Course Schedule

Veranstaltungen von Heiko Stubenrauch


Lehrveranstaltungen

"Dialektik der Aufklärung" (Horkheimer und Adorno) – Damals und Heute (Seminar)

Dozent/in: Heiko Stubenrauch

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 5.325 Seminarraum

Inhalt: Im Seminar wird ein zentraler Klassiker der Sozialphilosophie, die Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, in gemeinsamer Lektüre erarbeitet und auf seine Aktualität im Kontext der Klimakrise sowie ihrer zunehmend autoritären Bearbeitungsweisen hin befragt. Das Werk entstand im Exil in den USA während des Zweiten Weltkriegs und stellt den Versuch dar, die damalige globale Krisensituation philosophisch zu begreifen. Zentral ist die These, dass die Geschichte der Aufklärung zugleich eine Geschichte wachsender Naturbeherrschung ist – und dass diese Naturbeherrschung nicht zu mehr Freiheit, sondern zu neuen Formen von Zwang, Unfreiheit und Unmündigkeit führt. Auf individueller Ebene wird Naturbeherrschung, etwa im Odysseus-Kapitel, als Ursache von Entfremdung analysiert. Auf gesellschaftlicher Ebene werden insbesondere kapitalistische Gesellschaften, die auf exzessiver Naturbeherrschung beruhen, als strukturell wandlungsresistent beschrieben. Ihnen wird – im Kapitel zur Kulturindustrie – eine Tendenz zur politischen Apathie, sowie – im Kapitel zum Antisemitismus – eine Neigung zu autoritären Dynamiken zugeschrieben. Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar, ob und inwiefern diese Diagnosen heute im Lichte der Klimakrise neu gelesen und theoretisch fruchtbar gemacht werden können. Lassen sich Horkheimers und Adornos Überlegungen zur Naturbeherrschung nutzen, um gegenwärtige Blockaden der sozial-ökologischen Transformation zu verstehen? In welchem Verhältnis stehen Naturbeherrschung, politische Passivität und autoritäre Reaktionsweisen in fossil geprägten Gesellschaften? Und wo liegen die Grenzen der Dialektik der Aufklärung im Umgang mit ökologischen Krisen? Das Seminar ist als Lektüreseminar angelegt und zielt darauf, das Verständnis eines anspruchsvollen philosophischen Textes in gemeinsamer Diskussion zu erarbeiten. Zugleich soll – insbesondere im Dialog mit dem komplementären Seminar „Politische Theorie der Klimakrise“ – eine systematische Verbindung zur klimapolitischen Gegenwart hergestellt werden.

Politische Theorie der Klimakrise (Seminar)

Dozent/in: Heiko Stubenrauch

Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 12.108 Seminarraum

Inhalt: Die Klimakrise ist längst nicht mehr nur eine naturwissenschaftliche oder technologische Herausforderung, sondern stellt die zentrale politische Krise unserer Gegenwart dar. Als solche stellt sie die grundlegenden Begriffe der modernen politischen Theorie – Freiheit, Souveränität, Gerechtigkeit, Subjektivität und Geschichte – radikal in Frage. In diesem Seminar untersuchen wir die politisch-theoretischen Implikationen des Anthropozäns. Entlang einer Auswahl zeitgenössischer Schlüsseltexte gehen wir folgenden Leitfragen nach: -Wie entstand die enge Verflechtung von fossilen Energieträgern und liberaler Demokratie, und welche Rolle spielt die fossile Energie im modernen Freiheitsbegriff (Mitchell, Malm, Charbonnier)? -Warum fällt es liberalen Demokratien so schwer, angemessen auf die Eskalation der Krise zu reagieren? Weshalb verändern sich gesellschaftliche Strukturen trotz wachsender Dringlichkeit nur unzureichend und zu langsam (Blühdorn, Brand & Wissen)? -Welche neuen, vor allem autoritären Formen politischer Herrschaft drohen in einer heißer werdenden Welt (Mann & Wainwright, Zetkin Collective)? -Wie lässt sich Verantwortung gegenüber einer Zukunft begründen, die keine eigene Stimme hat (Jonas)? -Wenn der Mensch zur geologischen Kraft wird, verschwimmen zudem die Grenzen zwischen Natur- und Menschheitsgeschichte (Chakrabarty, Latour)? -Welche radikalen Neuentwürfe zeichnen sich ab – von den „Rechten der Natur“ (Wesche) hin zu einer „Solarpolitik“ (Timofeeva)?