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CCS Kolloquium: Lebend(ig) machen. Animation bei Kant und Marx – Benedikt Kuhn

16. Dez.

Leuphana Universität Lüneburg I Zentralgebäude C40.530

Das Center for Critical Studies veranstaltet dreimal pro Semester ein Kolloquium, bei dem Mitglieder des Centers ihre aktuellen Forschungsprojekte und -arbeiten vorstellen. Die Kolloquiumssitzungen sind für alle Universitätsangehörigen offen.

Kolloquium. Mi. 16.12.2026. 18:15 Uhr. C 40.530.

Der Begriff des Lebens, spezifisch des lebendigen Organismus, wird in Kants später Philosophie zentral. Angesiedelt am Konnex von praktischer und theoretischer Erkenntnis avanciert der Begriff in Kants „Kritik der Urteilskraft“ zum Hoffnungsträger, jene „unübersehbare Kluft“ zwischen Natur und Freiheit zu überbrücken, die die erste Kritik ausgewiesen hatte. Auch in Marx’ Philosophie ist der Begriff des lebendigen Organismus grundlegend. Während er in den Frühschriften noch wesentlich als Kontrastfolie zu den entfremdenden Kräften mechanisierter Industriearbeit erscheint, spielt er im Kapital eine hochgradig ambivalente Rolle. Denn sowohl der sich scheinbar selbständig realisierende Prozess des „maßlosen Triebs“ des Kapitals, als auch dessen Gegenteil – eine gelungene Realisierung des Gattungswesens – werden durch Metaphern des lebendigen Organismus ausgedrückt. Entscheidend ist dabei, dass sowohl Kant als auch Marx den Lebensbegriff nicht als Form des Befunds über eine empirische Tatsache der biologischen Welt, sondern als eine Form der Darstellung – letztlich als Trope – verstehen. Der Vortrag wird zeigen, inwiefern eine Ästhetik der Verlebendigung zwischen Kant und Marx deren jeweilige Bezüge auf eine Philosophie der Freiheit, beziehungsweise Befreiung, begründen.

Benedikt Kuhn promoviert an der Leuphana mit einem Projekt zum Verhältnis von Wahrnehmung und Medientechnologie bei Kant, Marx und Stiegler. Seit 2023 ist er Teil der Forschungsinitiative „Die Disruptive Bedingung“, 2025 war er Visiting Scholar am Program in Literature der Duke University. Seine letzten Veröffentlichungen betreffen das Verhältnis von Technik und Sinnlichkeit bei Marx, die Beziehung von Werttheorie und Ästhetik, sowie Stiegler’s Kant-Lektüre.