Vorlesungsverzeichnis

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Lehrveranstaltungen

DIY Culture(s) zwischen Do it yourself Ethos und Maker Movement (Seminar)

Dozent/in: Robin Kuchar

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 13:45 | 14.10.2019 - 03.12.2019 | C 5.325
Einzeltermin | Di, 10.12.2019, 12:00 - Di, 10.12.2019, 14:00 | C 5.325
Einzeltermin | Di, 17.12.2019, 12:15 - Di, 17.12.2019, 13:45 | C 5.325
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 14:00 | 07.01.2020 - 28.01.2020 | C 5.325

Inhalt: DIY oder 'Do-it-yourself' ist heute nicht nur im jugendkulturellen Kontext ein vielbenutzter und schillernder Begriff, sondern erfährt auch im Bildungs- und Arbeitskontext eine immer größere Aufmerksamkeit. Dabei wird oft vergessen, dass es sich hierbei ursprünglich um eine spezifische Produktionskultur handelt, die im Kontext von Punk entstanden und sich seitdem in verschiedene Richtungen entwickelt hat. Im Seminar beschäftigen wir uns entsprechend mit den begrifflichen Grundlagen und der Entwicklung von DIY und den damit verbundenen Formen der kulturellen Produktion. Wir werden die Ausbildung einer globalen 'DIY Culture' anhand exemplarischer Betrachtungen nachvollziehen, die Bedeutung von DIY Karrieren und Autonomiestreben diskutieren sowie die seit einigen Jahren steigende Bedeutung von DIY im Kontext von postmoderner Ökonomie und Maker Movement hinterfragen. Im Laufe des Semesters werden wir uns zunächst auf die theoretische Ebene begeben, bevor wir im Rahmen von Präsentationen/Referaten aktuelle Ausprägungen von DIY und DIY Kultur betrachten, diskutieren und kritisch hinterfragen werden.

Future Cities - Urbane Utopien und Dystopien (Seminar)

Dozent/in: Constantin Alexander

Termin:
Einzeltermin | Di, 22.10.2019, 16:00 - Di, 22.10.2019, 18:00 | C 40.152 | Infoveranstaltung, Referatsvergabe, Vorstellung des zeitlichen und inhaltlichen Ablaufs des Seminars.
Einzeltermin | Fr, 15.11.2019, 14:15 - Fr, 15.11.2019, 19:00 | C 14.001 | 1. Blockseminar: Referate, Literaturarbeit, Filme, Diskussion und Vorbereitung der Exkursion.
Einzeltermin | Fr, 22.11.2019, 14:15 - Fr, 22.11.2019, 19:00 | C 40.255 | 2. Blockseminar: Referate, Literaturarbeit, Filme, Diskussion und Vorbereitung der Exkursion.
Einzeltermin | Fr, 13.12.2019, 10:00 - Fr, 13.12.2019, 18:00 | extern | Exkursion in eine andere Stadt mit Metronom. Mehr Infos am ersten Termin.

Inhalt: 2025 erhält eine Stadt in Deutschland den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Damit hängen nicht nur eine Förderung und internationale Aufmerksamkeit zusammen: Es ist aktuell einer der intensivsten Wettbewerbe unter Städten. Die Kommunen (u.a. Nürnberg, Chemnitz, Hildesheim) pitchen bei einem speziellen EU-Gremium. In dieser Konkurrenzsituation versuchen manche von diesen Städten den grossen Streich und erfinden sich mit und durch Kultur neu. Es geht um Transformation, Nachhaltigkeit und viel Geld. Doch wie nachhaltig sind diese kreativen Stadtentwicklungsansätze? Und welche Wirkung zeigt der Wettbewerb jetzt schon? Das Seminar widmet sich in diesem Kontext vergangenen urbanen Zukunftsvisionen und Modernitätsansprüchen, Science-Fiction-Narrativen, stadt- und raumplanerischen (Alp-)Träumen, der Rolle von Kultur(-Management) in der Stadtentwicklung, Disruptionen und den Folgen kreativer und kultureller Inszenierungen für Ökologie, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Genderaktivismus und Kunst (Seminar)

Dozent/in: Maria Alexandra Seewald

Termin:
wöchentlich | Montag | 10:15 - 11:45 | 14.10.2019 - 31.01.2020 | C 40.256

Inhalt: Kunst und kultureller Aktivismus sind aus Genderperspektive Praxisfelder, die nicht nur Wahrnehmungsweisen verändern und neue Wissensformen generieren, sondern auch gesellschaftspolitische Veränderung befördern können. Mit künstlerischen Ausdrucksformen lässt sich Bedeutung produzieren und Wirklichkeit konstruieren, die in dominante symbolische und soziale Ordnungen eingreifen kann. Die künstlerischen Äußerungen beeinflussen den Alltagsverstand. Die dominanten Gesellschaftsbilder und sozialen Systeme werden hinterfragt. Nach einer Einführung in die Begriffe, Theorien und die Geschichte der Gender Theory wird anhand von künstlerischen Beispielen die praktische Umsetzung untersucht.

Kunst und Rassismus (Seminar)

Dozent/in: Christoph Behnke

Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 12:15 - 13:45 | 17.10.2019 - 30.01.2020 | C 12.111

Inhalt: Das Seminar wird zunächst versuchen, unterschiedliche Verwendungen des Begriffs „Rassismus“ herauszuarbeiten, wie etwa die Unterscheidung zwischen einem biologistisch begründeten Rassebegriff und den in jüngerer Zeit verwendeten kulturalistischen Differenzkonstruktionen. Vereinfacht lassen sich ideologiekritische Positionen, die von einem „falschen Bewußtsein“ ausgehen (z.B. „pathische Projektion“, Horkheimer und Adorno) von solchen unterscheiden, die machtkritisch von diskursiv hergestellter sozialer Dominanz ausgehen. Eines der folgenreichsten historischen Beispiele für ein offenes Regime des Rassismus ist die Vorstellung der Überlegenheit der weißen „Rasse“ („White supremacy“), mit der die Rassentrennung in den Südstaaten der USA einherging. Bekanntlich erreichte der in hohem Maße gewalttätige Rassismus in den Südstaaten seinen Höhepunkt nach dem Ende des Bürgerkriegs (und der Abschaffung der Sklaverei) in der Jim Crow Ära. In dieser historischen Konstellation entwickelt sich zugleich ein Feld der kulturellen Produktion, zu dessen Strukturmerkmalen neben der Dominanz kommerzieller Motive die Segregation nach „rassischen“ Kriterien gehörte - mit dem Ergebnis, dass bis heute, wie Radano schreibt, „American listeners remain committed to the belief that racial differences could be heard in music, and this belief motivated performers to produce styles that affirmed colorline thinking” (siehe Radano 2010). Nachgezeichnet werden soll, wie unter den Bedingungen der Segregation eine musikalische colorline entstand, die bis heute wirksam ist. Ausgangspunkt bildet die Beschäftigung mit Blackface Minstrelsy, zu der eine Reihe inzwischen klassischer Studien vorliegen, wie etwa die von Eric Lott. Sozialhistorische Studien werden herangezogen, um den Eintritt von afroamerikanerikanischen AkteurInnen unter den Bedingungen der Segregation in das musikalische Feld nachzuzeichnen (Abbott & Seroff, 2008). Typisch für diese erste Phase (um 1900) ist die Rassifizierung der Musik; AfroamerikanerInnen konnten nur unter der Bedingung erkennbarer “black music” Teil des Feldes werden. Dies ging einher mit Exotisierung und dem Kult des Authentischen (Miller 2010, Nunn 2015). Ein paradoxer Effekt der musikalischen Segregation besteht darin, dass “black music” zurückwirkte in die kommerziell motivierten Segmente des musikalischen Feldes und von weißen Produzenten und MusikerInnen appropriiert wurde. Zudem war sie kommerziell erfolgreich wie in den 1920er Jahren am Beispiel des Superstars Bessie Smith gezeigt werden soll (Davis 1998). Die Erfindung von “race records” gab der musikalischen colorline auch eine kommerziell aufgestellte Struktur. Gleichzeitig beginnt die “Erforschung” von afroamerikanischer Musik, die jenseits des professionellen Betriebs als “Folklore” insbesondere in den Südstaaten verbreitet war. Die Feldforschungen von Lomax sicherten insbesondere Bluesaufnahmen, die Jahrzehnte später in der Civil Rights Bewegung von weißen Jugendlichen angeeignet wurden (Schroeder 2004, Garabedian 2014). Zu den durch die musikalische Corlorline bzw. den gewalttätigen Rassismus verursachten Formen afroamerikanischer Musikproduktion gehört die Technik des “Signifyin(g)”, “Verstellungen”, die in ihrer Subversivität nur von der afroamerikanischen Population verstanden wurden (Floyd 1995, Switzer 2001). Die sozialhistorische Rekonstruktion der musikalischen Colorline soll mit Beiträgen zu den 1960er Jahren (Adelt 2010, Schwartz 2007, George 1988) enden; jenem Zeitpunkt, in der “black music” in der popular culture dominant zu werden begann. Eine abschließende Theoretisierung mit den im Eingang des Seminars erarbeiteten Begrifflichkeiten soll die sozialhistorischen Beiträge bewerten. Auswahl Literatur: Abbott, Lynn & Doug Seroff (2008): “They Cert’ly Sound Good to Me”: Sheet Music, Southern Vaudeville, and the Commercial Ascendancy of the Blues. In: Evans, David (ed.): Ramblin’ on my mind: New Perspectives on the Blues. University of Illinois Press. S. 49-104 Adelt, Ulrich (2010): Blues Music in the Sixties. A Story in Black and White. Rutgers University Press. Davis, Angela Y. (1999): Blues Legacies and Black Feminism: Gertrude “Ma” Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday. New York: Vintage. Fields, Barbara J. and Karen E. Fields (2012): Racecraft. The Soul of Inequality in American Life. Verso: London, New York. Floyd, Samuel (1995): The Power of Black Music. Oxford University Press Fredrickson, George M. (2002): Racism : a short history. Princeton: Princeton University Press Garabedian, Steven P. (2014): The Blues Image in the White Mind: Blues Historiography and White Romantic Racialism, Popular Music and Society, 37:4, 476-494. George, Nelson (1988): The Death of Rhythm and Blues. New York: Pantheon Books. Dt. Hannibal Verlag 1990. Gilroy, Paul (1991): Sounds Authentic: Black Music, Ethnicity, and the Challenge of a “Changing” Same, in: Black Music Research Journal, Volume 11/2, pp. 111-136 Grazian, David (2010): Demystifying Authenticity in the Sociology of Culture. In: Handbook of cultural sociology, eds. John R. Hall, Laura Grindstaff, and Ming-Cheng Lo. London: Routledge Lopes, Paul (2004): The Rise of a Jazz Artworld. Cambridge University Press. Lott, Eric (1992): Love and Theft: The Racial Unconscious of Blackface Minstrelsy. Representations, No. 39. (Summer, 1992), pp. 23-50. Miller, Karl Hagstrom (2010): Segregating Sound. Inventing Folk and Pop Music in the Age of Jim Crow. Duke University Press. Nunn, Erich (2015): Sounding the Color Line: Music and Race in the Southern Imagination. University of Georgia Press. Radano, Ronald (2010): On Ownership and Value, in: Black Music Research Journal , Vol. 30, No. 2 (Fall 2010), pp. 363-370. Roy, William G.(2004): “Race records” and “hillbilly music”: institutional origins of racial categories in the American commercial recording industry. Poetics, Volume 32, Issues 3–4, June–August 2004, Pp. 265-279. Schroeder, Patricia (2004): Robert Johnson, Mythmaking, and Contemporary American Culture. Urbana: University of Illinois Press. Schwartz, Roberta Freund (2007): How Britain Got the Blues: The Transmission and Reception of American Blues Style in the United Kingdom. London: Ashgate. Switzer, Robert (2001): Signifying the Blues. Alif: Journal of Comparative Poetics, No. 21, The Lyrical Phenomenon pp. 25-76. Wacquant, Loic (2002): From Slavery to Mass Incarceration. Rethinking the 'race question' in the US. In: New Left Review, 13, pp. 41-60.

Provenienzforschung und die "Ökonomie der Anreicherung" (Seminar)

Dozent/in: Lynn Rother, Ulf Wuggenig

Termin:
Einzeltermin | Di, 22.10.2019, 18:15 - Di, 22.10.2019, 19:45 | C 12.013 | Vorbesprechung
Einzeltermin | Fr, 13.12.2019, 14:15 - Fr, 13.12.2019, 18:45 | C 16.203 | Block I
Einzeltermin | Sa, 14.12.2019, 10:15 - Sa, 14.12.2019, 18:45 | C 16.203 | Block I
Einzeltermin | Fr, 10.01.2020, 14:15 - Fr, 10.01.2020, 18:45 | C 14.204 | Block II
Einzeltermin | Sa, 11.01.2020, 10:15 - Sa, 11.01.2020, 18:45 | C 14.006 | Block II

Inhalt: Im Seminar wird jenes von Luc Boltanski und Arnaud Esquerre verfasste Buch zugrunde gelegt, erarbeitet und kritisch diskutiert, das in deutscher Übersetzung 2018 unter dem Titel „Bereicherung. Eine Kritik der Ware“ erschienen ist. Boltanski versteht diese Studie als „pragmatisch-strukturalistische“ Weiterführung seiner gemeinsam mit Eve Chiapello publizierten viel beachteten Zeitdiagnose „Der neue Geist des Kapitalismus“ (Konstanz 2003, Paris 1999). Zu den Hauptthesen der neuen Studie gehört, dass im zeitgenössischen Kapitalismus, der sich – wie von Ökonomen um Thomas Piketty empirisch gezeigt wurde (vgl. Alvaredo et al., World Inequality Report 2018) – durch eine Dynamik sich stark vergrößernder ökonomischer Ungleichheit auszeichnet, Reichtum zunehmend aus immateriellen Rohstoffen des Geistes gespeist wird – aus Erzählungen, die Dingen, Orten und Personen Wert verleihen. Damit wird Kultur, und sektoral betrachtet speziell auch Feldern wie den Künsten, der Luxusindustrie und dem Kulturtourismus, ein besonderer Stellenwert für die zeitgenössische Ökonomie eingeräumt, eine Version der These von der zunehmenden Relevanz von „Kultur- und Kreativwirtschaft“. Diese findet sich eingebettet in eine neue Werttheorie, die sich sowohl von der marxistischen, als auch der neo-klassischen ökonomischen Theorie abgrenzt. Die genannten Felder bilden in der Sprache der Autoren eine „Anreicherungsökonomie“, eine „Bereicherungsökonomie“ bzw. eine „Ökonomie der Vergangenheit“. Diese stützt sich in starkem Maße auf historische Erzählungen und Darstellungen sowie die Ermittlung und Betonung von „Provenienz“. Die größten Profite werden im Gegensatz zum industriellen Kapitalismus nunmehr – so eine weitere These – nicht mehr über Herstellung von möglich viel des Gleichen erzielt, wie in der sog. „Standardform“ der Valorisierung, sondern über Sammlungen bzw. sammlungswürdige Einzelstücke und über das Angebot von Erfahrungen von hohem Anreiz, wofür die Autoren auch den Begriff der „Sammlerform“ prägen. In diesen Valorisierungsprozessen spielt auch die Arbeit der „kreativen Klasse“, darunter nicht zuletzt Kulturwissenschaftler*innen, eine zentrale Rolle, deren teilweise prekär gehaltene Situation im Gegensatz zu den Arbeiten von Richard Florida jedoch kritische Aufmerksamkeit findet.