Vorlesungsverzeichnis

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Veranstaltungen von Prof. Dr. rer. nat. Michael Braungart


Lehrveranstaltungen

Cradle to Cradle - New Business Models (Projekt)

Dozent/in: Michael Braungart

Termin:
wöchentlich | Montag | 10:15 - 13:45 | 08.04.2022 - 08.07.2022 | C 14.201 | C 14.201

Inhalt: Through 3D printing and digitization, every machine and every product can be copied within a few months. Thus, you compete with your own product and medium-sized companies will lose their business base. Mechanical engineering will no longer take place in Europe in a few years. So it is necessary to change business models. Instead of selling products, the performance of these products must be offered. Nobody needs the machines, only their performance is needed. This allows that the best and highest quality materials can be used and the product stays competitive. Who needs a washing machine? Instead, it needs the service of washing. Who needs desk chairs? Instead, it needs healthy sitting. Who needs carpeting? Instead, it needs a floor packing insurance. All things that can't be composted or otherwise used as a biological nutrient need to go back to the person who created the product. So it's not about a different form of waste management. It's about new business models in which no waste is generated in the first place. Actual recycling currently takes place only in exceptional cases. Up to now, no window glass has been recycled back into window glass. No car to car. No cell phone to cell phone. Valuable materials are lost to large extent via downcycling processes. Rare non-ferrous metals in particular are "recycled" into primitive products. For example, 46 steel alloys from a Mercedes are subsequently turned into primitive concrete-steel mats. In this seminar we will work on this type of new Business Models. We will analyze the current Business Models, create new ones and turn them together with other companies into reality.

Konfliktmanagement und Mediationsverfahren vor dem Hintergrund des Vio/Coca Cola Grundwasserkonflikts (Seminar)

Dozent/in: Michael Braungart

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 04.04.2022 - 04.07.2022 | C 14.102b

Inhalt: Während die Dürren der vergangen Sommer in Niedersachsen im Bewusstsein einer für Klimafolgen und Pegelstände sensibilisierten Bevölkerung noch nachwirken, beantragt der Coca-Cola Konzern die Bohrung eines dritten Brunnens im Landkreis Lüneburg. Künftig möchte Coca-Cola in Reppenstedt 350 Millionen Liter Grundwasser pro Jahr für die Mineralwasser und Bio-Limonaden Marke ViO entnehmen. Damit würde der Coca-Cola Konzern seine Wasserentnahme im Landkreis verdoppeln. Für Kritiker lassen sich Geschäftsmodell und Image des Unternehmens kaum mit dem Selbstverständnis der Region vereinbaren - einer Region die auf Nachhaltigkeit setzt und Vorreiter im Bereich Umweltschutz sein möchte. Mit einem im Februar 2021 gestarteten Pumpversuch möchte der Konzern die Auswirkungen der Wasserentnahme auf den Grundwasserspiegel und umliegende Ökosysteme überprüfen und eine Unbedenklichkeit des Vorhabens nachweisen. Aus Sicht von Coca-Cola und der zuständigen Unteren Wasserbehörde des Landkreises Lüneburg handelt es sich dabei um einen Teil des gängigen Genehmigungsverfahrens, bei dem sich konsequent an alle Regeln gehalten werde. Kritiker aus der Bevölkerung bemängeln jedoch, dass hier fern von jeglicher Zustimmung vorab Tatsachen geschaffen werden. Eine Onlinepetition gegen das Vorhaben wurde bereits von über 120.000 Personen unterschrieben, eine Bürgerinitiative hat sich formiert und organisiert friedlichen Protest. Eine Sabotage des Brunnens die von beiden Seiten verurteilt wurde macht deutlich, dass viele Gemüter dennoch erhitzt sind. Wasser ist ein Allgemeingut, doch es stellt sich die Frage ob die gesetzlichen Regelungen zur Verteilung von Nutzungsgenehmigungen ausreichen, um die Wasserwirtschaft im 21. Jahrhundert zukunftsfähig zu organisieren. Kann ein Dialog zwischen den Konfliktparteien hier noch zu Lösungen beitragen?

Garten der Zukunft - Ein Gemeinschaftsprojekt nach dem Triple Top Line Prinzip (Seminar)

Dozent/in: Michael Braungart

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 14:15 - 15:45 | 04.04.2022 - 04.07.2022 | C 14.102b

Inhalt: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig soziale Interaktion ist. Wie es wichtig ist, auch Wissenschaft nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern auch die praktische Umsetzbarkeit gleichzeitig im Auge zu behalten. Darum soll auf einem Modellgrundstück von etwa 2500 qm in Lüneburg versucht werden, wie ein Garten aussehen kann, bei dem alles nützlich ist: Alle Materialien sind so gestaltet, dass sie für die Biosphäre geeignet sind, bzw. in die Technosphäre zurückgehen können. Es entsteht also kein Abfall. Gleichzeitig werden Techniken der Kontemplation und Meditation genau so betrachtet, wie eine gartengebundene Landwirtschaft, die weit produktiver sein kann, den Boden erhält und klimapositiv sein kann, nicht nur klimaneutral. Die Seminarübung findet vor dem Hintergrund statt, dass es ein großes Interesse bei Studierenden an Verbindungen mit natürlichen Prozessen gibt und die Unzufriedenheit mit der jetzigen Form der Landwirtschaft immer größer wird. Ein erheblicher Teil der Studierenden der Umweltwissenschaften sind Vegetarier oder Veganer. Es erscheint deshalb sinnvoll, neue Betrachtungsweisen zu erproben, wie durch einen Garten die Artenvielfalt erhöht werden kann, soziale Prozesse eingeübt werden können und gleichzeitig auch gesellschaftliche Entscheidungen und demokratische Entscheidungsabläufe und Argumentieren dabei geübt werden kann. Dieser Garten erlaubt zusätzlich neue landwirtschaftliche Bearbeitungsmethoden auszuprobieren und auch die Interaktion mit den anderen Pächtern von Kleingartenparzellen zu erproben, sodass auch die Sichtweisen von mehreren Generationen in das Projekt einbezogen werden können. Auf die Art entsteht ein interaktives Lernprojekt, welches sowohl wirtschaftliche, soziale wie ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Rethink Plastic – Analyse, Vergleich und Lösungswege zur maritimen Kunststoffverschmutzung (Seminar)

Dozent/in: Michael Braungart

Termin:
wöchentlich | Montag | 14:15 - 17:45 | 04.04.2022 - 04.07.2022 | C 14.102b

Inhalt: Wie die Erfahrungen der letzten Glasgow Klimakonferenz gezeigt haben, ist eine echte Weiterentwicklung bisher nicht zu erwarten. Das Bestehende wird optimiert. Da das Bestehende aber zerstörerisch ist, wird es nur noch zerstörerischer. Etwas weniger schädlich zu sein, hilft auch nicht. Es ist notwendig nützlich zu sein. Das Kohlendioxid muss aus der Atmosphäre zurückgeholt werden, denn der jetzige Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre zerstört den Planeten. Die Gletscher tauen ab, der Permafrostboden taut auf, das Polareis verschwindet, das Grönlandeis löst sich auf. Dies wird zum deutlichen Anstieg des Meeresspiegels von etwa 20 Metern für Hamburg führen. Es ist also notwendig andere Strategien zu verfolgen. Wie wäre es, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre zurück zu gewinnen und daraus Kunststoffe herzustellen? Wie wäre es, wenn in der Bundesrepublik das Ziel verfolgt werden würde, in 10 Jahre nur noch Plastik aus dem CO2 der Atmosphäre zu gewinnen? Wie wäre es, dass Mikroplastikproblem tatsächlich zu lösen, zum Beispiel indem andere Fahrbahnmarkierungen, die fast 10 % zum Mikroplastik im Meer beitragen, entwickelt werden? Wie wäre es, wenn Mikroplastik von Reifenabrieb, Schuhsohlen, Textilien nicht länger in die Umwelt gelangen würde? Wie wäre es, dass Polypropylen von Masken zu ersetzen? Inzwischen sind über 2 Millionen dieser Masken in die Weltmeere gelangt und werden da über 300 Jahre verbleiben. Damit soll sich das Seminar Rethink Plastik beschäftigen, wo es darum geht neue Lösungen zu finden für das Plastikproblem. - Betrachtung der Problematik von maritimer Kunststoffverschmutzung aus soziokulturellen, gesundheitlichen, ökologischen, rechtlichen und technischen Perspektiven - Cradle to Cradle Design Konzept: Prinzipien, Philosophie, in Theorie und praktischer Umsetzung in Industrie (national/ international) Materialfluss und Produktion in der Kunststoffbranche – Probleme und Ansätze zur Kreislaufführung - Erarbeitung und Entwicklung von Cradle to Cradle inspirierten Lösungsansätzen

Cradle to Cradle & Life Cycle Assessment (Seminar)

Dozent/in: Michael Braungart, Andreas Möller

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 04.04.2022 - 08.07.2022 | C 14.102a | C 14.102a

Inhalt: In einem Lehrbuch zur Organisations- und Wirtschaftsinformatik beklagt der Autor Arno Rolf kleinteilige Strukturen, die das Machen vom Lamentieren trennt (Rolf 1998, S. 32): Während die Macher:innen unzureichend die Folgen ihres Machens reflektieren, verändern die Lamentieren:innen gar nichts. Er verwendet den Begriff der Gestaltung bzw. des Designs, um beide Dimensionen das Handelns zu integrieren, und spricht von Gestaltungsforschung. Diese Überlegungen wollen wir im Minor übertragen: Gestalten als Beitrag zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Dieses Gestalten findet statt in einem Zusammenhang aus vorhandenen Strukturen, Regeln, Prinzipien und Orientierungen. Oft verinnerlichen wir diese implizit anhand von Vorlesungen, Abhandlungen, Lehrbüchern usw. Sie müssen nicht explizit angesprochen werden - und dennoch beeinflussen sie unser Handeln. Regelmäßig sind sie auch Auswege aus (ehemaligen) technischen, organisatorischen und sozialen Problemlagen oder sie stehen für Strukturelemente: Produktion, Entsorgung, Konsument usw. Arno Rolf spricht von Macher:innen, wenn diese Verinnerlichungen, etwa durch eine Ausbildung oder ein Studium, stattgefunden haben und das Problemlösen und Handeln anleiten. Immer wieder versetzt es uns in Erstaunen, wenn wir auf solche Expert:innen treffen: Wir schildern ihnen verzweifelt ein Problem, und sie antworten mit Sätzen wie „Daran liegt es“ oder „Das mach ich dir“. Dieses Wissen schließt in der Regel auch die Frage der Machbarkeit oder Unmöglichkeit mit ein. Solche Einschätzungen finden allerdings in den bereits erwähnten Zusammenhängen aus vorhandenen Strukturen, Regeln, Prinzipien und Orientierungen statt. Es geht hier also nicht um Unmöglichkeit im Sinne der Quadratur des Kreises. Vielmehr könne Kostenrechner:innen zum Design eines Produkts anmerken, dass es nicht machbar sei, während die Produktion technisch kein Problem darstellt. Eine Folge davon ist, dass man kleine Änderungen leichter umsetzen kann als große. Wir gehen bei diesem Minorangebot davon aus, dass die bisher durchgeführten kleinteiligen Änderungen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung nicht ausreichen. Vielmehr ist ein neues Orientierungswissen notwendig, welches die gesamten Systeme neu denkt. Hierfür bietet das Cradle to Cradle-Konzept (C2C) eine Möglichkeit, neues Orientierungs- und Gestaltungswissen zu generieren und in einen größeren Zusammenhang der Transformationsprozesse einzubringen. Zumindest in einer Phase des Übergangs und bei frühen Phasen der Anwendung in Bereichen (neue Formen und Infrastrukturen der Mobilität) stellen sich dabei auch Fragen der Konkretisierung. Nicht selten hat man verschiedene Optionen, und man will natürlich die beste bestimmen können (wobei erst mal zu klären ist, was überhaupt "das Beste" ist). Hier kommen Methoden in den Blick, die versuchen, Umweltwirkungen von Produkten, Dienstleistungen, verbundenen Wertschöpfungssystemen usw. abzuschätzen, insbesondere Stoffstromanalysen und das Life Cycle Assessment (LCA). Nun ist das LCA nicht als Evaluationsinstrument für Cradle to Cradle entwickelt worden, so dass wir im Rahmen des Minor auch darüber nachdenken, inwieweit das Prinzip des Life Cycle Assessments anwendbar ist oder abgewandelt werden kann. Das Konzept von Cradle to Cradle geht dabei nicht von einem rein auf Effizienz ausgelegten Produktlebenszyklus aus, sondern von einem, der auf Effektivität ausgerichtet ist. Darüber hinaus beinhaltet Cradle to Cradle Themen, wie die Einschätzung der Materialgesundheit oder die Wiederverwendungsmöglichkeit von Materialien.