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Satellitenbilder aus dem Kalten Krieg geben Aufschluss über Klimawandel

28.05.2026 Am 26. Mai 2026 legte die Kunsthistorikerin Lila Lee-Morrison in ihrem Climate Futures-Talk an der Leuphana eindrücklich dar, wie Satellitenbilder aus der Zeit des Kalten Krieges zu einem wichtigen Instrument der Umweltbeobachtung wurden. Zunächst für militärische Zwecke genutzt, dienen sie Jahre später als Nachweise für den Klimawandel. Verpassen Sie nicht den Folgeworkshop der Gastwissenschaftlerin am 2. Juni!

©Wiebke Vorrath/Leuphana
©Lila Lee-Morrisson
©Daniel Irrgang/Leuphana

Wie prägen ehemals geheime Militärbilder unser heutiges Verständnis des Klimawandels? In ihrem Vortrag „[Dis]Appearance and the Evidentiary Aesthetics of Satellite Imagery“ analysierte Lila Lee-Morrison das Weiterleben von Satellitenaufnahmen aus der Zeit des Kalten Krieges. Ausgehend vom MEDEA-Programm, durch das in den 1990er Jahren Tausende von Satellitenbildern freigegeben wurden, erforscht sie, wie diese visuellen Archive in der Geowissenschaften und im Umweltmonitoring genutzt werden.

Lee-Morrison argumentierte, dass der Beweiswert von Satellitenbildern trotz geringer visueller Qualität bestehen bleibt: „Selbst wenn durch die Pixelverkleinerung Details verloren gehen, behalten Satellitenbilder ihre Aussagekraft“, erklärte sie. Die Bedeutung der Aufnahmen ergäbe sich vielmehr aus „ihren geometrischen und räumlichen Beziehungen zueinander“. Um dies zu verdeutlichten, zeigte sie auf, wie Vorher-Nachher-Bilder Umweltveränderungen erkennbar machen, z. B. den Rückgang des Eises oder Erosion. 

Ein zentraler Schwerpunkt des Vortrags war der Übergang „von der militärischen Überwachung zur Erdbeobachtung“. Laut Lee-Morrison vollzog sich ein Wandel von Satellitenbildern als Instrument zur Erkennung unmittelbarer militärischer Bedrohungen zu einem Medium, mit dem „langfristige Umwelttransformationen verfolgt werden können“. Dennoch merkte sie an, dass „die Sprache der Überwachung fortbesteht“, da auch Umweltphänomene mit Narrativen von Bedrohung, Verlust und Verschwinden verbunden werden.

Abschließend stellte Lee-Morrison einen Zusammenhang zwischen historischen Formen der Zensur und aktuellen politischen Maßnahmen her, wie etwa der derzeitigen Kürzung der Mittel für Satellitentechnologien zur Erfassung von Klimadaten durch die US-Regierung. „Diese Blackouts von Erdbeobachtungs-Daten spiegeln das frühere Verschwinden wider, das im Zusammenhang mit dem MEDEA-Projekt auftrat“, erklärte sie. Der Vortrag verdeutlichte, wie Fragen der Sichtbarkeit, der Beweisführung und der Informationskontrolle eng mit der heutigen Klimaforschung und Geopolitik verflochten sind.

Verpassen Sie nicht den Folgeworkshop am Dienstag, den 2. Juni, bei dem Lila Lee-Morrison einen Arbeitsentwurf ihres Buchprojekts „Machinic Landscapes“ zur Diskussion stellt. Darin untersucht sie, wie sich zeitgenössische Kunst mit Umweltüberwachungstechnologien und planetarischer Datenverarbeitung auseinandersetzt und wie dies unsere Wahrnehmung sowohl der Erde als auch des Weltraums neu gestalten kann. Weitere Infos sind mit dem untenstehenden Link breitgestellt.

Die Kunsthistorikerin Lila Lee-Morrison, Associate Professor an der Irwin S. Chanin School of Architecture der Cooper Union in New York City, ist im Mai und Juni 2026 zu Gast an der Leuphana. Als Research Fellow des Centre for Digital Cultures (CDC) und des Forschungsbereichs „Climate Futures in Digital Cultures“ im Embracing Transformation-Programm widmet sie sich dem interdisziplinären Dialog und der kritischen Reflexion über die Zukunft unseres Planeten aus der Perspektive der Visual Culture Studies.

Kontakt

  • Dr. Daniel Irrgang