Karrierewege und Beratung
Karrierewege von promovierten Personen sind so unterschiedlich wie ihre Fachdisziplinen: So können Sie sich für eine akademische Karriere an einer Hochschule oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung entscheiden. Dabei hat das Karriereziel einer Lebenszeitprofessur an einer Universität die höchsten fachlichen Anforderungen und persönlichen Herausforderungen. Eine berufliche Laufbahn als Wissenschaftler*in ist jedoch nicht die einzige Karriereoption. Im Wissenschaftssystem besteht auch die Möglichkeit, sich für eine sogenannte wissenschaftsnahe Laufbahn zu entscheiden, z. B. als Forschungsreferent*in oder Wissenschaftskommunikator*in. Darüber hinaus gibt es in Wirtschaft und Gesellschaft zahlreiche anspruchsvolle und persönlich erfüllende Karrierewege außerhalb der Wissenschaft. Alle Optionen sollten in der Zeit nach der Promotion aktiv in Betracht gezogen und für die Karriereorientierung folgende Aspekte genau durchdacht werden:
- Ist die Lebenszeitprofessur mit allen ihren Herausforderungen wirklich das gewünschte Karriereziel?
- Welche Anbindungsmöglichkeiten, z. B. in der Lehre oder im Wissenschaftsmanagement, würden auch zu den eigenen Arbeits- und Lebensvorstellungen passen?
Führen Interesse und Neigung vielleicht doch ganz heraus aus dem Wissenschaftssystem?
Nachfolgend können Sie sich einen ersten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten innerhalb sowie außerhalb des Wissenschaftssystems verschaffen. Mit Weiterbildungs- und Beratungsangeboten der akademischen Personalentwicklung unterstützen wir Sie dabei, als Postdoktorand*in Klarheit über die eigenen beruflichen Ziele zu gewinnen und mögliche Karrierewegen zu reflektieren. Vor allem möchten wir für Sie über Chancen und Herausforderungen der unterschiedlichen Karrierewege unter Berücksichtigung fachspezifischer Besonderheiten informieren.
Postdoc-Phasen
Als „Postdocs“ werden in Deutschland Forschende bezeichnet, die sich in der Zeit nach der Promotion wissenschaftlich weiterqualifizieren, ihr Forschungsprofil schärfen und z. B. auf eine Juniorprofessur – oder nach einem erfolgreichen Habilitationsverfahren direkt auf eine W2-Professur – hinarbeiten. Bei der Einteilung der Postdoc-Phasen gibt der europäischen Referenzrahmen für Karrierewege in der Wissenschaft Aufschluss. Eine Entscheidung für eine Karriere außerhalb des Wissenschaftssystems ist in allen Postdoc-Phasen möglich. Was charakterisiert die verschiedenen Postdoc-Phasen und welche Qualifikationen und Kompetenzen sollten in welcher Phase erworben werden, um erfolgreich eine wissenschaftliche Karriere zu gestalten?
Die R2-Phase beschreibt die frühe Phase direkt nach der Promotion und umfasst in etwa zwei Jahre. Die R2-Phase bietet sich an als Orientierungsphase zur Klärung der individuellen Präferenzen für eine Laufbahn und sollte bereits bewusst und zielgerichtet gestaltet werden. Sie können als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in in unterschiedlicher Anbindung (ohne oder mit Qualifizierungsanteil: Drittmittelstelle, Haushaltstelle, Stipendium) an die Universität weiter an Ihrem Forschungsprofil arbeiten. Alternativ haben Sie Ihre inhaltliche Profilierung bereits gefunden und arbeiten einen Förderantrag aus, um diese mit einem entsprechenden Forschungsvorhaben weiterzuentwickeln.
Typische Qualifizierungsfelder der R2-Phase sind:
- die allgemeine Planung und Ausarbeitung des individuellen Forschungsprofils
- die Vorbereitung eines (ersten) eigenen Forschungsantrags in karrierefördernden Formaten, z. B. eine eigene Stelle bei der DFG, das Walter Benjamin-Programm der DFG oder ein Humboldt-Forschungsstipendium
- Lehre und didaktische Fortbildung
- Konferenzteilnahmen mit eigenen Beiträgen
- (internationale) Netzwerkaktivitäten
- Publikationen in ausgewiesenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften und/oder Verlagen
- erste Erfahrungen in der universitären Selbstverwaltung durch überschaubares Engagement z. B. in einer Berufungskommission oder spezifischen universitären Gremien
Die Anbindung über eine wissenschaftliche Qualifikationsstelle (§ 31 Abs. 4 S. 2 NHG) erlaubt die selbständige vertiefte wissenschaftliche Arbeit im Umfang von einem Drittel der vereinbarten Arbeitszeit. Stipendiat*innen ohne Anstellungsverhältnis fokussieren ausschließlich auf Ihre Qualifikation und können sich um Lehrerfahrung über einen separaten Lehrauftrag bemühen. Alle anderen Stelleninhaber*innen, z. B. im Rahmen von Drittmittelprojekten, führen weisungsgebunden dem Förderzweck des Drittmittelprojekts entsprechend wissenschaftliche Dienstleistungen in Wissenschaft, Forschung, Lehre und ggf. Weiterbildung durch (§ 31 Abs. 1 S. 1 NHG).
In der R3-Phase arbeiten und forschen Wissenschaftler*innen weitgehend unabhängig in unterschiedlichen Kontexten. Die Juniorprofessur mit oder ohne Tenure Track ist in Niedersachsen hierbei die einzige Möglichkeit, vor der Lebenszeitprofessur selbstständig zu forschen und zu lehren. Typische drittmittelgeförderte Karriereformate der R3-Phase sind: die Nachwuchsgruppenleitung (z. B. im Rahmen des Emmy Noether-Programms), das Freigeist Fellowship oder ein ERC Starting Grant. Diese können in der R3-Phase selbstständig eingeworben werden, um die Chancen auf eine Lebenszeitprofessur zu verbessern.
In diesem Karriereabschnitt sollten Sie folgende Kompetenzen aufbauen bzw. vertiefen, die auf eine spätere Berufungsfähigkeit einzahlen:
- Erweiterung Ihrer Kompetenzen in Forschung und Lehre, insbes. weitere Herausarbeitung des eigenen Forschungsprofils
- Erfahrungen in der Einwerbung von Drittmitteln
- Mitarbeit bei der Betreuung von Promotionsvorhaben oder (bei Juniorprofessuren) deren eigenständige Betreuung
- erste Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung (z. B. die zeitlich überschaubare Mitarbeit in einer Berufungskommission)
- Erwerb von Führungs- und Betreuungskompetenzen
Wegweiser für die akademische Karriere
Die Lebenszeitprofessur lockt mit großen Freiheitsgraden bei der fachinhaltlichen Gestaltung der professoralen Aufgaben in Forschung und Lehre. Forschungsthemen und -projekte, die das eigene Forschungsprofil prägen, können selbständig gestaltet, die entsprechende (internationale) Vernetzung in wissenschaftlichen Fachkreisen individuell aufgebaut und Vortrags- und Lehrthemen selbst gesetzt werden. Gleichzeitig haben Professor*innen eine Vielzahl von Aufgaben in Forschung, Lehre, Wissenstransfer, Selbstverwaltung sowie der Führung von Mitarbeitenden zu erfüllen und stehen in einen dauerhaften Wettbewerb um Fördermittel für diese Tätigkeiten.
Wer sich für eine weitere Qualifikation nach der Promotion entscheidet, begibt sich in eine anforderungsreiche Zeit, in der die Entfaltung und Schärfung des eigenen Profils ebenso ansteht wie die auf einer Mitarbeitendenstelle zu erfüllenden Aufgaben an einem Institut oder in einem Projekt.
Beratung und Unterstützung
Die Leuphana unterstützt und berät Sie auf Ihrem individuellen Entwicklungsweg: bei der Orientierung in der frühen Postdoc-Phase, der Formulierung Ihrer Karriereziele und bei der strategischen Planung Ihrer beruflichen Laufbahn. Nutzen Sie dazu gerne auch das vertrauliche Beratungsangebot durch die Personalentwicklung für Beschäftigte in der Wissenschaft.
Für eine wissenschaftliche Karriere müssen Sie Kompetenzen in verschiedenen Bereichen erwerben und setzen sich idealerweise persönliche Meilensteine wie die Erarbeitung wichtiger Publikationen und das Halten von Vorträgen z. B. auf Konferenzen, um ihr Kompetenzportfolio systematisch aufzubauen. Aufgrund der Vielzahl und Komplexität der wissenschaftlichen Aufgaben ist es dringend erforderlich, laufend strategisch zu planen, welche Schwerpunkte und Teilbereiche für Ihre Karriereziele besonders relevant sind. Beraten Sie sich mit Personen Ihres Vertrauens oder mit Fachpat*innen und vernetzen Sie sich frühestmöglich in Ihrer Wissenschaftsgemeinschaft.
Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Karrieren
PROFESSUREN IN DEUTSCHLAND
In Deutschland gibt es (Stand 2024) rund 52.000 Professor*innen an Universitäten (29.395) und Fachhochschulen (22.683). Die Zahl der Postdoktorand*innen auf Stellen oder mit Stipendien, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, übersteigt die Anzahl freiwerdender Professuren bei Weitem. Hinzu kommt, dass nicht jede freiwerdende Professur überhaupt oder mit einem gleichlautenden Professurenprofil (Denomination) nachbesetzt wird. Ebenso entwickeln sich die fachlichen Ausrichtungen der Institute und Forschungsgruppen laufend weiter, bei aktuell vielfach sinkenden Haushaltszuführungen an die Universitäten.
FRAUEN IN DER WISSENSCHAFT
Mit zunehmender Qualifikationsstufe nimmt der Anteil von Frauen in der Wissenschaft immer noch ab (sog. „leaky pipeline“). So liegt der Anteil von Frauen in der Gruppe der Lebenszeitprofessuren bundesweit bei unter einem Drittel. Hier spielt in der Regel der von Frauen weiterhin übernommene hohe Anteil von Kinderbetreuung und anderer Care-Arbeit eine große Rolle, aber auch andere Faktoren wie Geschlechterkodierungen im Wissenschaftssystem oder häufig männlich dominierte Netzwerke. Die Leuphana fördert Frauen auf dem akademischen Karriereweg daher mit spezifischen Karriereförder- und Unterstützungsangeboten und Beratungsformaten. Diese finden Sie auf den Seiten des Gleichstellungsbüros.
Wissenschaftsnahe Karriere an der Universität
Wenn Sie das Arbeitsumfeld Universität schätzen, können Sie auch im Wissenschaftsmanagement an der Universität, bei Fachhochschulen und Fördereinrichtungen wissenschaftsnah tätig werden. Der sogenannte „Third Space“ übernimmt an Hochschulen eine Brückenfunktion zwischen dem akademischen Bereich und der Administration. An Hochschulen gehören beispielsweise Geschäftsführungen von Dekanaten, Referent*innen für unterschiedliche Organe der Universität, die Universitätskommunikation, Forschungs- und Transferkoordinator*innen sowie Lehrentwickler*innen zu den Wissenschaftsmanager*innen.
Um sich auf eine Position im Wissenschaftsmanagement vorzubereiten, können Sie berufsbegleitende Angebote (meist kostenpflichtig) unterschiedlicher Anbieter in ganz Deutschland wahrnehmen. Gerade die Erfahrung als wissenschaftliche Mitarbeiter*in ist mit der Kenntnis des universitären Systems eine gute Voraussetzung für einen weiteren Berufsweg als Wissenschaftsmanager*in. Wichtig dabei ist, sich klarzumachen, dass mit diesem Wechsel ein Ausstieg aus der akademischen Tätigkeit erfolgt und zukünftig Aufgaben wahrgenommen werden, die unterstützend zur operativen und strategischen Entwicklung der Universität, Fachhochschulen und Fördereinrichtungen beitragen. Wissenschaftsmanager*innen sind Teil der Statusgruppe der Mitarbeitenden in Technik und Verwaltung (MTV). Die Personalentwicklung für Beschäftigte in der Wissenschaft bietet Ihnen individuelle Beratung und Workshop-Angebote für diesen Karriereweg.
Hier finden Sie einige weiterführende Literaturhinweise und Links zum Thema akademische und außerakademische Karriere im Wissenschaftssystem:
Weiterführende Links
Hier finden Sie einige weiterführende Literaturhinweise und Links zum Thema akademische und außerakademische Karriere im Wissenschaftssystem:
Weiterführende Infos zur Karriere in Gesellschaft und Wirtschaft mit beispielhaften Karrierewegen, Stellungnahmen von Arbeitgeber*innen sowie Tipps und Strategien zur Karriereplanung finden Sie aktuell und umfangreich auf zahlreichen Portalen und in der Ratgeberliteratur: