Bisherige Projekte

Das Leuphana Concert Lab wurde in den Jahren 2023–2026 als transdisziplinäres Pilotprojekt aufgebaut. Ziel war es, Studierende aller Fachbereiche, Musiker*innen und Partnerinstitutionen zusammenzubringen, um neue Wege der Konzertgestaltung zu erproben. Dabei steht im Mittelpunkt, wie klassische Musik durch die Verbindung mit verschiedenen wissenschaftlichen und fachlichen Perspektiven gesellschaftliche Themen erfahrbar machen kann – etwa Nachhaltigkeit, künstliche Intelligenz oder gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Seit dem erfolgreichen Pilotkonzert mit Josefa Schmidt im Sommer 2023 stand das Concert Lab nicht still. In drei Jahren wurden vielfältige künstlerische und wissenschaftliche Formate entwickelt, begleitet und ausgewertet: Das Spektrum reicht von Konzertprojekten, Workshops und Exkursionen bis hin zu regionalen Aktionstagen, VR-Installationen, Vermittlungsformaten und Diskursveranstaltungen. Diese Aktivitäten wurden intensiv beforscht und mit verschiedenen methodischen Zugängen analysiert.

Die Pilotphase wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lehr- und Impactpreis der Fakultät M&T, wodurch sich das Concert Lab als Akteur in der innovativen Klassikszene etablierte. Welche neuen didaktischen Formate und Projekte das Lab in den vergangenen Semestern hervorgebracht hat, können Sie auf dieser Seite nachverfolgen.

Winter 2025/26

  • "Land schafft Klang" - Immersive Ausstellung zum Moor-Projekt

Sommer 2025

  • "ultraBACH" - Abschluss mit dem ensemble reflektor
  • Havanna 2025 - Bilder
  • "TONALiSTEN x lunatic" - Journeyers
  • "(In-)Between Spaces" - Virtual Reality mit dem Orchester im Museum

Winter 2024/25

  • "Transforming" - Konzert mit Viktor Soos

Sommer 2024

  • "Artificial Resonance" - TONALiSTEN // chaos|cadence
  • "The Art of Bricolage" - Performance mit dem EIH

Winter 2023/24

  • "Connecting" - Konzert mit Arash Rokni

Sommer 2023

  • "Overload" - Testkonzert mit Josefa Schmidt

Winter 2025/26

"Land schafft Klang" - Immersive Ausstellung zum Moor-Projekt

LAND SCHAFFT KLANG – Eine klangliche Reise in das Herz der Moore

Am 16. Dezember 2025 verwandelte sich das Zentralgebäude der Leuphana Universität in ein transdisziplinäres Forschungsfeld, als das Projekt „Land schafft Klang – Den Mooren zuhören“, u. a. begleitet durch eine interaktive Ausstellung des Concert Lab-Komplementärseminars seinen feierlichen Abschluss fand. Das Ziel dieser einsemestrigen Projektarbeit war es, gemeinsam mit dem MONAS collective die oft unhörbaren Prozesse dieses wichtigen Ökosystems durch eine auditive Vernissage und eine anschließende Uraufführung für ein breites Publikum erfahrbar zu machen und so einen gesellschaftlichen Diskurs über Klimaschutz und ökologische Verantwortung anzustoßen.

Der Weg zu diesem Abend begann bereits im Sommersemester 2025 mit einer Exkursion in das Große Moor bei Wietzendorf, wo die Teilnehmenden unter Anleitung des Klangkünstlers Kurt Holzkämper und des Umweltwissenschaftlers Prof. Dr. Hubert Wiggering mittels Hydrophonen tief in die klanglichen Schichten des Bodens eintauchten. Die dabei gesammelten Eindrücke – ein rhythmisches Rauschen, Gurgeln und Klopfen – dienten als kreative Impulse für die Studierenden, die daraus Worte, Bilder, Videos und Gedichte entwickelten, welche wiederum die Basis für die spätere Chor-Komposition (mehr dazu unten) bildeten. Ein zweites Seminar im Wintersemester 2025/26 übernahm schließlich die kuratorische Leitung, entwickelte das Raumkonzept und gestaltete die Stationen der Ausstellung, sowie die Kontextualisierung durch ein Programmheft.

Das Herzstück der Veranstaltung im Foyer bildeten die vielfältigen interaktiven Stationen, die den Besucher*innen einen vielschichtigen Zugang zum Thema Moor ermöglichten.

Nach der theoretischen Einbettung durch die Keynote „Echoes of the Anthropocene“ von Pedro J. S. Vieira de Oliveira folgte die Welturaufführung der „cantata for an ecosystem“. Der Leuphana Kammerchor unter der Leitung von Universitätsmusikdirektorin Rebecca Lang machte das Moor jenseits klassischer Harmonien hörbar, wobei die Komposition von Dominic Wills eine Antwort auf die Audioaufnahmen aus dem Moor bei Wietzendorf darlegte: Strukturen der Natur wurden durch eine fragile Akustik, gemischt mit Barockmusik-Elementen und echten Naturaufnahmen präsentiert. Den Abschluss bildete eine Talk-Runde im sogenannten „Leuphana Wohnzimmer“ im Forum, bei der Expert*innen wie die Ökologin Prof. Dr. Vicky Temperton die Dringlichkeit des Moorschutzes unterstrichen. Besonders eindrücklich blieb dabei das Bild einer jahrtausendealten Moorprobe, die nach dem Kontakt mit Sauerstoff innerhalb von Stunden oxidierte – ein mahnendes Symbol für die Geschwindigkeit, mit der menschliches Handeln die enormen Kohlenstoffspeicher unserer Erde gefährdet.

Das Projekt machte die komplexen, oft unsichtbaren Prozesse des Moores durch Klang erfahrbar. Durch die Verbindung von Wissenschaft und Kunst entstand ein emotionales Erlebnis, das das Bewusstsein für die Langsamkeit und die Kostbarkeit natürlicher Ressourcen schärfte.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
Gesprächsrunde im "Leuphana Wohnzimmer".
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Moor-Klang-Installation von Kurt Holzkämper.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Besuchende der begleitenden Ausstellung im Foyer.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Moor-Lichtinstallation an der Wand.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Besuchende beteiligen sich an der interaktiven Ausstellung.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Der Leuphana Kammerchor während seiner Uraufführung-Performance der "Cantata for an Ecosystem" von Dominic Wills.
©leuphanaconcertlab
Die kreativen Produkte am Ende der Veranstaltung.

Sommer 2025

"ultraBACH" - Abschluss mit dem ensemble reflektor

FÜNFSPARTENHAUS DER EINHEIT – Ein resonanzreiches Finale zwischen Musik und Gesellschaft

Am 16. November 2025 fand im Zentralgebäude der Leuphana Universität das Projekt „FÜNFSPARTENHAUS DER EINHEIT“ seinen feierlichen Abschluss. Die Veranstaltung bildete den Höhepunkt der Kooperation im SoSe 2025 zwischen den Studierenden des Leuphana Concert Labs (unter der Leitung von Lea Jakob und Michael Ahlers) und dem demokratisch organisierten ensemble reflektor im Rahmen des ultraBACH Festivals, vor allem aber auch den Abschluss des „FÜNFSPARTENHAUS DER EINHEIT“.

Das FÜNFSPARTENHAUS des ensemble reflektor war als multidisziplinäres Produktionsnetzwerk angelegt, das über das Jahr hinweg eine Brücke zwischen Ost- und Westdeutschland schlug. In Zusammenarbeit mit Partnern in Greifswald, Oberhavel, Köthen und Chemnitz wurden lokale Aktionstage realisiert, deren Ergebnisse und filmische Dokumentationen am Abschlusstag in Lüneburg zusammengeführt wurden. Ziel war es, klassische Musik mit zentralen gesellschaftlichen Themen wie Bildung, Popkultur, Demokratie und Wissenschaft zu verknüpfen und die künstlerische Praxis des Orchesters transparent zu machen.

Der Nachmittag begann mit einer interaktiven Ausstellung, kuratiert von Studierenden des Concert Labs, sowie verschiedenen Gesprächsformaten, die Raum für Austausch boten. Im Zentrum stand dabei die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Orchestern im 21. Jahrhundert. Den musikalischen Höhepunkt bildete ein Sinfoniekonzert des ensemble reflektor im Auditorium unter der Leitung von Holly Hyun Choe. Das Programm spannte einen Bogen von der Musik der 1920er Jahre, etwa von Kurt Weill, bis hin zu zeitgenössischen Werken von Komponistinnen wie Ruth Gipps, Julia Wolfe und Molly Joyce.

Die Veranstaltung endete im Sinne eines „offenen Hauses“ mit einer gemeinsamen Feier im Forum. Dieser Ausklang unterstrich den partizipativen Charakter des Projekts und schuf eine Plattform für Begegnungen, die weit über ein herkömmliches Konzerterlebnis hinausgingen.

©jasper.wessel
Zuhörer*innen während der Keynote vor Ausstellung im Foyer.
©jasper.wessel
Veranstaltende am interaktiven Kartentisch.
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Besucher*innen lauschen einem Audiobeitrag.
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Besucherin mitten in der interaktiven Ausstellungs-Oase: Die Briefe der Orchester-Musiker*innen des ensemble reflektor.
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Brief eines*r Orchestermusiker*in - Nahaufnahme.
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Die Ausstellung von oben.
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Einblick in die Gesprächsrunde mit Musiker*innen des ensemble reflektor und Gästen.
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Auftakt-Musik im Foyer mit Musiker*innen des ensemble reflektor und Gästen.
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Beobachter*in des Geschehens.
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Ein Blick hinter die Kulissen des ensemble reflektor-Konzertes im Audimax.
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Die Dirigentin Holly Hyun Choe mit dem Orchester im Fokus.
©leuphanaconcertlab
Wandinstallation der Projektstädte auf dem Aftershow-Event.
©leuphanaconcertlab
Austauschstation der Studierenden im Ausklang.
©leuphanaconcertlab
Merch-Stehtisch nach der Veranstaltung.

"Havanna 2025" - Unsere Exkursion nach Kuba

EXKURSION NACH HAVANNA – Musikalisches Handeln in Krisenzeiten verstehen

Im September und Oktober 2025 begaben sich 15 Studierende des Leuphana Concert Labs auf eine außergewöhnliche Reise, die weit über den Rahmen einer gewöhnlichen Studienfahrt hinausging: Eine zehntägige Exkursion nach Havanna bildete den Höhepunkt des Komplementärseminars „Artistic Entrepreneuring & Bricolage as Strategies for Artistic Communities in Challenging Times“. Unter der Leitung von Lea Jakob, die als langjährige Kulturmanagerin und Expertin für die kubanische Musikszene über ein breites Netzwerk vor Ort verfügt, und der Co-Dozentin Gabriela Rojas Sierra aus Havanna, setzte sich die Gruppe das Ziel, die vielschichtigen Realitäten kubanischer Musikschaffender unmittelbar vor Ort zu erforschen. Dabei stand nicht nur das Kennenlernen der Vielfalt kubanischer Musik im Vordergrund, sondern vor allem auch der Umgang der Musikschaffenden mit dem aktuellen Krisenkontext, sowie die kritische Reflexion der eigenen Positionalität, von Stereotypen und Machtstrukturen im Musikökosystem.

Die Grundlage für diesen tiefen Eintauchprozess wurde im Sommersemester 2025 gelegt, indem die Studierenden durch wissenschaftliche Inputs, Filme, Podcasts und Literatur auf die ökonomischen, politischen und sozialen Herausforderungen Kubas vorbereitet wurden.

Die Exkursion und die Zusammenarbeit mit vielen Akteuren der kubanischen Musikszene ermöglichte es den Teilnehmenden, Kuba jenseits touristischer Klischees zu erleben bzw. diese kritisch zu reflektieren. Ein Seminarmitglied beschreibt:

„Wir konnten vor Ort an so vielen Aktivitäten teilnehmen, die man als Tourist so nie sehen würde. Und dadurch, dass wir [...] auch die ganze Zeit mit Kubaner:innen in Kontakt traten, bekommt man so ein echtes und nachvollziehbares Bild“.

Das Programm in Havanna war ein dichtes Netz aus Theorie und Praxis, das von täglichen Diskussionsrunden im Colegio Universitario San Geronimo bis hin zu vielfältigen musikalischen Begegnungen und Dialogformaten mit kubanischen Kulturschaffenden reichte. In Workshops mit dem Ensemble Espirales lernten die Studierenden die Grundstile kubanischer Musik kennen, während der Pianist Ernesto Oliva Einblicke in die Verschmelzung klassischer Rhythmen mit zeitgenössischen Einflüssen gab. Ein Besuch beim künstlerisch-sozialen Projekt YUKALI ermöglichte es der Gruppe, durch kollaborative Kurzperformances eigene Perspektivwechsel zu verarbeiten. Darüber hinaus gewährten Besuche in staatlichen Institutionen wie dem Museo de la Música, der Casa de las Américas oder dem Instituto Superior de Arte (ISA) fundierte Einblicke in das kubanische (Musik-)Kulturerbe und die dortigen Ausbildungswege.

Diese Reise hinterließ bei den Teilnehmenden eine starke persönliche Wirkung und wurde als eine prägende Erfahrung fürs Leben wahrgenommen:

„Ich habe unglaublich viel in diesen zehn Tagen gelernt. Die Dozierenden haben [...] zugleich einen Raum geschaffen, in dem wir offen über unsere Perspektiven und Gefühle sprechen konnten. Ich bin noch ein bisschen überwältigt davon, wie viele Einblicke wir bekommen haben“.

Die Studierenden verstanden sich am Ende nicht mehr nur als Lernende, sondern als Wissens-Multiplikatoren, die die gewonnenen Erkenntnisse über Resilienz, kreative „Bricolage“ und künstlerische Verbundenheit in ihre eigenen Zukünfte weitertragen.

Um diese vielschichtigen Eindrücke auch mit der Lüneburger Öffentlichkeit und anderen Studierenden der Leuphana zu teilen, fand am 12. Dezember 2025 ein kubanischer Abend im AStA-Gebäude statt. Bei diesem Follow-Up-Event kamen drei der in Kuba kennengelernten Musiker*innen nach Lüneburg, wo der Dialog mit einem Konzert, einem Q&A und einer gemeinsamen Jam-Session fortgeführt wurde.

Diese prägende Reise sollte nicht das Ende der Zusammenarbeit zwischen der Leuphana und den Kooperationspartner auf Kuba  darstellen – für das Wintersemester 2026 ist ein Folgeprojekt mit einem kubanischen Ensemble an der Leuphana geplant.

©leuphanaconcertlab
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"TONALiSTEN x lunatic" - Journeyers

JOURNEYERS – Eine musikalische Reise durch die Räume des Dazwischen

Mit dem Projekt „Journeyers – Lieder über Zwischenwelten“ setzte das Leuphana Concert Lab im Mai und Juni 2025 einen Akzent an der Schnittstelle von klassischer Musik, Popkultur und Fragen des Wandels. In der Kooperation mit dem TONALiSTEN-Lab und dem lunatic Festival entwickelten Studierende unseres Komplementärseminars gemeinsam mit dem Bariton Johannes Worms und der Harfenistin Teresa Emilia Raff ein Format, das das Konzept der Liminalität – das Gefühl des Schwellenzustands zwischen Anfang und Ende – für ein breites Publikum physisch und emotional greifbar machte. Ziel des transdisziplinären Seminars war es, den traditionellen Konzertrahmen aufzubrechen und durch gezielte Dramaturgie, Raumgestaltung und Publikumsinteraktion einen Reflexionsraum für Fragen nach Identität und Wandel zu schaffen.

Ob Lyrics zum Abreißen, Polaroids zur Dokumentation, oder das Schreiben persönlicher Zeitkapseln während des Konzerts: Das Publikum begab sich durch viele Interaktionsmomente und überraschende Aktionen auf eine persönliche Reise durch die Konzerte im TONALi-Saal und beim lunatic Festival. 

Während der Bariton Johannes Worms und die Harfenistin Teresa Emilia Raff einen musikalischen Bogen von Schubert und Mahler bis hin zu zeitgenössischen Klängen von Kate Moore und Billie Eilish spannten, waren die Studierenden aktiv in die dramaturgische Planung, die Lichtregie und die Raumgestaltung eingebunden.

Journeyers ermutigte dazu, im Übergang innezuhalten und das Offene und Ungewisse in der Musik und im eigenen Leben neu wahrzunehmen.

"(In-)Between Spaces" - Virtual Reality mit dem Orchester im Museum

Eine immersive Entdeckungsreise zwischen Museum, Mozart und Virtual Reality

Am 18. Mai 2025, dem Internationalen Museumstag, fand im Museum Lüneburg die Auftaktveranstaltung des Projekts „(In-)Between Spaces“ statt, die eine innovative Brücke zwischen musikalischer Tradition und technologischer Zukunft schlug. In der Kooperation zwischen dem Leuphana Concert Lab und dem international renommierten Mahler Chamber Orchestra (MCO) entwickelten Studierende ein interaktives Format, das eine neue Nähe zwischen den Zuhörer*innen und dem Geschehen auf der Bühne ermöglichen und so den traditionellen „Zwischenraum“ zwischen Bühne und Publikum neu besetzen sollte.

Nach dem von Studierenden moderierten Gesprächskonzert mit drei Musiker*innen des MCO bestand die Möglichkeit zur Besichtigung der VR-Installation „Future Presence: Mozart String Quintet“, die in Kooperation mit dem Soundkünstler Henrik Oppermann realisiert wurde. Hier konnten die Besucher*innen mithilfe von Virtual-Reality-Headsets und mehrdimensionalen Aufnahmen in eine völlig immersive Klangwelt eintauchen, in der sie sich frei zwischen den virtuellen Musiker*innen bewegen konnten. Die Studierenden übernahmen dabei nicht nur die Betreuung der Installation, sondern begleiteten diese auch wissenschaftlich im Rahmen eines Forschungsprojekts eines Seminars zur Besucher*innenerfahrung, um neue Formen der Musikvermittlung besser zu verstehen.

Das Projekt bot den Studierenden die Gelegenheit, das Konzept des „Audience Engagement“ an einem echten Praxisbeispiel von der ersten Idee bis zur Evaluation der Outreach-Praxis umzusetzen.

Die Kooperation mit dem Mahler Chamber Orchestra wird im WiSe 25/26 fortgeführt. 

Winter 2024/25

"Transforming" - Konzert mit Viktor Soos

Das Leuphana Concert Lab-Projekt mit Steinway Prize Winner Viktor Soos widmete sich dem Thema Transformation und der Frage, wie wir aus unseren unterschiedlichen persönlichen und fachlichen Hintergründen auf den Begriff der Transformation blicken. Während des Semesters wurde schnell klar: Es gibt viele Transformationsperspektiven – gesellschaftlich, technologisch und individuell. Welche Voraussetzungen ermöglichen eine gelungene Transformation? Und welchen Beitrag können wir als Individuum überhaupt zu einer gesellschaftlichen Transformation leisten? Wie können mit Veränderungen verbundene Ängste und Herausforderungen überwunden werden? Wie können wir Veränderung – ob individuell oder gesellschaftlich – musikalisch erfahrbar machen? 

Diese Fragen bildeten die Grundlage für die Projektentwicklung und den Konzertabend, der co-kreativ von rund 25 Studierenden aller Fachbereiche und dem vielfach ausgezeichneten Pianisten Viktor Soos gestaltet wurde. Ein Semester lang setzten sich die Teilnehmenden mit dem Thema auseinander, besuchten verschiedene Konzerte als Inspirationsquelle und entwickelten gemeinsam eine eigene künstlerische Umsetzung. 

Am 22. Januar 2025 fand das Abschlusskonzert vor rund 200 Gästen – darunter Studierende der Leuphana, Angehörige sowie interessierte Lüneburger*innen – statt. Das Thema des Abends wurde auf unterschiedlichen Ebenen – im Raumdesign, der musikalischen Werkauswahl, aber auch in konkreten Artefakten aufgegriffen. Bereits beim Einlass erhielten alle Gäste einen Makramee-Schmetterling mit der Bitte, eine Nachricht an ein anderes Publikumsmitglied darauf zu hinterlassen. Der Weg ins Auditorium führte durch einen labyrinthartigen Umweg, begleitet von tiefen synthetischen Klängen, die sich mit der großflächigen Videoinstallation von Vanessa Könemund und Mirella Frenzel zu einem immersiven Erlebnis verbanden. 

Das Publikum nahm zunächst auf der Tribüne Platz und lauschte Viktor Soos, der mit Johann Sebastian Bachs „Aria“ aus den Goldberg-Variationen den Abend eröffnete. Doch der Konzertbesuch blieb nicht statisch: Die Gäste wurden eingeladen, sich auf die Bühne zu bewegen und die Musik aus unmittelbarer Nähe zum Flügel zu erleben. Mit Werken von Emilie Mayer, Amy Beach und Alban Berg steigerte sich die musikalische Spannung bis hin zu Arnold Schönbergs „Sechs kleine Klavierstücke op. 19“, bevor der Abend mit Maurice Ravels „Miroirs M. 43“ und Fanny Hensels „Allegretto“ aus der Melodie op. 4 Nr. 2 seinen Abschluss fand. Zwischen den Musikstücken durchzogen kurze Live-Redebeiträge der Seminarteilnehmer:innen die Aufführung, die den thematischen Rahmen des Konzerts vertieften und zum Nachdenken anregten. Auch das Publikum wurde aktiv einbezogen, u.a. durch gemeinsames Singen. 

Am Ende des Abends erklang erneut Bachs „Aria“, doch vieles hatte sich verändert: Der Flügel stand an einem anderen Platz, das Publikum hatte sich physisch und emotional bewegt. Ganz nach Viktor Soos' Wunsch, in seinen Konzerten „ein Erlebnis zu schaffen, das die Zuhörerinnen anders aus dem Konzert hinausgehen lässt, als sie hineingekommen sind.“

Nach dem Konzert konnte sich das Publikum im Rahmen eines offenen Ausklangs über das Erlebte austauschen und im moderierten Publikumsgespräch mit Transformationsforscherin Dr. Theres Konrad und dem Pianisten Viktor Soos noch tiefer in die Thematik eintauchen. 

Der Abend wurde wissenschaftlich durch ein Team rund um Prof. Dr. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn begleitet. 

©Milica Stanojić
Der Pianist Viktor Soos spielt am Steinway-Flügel.
©Milica Stanojić
Die Besucher*innen werden im Foyer des Libeskindgebäudes empfangen.
©Milica Stanojić
Makramee-Schmetterlinge für das Publikum
©Milica Stanojić
Studierende mit dem Publikum beim Einlass ins Auditorium
©Milica Stanojić
Schweigekarten für das Konzert
©Leuphana Concert Lab
Einklang mit Videoinstallation von Vanessa Könemund und Mirella Frenzel
©Leuphana Concert Lab
Das Publikum hat auf der Bühne neue Plätze eingenommen.
©Leuphana Concert Lab
Hinter Viktor Soos ist ein großer Mond an der Wand erschienen.
©Leuphana Concert Lab
Das Publikum ist dazu aufgefordert, sich einen neuen Schmetterling auszusuchen. Zeitgleich wird der Flügel um 180° gedreht.
©Milica Stanojić
Drei Studierende singen gemeinsam mit dem Publikum.
©Milica Stanojić
Applaus am Ende des Konzerts
©Milica Stanojić
Moderiertes Publikumsgespräch mit Viktor Soos und Transformationsforscherin Dr. Theres Konrad

Sommer 2024

"Artificial Resonance" - TONALiSTEN // chaos|cadence

Im Sommersemester 2024 kooperierte das Leuphana Concert Lab im Rahmen eines Komplementärseminars gleich mit zwei Praxispartnern: mit der Hamburger Organisation der TONALiSTEN und dem interdisziplinären Musikensemble chaos|cadence. Die Studierenden erarbeiteten aufbauend auf den Inputs von Seiten des Ensembles und von Jonathan Pengl, Geschäftsführer der TONALiSTEN, ein interaktives, multimediales Rahmenprogramm für das Konzert “Artificial Resonance” von chaos|cadence. 

Chaos|cadence interessiert sich für Fragen, die angesichts der rasanten Fortschritte bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz von hoher Aktualität sind: Wie nehmen wir künstliche Intelligenz wahr? Inwiefern ist das Bild des Cyborgs kulturell geprägt? Sie zeigen in ihrer Konzertperformance, wie sie mit sog. “musical agents” (Musikgeneratoren) im Konzert interagieren können und verwandeln das Konzert so zu einem Raum der Möglichkeiten. Im Anschluss an das Konzert konnte das Publikum der eigenen Haltung zum Thema Künstliche Intelligenz in der Musik auf den Grund gehen. Dazu lud die Ausstellung der Studierenden ein, in der bspw. KI mit dem Tastsinn erforscht wurde, oder KI-gestützte Bilder generiert wurden, um das individuelle Konzerterlebnis personalisiert festzuhalten. 

Die interaktive Ausstellung wurde zum Semesterende öffentlich an der Leuphana präsentiert und der Lernprozess in Form von kurzen Videos reflektiert, die auch kommenden Seminaren als Grundlage dienen sollen.

©Lukas Dall’Omo
Workshoptag im TONALi Saal
©Lukas Dall’Omo
Letzte Vorbereitungen für die interaktive Ausstellung
©Lukas Dall’Omo
Jorma Marggraf am Flügel
©Lukas Dall’Omo
Sophie Kockler und Adrian Thieß im Wechselspiel mit einem "musical agent"
©Lukas Dall’Omo
Ariadne Dalatsi trägt einen Text vor.
©Amadeus Templeton
Adrian Thieß an der Trompete bei der Konzertperformance im TONALi Saal
©Lukas Dall’Omo
Sophie Kockler an der Bassklarinette
©Lukas Dall’Omo
Eine künstliche Intelligenz kreiert Bilder anhand von Assoziationen des Publikums zur Konzertperformance.

"The Art of Bricolage" - Performance mit dem EIH

Das aus Kuba stammende Ensemble Interactivo de la Habana (EIH) hat sich auf Improvisation, Klangexperimente und interdisziplinäre Kunst spezialisiert. Dabei verwendet das Ensemble sowohl klassische Instrumente, als auch Alltagsgegenstände und zunehmend elektronische Hilfsmittel zur Klangkunst. Seit fast 10 Jahren leistet es Pionierarbeit auf Kuba und versinnbildlicht die Kunst der “Bricolage” ("making do by applying combinations of the resources at hand to new problems and opportunities" (Baker and Nelson, 2005). Es hat sich zum Ziel gesetzt, Momente der Kreativität und Neugier zu schaffen, das Publikum einzubinden, nie Gehörtes zu präsentieren, zum Nachdenken anzuregen.

Im Rahmen des Concert Lab-Seminars “The Art of Bricolage” konnten rund 20 Studierende diesen Prozess co-kreativ mitgestalten und dabei ihre eigenen Zugänge zum Umgang mit Ressourcen(limitationen) forschend und praktisch erkunden. Die Musiker:innen aus Kuba waren fast eine Woche lang an der Leuphana zu Gast und gestalteten einen mehrtägigen Workshop, der einen spannenden Raum für Kreativität und Austausch bot – auch ohne, dass musikalische Kenntnisse erforderlich waren. Zum Abschluss der Zusammenarbeit fanden zwei öffentliche Konzerte im Forum statt: eine auf kollektiver Improvisation basierende Performance des EIH und eine mit der sogenannten Soundpainting-Technik geleitete Konzertimprovisation des gesamten Seminars. 

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Das Team steht zusammen.
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Performance im Foyer des Libeskindgebäudes
©2024 beyond portrait, all rights reserved.
Bewegunsimprovisation
©Pepe Gavilondo
Gruppenfoto der Studierenden mit der Projektkoordinatorin Lea Jakob, der studentischen Hilfskraft Celina Grefe und dem EIH

Winter 2023/24

"Connecting" - Konzert mit Arash Rokni

Wie klingt gesellschaftlicher Zusammenhalt? Wie können wir gesellschaftliche Dynamiken wie Streit, Spaltung, Gruppenbildungen und Gemeinschaft in einem Konzert erlebbar machen? Diese Fragen standen im Zentrum des ersten Concert Labs in Kooperation mit Steinway & Sons.

Der junge aus dem Iran stammende Pianist Arash Rokni war nach seinem Erfolg beim Bach-Wettbewerb Leipzig für die Zusammenarbeit vorgeschlagen worden und sagte zu. Ein Semester lang haben die Studierenden aus den unterschiedlichen Fachbereichen im Komplementärstudium das Thema diskutiert, verschiedene Konzerte als Beispiele besucht und sich mit Künstler*innen ausgetauscht, um einen eigenen Konzertabend auf die Beine zu stellen. Parallel dazu hat sich ein kulturwissenschaftliches Seminar mit neuen Ansätzen der Publikumsforschung beschäftigt und begleitete den Konzertabend mit eigenen Forschungsprojekten.

Unter den rund 200 Gästen waren viele Studierende der Leuphana, aber auch interessierte Lüneburger*innen. Die ersten Ergebnisse aus dem Publikumsgespräch und der Umfrage zeigen, dass die Bandbreite unter den Besucher*innen sehr groß war – nicht nur das klassische Stammpublikum war zum Konzert gekommen, sondern auch viele insbesondere junge Menschen, die sich sonst als Nicht-Besucher*innen bezeichnen würden.

Arash Rokni erklärte im Gespräch, dass er sich als Künstler nicht als objektiver Betrachter, sondern als Teil der Gesellschaft sehe. Daher hat er gemeinsam mit den Studierenden Komponist*innen ausgewählt, die in ihrem kreativen Schaffen durch gesellschaftliche Spaltung eingeschränkt oder aus unterschiedlichen Gründen aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden waren. Die Rolle von Künstler*innen sieht er in der heutigen Zeit einer fortschreitend individualisierten Gesellschaft darin, die Vernetzung und Abhängigkeit des Individuums von seinen Mitmenschen aufzuzeigen und einen Beitrag zum Bewusstsein seines Publikums zu leisten. Zwei Sprecher*innen aus dem Seminar ergänzten die Musik um Regieanweisungen, Zitate und Lyrik. Darüber hinaus hatten die Studierenden zwei Tänzer*innen eingeladen, die Hindemiths „Suite 1922“ inszenierten, und gesellschaftliche Dynamiken, Konflikte, Spaltung und Ausstoßen Einzelner aus der Gesellschaft sozusagen ver-Körper-ten.  „Das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt ist ständig in aller Munde, jedoch haben die wenigsten eine klare Vorstellung davon“, sagte eine Seminarteilnehmerin, „obwohl wir alle Toleranz vermitteln wollen, ist doch jede*r unterbewusst in seiner*ihrer Blase unterwegs und es fällt uns schwer, alte Muster zu verlassen."

Weitere Informationen finden Sie in der Meldung zum Konzert.

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Raumdesign im Foyer des Libeskindgebäudes
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Arash Rokni spielt am Flügel.
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Partizipation mit Teelichtern
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Das Publikum bewegt sich frei im Raum.
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Applaus für das Seminar
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Das Publikum teilt seine Emotionen mit.
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Nachgespräch mit Pianist Arash Rokni

Sommer 2023

"Overload" - Testkonzert mit Josefa Schmidt

“Konzerte können viel mehr als Leistung/Perfektion bedeuten. Die können uns was erzählen, die können uns zum Nachdenken und Austauschen bringen. Danke Euch!” (Publikumsfeedback)

Das erste Konzert des Leuphana Concert Labs wurde im Sommersemester 2023 im Auditorium des Libeskind Gebäudes unter dem Titel “Overload - (k)ein klassisches Konzert” präsentiert. Rund 20 Studierende der Kulturwissenschaften konzipierten in enger Zusammenarbeit mit der jungen Pianistin Josefa Schmidt das Pilotkonzert. Das Seminarziel sollte sein, klassische Musik an ein relevantes Thema zu knüpfen, um auf diese Weise neue Zugänge zu schaffen. Die Studierenden wählten das generationenübergreifend relevante Thema der Überforderung aus und beschäftigten sich damit, wie dieses Gefühl im Konzert für das Publikum erleb- und überwindbar gemacht werden kann. Dazu widmeten sie sich gruppenweise je einem Konzertparameter: von der Raumgestaltung, über die Musikauswahl, bis hin zu außermusikalischen Interventionen (u.a. Poesie und Tanz). Neben eingeladenen Stakeholdern aus der Region und der Universität nahmen vor allem Erstbesucher*innen aus dem Bekanntenkreis der Studierenden an der kostenlosen Veranstaltung teil. Im Anschluss an den Abend wurden Informationen über die Konzerterfahrung des Publikums mittels eines anonymen Evaluationsbogens erhoben und jede Gruppe ließ ihre Arbeit in Form eines Projektberichts Revue passieren.

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Programmzeitung und Ticket
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Setting im Auditorium
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Josefa Schmidt am Flügel beim Pilotkonzert "Overload"
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Improvisationstanz
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Partizipation des Publikums über individuelle Reflexionsfragen und Gallery Walk
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Evaluation nach dem Konzert
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Publikum beim Ausfüllen der Evaluation
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Teilnehmende Beobachtung beim Publikumsgespräch mit der Pianistin