte, verkörperte und sozial eingebettete Praxis in den Mittelpunkt stellen. Wir laden Beiträge ein, die Mehrsprachigkeit als Teil von Identität, Zugehörigkeit, Beziehungsgestaltung und sozialer Teilhabe thematisieren. Besonders willkommen sind Beiträge, die zeigen, wie Menschen ihre Sprachen in unterschiedlichen Räumen leben, verhandeln und schützen und wie die Umgebung und beteiligte Akteur:innen damit umgehen: in Familien, Freundeskreisen, Bildungseinrichtungen, Arbeitsumgebungen, digitalen Räumen oder zivilgesellschaftlichen Kontexten. Dabei sollen auch Spannungsfelder zwischen Anerkennung, Normierung, Diskriminierung und sprachlicher Gerechtigkeit sichtbar werden.
Mögliche Themenfelder umfassen unter anderem:
- Mehrsprachigkeit und Wellbeing: Wie tragen Sprachen zu emotionaler Sicherheit, Selbstwirksamkeit oder Resilienz bei?
- Anerkennung und Sichtbarkeit: Welche Praktiken fördern oder behindern die Wertschätzung von Mehrsprachigkeit?
- Gemeinschaft und Zugehörigkeit: Wie entstehen mehrsprachige Gemeinschaften, und wie prägen sie soziale Beziehungen?
- Sprachbiografien und narrative Zugänge: Wie erzählen Menschen ihre mehrsprachigen Lebenswelten?
Bitte reichen Sie bis zum 1. Mai 2026 Ihr auf das Sektionsthema zugeschnittenes Abstract, das max. 300 Wörter lang ist und max. fünf Literaturangaben enthält, in ConfTool ein. Vorbehaltlich der konkreten Sektionsplanung orientieren wir uns an 20-minütigen Präsentationen mit anschließender Diskussion. Wir sind auch für andere Formate offen. Willkommen sind Beiträge auf Deutsch oder plurilingual, die abgeschlossene Studien oder Work in Progress vorstellen.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf der Tagungshomepage: gal2026.de.
Busch, Brigitta (2021), The body image: taking an evaluative stance towards semiotic resources. International Journal of Multilingualism 18(2), 190–205.
De Houwer, Annick (2015), Harmonious bilingual development: young families' well-being in languagecontact situations. International Journal of Bilingualism 19(2), 169–184.
Karakaşoğlu, Yasemin (2020), Winnipeg – Inklusion und Wellbeing als zentrale Bausteine für Bildung im Kontext von Multikulturalität, Migration und Mobilität. Bremen: Universität Bremen.
Panagiotopoulou, Julie Agyro & Hammel, Maria (2020), ‘What Shall We Sing Now, Amir?’ Developing a Voice through Translanguaging Pedagogy — An Ethnographic Research and Professional Training Project in Day-Care Centers and Schools. In: Panagiotopoulou, Julie Agyro; Rosen, Lisa & Strzukala, Jenna (eds.), Inclusion, Education and Translanguaging: How to Promote Social Justice in (Teacher) Education? Wiesbaden: Springer VS, 203–218.
Purkarthofer, Judith (2022), And the Subject Speaks to You: Biographical Narratives as Memories and Stories of the Narratable Self. In: Purkarthofer, Judith & Flubacher, Mi-Cha (eds.), Speaking Subjects in Multilingualism Research: Biographical and Speaker-centred Approaches. Bristol: Multilingual Matters, 21–38.
Sektion Phonetik und Sprechwissenschaft
Organisation: Judith Pietschmann (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Heiner Apel (RWTH Aachen)
Sektionsthema: Zwischen Dekonstruktion und Konstruktion: Feedback in analogen und digitalen Interaktionskontexten
Sektionszeiten Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Der Begriff ‚Feedback‘ umspannt ein Themenfeld, das weit über sprechwissenschaftliche Forschungs- und Anwendungskontexte hinausgeht. Feedback ist allgegenwärtig: ob als ‚like‘ auf Social Media (Eranti & Lonkila, 2015), als Biofeedback in der Medizin (Archer, 2010; Ferreira et al., 2025), als didaktische Methode in Lern-Lehrkontexten (Geißner, 2001; Krause, 2007; Meer & Spiegel, 2009; Schwarze, 2021, 2023), als therapeutisches Instrument (Dannenbauer, 2002; Glück, 2016; Ritterfeld & Hastall, 2017), als Kommunikationspraktik (und -haltung) oder als technisches Feature digitaler Applikationen (Narciss, 2008), z.B. als ‚smart‘ oder ‚formative‘ Feedback (Kickmeier-Rust et al., 2014). Zwar geht mit der Ausdifferenzierung der Gebrauchskontexte eine begriffliche Unschärfe von Feedback als ‚Sammelbegriff‘ einher (Slembek & Geißner, 2001, S. 9), im Kern geht es jedoch um eine zielorientierte, spezifische Rück-meldung auf Handlungen und/oder Verhalten. Sie dient der Orientierung, Entwicklung und Qualitätssicherung, ist aber zugleich auch mit Bewertung sowie einer expliziten oder impliziten Normsetzung verbunden. Als Verfahren der Rückmeldung bewegt sich Feedback im Spannungsfeld zwischen Beraten und Bewerten (Lange, 2021, S. 93) und soll sowohl zur Konstruktion als auch zur Dekonstruktion anregen. In dieser doppelten Dimension folgt Feedback zugleich unterschiedlichen Logiken: Der eher prozess- und interaktionsorientieren Logik beim Beraten (z.B. zur Aktivierung von Eigenkompetenzen) und der Produktorientierung beim Bewerten (Lange, 2021, S. 94). Gerade in sprechbezogenen Kontexten stellt sich die Frage, wie Feedback gestaltet werden kann, um Lern- und Entwicklungsprozesse zu unterstützen, ohne zu normierend, defizitorientiert oder demotivierend zu wirken (bspw. Mönnich & Spiegel, 2012; Schwarze, 2023).
Die Sektion Phonetik und Sprechwissenschaft lädt zu Beiträgen ein, die Feedback in der Sprechkommunikation theoretisch, empirisch und/oder praxisorientiert beleuchten. Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen Beraten (unterstützend, prozessorientiert, dialogisch) und Bewerten (prüfend, normativ, selektiv) sowie dessen Auswirkungen auf Kommunikation, Beziehungsgestaltung und Professionalisierung.
Mögliche Themen und Fragestellungen:
Rhetorik und Sprechbildung
- Feedback als rhetorische Praxis und Praktik: Methoden, Strategien, Wirkungen und implizite Normen
- Sprach- und Sprechideale: Welche Normen und Gesprächsideale (Meier, 2013) liegen Feedbackprozessen zugrunde? Ist eine intersubjektiviert abgeglichene Rückmeldung überhaupt möglich?
- Feedbackkommunikation in institutionellen Kontexten (Hochschule, Schule, Coaching, Assessment)
- Subjektive Wahrnehmung und Akzeptanz von Feedback durch Sprecher:innen
- Prosodie, Artikulation, Stimmqualität, Körperlichkeit: Wie kann die sprecherische Performanz bewertet werden?
Phonetik und Sprechwissenschaft
- Phonetisches Feedback im Spannungsfeld von Messbarkeit, Objektivierung und Interpretationsspielraum
- Feedbackformate zwischen auditiver Wahrnehmung, akustischer Analyse und Visualisierung
- Norm und Variation: Wie viel Abweichung ist veränderbar bzw. beratbar und (ab) wann werden Abweichungen, bewertet und ggf. sogar ‚sanktioniert‘?
Therapie und klinische Praxis
- Therapeutisches Feedback zwischen Motivation, Korrektur und Diagnostik
- Bewertungsdilemmata: Welchen Einfluss hat die Fortschrittsmessung und -rückmeldung auf das subjektive Erleben und die Motivation der Klient:innen?
- Feedbackpraktiken bei vulnerablen Sprecher:innengruppen
- Auswirkungen unterschiedlicher Feedbackstile auf Therapieerfolg und Beziehung
Übergreifende Perspektiven
- Interaktionale Aushandlung von Feedback in sprechbezogenen Lernsettings
- Macht, Rollen und Verantwortung in Feedbackprozessen
- Feedback als soziale Praxis: Beziehungsgestaltung, Face-Work und Emotionen
- Digitale Feedbackformen (z.B. Apps, KI-gestützte Analyse, Online-Lehre)
- Interdisziplinäre Ansätze und methodische Zugänge
Willkommen sind theoretische Beiträge, empirische Studien, methodische Reflexionen sowie praxisorientierte Berichte aus Forschung, Lehre und Anwendung.
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 oder 30 Minuten + 10 oder 15 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Archer, J. C. (2010). State of the science in health professional education: Effective feedback. Medical Education, 44(1), 101–108. DOI: doi.org/10.1111/j.1365-2923.2009.03546.x
Eranti, V., & Lonkila, M. (2015). The social significance of the Facebook Like button. First Monday. DOI: doi.org/10.5210/fm.v20i6.5505
Ferreira, S., Rodrigues, M. A., Mateus, C., Rodrigues, P. P., & Rocha, N. B. (2025). Interventions Based on Biofeedback Systems to Improve Workers’ Psychological Well-Being, Mental Health, and Safety: Systematic Literature Review. Journal of Medical Internet Research, 27, e70134. DOI: doi.org/10.2196/70134
Dannenbauer, F. M. (2002). Grammatik. In S. Baumgartner & I. Füssenich (Hrsg.), Sprachtherapie mit Kindern. uni-Taschenbücher.
Glück, C. W. (2016). Interaktion und Kommunikation in der Sprachtherapie. Urban & Fischer.
Geißner, H. (2001). Vom Oberflächen- zum Tiefenfeedback. In E. Slembek & H. Geißner (Hrsg.), Feedback: Das Selbstbild im Spiegel der Fremdbilder (S. 13–30). St. Ingbert.
Kickmeier-Rust, M. D., Hillemann, E.-C., & Albert, D. (2014). Gamification and Smart Feedback: Experiences with a Primary School Level Math App. International Journal of Game-Based Learning, 4(3), 35–46. DOI: doi.org/10.4018/ijgbl.2014070104
Krause, U.-M. (2007). Feedback und kooperatives Lernen. Waxmann.
Lange, F. (2021). Feedback als Haltung in der Lehrer*innenbildung im Spannungsfeld zwischen Beraten und Bewerten. In S. Voigt-Zimmermann (Hrsg.), Miteinander sprechen—Verantwortlich, kompetent, reflektiert (S. 89–103). Berlin.
Meer, Dorothee; Spiegel, Carmen (2009) (Hrsg.): Kommunikationstrainings im Beruf. Erfahrungen mit gesprächsanalytisch fundierten Fortbildungskonzepten. Mannheim.
Meier, S. (2013). Gesprächsideale: Normative Gesprächsreflexion im 20. Jahrhundert. De Gruyter.
Narciss, S. (2008). Feedback Strategies for Interactive Learning Tasks. In J. M. Spector, M. D. Merrill, J. J. G. van Merriënboer, & M. P. Driscoll (2008) (Hrsg.), Handbook of Research on Educational Communications and Technology (3. Aufl., S. 125–144). Lawrence Erlbaum Associates, Taylor & Francis Group.
Mönnich, A. & Spiegel, C. (2012). Kommunikation beobachten und beurteilen. In M. Becker-Mrotzek (Hrsg.), Mündliche Kommunikation und Gesprächsdidaktik (S. 429–444). Baltmannsweiler.
Ritterfeld, U. & Hastall, M. (2017). Begrifflichkeiten, Systematik, Akzeptanzfaktoren und Innovationen. In K. Bilda, J. Mühlhaus & U. Ritterfeld (Hrsg.), Neue Technologien in der Sprachtherapie (S. 35–43). Thieme.
Schwarze, C. (2021). Feedbackpraktiken im Schreibcoaching: Texte besprechen in der Hochschullehre. Coaching | Theorie & Praxis, 7(1), 117–134. DOI: doi.org/10.1365/s40896-020-00045-x
Schwarze, C. (2023). Gespräche im Seminar über mündliche Rhetorik. k:ON - Kölner Online Journal für Lehrer*innenbildung, (SA, 3/2023), 66–92. DOI: doi.org/10.18716/OJS/KON/2023.S3.4
Slembek, E. & Geißner, H. (Hrsg.). (2001). Feedback: Das Selbstbild im Spiegel der Fremdbilder. St. Ingbert.
Sektion Schreibwissenschaft
Organisation: Carmen Heine (Aarhus University), Dagmar Knorr (Leuphana Universität Lüneburg)
Sektionsthema: Lesen. Ressource für das Schreiben
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
„Reading is like breathing in and writing is like breathing out, and storytelling is what links both: it is the soul of literacy.“ (Allyn 2026)
In den Anfängen der Schreibwissenschaft untersuchen Flower et al. (1990) Lesen als kognitiven und sozialen Prozess, der eine Ressource für das Schreiben ist. Aus neuropsychologischer Sicht formuliert Wolf dies so: „We human beings have to learn to read. That means we must have an environment that helps us to develop and connect a complex assortment of basic and not-so-basic processes, so that every young brain can form its own brand-new reading circuit." (Wolf 2018: 18)
Der „circuit“ des Lesens in Form von Lesehandlungen hat in allen (Entwicklungs-)Phasen des Lesens und Schreibens an verschiedenen Stellen Einfluss auf das Schreiben und erfordert, dass sich lesend Schreibende und schreibende Lesende (Engert/Krey 2013) dieser Zyklizität bewusst sind. Gelesen wird in jeder Phase des Textproduktionsprozesses (Perrin 2013: 151) und zwar Texte von anderen und eigene (Jakobs 1997: 84–85). Inhalte werden medial unterschiedlich präsentiert (Wildfeuer 2025), wobei zunehmend rein digital gelesen wird (Philipp 2025).
In der Sektion wollen wir das Lesen aus möglichst vielfältigen Perspektiven beleuchten, die die „basale, tradierte Kulturtechnik ebenso wie als konkrete Praxis in spezifischen sozialen Strukturen und Situationen und in Beziehung zu anderen anwesenden oder abwesenden Menschen ebenso wie zu materiellen Medien und Technologien“ (Krey, 2024: 106) in den Blick nehmen und dabei das Schreiben betreffende Lesepraktiken als Teil eines fortlaufenden Wandels betrachten.
Die nachfolgenden Themenbereiche (in alphabetischer Reihenfolge) zeigen solche mögliche Perspektive auf. Die Beschreibungen und Fragen sind als Anregungen zu verstehen, nicht als zu beantwortende Forschungsfragen.
- Lesekompetenz: Die Fähigkeit zu lesen und die damit einhergehende Lesekompetenz verändern sich. In diesen Themenbereich fallen Beiträge, die sich mit der Förderung von Lesekompetenz, dem Umgang mit Herausforderungen in der Vermittlung von Lesekompetenz oder theoretischen Annäherungen an das Thema beschäftigen.
Exemplarische Fragestellungen: Welche konkreten Schwierigkeiten zeigen sich beim verstehenden, analytischen oder schreibbezogenen Lesen – und welche strukturellen, medialen oder didaktischen Faktoren tragen dazu bei? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Förderung integrierter Lese- und Schreibkompetenzen im Bildungsbereich?
Lesen und Schreiben in multimodalen Kontexten: In zunehmend multimodalen Kommunikationsumgebungen vollzieht sich Lesen nicht mehr ausschließlich als lineare Textrezeption, sondern im Zusammenspiel mit visuellen, auditiven und digitalen Elementen, wobei textuelle Anteile häufig ergänzt, überlagert oder in eine begleitende Funktion eingebettet sind. Erwünscht sind Beiträge, die sich mit dieser komplexen Gemengelage auseinandersetzen.
Exemplarische Fragestellungen: Wie wirken sich multimodale Leseprozesse auf das Verstehen, das Auswählen und das Weiterverarbeiten von Informationen im Schreibprozess aus? Wie verändern sich unter digitalen und multimodalen Bedingungen das Selbstverständnis von Lesenden/Schreibenden? Welche Kompetenzen, Strategien und Rollenbilder entwickeln sich, wenn Lesen zunehmend selektiv, navigierend und toolgestützt erfolgt? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Schreiben? - Lesen und Schreiben im Beruf: Berufliche Lesepraktiken sind in der Schreibwissenschaft bislang unterrepräsentiert, obwohl die Gruppe der im Beruf Lesenden und Schreibenden groß ist. Wir laden zu Beiträgen ein, für die das berufliche Lesen und Schreiben im Fokus steht.
Exemplarische Fragestellungen: Wie wird in unterschiedlichen Berufen gelesen? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für Schreibende, und welche Rolle spielen dabei digitale oder KI-gestützte Werkzeuge? Welche berufsbezogenen Lese- und Schreibpraktiken lassen sich beobachten, und wie prägen sie die Entstehung, Gestaltung und Qualität beruflicher Texte? - Künstliche Intelligenz (KI), Lesen und Schreiben: KI-gestützte Werkzeuge verändern Lesepraktiken. Das Tempo der Weiterentwicklung der KI-gestützten Werkzeuge ist enorm. In diesem Themenfeld kann es also nicht um die Präsentation von neuen Tools gehen. Auch ist uns bewusst, dass die Forschung in diesem Feld langsamer vonstattengeht als das Tempo der technologischen Entwicklung. Erwünscht sind Beiträge, die sich mit Praktiken des Lesens und den daraus resultierenden Veränderungen des Schreibprozesses beziehen. Dies können forschungs- oder praxisorientierte Ansätze oder theoretische Auseinandersetzungen sein.
Exemplarische Fragestellungen: Wie können KI-vermittelte Leseformen als Ressource im Schreibprozess genutzt werden? Welche neuen Praktiken des vorbereitenden, begleitenden oder reflektierenden Lesens entstehen im Zusammenspiel mit KI? Welche Potenziale ergeben sich für das Verstehen, Weiterverarbeiten und produktive Umschreiben von Texten? Wie verändern sich dadurch Schreibprozesse und Schreibkompetenzen? Machen, im Hinblick auf die enge Verschränkung von Lesen und Schreiben, diese Entwicklungen eine Neuausrichtung schreib- und lesedidaktischer Konzepte und deren Untersuchung erforderlich? - Neuropsychologische Perspektiven: Aus neuropsychologischer Sicht stellt Lesen eine zentrale Praxis zum Aufbau und zur Aktivierung von Wissensbeständen dar, die im Schreibprozess fortlaufend genutzt, überprüft und reorganisiert werden. Lesen ist dabei nicht als bloß dekodierende Leistung zu verstehen, sondern als aktiver, kontextabhängiger neurokognitiver Prozess, der Lesen und Schreiben eng miteinander verbindet (Ellis/Bloch 2021). Zugleich steht diese Form der Wissensaneignung im Schreibprozess zunehmend in Konkurrenz zu auditiven und audio-visuellen Informationsangeboten. Wir laden explizit Wissenschaftler*innen aus dem Feld der neuropsychologischen Leseforschung ein, ihre Perspektive in die Schreibwissenschaft einzubringen und in den interdisziplinären Austausch zu treten.
Exemplarische Fragestellungen: Unter welchen situativen und medialen Bedingungen wirkt Lesen schreibförderlich? In welchen Szenarien Lesen durch Ablenkung, Überlastung oder fragmentierte Rezeption eher hinderlich für die Entwicklung tragfähiger Wissensstrukturen und Texte?
Das Ziel der Sektionsarbeit ist es, ein besseres Verständnis für Lesen zu entwickeln. Dieser Call for Papers ruft dazu auf, innovative Forschungsarbeiten, theoretische Überlegungen und praxisorientierte Beiträge einzureichen, die sich mit der Schreibressource Lesen beschäftigen. Wir begrüßen empirische, theoretische oder praxisorientierte Beiträge aus den Domänen Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Ausbildung. Bitte gebe Sie in Ihrem Abstract an, welchen Ansatz Sie verfolgen, welche Erkenntnisse Sie zu der Diskussion beitragen möchten und welches Präsentationsformat Sie wünschen.
Präsentationsformate:
- Poster für Poster-Marktplatz (5 min Posterpräsentation im Plenum, Poster-Walk + Gruppendiskussion)
- Vortrag (20 min Präsentation + 10 min Diskussion)
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Allyn, Pam (2026): Quotes. Champion for every child, every reader, and every story. URL: pamallyn.com/quotes
Ellis, George / Bloch Carole (2021). Neuroscience and Literacy: An Integrative View. In: Transactions of the Royal Society of South Africa, 76(2), 157–88. DOI: doi.org/10.1080/0035919X.2021.1912848
Engert, Kornelia / Krey, Björn (2013). Das lesende Schreiben und das schreibende Lesen. In: Zeitschrift für Soziologie, 42(5), 266–384. DOI: doi.org/10.1515/zfsoz-2013-0502
Flower, Linda S. / Stein, Victoria / Ackermann, John / Kantz, Margret J. / Mccormick, Kathleen / Peck, Wayne C. (Hrsg.) (1990): Reading-to-Write. Exploring a Cognitive and Social Process. [Social and Cognitive Studies in Writing and Literacy]. New York: Oxford University Press.
Jakobs, Eva-Maria (1997): Lesen und Textproduzieren. Source reading als typisches Merkmal wissenschaftlicher Textproduktion. In: Jakobs, Eva-Maria / Knorr, Dagmar (Hrsg.): Schreiben in den Wissenschaften [Textproduktion und Medium; 1]. Frankfurt/M. u.a.: Lang, 75–90.
Krey, Björn (2024): Lesen. Eine praxeologische Perspektive. In: Karsten, Andrea / Haacke-Werron, Stefanie (Hrsg.): 40 Begriffe für eine Schreibwissenschaft. Konzeptuelle Perspektiven auf Praxis und Praktiken des Schreibens [Theorie und Praxis der Schreibwissenschaft; 17]. Bielefeld: wbv, 105–109.
Perrin, Daniel (2013): The Linguistics of Newswriting [AILA Applied Linguistics Series (AALS); 11]. Amsterdam: Benjamins. DOI: doi.org/10.1075/aals.11
Philipp, Maik (2025): Lesen digital. Komponenten und Prozesse einer sich wandelnden Kompetenz. Weinheim: Beltz Juventa.
Wildfeuer, Janina (2025): Multimodale Texte lesen: Theoretische und methodische Bausteine aus der Multimodalitätsforschung. In: Staiger, Michael (Hrsg.): Schrift / Bild – Lesen: Interdisziplinäre Perspektiven für die Leseforschung [Abhandlungen zur Medien- und Kulturwissenschaft]. Heidelberg: Metzler, 27–46. DOI: doi.org/10.1007/978-3-662-69717-7_2
Wolf, Maryanne (2018): Reader, Come Home. New York NY: HarperCollins.
Sektion Soziolinguistik
Organisation: Florian Busch (Universität Bern), Karina Frick (Leuphana Universität Lüneburg /
Universität Innsbruck)
Sektionsthema: Deixis
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Die „besonderen Eigenschaften solcher Wörter wie ich, hier und jetzt“ (Fricke 2007: 13), die in der Regel als deiktisch, mithin aber auch als „shifters“ (Jakobson 1971) bezeichneten werden, haben seit Bühler (1934) in verschiedenen linguistischen Teildisziplinen das Nachdenken über die „kontextuelle Dimension der Sprache“ (Mondada 2002: 79) angeregt. Während frühe Forschung vor allem einen strukturellen, sprachzentrierten Blick auf die lexikalisch-grammatische Kodierung von Zeigehandlung in den Dimensionen Person, Raum und Zeit pflegte, entwickelte jüngere Deixis-Forschung zunehmend ein Verständnis von deiktischen Praktiken als multimodale und interaktionale Koordination von Aufmerksamkeit im kommunikativen Prozess (vgl. Hindmarsh/Heath 2000; Stukenbrock 2015). Deixis zeigt sich in dieser Perspektive weniger in einem individuenzentrierten, statischen Koordinatensystem organisiert, sondern als prozesshafte soziale Leistung, die Kommunikationsbeteiligten die gemeinsame Orientierung auf relevante Bedeutungen und Interpretationsrahmen ermöglicht. Dabei sind deiktische Praktiken nicht darauf limitiert, auf Vorhandenes zu zeigen – vielmehr konstituieren sich Diskursobjekte überhaupt erst, indem auf sie gezeigt wird (vgl. Silverstein 1976, 2003). Während in der klassischen Pragmatik Deixis oft als technisches Referenzproblem erscheint, wollen wir in der Sektionsarbeit Deixis als soziolinguistisches Phänomen perspektivieren und untersuchen, wie durch sprachliches Zeigen soziale Relationen/Positionen, Rollen und Ordnungen hergestellt, stabilisiert und modifiziert werden (vgl. Hanks 2008). Wir schließen damit sowohl an die multimodale Interaktionsanalyse als auch an die sprachanthropologische Indexikalitätsforschung an, wenn wir die Frage stellen, wie situativer, sozialer und kultureller Kontext durch sprachliche bzw. multimodale Formen des Zeigens hervorgebracht wird. Deixis erscheint uns hierfür als ein lohnendes Leitkonzept, da es die strukturelle Basis jeglichen indexikalischen Sprachgebrauchs betont und damit den Blick auf sozial-indexikalische Praktiken als Form-Funktionsverbünde freigibt (vgl. Williams 2020).
In der Sektion möchten wir die soziolinguistischen Dimensionen von deiktischen Praktiken in a) Face-to-Face-Interaktionen, b) mediatisierten Interaktionen sowie c) öffentlichen Diskursen diskutieren und dabei u.a. folgenden Forschungsfragen nachgehen:
a) Deixis und Face-to-face-Interaktion: Deixis als strukturell-sedimentierte Form der Indexikalität von Sprachgebrauch ist mit Blick auf körperliche Interaktion insbesondere aus gesprächslinguistischer Perspektive vielfach untersucht worden (vgl. u.a. Hausendorf 1995, Mondada 2002; Stukenbrock 2015; 2016). Im Fokus stehen dabei multimodale Zeigehandlungen im Gespräch, die für die interaktive Herstellung des „Ich“ (vgl. Mondada 2002) ebenso wie für die spatio-temporale Rahmung der Interaktion (Auer/Stukenbrock 2022: 26) entscheidend sind. Davon ausgehend leiten sich aus einer interaktional-soziolinguistischen Perspektive für die geplante Sektion beispielsweise folgende konkrete Fragestellungen ab: Wie verorten soziale Akteur:innen sich und andere in der körperlichen Interaktion lokal und temporal? Wie handeln sie dabei ihre eigene Identität aus? Welche Aspekte von Identität (vgl. Papapavlou/Sophocleous 2009) werden dabei auf welche Weise und für welche sozialen Ziele relevant gesetzt (vgl. Bucholtz/Hall 2005)? Wie positionieren Interagierende sich und andere sozial, temporal und lokal durch (welche) deiktische Prozeduren? Welche Rollen spielen deiktische Mittel für interaktionales Stance-taking (vgl. Imo/Ziegler 2022)? Welche Formen absoluter und relationaler Sozialdeixis (Levinson 1983) ziehen Gesprächsbeteiligte heran, um (a-)symmetrische Beziehungen in Interaktion herzustellen (z.B. durch Titelverwendungen, Anredepraktiken, Höflichkeitsformen)?
b) Deixis und mediatisierte Interaktion: Wie Beißwenger (2013) bereits vor über einem Jahrzehnt mit Bezug auf die lokale Deixis im Chat gezeigt hat, erfordert die deiktische Orientierung im Rahmen mediatisierter Kommunikation eine „deutlich höhere Koordinationsleistung“ (ebd.: 211) von den Beteiligten, weil sie nicht auf einen gemeinsamen körperlichen Wahrnehmungsraum zurückgreifen können und deshalb ein „erhöhtes Risiko für Ambiguität beim sprachlichen Zeigen“ (ebd.: 212) besteht (vgl. hierzu auch schon Hill 2006: 294). Trotz dieser zusätzlichen Komplexität verläuft sowohl die lokale (vgl. Frick 2023) als auch die temporale (vgl. Busch 2025; Stukenbrock 2023) und personale deiktische Synchronisierung zwischen digital Interagierenden in mediatisierten Kommunikationssettings in der Regel ohne größere Störungen. Dabei stellt sich gerade vor dem Hintergrund der transmodalen Ausdifferenzierung (vgl. König 2024: 291) mediatisierter Interaktion die Frage danach, wie und warum das so gut funktioniert oder wann und warum es gerade nicht funktioniert. Konkrete Fragen, die in diesem Themenbereich adressiert werden könnten, lauten dann etwa: Wie gestalten sich deiktische Praktiken in der mediatisierten Interaktion und in welchem Verhältnis stehen sie zu prädigitalen deiktischen Vorgängerpraktiken (vgl. Androutsopoulos 2016: 352)? Wie werden das mediatisierte „ich“, „hier“ und „jetzt“ interaktiv hergestellt und ausgehandelt? Welche Rolle spielen graphische Mittel, bspw. in Form von Pfeilen oder als „graphische Verweisformen im Textraum“ (Spitzmüller 2013: 227) für deiktische Praktiken? Wie wird die gemeinsame deiktische Orientierung in der mediatisierten Interaktion multimodal hergestellt und welche semiotischen Ressourcen kommen dabei in welcher Weise zum Tragen?
c) Deixis im öffentlichen Diskurs: Deixis möchten wir schließlich auch als einen Schlüsselmechanismus der Bedeutungszuschreibungen, sozialen Positionierungen/Zugehörigkeiten, kollektiven Wissensordnungen und Macht in öffentlichen Diskursen untersuchen. Wie schließen hierfür unter anderem an diskursanalytische Arbeiten an, die über die Analyse von Deixis einen methodischen Zugang zu der Positionierung von Diskursakteur:innen hergestellt haben (Guliashvili 2023; de Cillia/Wodak 2024). Deiktische Mittel lassen sich in dieser Perspektive immer auch als Träger von Ideologien fassen, deren Verweiskraft im Diskurs umkämpft ist. Die Sektion möchte dem nachgehen und fragt unter anderem nach den Funktionen von Personaldeixis für Dynamiken der sozialen In- und Exklusion im Diskurs (Wer sind wir? Wer sind diese Leute?) (vgl. Bock et al. 2023). Wir möchten aber auch den Fokus auf andere deiktische Dimensionen richten – etwa, indem wir anhand von Raumdeixis die Territorialisierung von Diskursen sowie die Konstruktion von nationalen oder auch moralischen Räumen nachzeichnen (Was bedeutet uns hier und wie unterscheidet es sich von dort?) (vgl. Bock 2024). Wir fragen auch, wie wir mit Blick auf temporale Verweise einen diskursanalytischen Zugang zu den Dynamiken von Historizität, Zukunftsimaginationen und Krisen- und Wendepunktnarrativen finden können: Welche Werthaltungen nehmen wir ausgehend von jetzt unserer Vergangenheit und unserer Zukunft gegenüber ein (vgl. Koselleck 2013; Reckwitz 2024)? Deixis operiert entlang solcher Fragen in öffentlichen Diskursen zwar nicht lokal, kopräsent und synchron – setzt aber doch geteilte Wissensbestände und kulturell verankerte Imaginationen voraus, die wir in der Sektion aufdecken möchten.
Zur Bearbeitung dieser Fragen laden wir soziolinguistisch orientierte Beiträge aus Interaktionsanalyse, Medienlinguistik, (kritischer) Diskursanalyse und benachbarten Teilfächern ein. Abstracts (ca. 300 Wörter, exklusive Literaturangaben) für vorgeschlagene Beiträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Bitte beziehen Sie sich darin explizit auf diesen Call for Papers, sodass erkennbar ist, mit welchen der skizzierten Themenfelder und Fragestellungen Sie sich in Ihrem Vortrag befassen und wie Sie sich diesen nähern wollen. Die Einreichung ist über ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Androutsopoulos, Jannis (2016): Mediatisierte Praktiken: Zur Rekontextualisierung von Anschlusskommunikation in den Sozialen Medien. In: Deppermann, Arnulf/Feilke, Helmuth/Linke, Angelika (Hg.): Sprachliche und kommunikative Praktiken. Berlin, Boston: De Gruyter, 337–368.
Auer, Peter/Stukenbrock, Anja (2022): Deictic reference in space. In: Jucker, Andreas H./Hausendorf, Heiko (Hg.): Pragmatics of Space. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton, 23–62.
Beißwenger, Michael (2013): Raumorientierung in der Netzkommunikation. Korpusgestützte Untersuchungen zur lokalen Deixis in Chats. In: Frank-Job, Barbara/Mehler, Alexander/Sutter, Tilmann (Hg.): Die Dynamik sozialer und sprachlicher Netzwerke. Wiesbaden: Springer Fachmedien, 207–258.
Bock, Bettina (2024): Wo ist drüben? Lokaldeiktische Überlegungen zum Ost/West-Diskurs. In: Roth, Kersten Sven/Pappert, Steffen (Hg.): Ost-West-Konflikte. Interdisziplinäre Perspektiven auf den Diskurs über Deutschland und die Welt. Bremen: Buske, 197–214.
Bock, Cornelia/Busch, Florian/Truan, Naomi (2023): Introduction: The sociolinguistics of exclusion – Indexing (non)belonging in mobile communities. In: Language & Communication 93, 192–195.
Bucholtz, Mary/Hall, Kira (2005): Language and Identity. In: Duranti, Alessandro (Hg.): A Companion to Linguistic Anthropology. Malden: Blackwell, 369–394.
Bühler, Karl (1934): Sprachtheorie: Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena: Gustav Fischer.
Busch, Florian (2025): Texting in Time: Approaching time and temporalities of smartphone-based interactions. In: Language & Communication 100, 196–211.
de Cillia, Rudolf/Wodak, Ruth (2024): Zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identitäten 1995–2015 / 2020. In: Wiener Linguistische Gazette 97, 53‒83.
Frick, Karina (2023): Grenzen überschreiten. Transkontextuelle deiktische Praktiken auf Online-Gedenkseiten. In: Merten, Marie-Luis/Kabatnik, Susanne/Kuck, Kristin/Bülow, Lars/Mroczynski, Robert (Hg.): Sprachliche Grenzziehungspraktiken – Analysefelder und Perspektiven. Tübingen: Narr, 149–172.
Fricke, Ellen (2007): Origo, Geste und Raum: Lokaldeixis im Deutschen. Berlin, Boston: De Gruyter.
Guliashvili, Nino (2023): National identity revisited: Deictic WE in President Zelenskyy’s speeches on Russia-Ukraine war. In: Journal of Language and Politics 22(6), 779–801.
Hanks, William (2008): Fieldwork on deixis. In: Journal of Pragmatics 41(1): 10–24.
Hausendorf, Heiko (1995): Deixis and orality: Explaining games in face-to-face interaction. In: Quasthoff, Uta (Hg.): Aspects of Oral Communication. Berlin: de Gruyter, 181–197.
Hindmarsh, Jon/Heath, Christian (2000): Embodied reference: A study of deixis in workplace interaction. In: Journal of Pragmatics 32(12), 1855–1878.
Hill, Clifford (2006): Deixis and Digital Communication. In: WORD 57 (2–3), 279–302.
Imo, Wolfgang/Ziegler, Evelyn (2022): Migration in the Ruhr Area: Stance-taking and attitude expression in talk-in-interaction. In: Auer, Anita/Thorburn, Jennifer (Hg.): Approaches to Migration, Language and Identity. Oxford: P. Lang, 71–111.
Jakobson, Roman (1971): Shifters, Verbal Categories, and the Russian Verb. In: Selected Writings Volume II: Word and Language. Berlin, New York: De Gruyter Mouton, 130–147.
König, Katharina (2024): Modalitätenwechsel in der digitalen Interaktion: Sprechen, Schreiben, Teilen. In: Androutsopoulos, Jannis/Vogel, Friedemann (Hg.): Handbuch Sprache und digitale Kommunikation. Berlin, Boston: De Gruyter, 289–308.
Koselleck, Reinhart (2013): Kritik und Krise. Berlin: Suhrkamp.
Levinson, Stephen C. (1983): Pragmatics. Cambridge: University Press.
Mondada, Lorenza (2002): Die Indexikalität der Referenz in der sozialen Interaktion: diskursive Konstruktionen von ›ich‹ und ›hier‹. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 125, 79–113.
Papapavlou, Andreas/Sophocleous, Andry (2009): Relational social deixis and the linguistic construction of identity. In: International Journal of Multilingualism 6 (1), 1–16.
Reckwitz, Andreas (2024): Verlust. Ein Grundproblem der Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Silverstein, Michael (1976): Shifters, linguistic categories, and cultural description. In: Basso, Keith H./Selby Henry A. (Hg.): Meaning in Anthropology. Albuquerque: University of New Mexico Press, 11–55
Silverstein, Michael (2003): Indexical order and the dialectics of sociolinguistic life. In: Language & Communication 23 (3–4), 193–229.
Spitzmüller, Jürgen (2013): Graphische Variation als soziale Praxis: Eine soziolinguistische Theorie skripturaler ›Sichtbarkeit‹. Berlin, Boston: De Gruyter.
Stukenbrock, Anja (2015). Deixis in der face-to-face-Interaktion. Berlin, Boston: De Gruyter.
Stukenbrock, Anja (2016): Deiktische Praktiken: Zwischen Interaktion und Grammatik. In: Deppermann, Arnulf/Feilke, Helmuth/Linke, Angelika (Hg.): Sprachliche und kommunikative Praktiken. Berlin, Boston: De Gruyter, 81–126.
Stukenbrock, Anja (2023): Temporality and the cooperative infrastructure of human communication: Noticings to delay and to accelerate onward movement in mobile interaction. In: Language & Communication 92, 33–54.
Williams, Nicholas (2020): Deixis and Indexicals. In: Stanlaw, James L. (Hg.): The International Encyclopedia of Linguistic Anthropology. Hoboken, N.J.: Wiley-Blackwell, 1–9.
Sektion Sprachdidaktik
Organisation: Lisa Schüler (Universität Bielefeld), Diana Maak (FU Berlin)
Sektionsthema: Potentiale und Herausforderungen informeller Sprachlehr- und Sprachlernkontexte
Sektionszeiten: Mittwoch,16.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 17.00–18.30 Uhr
Donnerstag, 17.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Der letzte IQB-Bildungstrend zu den sprachlichen Fächern hat ergeben, dass sowohl die Kompetenzen als auch das Interesse im Bereich Deutsch gesunken sind, während sich die Kompetenzen und Interessen zum Bereich Englisch sehr positiv entwickelt haben (9. Jahrgangsstufe, Stanat et al., 2023). Die Autor*innen betonen zwar, dass anhand der Daten keine eindeutige Ursachenzuschreibung für diese Entwicklungen möglich ist, vermuten aber, dass der Kompetenzzuwachs im Fach Englisch „zu einem erheblichen Anteil auch auf außerschulische Lerngelegenheiten“, also auf informelle Lernkontexte sowie v.a. die Nutzung englischer Sprache in digitalen Medien zurückzuführen ist (Stanat et al., 2023, S. 37).
Informelles Lernen ist (je nach Begriffsprägung) ein Lernen, das sich z.B. als individualisierte Wissensaneignung i.d.R. in nicht-inszenierten Settings, ohne Anleitung und ohne extern gesetztes Lernziel vollzieht (Harring et al., 2018; Kahnwald & Täubig, 2018; Lewalter & Neubauer, 2025). Hinsichtlich Lerninhalt, -zeit und -methode gilt informelles Lernen als wenig (vor)strukturiert. Aus Sicht der Lernenden erfolgen entsprechende Lernprozesse selbstgesteuert, interessengeleitet und freiwillig – dementsprechend werden sie (insb. im Vergleich zu formell-institutionellen und obligatorischen Lernprozessen) als positiv(er), motivierend(er) und bedeutsam für die Selbstwirksamkeit wahrgenommen. Das Verhältnis von informellem, nonformellem und formellem Lernen wird dabei ebenso kontrovers diskutiert wie die wie Zuordnung einzelner Merkmale (z.B. Bewusstheit).
Sprachliches Lernen und das (Er-)Lernen von Sprachen findet schon immer nicht nur in institutionell-formellen, sondern vornehmlich auch in informellen Kontexten statt (familiäres, peer-group-bezogenes und mediales Lernen, ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement). Aufmerksamkeit erfahren z.B. das autodidaktische Lernen mit Onlinetexten (Abendroth & Richter, 2023) und (Kurz-)Videoformaten (Wolf, 2022), die Gestaltung und Nutzung von Sprachlern-Apps (z.B. Erim & Sarı Bıyık, 2021, Ritterfeld et al., 2016, Müller & Olsen, 2014) sowie das (Fremd-)Sprachen lernen in (Online-)Tandems (Brammerts & Kleppin, 2010). Im schulischen und v. a. auch schulischen DaZ-Kontext ist ferner die Untersuchung von Musik- und Theaterprojekten, z.B. in Form von Sommercamps, mit unterschiedlichen Anteilen in- und formellen Lernens vergleichsweise gut erforscht (z.B. Bryant & Rummel, 2015, Kowoll et al., 2013, Stanat et al., 2005).
Weniger gut erforscht sind z.B. sprachendidaktische Fragestellungen im Kontext des Ehrenamts in Deutschland. Und das, obwohl im Rahmen dieser wichtigen Säule zivilgesellschaftlichen Engagements auf Sprachenmittlung ausgerichtete Initiativen, z.B. für Flüchtlinge und neu Zugewanderte, auch angesichts fehlender gut ausgebildeter Lehrkräfte einen großen Stellenwert einnehmen (vgl. Garcia & Kobelt, 2017, Dobstadt et al., 2017).
Qualitative Veränderungen im Diskurs über informelles Lernen sind aktuell zudem aufgrund von Transformationsprozessen im Bereich der Digitalität erkennbar: Befragungen zur Mediennutzung von Jugendlichen wie die JIM-Studie (mpfs, 2025, S. 62) zeigen bspw., dass 74 % der 12–19-Jährigen KI für Haus-aufgaben und Lernen nutzen. KI kommt verbreitet zum Einsatz um „herauszufinden, wie etwas geht“ und um Informationen zu recherchieren (ebd.). Wenn KI außerhalb der Schule, aber ausgehend von einem institutionellen Rahmen bspw. für die Bearbeitung von Hausaufgaben genutzt wird, kommt es zu Schnittstellen zwischen formellen und informellen Lernkontexten, die bisher noch kaum untersucht sind und neue wie alte Fragen z.B. hinsichtlich Bildungsbenachteiligung und digitaler Ungleichheit aufwerfen (Iske et al., 2015). Andersherum können beim Einsatz von Bildungstechnologien wie Lernsoftware auch innerhalb der Schule Lernkontexte entstehen, die den Merkmalen des informellen Lernens entsprechen, wenn Lernen hier z.B. vermehrt unangeleitet, spielerisch und selbstgesteuert verläuft. Informelle Lernkontexte betreffen dabei im schulischen Rahmen nicht nur die Schüler*innen, sondern auch die Lehrkräfte als Lernende (Cramer & König, 2025). Besonders vor dem Hintergrund der Schnelllebigkeit von technologischen Entwicklungen existiert häufig (noch) kein formell-organisiertes Curriculum, sodass informell-selbstinitiierte Lernprozesse für Lehrpersonen notwendig werden, um handlungsfähig zu bleiben.
Die diesjährige Sektion zur Sprachdidaktik stellt solche Potentiale und Herausforderungen informeller Sprachlehr- und Sprachlernkontexte in den Fokus und ist offen für die bereits angedeutete Vielfalt hinsichtlich sowohl der bereits besser erforschten als auch der bislang noch weniger gut untersuchten Aspekte. U.a. besteht Raum für die Adressierung der folgenden Fragen:
- Wo und unter welchen Rahmenbedingungen findet informelles sprachliches Lernen statt? (Lernorte und Lernprozesse)?
- Welche Potentiale & Herausforderungen bringt informelles sprachliches Lernen (schulisch und außerschulisch) mit sich? (z.B. Bildungsbeteiligung/-benachteiligung, hidden curriculum, Dis-/Empowerment, Voice divide/inequality, Diskriminierungsrisiken von Algorithmen)
- Wie unterscheiden sich formelles und informelles Lernen im Bereich des Sprachlichen? Welche Wechselwirkungen und Transfermöglichkeiten ergeben sich? Welche Auswirkungen zeigen sich für die Rollen der Beteiligten und ihre Beziehungs- und Interaktionsdynamiken?
- Wie lässt sich informelles sprachliches Lernen beobachten/erfassen/messen?
- Welche Bedeutung kommt Emotion und Motivation beim informellen sprachlichen Lernen zu? (Wann) Wird Lernen nicht als Lernen wahrgenommen (z.B. beim Spielen)?
- Welche Spannungsverhältnisse ergeben sich im Kontext informellen sprachlichen Lernens? Wie wird z.B. mit dem Anspruch an Professionalisierung und Professionalität im ehrenamtlichen Sprachmittlungs-/-förderbereich bzw. der Tatsache, dass ehrenamtliche Sprachvermittlung/-förderung kein Ersatz für professionelle Vermittlung ist, umgegangen?
Ziel der Sektion ist eine facettenreiche, möglichst interdisziplinär ausgerichtete Diskussion von für die Sprachdidaktiken (Deutschdidaktik, Fremd-/Zweitsprachendidaktiken) relevanten Aspekten informellen sprachlichen Lernens und Lehrens. Willkommen sind theoretisch-konzeptionelle, empirische sowie praxisbezogene Beiträge. Bitte reichen Sie über ConfTool bis zum 1.5.2026 ein Abstract ein, das nicht mehr als 400 Wörter umfasst (zuzüglich bis zu 6 Literaturangaben). Einreichungen und Vorträge sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch möglich.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Abendroth, J., & Richter, T. (2023). Informelles Lernen im Internet. In M. Appel, F. Hutmacher, C. Mengelkamp, J.-P. Stein, & S. Weber (Hrsg.), Digital ist besser?! Psychologie der Online- und Mobilkommunikation (S. 139–153). Springer Berlin Heidelberg. DOI: doi.org/10.1007/978-3-662-66608-1
Brammerts, H., & Kleppin, K. (Hrsg.). (2010). Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem: Ein Handbuch (3. Aufl., unveränd. Nachdr. d. 1. Aufl. 2001). Stauffenburg-Verl.
Bryant, D., & Rummel, S. C. (2015). Nachhaltige dramapädagogische Sprachförderung für Grundschulkinder mit DaZ. Scenario: A Journal of Performative Teaching, Learning, Research, 7–32. DOI: doi.org/10.33178/scenario.9.2.2
Cramer, C., & König, J. (2025). Informelles Lernen und heimliches Curriculum in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. In C. Cramer, J. König, & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch Lehrerinnen- und Lehrerbildung. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Julius Klinkhardt. DOI: doi.org/10.35468/hblb2025-118
Dobstadt, Michael, Hägi-Maed, Sara, & Kobelt, A.-K. (2017). „Deutsch für Geflüchtete von Anfang an“. Vom ersten zum zweiten Fachtag DAFF. In A. Middeke, A. Eichstaedt, M. Jung, & G. Kniffka (Hrsg.), Wie schaffen wir das? Beiträge zur sprachlichen Integration geflüchteter Menschen (S. 15–29). Göttingen University Press. DOI: doi.org/10.17875/gup2017-1031
Erim, E., & Sarı Bıyık, Ş. (2021). Zum Stellenwert der mobilen Applikationen für Deutsch als Fremdsprache – dargestellt an mobilen App-Beispielen „Anton“ und „Fun Easy Learn“. Diyalog. Interkulturelle Zeitschrift Für Germanistik, 9(2), 730–759. DOI: doi.org/10.37583/diyalog.1030822
Garcia, A. C., & Kobelt, A.-K. (2017, August 28). Deutsch von Anfang an für Flüchtlinge fördern. DaF-Angebote für Geflüchtete im Spannungsfeld von Theorie und Praxis, Institut und Ehrenamt; Dokumentation des 1. Fachtags DAFF. Dresden: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden – Dresden: Technische Universität Dresden. URL: nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-227547
Harring, M., Witte, M. D., & Burger, T. (Hrsg.). (2018). Handbuch informelles Lernen: Interdisziplinäre und internationale Perspektiven (2. Aufl). Beltz Juventa.
Iske, S., Klein, A., & Verständig, D. (2015). Informelles Lernen und digitale Spaltung. In M. Rohs (Hrsg.), Handbuch Informelles Lernen (S. 1–15). Springer Fachmedien Wiesbaden. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-06174-6_26-1
Kahnwald, N., & Täubig, V. (Hrsg.). (2018). Informelles Lernen. Springer Fachmedien Wiesbaden. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-15793-7
Kowoll, M. E., Strietholt, R., & Bos, W. (2013). Können Sommercamps Bildungsungleichheit abbauen? Die deutsche Schule, 105(2), 158–168. DOI: doi.org/10.25656/01:25750
Lewalter, D., & Neubauer, K. (2025). Informelles Lernen. In D. Urhahne, M. Dresel, & F. Fischer (Hrsg.), Psychologie für den Lehrberuf (S. 169–187). Springer Berlin Heidelberg. DOI: doi.org/10.1007/978-3-662-69557-9
mpsf (Hrsg.). (2025). JIM-Studie 2025 Jugend, Information, Medien Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. URL: mpfs.de/studie/jim-studie-2025/
Müller, Christian Olsen, Ralph. (2014). Deutsch lernen mit DaF-Apps. In M. Hieronimus (Hrsg.), Visuelle Medien im DaF-Unterricht (S. 421–434). Universitätsverlag Göttingen.
Ritterfeld, U., Starke, A., & Mühlhaus, J. (2016). Digitale Applikationen in der (Zweit-)Sprachförderung von Grundschulkindern:¬ Möglichkeiten und Grenzen. merz | medien + erziehung, 60(6), 85–96. DOI: doi.org/10.21240/merz/2016.6.8
Stanat, P., Baumert, J., & Müller, A. (2005). Förderung von deutschen Sprachkompetenzen bei Kindern aus zugewanderten und sozial benachteiligten Familien. Evaluationskonzeption für das Jacobs-Sommercamp Projekt. Zeitschrift für Pädagogik, 51(6), 856–875. DOI: doi.org/10.25656/01:4786
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Weirich, S., Henschel, S., & Sachse, K. A. (2023). IQB-Bildungstrend 2022. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Pressemappe. Waxmann. URL: www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2022/Bericht
Wolf, K. D. (2022). Informelles Lernen mit Performanzvideos und Tutorials auf TikTok. Zkmb | Zeitschrift Kunst Medien Bildung, (Mikroformate. Interdisziplinäre Perspektiven auf aktuelle Phänomene in digitalen Medienkulturen), o.A.
Sektion Sprachkritik
Organisation: Anne Diehr (RPTU Kaiserslautern-Landau) & Andreas Osterroth (RPTU Kaiserslautern-Landau)
Sektionsthema: Verschobene Grenzen: Sprachkritik zwischen Sagbarkeiten und Sprachnormen
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
In gegenwärtigen politisch-gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen wird Sprache selbst zunehmend zum Gegenstand von Konflikten, Regulierung und Kritik. Debatten um Political Correctness (vgl. Meibauer 2022), gendergerechte Sprache (vgl. Kotthoff & Nübling 2024), Hassrede (vgl. Meibauer 2022), Cancel Culture (vgl. Thiele 2021), Desinformation oder die (De-)Regulierung von Kommunikation in digitalen Öffentlichkeiten machen deutlich: Die Grenzen des Sagbaren sind in Bewegung – und mit ihnen auch die Normen, an denen Sprache gemessen, kritisiert oder sanktioniert wird (vgl. Römer & Spieß 2019; Malik 2022; Niehr 2025).
Anknüpfend an das Verständnis von Sagbarkeitsgrenzen als dynamische, öffentliche Aushandlungsprozesse gesellschaftlicher Legitimität von sprachlichen Äußerungen (vgl. Niehr 2024; Biskamp/Glathe/Hecker 2026) widmet sich die geplante Sektion, die thematisch an die Sektionsdiskussion im Rahmen der GAL 2025 anschließt, unterschiedlichen Fragen:
- Wie entwickeln sich Sagbarkeiten/Sagbarkeitsgrenzen und Sprachnormen (vgl. Gloy 2016; Felder/ Schwinn/Jacob 2017) in aktuellen öffentlichen Kontexten?
- Wie werden diese Verschiebungen diskursiv verhandelt? Welche Strategien im Umgang mit Sagbarkeiten können diskursiv beobachtet werden, z.B. durch die gezielte Verschiebung einiger Akteur*innen (vgl. Niehr 2019: 3; Niehr 2025)?
- Wie steht es um aktuelle Debattenkultur in öffentlichen Kontexten (z.B. ‚Cancel Culture‘, Radikalisierungstendenzen etc.) und wie wird diese metadiskursiv kommentiert (vgl. u.a. Reuschenbach & Frenzel 2024; Roßteuscher 2025)?
- Welche Formen zeitgenössischer Sprachkritik, die sich nicht nur als reflexive Praxis der Linguistik versteht, sondern auch als politisches, moralisches und mediales Instrument Positionierungen erfordert, gehen daraus hervor (vgl. Diehr & Osterroth 2025)?
- Welche Beobachtungen ergeben sich für Spannungsfelder zwischen:
- normativer Sprachregulierung und sprachlicher Freiheit,
- emanzipatorischen Ansprüchen und Exklusionseffekten,
- institutionellen Vorgaben und alltagspraktischer Sprachverwendung,
- demokratischer Öffentlichkeit und polarisierter Kommunikationskultur?
Wir freuen uns auf Beiträge, die die genannten Schwerpunkte aufgreifen sowie die gegenwärtigen sprachlichen Grenzverschiebungen analysieren, kritisch reflektieren und neue Perspektiven auf die Rolle von Sprachkritik in umkämpften Öffentlichkeiten eröffnen.
Mögliche thematische Schwerpunkte der Beiträge sind:
- Sprachkritik im Kontext aktueller politischer Polarisierungen
- Sagbarkeitsräume in sozialen Medien und digitalen Öffentlichkeiten
- Normierungsdiskurse im Zusammenhang mit Sagbarkeiten
- Sprachkritik, Moral und Affekt: Empörung, Verletzbarkeit, Ironie
- Sprachkritik als Machtpraxis: Wer kritisiert wessen Sprache – und mit welchen Effekten?
- Historische Perspektiven auf gegenwärtige Sagbarkeitsdebatten
- Metasprachliche Diskurse über Sagbarkeiten und Diskursverschiebungen
- Didaktische Zugänge zum Umgang mit Sagbarkeiten
Willkommen sind theoretische, empirische und methodologische Beiträge aus der angewandten Linguistik (insb. Diskurs-, Sozio-, Medien- und Politolinguistik), aber im interdisziplinären Sinne auch aus benachbarten Disziplinen wie Kultur-, Medien- und Kommunikations-, Sozial- oder Politikwissenschaft.
Abstracts zu Einzelvorträgen (20 Min. Vortrag + 10. Min. Diskussion) im Umfang von max. 400 Wörtern plus Literaturangaben (PDF-Format im Benennungsschema: Nachname,Vorname_Kurztitel_Sprachkritik 2026) reichen Sie bitte bis zum 1. Mai 2026 über das ConfTool ein. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1. Juni 2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Biskamp, Floris, Julia Glathe & Hannah Hecker (2026): What Are „The Boundaries of the Sayable“? A Social Theoretical Framework to Research the Boundaries of Public Speech. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. DOI: doi.org/10.1007/s11577-025-01041-w
Diehr, Anne & Osterroth, Andreas (Hg.) (2025): Sprachkritik in der Öffentlichkeit. Themenheft. Aptum, Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur, Heft 3. Hamburg: Buske.
Felder, Ekkehard, Schwinn, Horst & Jacob, Katharina (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik (Sprachnormenkritik) im Deutschen. In: Handbuch europäische Sprachkritik Online. Heidelberg: 53–61. DOI: doi.org/10.17885/heiup.heso.2017.0.23717
Gloy, Klaus (2016) Sprachnormativität/Sprachnormen. In: Jäger, L./ Holly, W./ Krapp, P./ Weber, S./ Heekeren, S. (Hg.) Sprache – Kultur – Kommunikation. Ein internationales Handbuch zu Linguistik als Kulturwissenschaft (HSK 43). Berlin [etc.]: 617–624.
Niehr, Thomas (2019): Sprache – Macht – Gewalt oder: Wie man die Grenzen des Sagbaren verschiebt. In: Sprachreport, Heft 3, Jg. 35, 1–7.
Niehr, Thomas (2024): Die Grenzen des Sagbaren. In: Organisationsberatung, Supervision, Coaching 31 (2), 303–308.
Niehr, Thomas (2025): Verschiebung von Sagbarkeitsgrenzen: mess- oder nur fühlbar? Überlegungen aus Sicht der Linguistik. In: Zeitschrift für Diskursforschung, Heft 2/2025, 221–236.
Malik, Amira (2022): Sind Wissenschafts- und Meinungsfreiheit in Gefahr? Kämpfe um die Grenzen des Sagbaren als Gegenstand der Diskursforschung. In: Zeitschrift für Diskursforschung, Heft 2/2022, 307–317.
Meibauer, Jörg (2022): Sprache und Hassrede. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
Kotthoff, Helga & Nübling, Damaris (2024): Genderlinguistik. Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht. Tübingen: Narr.
Reuschenbach, Julia & Frenzel, Korbinian (2024): Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
Römer, David & Constanze Spieß (Hg.) (2019): Populismus und Sagbarkeiten in öffentlich-politischen Diskursen. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (= OBST) 95. Duisburg: Universitätsverlag Rhein-Ruhr.
Roßteuscher, Johannes (2025): Welche Folgen die Radikalisierung der Sprache hat. In: tagesschau.de. URL: www.tagesschau.de/inland/bundestagswahl/radikalisierung-sprache-100.html [29.01.2026].
Thiele, Martina (2021): Political correctness und cancel culture – eine Frage der Macht! Plädoyer für einen Perspektivwechsel. In: Journalistik. Zeitschrift für Journalismusforschung, 4(1), 72–79.
Sektion Textlinguistik und Stilistik
Organisation: Nina-Maria Klug (Universität Duisburg-Essen), Sina Lautenschläger (Otto-von-
Guericke-Universität Magdeburg)
Sektionsthema: Reizende Rhetorik
Sektionszeiten: Donnerstag, 17.9.2026, 14.45–16.15 Uhr und 16.45–18.15 Uhr
Freitag, 18.9.2026, 9.00–10.30 Uhr und 11.15–12.45 Uhr
Sprache kann berühren und verführen, verlocken und schockieren, verärgern und verstören, erregen, empören und bewegen; sie kann also reizen und manchmal soll sie das auch. Mit reizender Rhetorik nimmt die Arbeit dieser Sektion jene kommunikativen Praktiken und Strategien in den Blick, in denen Sprache – immer wieder auch im komplexen multimodalen Zusammenspiel mit anderen Zeichenmodalitäten – gezielt eingesetzt wird, um zweckorientiert spezifische, vor allem affektive bzw. emotionale Reaktionen zu provozieren. Der Reiz bzw. das Reizen wird dabei nicht als bloßes Nebenprodukt, sondern als strategisches Prinzip der Gestaltung kommunikativer Praxis begriffen.
Die Spannbereite dessen, was reizen kann bzw. als reizend begriffen wird, lässt sich bereits anhand der Mehrdeutigkeit nachvollziehen, die sich in den Bedeutungsangaben zu reizen z.B. im Online-Wörterbuch des Duden niederschlägt:
- „herausfordern, provozieren, ärgern, in heftige Erregung versetzen“
- „als schädlicher Reiz auf einen Organismus einwirken, ihn angreifen“
- „jemandes Interesse, Aufmerksamkeit o.Ä. erregen und ihn herausfordern, sich damit zu beschäftigen oder etwas zu unternehmen“
- „eine angenehme, anziehende Wirkung auslösen, verlocken, bezaubern“ (Duden.de a; vgl. dazu auch die Bedeutung des Adjektivs reizend: „besonders hübsch, sehr angenehm, besonderes Gefallen erregend“, Duden.de b)
Reize – ganz allgemein gefasst als „äußere […] Einwirkung auf den Organismus, […] die eine bestimmte, nicht vom Willen gesteuerte Reaktion auslöst“ (Duden.de c) – können also sowohl positiv als auch negativ konnotiert sein. Sie können dadurch wirksam werden, dass sie kommunikativ realisiert oder absichtlich ausgelassen werden, etwa um gegen spezifische Erwartungen zu verstoßen (vgl. hierzu den sogenannten reward prediction error, z.B. Schultz 2016). In der kommunikativen Interaktion sind sie die Grundlage dessen, was überhaupt Resonanz erzeugt, in diesem Fall eine solche, die von positiven wie negativen Affekten bzw. Emotionen getragen ist.
In der geplanten Sektion sollen Beiträge zusammengeführt werden, die untersuchen, wie Sprache (und andere semiotische Ressourcen) in der kommunikativen Praxis (gezielt) zur Erzeugung von Reiz(en) genutzt wird, um beim adressierten bzw. antizipierten Gegenüber affektive bzw. emotionale Reaktionen hervorzurufen, die wiederum in der Anschlusskommunikation zum Ausdruck kommen (können). Im Zentrum stehen Fragen danach, wie Reiz kommunikativ hergestellt wird – sprachlich, aber z.B. auch bildlich, gestisch, typografisch oder prosodisch, welche Reaktionen darauf (musterhaft) erfolgen und wie sich diese Reiz-Reaktions¬abfolgen als Teil größerer diskursiver bzw. kultureller Dynamiken beschreiben lassen, z.B. mit Blick auf:
- erotische und ästhetische Dimensionen des Reizes, wie sie sich z.B. in der Flirtkommunikation niederschlagen. Sprache wird dabei zum wechselseitigen Spiel mit Aufmerksamkeit, Begehren, Dominanz und Unterordnung genutzt (vgl. z.B. Spitzer 2011, Guhr 2008, Becker 2009), u.a. auch durch gezielte sprachliche Zurückhaltung in Form von Anspielungen (vgl. z.B. Marx 2014, Ranganath et al. 2013, Motschenbacher 2020), Knappheit (vgl. Schönbach 2022: 54 ff.) bis hin zu strategischem Schweigen (vgl. Lautenschläger 2021, 2024) zur Reizsteigerung. Aber auch das dezidiert Explizite, wie es z.B. beim Sexting in Form von Bildern/Videos, Geräuschen/Tönen und Versprachlichungen gesprochener wie geschriebener Art vorliegt, ist ein Beispiel für bezweckte Stimulation, also reizende Rhetorik.
- Reizkommunikation im politischen Diskurs, wie sie sich durch Affektsteuerung, moralische Empörung, kalkulierte Grenzüberschreitung und Tabubruch manifestiert. Politische Kommunikation operiert zunehmend mit kalkulierten Provokationen und affektiven Triggern – von populistischer Polemik über emotionalisierende Veröffentlichungen bzw. Kampagnen in analogen und digitalen Kommunikationsformen bis hin zu ironisch gebrochenen Strategien des Dafür- oder Dagegenseins (vgl. z.B. Klug 2012, 2018; Ventsel/Selg 2025; Hogget/Thompson 2012; Papacharissi 2014; Breeze 2018) – und erzeugt in vielfältiger Weise spezifische Praktiken kommunikativer Reaktion (u.a. Formen der digitalen Anschlusskommunikation in Kommentarspalten (vgl. z.B. Jandura/Köhler 2024) oder Formen des Plakat-Bustings im öffentlichen Raum (vgl. z.B. Michel/Pappert 2018)).
Ausgehend von intra- und transdisziplinären Zugängen – etwa aus der Text- und Diskurslinguistik, der Stilistik und Rhetorikforschung, der Multimodalitätsforschung, der Medienlinguistik, der Psycholinguistik, der Affective Communication Studies und explizit auch der Gesprächslinguistik – können Beiträge Schwerpunkte setzen bei z.B.
- sprachlichen und multimodalen Mitteln der Affizierung (z.B. durch Wortwahl, Tonfall, Rhythmus, Gestik, Einsatz von Bewegtbildern, Fotos oder Emojis),
- rhetorischen Reizpraktiken wie z.B. Ironie, Andeutung, Tabubruch, Selbstinszenierung, Doppelcodierung, Verschleierung, Leerstellen und Schweigen,
- digitalen Reizkulturen, die in spezifischer Weise dazu dienen, algorithmische Sichtbarkeit, Clickbait, Shitstorms, Likes und Empörung (z.B. im Kontext von Rage-Baiting oder Hate Speech) zu erzeugen,
- Reizthemen im privaten und/oder öffentlichen Diskurs, die (meta-)sprachkritisch sein können (wie bei Gendern, Political Correctness, Wokeness), es aber nicht müssen (wie bei Vegetarismus, Veganismus bzw. umgekehrt: Fleischkonsum0F0F0F , Klimawandel etc.),
- Formen der Anschlusskommunikation, die vom affektiven bzw. emotionalen Reizwert vorausgehender Diskurs- bzw. Interaktionsbeiträge (und der in ihnen genutzten Reizpraktiken, Reizthemen, spezifischen Mitteln der Affizierung usw.) zeugen.
Eingeladen sind Beiträge aus linguistischen Disziplinen, die reizende Rhetorik in ihren Facetten untersuchen – als sprachliche, aber durchaus auch visuelle, stimmliche, körperliche oder digitale Praxis der gezielten Affizierung.
Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) und bitten um Abstracts mit max. 300 Wörtern exkl. Literatur. Die Einreichung der Abstracts ist über das ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
Becker, Nils (2009): Überzeugen im erotischen Partnerwerbungsgespräch. Berlin.
Breeze, Ruth (2018): Emotion in Politics – discursive practices in UKIP and Labour. Discourse & Society 30 (1), S. 24-43.
Duden.de a: www.duden.de/suchen/dudenonline/reizen (zuletzt abgerufen am 1.12.2025)
Duden.de b: www.duden.de/rechtschreibung/reizend (zuletzt abgerufen am 1.12.2025)
Duden.de c: www.duden.de/rechtschreibung/Reiz (zuletzt abgerufen am 1.12.2025)
Hogget, Paul/Thompson, Simon (2012) (Hrsg.): Politics and the Emotions: The Affective Turn in Contemporary Political Studies. London/New York.
Guhr, Dagny (2008): Argumentation in Courtship-Kommunikation. Zu den persuasiven Strategien im Gespräch. Berlin.
Jandura, Olaf/Köhler, Nele (2024): Asymmetrisch verteilte Teilhabe. Anschlusskommunikation in politisch-kommunikativen Milieus. Publizistik 69, S. 121–142.
Klug, Nina-Maria (2012): Das konfessionelle Flugblatt 1563–1580. Eine Studie zur historischen Semiotik und Textanalyse. Berlin/Boston.
Klug, Nina-Maria (2018): Wenn Schlüsseltexte Bilder sind. Aspekte von Intertextualität in Presse und öffentlichem Raum. In: Pappert, Steffen/Michel, Sascha (Hrsg.): Multimodale Kommunikation in öffentlichen Räumen: Texte und Textsorten zwischen Tradition und Innovation. Stuttgart, S. 109–132.
Lautenschläger, Sina (2021): Willst du gelten, mach dich selten: Tabu und Schweigen in interpersonalen Beziehungen. In: Kuck, Kristin (Hrsg.): Tabu-Diskurse. Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur 02, S. 212–229.
Lautenschläger, Sina (2024): Erkämpfte Liebe und programmierte Frauen. Geschlechtsspezifische Tipps zur Flirt-Kommunikation. In: Klug, Nina-Maria/Lautenschläger, Sina (Hrsg.): True Love. Sprache(n) der Liebe in Text und Gespräch. Reihe Europäische Studien zur Textlinguistik, Tübingen, S. 43–71.
Marx, Konstanze (2014): „ich bin mit … ähm … ‚leidenschaftlichen‘ Gedanken aufgewacht ;-)“ – Sprachliche Zurückhaltung als Projektionsräume begünstigender Aspekt in Online-Liebesdiskursen. In: Vanková, Lenka (Hrsg.): Emotionalität im Text. Tübingen, S. 273–290.
Michel, Sascha/Pappert, Steffen (2018): Wahlplakat-Busting: Kommunikative Spuren der Aneignung von Wahlplakaten im öffentlichen Raum. Fallanalysen – Forschungsfragen – Perspektiven. Ein Werkstattbericht. In: Pappert, Steffen/Michel, Sascha (Hrsg.): Multimodale Kommunikation in öffentlichen Räumen. Texte und Textsorten zwischen Tradition und Innovation. Stuttgart, S. 187–199.
Motschenbacher, Heiko (2020): Coming out – seducing – flirting: Shedding light on sexual speech acts. Journal of Pragmatics 170, S. 256–270.
Papacharissi, Zizi (2014): Affective Publics: Sentiment, Technology and Politics. Oxford.
Ranganath, Rajesh/Jurafsky, Dan/Mc Farland, Daniel R. (2013): Detecting friendly, flirtatious, awkward, and assertive speech in speed-dating conversations. Computer Speech and Language 27, S. 89–115.
Schultz, Wolfram (2016): Dopamine reward prediction error coding. Dialogues Clin Neuroscience 18 (1), S. 23–32.
Spitzer, Manfred (2011): Die Wissenschaft vom Flirten. Nervenheilkunde 11 (30), S. 855–862.
taz.de (25.8.2025): „Ich will nicht wie ein Gespenst über die Flure laufen“, URL: taz.de/Robert-Habeck-tritt-zurueck/!6106347/ (zuletzt abgerufen am 1.12.2025)
Ventsel, Andreas/Selg, Peeter (2025) (Hrsg.): Power of Emotions: On the Affective Constitution of Political Struggle. A Multidisciplinary Approach. Cham.
Sektion Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft
Die Übersetzungs- und Dolmetschbranche verzeichnet einerseits einen stetig wachsenden Bedarf an Translation und Verdolmetschung. Aufgrund des verstärkten Einsatzes LLM-basierter Hilfsmittel für Übersetzungs- und Dolmetschprozesse verändern sich andererseits Berufsfeld und Berufsbild (auch gesamtgesellschaftlich) derzeit stark. Dementsprechend stehen die professionalisierte Praxis sowie die relevante Forschung der Herausforderung gegenüber, die Anwendungsmöglichkeiten, Chancen und Grenzen kritisch zu evaluieren. Für ausbildende Institutionen wiederum gilt es, diese Erkenntnisse fruchtbar in die universitäre Ausbildung zu übertragen.
Anwendungen der Künstlichen Intelligenz können vor allem in repetitiven Prozessen Unterstützung leisten; der Output ist häufig beeindruckend und kann kaum von menschlichem Output unterschieden werden, selbst in Bereichen, die lange Zeit aufgrund ihrer Kreativität der Humanübersetzung vorbehalten schienen wie der literarischen und der audiovisuellen Übersetzung (vgl. Heidrich-Wilhelms i.V., Lapshinova-Koltunski et al. 2025). Der Einsatz KI-gestützter Tools im Bereich der Übersetzung weist aber auch Schwächen auf: angefangen bei Desinformationen, Halluzinationen, fehlender Reproduzierbarkeit und Erklärbarkeit der Aus-gaben über Bias in Form von ethnischen Stereotypisierungen, geschlechterbezogenen Verzerrungen oder der Diskriminierung unterrepräsentierter Minderheiten bis hin zu Effekten sprachlicher und kultureller Ungleichheit aufgrund von unterrepräsentierten Sprachen (Low Resource) (Löber 2022; Louban et al. 2022; BSI 2024; SIG 2025). Insbesondere für das Fachübersetzen ergeben sich aus diesen Fehlerquellen Fragen der Produktsicherheit und Produkthaftung sowie der Datensicherheit und der Persönlichkeitsrechte (Grätz 2021; Maamar 2021; Jordan 2022; Mühlhoff 2022, 2023).
Während die Praxis verstärkt mit stetig verbesserten KI-basierten Tools und den sich daran anschließenden Post-Editing-Schritten (vgl. Nitzke/Hansen-Schirra 2021) experimentiert und versucht, eine Machine Translation Literacy und erweiterte AI Literacy (vgl. Krüger 2022, 2023) zu erlangen sowie für sich in dieser dynamischen Gemengelage ein neues, zeitgemäßes Berufsbild zu entwickeln, richtet auch die Translationsforschung ihr Augenmerk auf die neuesten Entwicklungen. Hier wird die Performanz von KI-Systemen unter verschiedenen Gesichtspunkten adressiert, beispielsweise aus Produkt- und Rezeptionssicht durch die Implementierung verschiedenster Evaluationsmethoden (z.B. Freitag et al. 2021; Deilen et al. 2023; Manakhimova et al. 2023), aber auch durch einen Blick auf die Produzierenden selbst (z.B. Jaki et al. 2024), bei denen KI-bedingte Entwicklungen insbesondere unter Freelancer*innen zunehmend zu Existenzängsten führen (ELIS 2025). Daran schließt sich auch die drängende Frage an, wie den Veränderungen in der Berufspraxis durch die Hochschullehre Rechnung getragen werden kann und muss.
Diese Sektion heißt Vorträge aus allen Bereichen der Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft willkommen. Forschende aus inter- und intralingualen Feldern wie der fachbezogenen Translation (Fachübersetzen, technische Redaktion bzw. Dokumentation), der interlingualen Audiovisuellen Translation (Untertitelung, Synchronisation, Videospiellokalisierung, Voice-Over-Übersetzung), der Barrierefreien Kommunikation (Unter-/Übertitel für Hörgeschädigte, Übersetzen in Leichte und Einfache Sprache, Audiodeskription und Audioeinführung) und des Dolmetschens (Konsekutiv-, Simultan-, Behörden-, Gebärdensprach- und Filmdolmetschen sowie Dolmetschen in Leichte Sprache) u.v.m. mögen sich angesprochen fühlen. Die Sektion soll einen Überblick über aktuelle Trends, Innovationen und neue Fragestellungen geben. Die in den eingereichten Beiträgen behandelten Fragestellungen können folgende Themenkomplexe betreffen, sind aber nicht auf diese beschränkt:
- Welche aktuellen Trends zur Nutzung KI-basierter Technologien zeichnen sich in welchen Bereichen der Translation ab?
- Wie gehen professionelle Translator*innen mit den Neuerungen um?
- Welche Implikationen haben die Beschränkungen und Gefahren von KI-Anwendungen für die verschiedenen Bereiche des Übersetzens und Dolmetschens?
- Wie können die für die Verwendung der KI-basierten Technologien und bei Post-Editing-Verfahren benötigten Kompetenzen in der Hochschullehre didaktisch gefördert werden?
- Welche Evaluationsmethoden eignen sich für welche Art KI-basierter Technologien?
- Welche neuen Erkenntnisse zu Verständlichkeit und Akzeptanz von human oder maschinell übersetzten Kommunikaten bringen rezeptionsseitige Untersuchungen? Mit welchen Methoden wird hier gearbeitet? Für welche Zielgruppen bieten sich rezeptionsseitige Untersuchungen in besonderem Maße an? Wie kann die Arbeit mit vulnerablen Zielgruppen gestaltet werden?
- Welche Möglichkeiten bieten KI-/LLM-Anwendungen für die Teilhabe von Menschen am kulturellen und gesellschaftlichen Leben und welche Herausforderungen ergeben sich?
- Wie können KI-basierte Tools für die Terminologiearbeit nutzbar gemacht werden?
Die Abstracts (ca. 300 Wörter, Literatur zusätzlich) für Vorträge (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Einreichung ist über das ConfTool bis zum 1.5.2026 möglich. Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 1.6.2026.
Weitere Informationen zur GAL-Jahrestagung finden Sie auf gal2026.de.
BSI [Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik] (2024): Generative KI-Modelle. Chancen und Risiken für Industrie und Behörden. URL: www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/KI/Generative_KI-Modelle.pdf (5.6.2025)
Deilen, Silvana; Sergio Hernández Garrido, Ekaterina Lapshinova-Koltunski, Christiane Maaß (2023): „Using ChatGPT as a CAT tool in Easy Language translation“. Sanja Štajner, Horacio Saggio, Matthew Shardlow & Fernando Alva-Manchego (Hg.): Proceedings of the second Workshop on Text Simplification, Accessibility and Readability (TSAR 2023). RANLP, 7.09.2023, Varna, Bulgarien. Shoumen: INCOMA, 1–10. URL: aclanthology.org/2023.tsar-1.1 (12.1.2024)
ELIS Research (2025): European Language Industry Survey 2025. Trends, Expectations and Concerns of the European Language Industry. URL: elis-survey.org/wp-content/uploads/2025/03/ELIS-2025_Report.pdf (30.1.2026)
Freitag, Markus; George Foster, David Grangier, Viresh Ratnakar, Qijun Tan, Wolfgang Macherey (2021): „Experts, Errors, and Context: A Large-Scale Study of Human Evaluation for Machine Translation“. Transactions of the Association for Computational Linguistics (2021) 9, 1460–1474. DOI: doi.org/10.1162/tacl_a_00437
Grätz, Axel (2021): Künstliche Intelligenz im Urheberrecht. Eine Analyse der Zurechnungskriterien und der Prinzipien der Verwandten Schutzrechte vor dem Hintergrund artifizieller Erzeugnisse (Juridicum – Schriften zum Medien-, Informations- und Datenrecht). Wiesbaden: Springer. DOI: doi.org/10.1007/978-3-658-33041-5
Heidrich-Wilhelms, Franziska (i. V.): „KI in der Übersetzungswissenschaft – Überblick und Herausforderungen“. Der Sprachdienst 1–2/2026
Jaki, Sylvia; Maren Bolz, Sophie Röther (2024): „KI-Technologien in der Audiovisuellen Translation. Umfrageergebnisse aus der deutschen Translationsindustrie“. trans-kom 17 (2), 2024, 320–342. URL: www.trans-kom.eu/bd17nr02/trans-kom_17_02_04_Jaki_ua_KI.20241128.pdf (12.1.2026)
Jordan, Rita (2022): „Nothing personal? Der Personenbezug von Daten in der DSGVO im Licht von künstlicher Intelligenz und Big Data“. Michael Friedewald, Alexander Roßnagel, Jessica Heesen, Nicole Krämer, Jörn Lamla (Hg.): Künstliche Intelligenz, Demokratie und Privatheit. Baden-Baden: Nomos, 59–76. DOI: doi.org/10.5771/9783748913344
Krüger, Ralph (2022): „Integrating professional machine translation literacy and data literacy“. Lebende Sprachen 67 (2), S. 247–282
Krüger, Ralph (2023): „Artificial intelligence literacy for the language industry – with particular emphasis on recent large language models such as GPT-4“. Lebende Sprachen 68 (2), 283–330
Lapshinova-Koltunski, Ekaterina; Sylvia Jaki, Maren Bolz, Merle Sauter (2025): „Human- or machine-translated subtitles: Who can tell them apart?“ Proceedings of Machine Translation Summit XX: Volume 1. Genf: European Association for Machine Translation, 496–505. URL: aclanthology.org/2025.mtsummit-1.39.pdf (28.1.2026)
Löber, Lena Isabell (2022): „KI-Lösungen gegen digitale Desinformation: Rechtspflichten und -befugnisse der Anbieter von Social Networks“. Michael Friedewald, Alexander Roßnagel, Jessica Heesen, Nicole Krämer, Jörn Lamla (Hg.): Künstliche Intelligenz, Demokratie und Privatheit. Baden-Baden: Nomos, 289–316. DOI: doi.org/10.5771/9783748913344
Louban, Anna; Milan Tahraoui, Hartmut Aden, Jan Fährmann, Christian Krätzer, Jana Dittmann (2022): „Das Phänomen Deepfakes. Künstliche Intelligenz als Element politischer Einflussnahme und Perspektive einer Echtheitsprüfung“. Michael Friedewald, Alexander Roßnagel, Jessica Heesen, Nicole Krämer, Jörn Lamla (Hg.): Künstliche Intelligenz, Demokratie und Privatheit. Baden-Baden: Nomos, 265–287. DOI: doi.org/10.5771/9783748913344
Maamar, Niklas (2021): Computer als Schöpfer. Der Schutz von Werken und Erfindungen künstlicher Intelligenz (Geistiges Eigentum und Wettbewerbsrecht (GEuWR), 168). Tübingen: Mohr Siebeck. DOI: doi.org/10.1628/978-3-16-160875-9
Manakhimova, Shushen; Eleftherios Avramidis, Vivien Macketanz, Ekaterina Lapshinova-Koltunski, Sergei Bagdasarov, Sebastian Möller (2023): „Linguistically motivated Evaluation of the 2023 State-of-the-art Machine Translation: Can ChatGPT Outperform NMT?“ Philipp Koehn, Barry Hadow, Tom Kocmi, Christof Monz (Hg.): Proceedings of the 8th Conference on Machine Translation (WMT). Singapur: Association for Computational Linguistics, 224–245. URL: aclanthology.org/2023.wmt-1.23 (12.1.2024)
Mühlhoff, Rainer (2022): „Prädiktive Privatheit: Kollektiver Datenschutz im Kontext von Big Data und KI“. Michael Friedewald, Alexander Roßnagel, Jessica Heesen, Nicole Krämer, Jörn Lamla (Hg.): Künstliche Intelligenz, Demokratie und Privatheit. Baden-Baden: Nomos, 31–58. DOI: doi.org/10.5771/9783748913344
Mühlhoff, Rainer (2023) Die Macht der Daten. Warum künstliche Intelligenz eine Frage der Ethik ist (Osnabrücker Universitätsreden, 10). Osnabrück: Universitätsverlag. URL: www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.14220/9783737015523 (5.6.2025)
Nitzke, Jean; Silvia Hansen-Schirra (2021): A short guide to postediting (Translation and Multilingual Natural Language Processing, 16). Berlin: Language Science Press. URL: langsci-press.org/catalog/book/319 (5.1.2023)
SIG [Special Interest Group (SIG) on AI in Translation and Interpreting of the European Language Council] (2025): AI for Translation and Interpreting. A Roadmap for Users and Policy Makers, Oktober 2025. URL: www.celelc.org/wp-content/uploads/2025/11/AI-for-Translation-and-Interpreting.-A-roadmap-for-users-and-policy-makers-2.pdf (14.1.2026)