Vorlesungsverzeichnis

Suchen Sie hier über ein Suchformular im Vorlesungsverzeichnis der Leuphana.


Lehrveranstaltungen

#DIY – interventionistische und formale Stadtentwicklung, Kreativ- und Kulturwirtschaft (KKW), Architektur und Design, Partizipation und Teilhabe sowie Nachhaltigkeit (Seminar)

Dozent/in: Constantin Alexander, Patricia Wedler

Termin:
Einzeltermin | Di, 16.10.2018, 14:00 - Di, 16.10.2018, 18:00 | C 7.320 | Allgemeines, Aufgabenverteilung
Einzeltermin | Fr, 23.11.2018, 09:00 - Fr, 23.11.2018, 18:00 | C 40.108
Einzeltermin | Fr, 07.12.2018, 09:00 - Fr, 07.12.2018, 18:00 | C 7.307

Inhalt: Kreative und nachhaltige Stadtentwicklung lebt von bürgerlichem Engagement, künstlerischen Interventionen, politischen Auseinandersetzungen und Kämpfen um und für Demokratie, Nachhaltigkeit und Resilienz. In diesem Seminar wollen wir gemeinsam erfolgreiche Strategien, Kampagnen und Ideen aus Europa analysieren und bringen sie in einen Bezug mit dem urbanen Quartier Ihme-Zentrum in Hannover. Dieser multifunktionale Komplex aus den 1970er-Jahren im Brutalismus-Design ist ein komplexes Problem mit typischen Image-Problemen, Fehlallokationen und juristischen Auseinandersetzungen im Spannungsfeld neoliberaler Stadtentwicklung und Kulturwirtschaft. Als Transformationsobjekt besitzt es ideale wirtschaftliche, soziale und kulturelle Voraussetzungen, um nachhaltig und kreativ zu funktionieren. Es ist definitorisch ein Möglichkeitsraum.

Cultural (Re)Organizing in the Age of Global Performance (Seminar)

Dozent/in: Ioana Jucan

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 13:45 | 16.10.2018 - 22.01.2019 | C 12.006
Einzeltermin | Di, 29.01.2019, 12:00 - Di, 29.01.2019, 16:00 | C 16.222

Inhalt: “Performance will be to the twentieth and twenty-first centuries what discipline was to the eighteenth and nineteenth: an onto-historical formation of power and knowledge”, argues Jon McKenzie in his book Perform or Else (194). This course explores and complicates this claim through readings drawn from theatre and performance studies and philosophy and through feminist and decolonial perspectives. The basic premise of the course is that theatre and performance, a purportedly “specific cultural field”, needs to be understood as a practice and a formation of power and knowledge at work across different cultural fields. This practice and formation of power and knowledge has the potential to (re)organize “culture” in the broad sense of this term and to shape common conceptions and experiences of the world. We will investigate the connections between performance paradigms and global capitalism (with its imbrications with colonialism and neocolonialism), as well as connections between performance and practices of critique, world-making, and alternative modes of thought and action.

Cultural Labour (Seminar)

Dozent/in: Boukje Cnossen

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 10:15 - 11:45 | 15.10.2018 - 01.02.2019 | C 11.308

Inhalt: The aim of this module is to develop a multi-disciplinary understanding of labour in the arts and creative or cultural industries and adjacent industries. We will explore different perspectives on labour, drawing from sociology, critical theory, entrepreneurship studies, and communication theory. We will also explore how the organisation of this labour is affected by changes in policies, changes in markets as a result of digitization, and new uses of spatial settings. Linking back to the different disciplinary perspectives, we will gain in-depth understanding of how these different perspectives do not exist in a vacuum, but rather may help illuminate aspects of certain context, while being less applicable in other areas. In each seminar, one or several students will be asked to present an assigned text too, summarizing its content but also linking it to previously discussed concepts and issues. Furthermore, students will gain research experience by analysing fictional or non-fictional accounts of the experiences of creative workers, for instance by looking at film, literature, creative non-fiction, fiction, or blogs.

Klassik im neuen Gewand - das unerwartete Comeback von Oper und dem symphonischen Sound (Seminar)

Dozent/in: Alenka Barber-Kersovan

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 12:15 - 13:45 | 15.10.2018 - 01.02.2019 | C 5.326

Inhalt: Totgesagte leben bekanntlich lange. Das trifft auch auf die klassische Musik zu, deren Verschwinden bereits seit Jahrzehnten beklagt wird. Ferner wird – teilweise unterstützt durch empirische Forschung – ein radikaler Rückgang des klassischen Publikums diagnostiziert. Doch das ist nur eine Seite der Medaille, denn eine kürzlich von Concerti durchgeführte Studie zeigt, dass sich die Klassik mehr Zuspruch erfreut als vermutet, allerdings nicht in herkömmlichen Konzertveranstaltungen, sondern auf open-air Konzerten (Sommerkonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn; Netrebko-Gala auf dem Roten Platz), als raffinierter DJ-Mix in der Berliner Yellow Lounge oder vertanzter Bach der Flying Steps. Weitere Beispiele sind konzertante Aufführungen von Filmmusiken (Star Wars), Cross-over-Projekte mit Klassik-Hits im rockigen Gewand oder bekannte Rock-Hymnen, gespielt von symphonischen Orchestern (Queen‘s Projekte mit London Symphony). Neben der Symphonik scheint in den letzten Jahren auch die als ‚verstaubt‘ geltende Oper in Aufwind zu sein. Neben den traditionellen Vorstellungen kommt ein breites Publikum auch durch zahlreiche Fernsehübertragungen, Veranstaltungsformate wie das Public Viewing (Wiener Staatsoper; Bayreuther Festspiele) und Direktübertragungen von Opernaufführungen in Kulturkinos in Kontakt. Ferner haben klassisch geschulte Stimmen auch im Popbereich Konjunktur (Sarah Brightman); bei Castingshows, wie etwa ‘XXX has Talent’ wird auch mit Opernarien gepunktet, und mit ‘PopOpera’ beziehungsweise ‘Operatic Pop’ (Jonathan Ansell) wird ein neues (altes) Subgenre schon wieder populär. Die klassische Musikszene stellt sich somit auf allen Ebenen neu auf und erscheint so jung und frisch wie nie zuvor. Es werden neue Aufführungsorte erschlossen ("Aida“ vor den Pyramiden von Gizeh), es entstehen neuartige Besetzungen (Drei Tenöre, Zwolf Tenöre, Divas4Divas) und neuartige Konzertformate (Urban Strings von Ensemble Resonanz). Die Einbindung in große Sportveranstaltungen (Olympische Spiele) bringt die Highlights der Klassik auch einem Massenpublikum zu Gehör, das zuvor nicht notwendigerweise mit dieser musikalischen Gattung konfrontiert wurde. Mit den YouTube-Kanälen renommierter Ensembles (NDR Symphonieorchester) oder der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker eignete sich die Klassikszene Distributionsstrategien des digitalen Zeitalters an, und spätestens mit der „Symphony for the Goddesses“ eroberte sich auch die Musik der Computerspiele (The Legend of Zelda) die klassische Konzertbühne. Auf der institutionellen Ebene sind neue Kooperationsnetzwerke wie ‚Classical next‘ und ‚Opera Europa‘ entstanden, die sich u.a. mit dem zeitgemäßen Marketing für diese Branche befassen. Des Weiteren verzeichnet man im Sog des beschleunigten Urbanisierungsschubs der letzten Jahre einen echten Bauboom von Musikgebäuden (Elbphilharmonie) auch dort, wo Oper und klassische Symphonik bislang nur selten gepflegt wurden, wie etwa in Südafrika, in den arabischen Emiraten und in China, wo die traditionelle chinesische Oper auf die europäische Operntradition trifft. Diese spektakulären Musiktempel dienen in erster Linie als Tourismusmagneten und bieten Programme an, die an ein breites Publikum gerichtet sind. Im postkolonialen Kontext muss deshalb die Klassik als ein globales Phänomen betrachtet werden, das die bislang gültigen Wertekategorien in Frage stellt. Der beste Operchor der Welt (African Angels) kommt aus Kapstadt, neue Opernstimmen aus Soweto, und das auch in den westlichen Industrieländern hoch gepriesenes musikpädagogisches Modell mit expliziten sozialen Konnotation (El Sistema) wurde im ‚failed state‘ Venezuela entwickelt. Da das Seminar praxisorientiert ist, werden im Sinne des forschenden Lernens neben der kritischen Auslegung der vorgegebenen Lektüre auch kleine empirische Untersuchungen zu den einzelnen thematischen Schwerpunkten durchgeführt. Die Wissensvermittlung erfolgt durch die einführenden Einheiten seitens der Dozentin sowie Einzel- und Gruppenreferate von Studierenden. Das Besprochene wird durch Musik- und andere Praxisbeispiele veranschaulicht.

Kollektiv, Netzwerk, Schwarm: Kultur- und Selbstorganisation (Seminar)

Dozent/in: Lisa Conrad

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 16:15 - 17:45 | 15.10.2018 - 22.01.2019 | C 9.102
Einzeltermin | Di, 29.01.2019, 15:30 - Di, 29.01.2019, 18:30 | C 16.204

Inhalt: Die Veranstaltung widmet sich der Frage nach dezentralen Formen der Organisation und Selbstorganisation. Sie wählt einen praxistheoretischen Zugang. Das bedeutet u.a., dass das Phänomen nicht abstrakt, sondern ausgehend von konkreten Praktiken behandelt wird. Jede Sitzung thematisiert mithilfe von Literatur einen Fall.

Zur Geschichte des Blues - Feldtheoretische und postkoloniale Perspektiven (Seminar)

Dozent/in: Christoph Behnke

Termin:
Einzeltermin | Di, 30.10.2018, 18:15 - Di, 30.10.2018, 19:45 | C 3.121
Einzeltermin | Fr, 07.12.2018, 14:00 - Fr, 07.12.2018, 21:00 | C 1.312
Einzeltermin | Fr, 18.01.2019, 14:00 - Fr, 18.01.2019, 21:00 | C 3.121
Einzeltermin | Fr, 25.01.2019, 14:00 - Fr, 25.01.2019, 21:00 | C 3.121

Inhalt: Die Geschichte des Blues ist über verschiedene akademische Disziplinen hinweg in einer kaum noch zu überblickenden Literatur beschrieben worden. Der Versuch einer „Kanonisierung“ des Blues ist zwar das Ziel insbesondere der ab den 1950er Jahren publizierenden Autoren (u.a. Paul Oliver, Alan Lomax, Samuel Charters, Alfons Michael Dauer), doch deren Forschungsvoraussetzungen sind von anderen Autoren, nicht zuletzt auch afroamerikanischen Autoren, kritisiert worden hinsichtlich einer „Romantisierung“ des Blues als „Folklore“, womit eine „weiße“ Aneignung des Blues eingeleitet wurde, für die „Authentizität“ das entscheidenden Kriterium war. In dieser Logik handelt es sich beim Blues um eine ethnisierte Musik, die in ihrer Reinheit auch nur von AfroamerikanerInnen praktiziert werden kann – so etwa die Position von Paul Oliver. Aus postkolonialer Perspektive erzeugt dieses romantische Interesse für Blues in der weißen Community einen moralischen Profit, da die Musik von Unterprivilegierten und rassistisch Verfolgten verehrt wird ; die Kehrseite dieser Aneignung besteht aber in der Ignoranz gegenüber den realen Mechanismen der Segregation und den Gebrauchsweisen der Bluesmusik in der afroamerikanischen Community selbst. Feldtheoretisch erlebt der Blues seinen ersten Durchbruch als ein erfolgreiches Segment der Plattenindustrie im Rahmen von „race-records“ Anfang der 1920er Jahre. Die Segmentierung verdankt sich nicht zuletzt auch der damals schon vollzogenen Folklorisierung, dem Umstand also, dass eine musikalische Ausdrucksform an ethnische Merkmale gebunden wurde, ein Vorgang den die record industry im Rahmen ihrer globalen Aktivitäten eingeübt hatte. Dieser Begründungszusammenhang wird noch wichtiger bei der Entdeckung des sogenannten „country-blues“ ab ca. 1923, der noch „authentischer“ wirkte, weil er reduzierbar war auf den Transport von Gefühlen wie Melancholie, Trauer etc. und keine professionellen musikalischen Potentiale im Sinne „guter Musik“ aufwies. Dieses Segment wird dann in den 1960er Jahren als „Folkblues“ wiederentdeckt und begründete die Karrieren von white blues performers, ein Vorgang der bis in die jüngere Zeit hinein unter dem Stichwort cultural appropriation diskutiert wird. Das Seminar wird sich mit ausgewählten Schwerpunkten der Bluesgeschichte befassen, wobei der feldtheoretische Ansatz mit sich bringt, dass der Blues in seiner Relation zu anderen musikalischen Ausdrucksformen beschrieben wird. Dies gilt insbesondere für den Entstehungskontext, wo auf das expandierende Feld der Unterhaltungsindustrie (Tin Pan Alley, ragtime etc.) und die musikalische colorline einzugehen ist (minstrel shows, vaudeville u.a.). Die eigentliche Hochzeit des Blues findet in den 1920er Jahren statt, erlebt in den 1950er Jahren noch eine Weiterentwicklung (elektrische Gitarre) und wird dann in den 1960er Jahren von weißen MusikerInnen „wiederentdeckt“ und in der globalisierten Popmusik vermarktet. Ausgewählte Literatur: Baker, Houston A., Jr.(1984): Blues, Ideology, and Afro-American Literature: A Vernacular Theory. Chicago: University of Chicago Press Cohn, Lawrence ed. (1993): Nothing But the Blues: The Music and the Musicians. New York: Abbeville Press Conforth, Bruce M.C. (2013): The Lawrence Gellert Story. Lanham : Scarecrow Press, 2013 Davis, Angela Y. (1999): Blues Legacies and Black Feminism: Gertrude “Ma” Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday. New York: Vintage Evans, Davis (2008) (ed.): Ramblin’ on my mind: New Perspectives on the Blues. University of Illinois Press George, Nelson (1988): The Death of Rhythm and Blues. New York: Pantheon Books, 1988. Dt. 1990 Hannibal Verlag Grazian, David (2003): Blue Chicago: The Search for Authenticity in Urban Blues Clubs. Chicago: University of Chicago Press. Hamilton, Marybeth (2008): In Search of the Blues. New York: Basic Books. Baraka, Amiri (Jones, Leroi). Blues People. New York: William Morrow, 1963. Dt. 2003 Orange Press Kubik, Gerhard (1999): Africa and the Blues. Jackson: University of Mississippi Press. Lipsitz, George(2006): The Possessive Investment of Whiteness: How White People Profit from Identity Politics. Philadelphia: Temple University Press Lott, Eric (1993): Love and Theft: Blackface Minstrelsy and the American Working Class. New York: Oxford University Press Lopes, Paul (2004): The Rise of a Jazz Artworld. Cambridge University Press. Miller, Karl Hagstrom (2010): Segregating Sound. Inventing Folk and Pop Music in the Age of Jim Crow. Duke University Press Murray, Albert (1976): Stomping the Blues. New York: McGraw-Hill. Oliver, Paul (1960): Blues Fell This Morning: Meaning in the Blues. New York: Cambridge University Press, 1990 Titon, Jeff Todd (1993): Reconstructing the Blues. Reflections on the 1960s Blues Revival. In: Transforming Tradition. Folk Music Revivals Examined. Hg. von Neil V. Rosenberg. Urbana/Chicago: University of Illinois Press , S. 220–240