Zum Hauptinhalt springen

Das Leuphana Transformation Lab

Transformation neu denken – gemeinsam, kritisch, verantwortungsbewusst

Was ist Transformation? Für wen ist sie erstrebenswert? Wie haben historische Transformationsprozesse unser heutiges Verständnis von und unsere Fähigkeit zur Transformation geprägt? Der Transformationsbegriff stellt nicht nur eine konzeptionelle Herausforderung dar – schließlich ist umstritten, was eine Transformation ausmacht –, er wirft zudem tiefgreifende Fragen zur Bewertung von Transformationen, zur Bedeutung von Erfolg oder Misserfolg und zu den Vor- und Nachteilen von transformativen Praktiken auf.

Ein Ort kollaborativer Forschung

Das Lab ist ein physischer Begegnungsort und ein internationaler Denk- und Experimentierraum. Hier wird die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft gestärkt und kollaborative Forschung mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden – lokal verankert und global vernetzt.

Vision & Mission

Unsere Vision
Als Teil eines wachsenden globalen Netzwerks von Universitäten und Forschungsinstituten wollen wir die Grenzen der wissenschaftlichen Erforschung transformativer Prozesse erweitern. Wir haben uns dem Verständnis und der Gestaltung von Transformationen auf sozial gerechte, ökologisch nachhaltige, politisch verantwortungsvolle und kulturell kreative Weise verschrieben. Gemeinsam mit weiteren Labs wollen wir ein facettenreichen Transformationswissen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts etablieren – eine transformation literacy und damit die Fähigkeit, Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten.

Unsere Mission
Im Leuphana Transformation Lab verstehen wir Transformationen als vielschichtige, kontroverse, sozial-ökologische Prozesse, deren Bedeutung stets kritisch hinterfragt werden muss. Unsere Mission ist es, als Impulsgeber für eine fundierte, kreative und verantwortungsvolle Transformationsforschung zu fungieren, um eine eigenständige Denkschule aufzubauen. Dazu entwickeln und erproben wir neue Forschungsmethoden sowie Kommunikationsformate, die auch künstlerisch-designerische Prozesse einbeziehen, um innovative Formen der Wissensproduktion zu ermöglichen.

Conceptual Streams

Das Lab forscht in unterschiedlichen Themenfeldern der Transformation, die durch gemeinsame Begriffs- und Konzeptualisierungsarbeit in drei konzeptionellen Schwerpunkten gebündelt werden:

Fragen der Transformation sind untrennbar mit Fragen des Wissens verbunden: Jeder Versuch, transformative Praktiken zu verstehen oder zu fördern, hängt von Annahmen darüber ab, was als relevante Formen des Wissens gilt, wer befugt ist, Wissen zu generieren, und wie Aussagen über Veränderungen begründet oder bewertet werden.

Der conceptual stream „Epistemologies of Transformation“ untersucht, wie Transformation in verschiedenen sozialen, kulturellen und politischen Kontexten sowie in unterschiedlichen Disziplinen konzeptualisiert, erzählt und umgesetzt wird. Transformative Projekte berufen sich häufig auf eine Reihe unterschiedlicher, zum Teil auch konkurrierender Erkenntnistheorien (z. B. modernistische, indigene, feministische, dekoloniale), um verschiedene Arten von Interventionen zu untermauern. Dabei leisten eine Vielzahl von Messgrößen und Modellen (z. B. Algorithmen, physische Prototypen, Visualisierungen, Storytelling usw.) wichtige erkenntnistheoretische Arbeit. Sie sind Teil komplexer Techniken und Praktiken, die Verständnis für das zu transformierende Terrain schaffen und das Wissen zur Bewertung von Erfolg oder Misserfolg transformativer Prozesse generieren. Gleichzeitig sind verschiedene gemeinschaftsbasierte transformative Praktiken, die sich auf lokales und situatives Wissen stützen, in Gegenepistemologien eingebettet – in Wissensformen, die dominante Formen der Wissensproduktion in Frage stellen. In dieser zunehmend komplexen epistemologischen Landschaft ist oft unklar, was als angemessenes Transformationswissen gilt oder wie transformative Dynamiken definiert und gemessen werden können. Wir untersuchen die epistemologischen Grundlagen von „Transformation“ als analytische und normative Kategorie und fragen: Was begründet Autorität bei der Bewertung von Erfolg oder Misserfolg einer Transformation? Wie werden Wirksamkeit und Wirkung festgestellt oder in Frage gestellt? Was können Misserfolge zum Transformationswissen beitragen?

Nicht jeder Bruch ist transformativ, und nicht jede Transformation beginnt mit einer Disruption, doch transformative Praktiken werden oft von der Vorstellung geleitet, dass soziale, wirtschaftliche, politische oder ökologische Krisen ideale Momente für ein Eingreifen sind. Wie ist also das Verhältnis zwischen Transformation und Disruption zu bewerten?

Der conceptual stream „Disruption and Transformation“ untersucht Disruption als zentrales Merkmal des Lebens in heutigen globalisierten Gesellschaften und beleuchtet, wie Disruption mit dem Begriff der Transformation verflochten ist. Obwohl der Bruch ein konstitutives Element der Moderne ist, das in den Prozessen des Fortschritts und der Emanzipation seine Bedeutung entfaltet, nimmt der Disruptionsbegriff zunehmend die negativen Konnotationen eines plötzlichen Niedergangs oder Zusammenbruchs an. Vor dem Hintergrund des vermeintlich permanenten Krisenmodus der Gegenwart verstärken dominante technologische, wirtschaftliche und politische Strategien die Disruptionserfahrung. Da Demokratien, Regierungsinstitutionen und Infrastrukturen immer häufiger mit disruptiven Ereignissen von zerstörerischem Ausmaß konfrontiert sind, wird Transformation oft als notwendiger Prozess dargestellt, um die Gesellschaft vor solchen Turbulenzen zu schützen. Disruptivität untermauert sogar das Versprechen der Transformation in einem breiten Spektrum emanzipatorischer Agenden. Wir untersuchen Disruption als Teil transformativer Prozesse und fragen: Was bleibt von Transformation übrig, wenn Brüche allgegenwärtig zu sein scheinen und die Offenheit der Zukunft zunehmend eingeschränkt wird? Welche sozialen und politischen Strategien gibt es, damit Disruption Akzeptanz findet, anstatt Ablehnung und Angst hervorzurufen? Wie können wir theoretisch, sozial und ethisch fundiert auf Disruption reagieren und gleichzeitig ihre Bedeutung für Transformation neu überdenken?

Bei einer Transformation geht es nie nur um den Wandel an sich. Ihre vermeintlichen Erfolge oder Misserfolge hängen von den Grenzen der Maßnahmen ab, die den Wandel herbeiführen sollen – das heißt, von den Maßstäben, die wir für die Bewertung ihrer Auswirkungen als sinnvoll erachten, und von den Zeithorizonten, über die hinweg die Transformation bewertet wird.

Der conceptual stream „Scales and Temporalities of Transformation“ setzt sich mit den räumlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen auseinander, durch die Wandel konzipiert, beschrieben und organisiert wird. Transformative Prozesse wirken auf vielen verschiedenen Ebenen: von der individuellen und zwischenmenschlichen über die institutionelle und gesellschaftliche bis hin zur planetarischen Ebene. Die Einordnung transformativer Veränderungen über verschiedene Ebenen hinweg erfordert die Festlegung spezifischer zeitlicher Horizonte und räumlicher Maßstäbe. Transformative Praktiken berufen sich dabei häufig auf eine bestimmte zeitliche Ordnung, die die Zukunft als normativ und funktional besser darstellt, während die Vergangenheit ausgeblendet oder auf ein Hintergrundrauschen reduziert wird. Skalarität und Zeitlichkeit sind mehr als technische Fragen der Messung und Prognose. Sie bieten Einblicke in die Rationalitäten, die transformative Projekte bestimmen. Wir untersuchen, wie zeitliche und räumliche Parameter politische, technologische, wirtschaftliche, soziale oder ökologische Möglichkeiten prägen, Ressourcen umverteilen und Handlungshorizonte gestalten, und wir fragen: Wie werden verschiedene Skalen und Zeitlichkeiten in transformativen Projekten privilegiert, miteinander verknüpft oder einander gegenübergestellt? Inwiefern ermöglichen oder versperren konkurrierende Vorstellungen vom geeigneten Ausmaß der Transformation bestimmte Wege des Wandels? Wie wird die Vergangenheit (z. B. Erinnerungen oder Archivierungspraktiken) in Erzählungen über den Wandel herangezogen, an den Rand gedrängt oder negiert? Wie projizieren und strukturieren Transformationserzählungen kurz-, mittel- und langfristige Zukunftsvisionen (z. B. Generationengerechtigkeit)?

Das Team

Zum Aufbau des Labs wurde ein Entwicklungsteam eingesetzt, das die Handlungsfelder 1. Vision und Mission, 2. Forschungsprofil und 3. Programmatik und Formate fortlaufend weiterentwickelt. Mitglieder neben dem hier abgebildeten Kernteam sind außerdem Prof. Dr. Armin Beverungen, Prof. Dr. Steffen Farny, Prof. Dr. Elke Schüssler, Prof. Dr. Astrid Séville, Prof. Dr. Laura Venz sowie beratend Dr. Daniela Janßen (Geschäftsführung Embracing Transformation-Programm), Dr. Jutta Grünberg-Bochard (Leitung Präsidiumsbüro) und Dr. Andreas Bunge (Referent Präsidiumsbüro).

Universitätsübergreifende Wissensintegration

Das Lab verbindet Ansätze aus Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften, Nachhaltigkeitsforschung, Psychologie, Kunst und Ökonomie und entwickelt neue Wege einer kollaborativen und innovativen Transformationsforschung. Es treibt die universitätsweite Vernetzung voran und schafft Synergien zwischen Fachbereichen, Initiativen und bestehenden Strukturen. 

Als Ort der fakultätsübergreifenden Wissensintegration bündelt das Lab die Aktivitäten der Potenzialbereiche Digitale Kulturen, Demokratie, Entrepreneurship, Nachhaltigkeit und Organisation sowie der Psychologie der Transformation als Hub Science. 

Wissenstransfer

Die Erkenntnisse der kollaborativen Forschung kommen den Studierenden des Leuphana College, der Graduate School und der Professional School zugute und fließen durch Wissenstransfer-Formate und Innovations-Communities in die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft ein.

Ein zentraler Bestandteil des Lab ist das Promotionsprogramm „Embracing Transformation“. Mehr als 40 Doktorand:innen aus aller Welt haben darin die Möglichkeit, sich in der Transformationsforschung zu profilieren und Teil eines globalen Diskurses zu werden.

Förderhinweis

Mit dem Transformation Lab hat die Leuphana im Rahmen von „Embracing Transformation“ eine zentrale, fakultätsübergreifende Einrichtung geschaffen. Gefördert wird das Embracing Transformation-Programm durch die Förderinitiative Potenziale strategisch entfalten des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) und der VolkswagenStiftung.

©MWK
©VolkswagenStiftung
©zukunft.niedersachsen