Umweltwissenschaften: Lea Baumbach – Über die Energiewende reden
07.09.2026 Der Ausbau der Stromnetze ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine klimaneutrale Energieversorgung. Dafür müssen bestehende Netze erweitert und modernisiert werden. Leuphana-Alumna Lea Baumbach hilft mit ihrer Arbeit, dass Anwohner und Entscheidungsträger bei Genehmigung und Bau mitreden können. Ihr interdisziplinäres Studium an der Leuphana prägt sie dabei bis heute: „Kleine und große Vorhaben gelingen nur, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.“
©Lea Baumbach
Vor der Energiewende war die Rechnung einfach: Wenige große Kraftwerke lieferten Strom zu vielen Kunden. Heute ist die Lage weitaus komplizierter: Eine junge Familie hat auf ihrem Häuschen eine Photovoltaik-Anlage, der Landwirt aus dem Nachbardorf betreibt eine Biogasanlage und verpachtet seine Fläche an eine Projektgesellschaft, die dort Windräder plant, in die dann eine lokale Genossenschaft investiert. Überall in Deutschland wird Strom gewonnen. Und der soll ins Stromnetz eingespeist werden. Gleichzeitig werden Menschen weiterhin mit Strom beliefert. Die Energie muss also in viele Richtungen fließen. Die Folge: Das bisherige Stromnetz reicht nicht mehr und muss ausgebaut werden. Leitungen werden über landwirtschaftliche Flächen gebaut, manchmal über Waldstücke geführt oder Umspannwerke werden ausgebaut. Veränderungen, die den Menschen oft Sorgen bereiten.
Genau hier kommt Lea Baumbach ins Spiel: Sie arbeitet bei der Nürnberger Kommunikationsagentur Kaltwasser mit den Schwerpunkten Projektkommunikation und Bürgerdialog. „Als Kommunikationsberaterin begleite ich Stromnetzbetreiber beim Ausbau der Energieinfrastruktur und sorge dafür, dass aus Konflikten möglichst konstruktive Gespräche werden“, erklärt sie.
Was sie neben Einfühlungsvermögen und guten kommunikativen Fähigkeiten dafür braucht? Wissen aus den Umweltwissenschaften: „Ich profitiere heute noch enorm von den interdisziplinären Inhalten aus meinem Studium an der Leuphana von Physik und Statistik über Fragen der Nachhaltigkeit in Recht, Wirtschaft, Politik oder Kommunikation: An der Leuphana habe ich gelernt, unterschiedliche Fachsprachen zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen. Keine dieser Disziplinen kann die Herausforderungen der Energiewende allein lösen“, fasst sie zusammen.
In ihrer täglichen Arbeit bringt sie unterschiedliche Perspektiven zusammen von Bürgermeister*innen und Anwohnenden bis zu Behörden, Umweltverbänden und Unternehmen: „Wenn Kommunikation gut funktioniert, verhindert sie Konflikte, bevor sie entstehen. Die Frage ist heute meist nicht mehr, ob wir die Energiewende brauchen, sondern wie wir sie gemeinsam gestalten.“
Für die Nürnberger Agentur entwickelt sie Kommunikationsstrategien für Infrastrukturprojekte der Energiewende. Gemeinsam mit Stromnetzbetreibern analysiert sie Stakeholder, bereitet Informationsveranstaltungen vor und begleitet Genehmigungs- sowie Bauprozesse.
An ihre Studienzeit in Lüneburg erinnert sie sich gerne zurück. Besonders der Campus und die enge Zusammenarbeit mit ihren Kommiliton*innen haben sie bis heute geprägt: „Ich habe damals Freundschaften geschlossen, die ich bis heute pflege. Der Campus ist ein wunderbarer Ort, um Menschen zu begegnen.“ Nach dem Bachelor absolvierte sie in in Budapest/ Ungarn, Mytilini/ Griechenland und Lund/Schweden das Masterprogramm Environmental Science, Policy and Management (MESPOM).
Neben ihrer Tätigkeit bei Kaltwasser ist die Leuphana-Absolventin selbstständig als Moderatorin und Prozessbegleiterin tätig. Besonders am Herzen liegen ihr Projekte der Bürgerbeteiligung und nachhaltigen Regionalentwicklung. Sie moderiert unter anderem die Dorfklima.Werkstatt in Mecklenburg-Vorpommern, in denen Dorfgemeinschaften gemeinsam Ideen für Klimaschutz und eine lebenswerte Zukunft entwickeln: „Ich möchte Brücken bauen, damit die Energiewende gelingt.“