Course Schedule
Veranstaltungen von Prof. Dr. Roberto Nigro
Lehrveranstaltungen
Eine Kritik der revolutionären Vernunft: Plebs, Multitude, Arbeiterklasse (Seminar)
Dozent/in: Roberto Nigro
Termin:
wöchentlich | Dienstag | 14:15 - 15:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 12.108 Seminarraum
Inhalt: Aus der Tradition der Moderne haben wir eine Vielzahl von Konzepten geerbt, die oft als Synonyme betrachtet werden; ihr Gebrauch ist jedoch häufig antithetisch und verweist auf jeweils unterschiedliche Realitäten. Einige dieser Konzepte, die früher von zentraler Bedeutung waren, scheinen mitunter obsolet geworden zu sein, da sie sich offenbar auf nicht mehr existierende Realitäten beziehen. Es gibt daher politische Konzepte, die neu definiert werden müssen, da sie ein gewisses Maß an Mehrdeutigkeit mit sich bringen. In diesem Seminar werden wir insbesondere die semantischen Verschiebungen einiger politischer Begriffe analysieren und versuchen zu verstehen, welche Implikationen mit der Verwendung des einen oder anderen Begriffs verbunden sind. Besonders untersucht werden die Begriffe Volk, Plebs, Multitude und Arbeiterklasse. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich politische Subjekte konstituieren: Rancière etwa betont, dass das Konzept des Peuple das politische Subjekt als Akt der Subjektivierung begreift, das sich durch Handlungen selbst formt. Der Begriff der Multitude (Hardt/Negri) wird als inklusives, vielfältiges Konzept vorgestellt, das prekäre und informelle Arbeit, soziale Bewegungen und andere Subjektformen einbezieht, ohne sie einer einheitlichen Identität unterzuordnen. Im Gegensatz zu Volk oder Masse, die Einheit bzw. Undifferenziertheit betonen, stellt die Multitude die Differenzen und die Vielfalt politischer Subjekte in den Vordergrund. Im Wort Volk hingegen hallen Bilder des Pöbels, der Ausgeschlossenen, der Unterdrückten, des Menschen in Revolte, des Proletariers wider – Figuren, die im Begriff Multitude nicht mehr berücksichtigt werden. Das Seminar diskutiert die theoretischen Grundlagen und Grenzen dieser Konzepte und setzt sich kritisch mit den politischen Implikationen der Subjektbildung in globalisierten und fragmentierten Gesellschaften auseinander.
Introduction to Philosophy (Seminar)
Dozent/in: Roberto Nigro
Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 09:00 - 11:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 40.256 Hybridraum
Inhalt: This course will introduce students to some of the "classics" of western philosophy. It explores a variety of texts written by some of the more influential philosophers and provides an introduction to the major philosophical theories found in the history of Western philosophy. Special attention will be given to theories and philosophical practices that have exerted considerable influence on contemporary thought. Through reading, discussion, and presentations you'll get to know some of philosophy's major divisions, including epistemology, metaphysics, aesthetics, ethics, and politics. We will explore the philosophical writings of Plato, Aristotle, Descartes, Hobbes, Spinoza, Marx, Nietzsche, Silvia Federici, Nancy Fraser, Adriana Cavarero, Cinzia Arruzza, some of the critically important thinkers of the Western philosophy. Topics to be included: what is philosophy; Power, moral and genealogy; human bondage and human freedom; philosophy and science; critique of (patriarcal) capitalism; aesthetics; theories of the subject, feminist theories and practices, human/posthuman.
Subjektivität und Macht (Seminar)
Dozent/in: Roberto Nigro
Termin:
wöchentlich | Dienstag | 16:15 - 17:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 5.325 Seminarraum
Inhalt: Der Begriff Subjekt hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bedeutungen angenommen. Das Wort Subjekt, das aus dem Lateinischen stammt, existiert in zwei unterschiedlichen Formen, die sich entlang verschiedener Traditionen gebildet haben. Vom Neutrum subjectum, das die Übersetzung des griechischen hypokeimenon ist, stammt eine Tradition mit logisch-grammatikalischen und ontologisch-transzendentalen Bedeutungen ab. In dieser Tradition steht auch die Frage nach der Subjektivität. Vom Maskulinum subjectus, das im Mittelalter in Verbindung mit dem Wort subditus (Untertan) gebracht wurde, stammt die andere Tradition von juristischen, politischen und theologischen Bedeutungen ab. In dieser Tradition steht die Frage nach der Unterwerfung (assujettissement). Beide Traditionen treffen insbesondere im Ausgang von Kants Philosophie im 18. Jahrhundert aufeinander, als die Frage nach dem konstituierenden Subjekt entsteht. In der zeitgenössischen Philosophie gibt es drei Hauptgruppen von Bedeutungen. Eine erste betrifft die Idee von Subjektheit, die von Heidegger stammt. Das Subjekt ist hier passiv, d.h. es ist nur ein Substrat, das Qualitäten und Eigenschaften empfangen kann. Eine zweite Gruppe betrifft die Idee der Subjektivität, eine moderne Idee, die auch die Idee des Subjekts als Ego (Ich) impliziert. Hier stellt sich das Subjekt dem Objekt entgegen und begrenzt das Feld des Psychischen und Geistigen. Eine dritte Gruppe bezieht sich auf die Idee der Unterwerfung, in welcher Herrschaft und Abhängigkeit wirksam sind. Die Begriffe Unterwerfung (assujettissement) und Subjektivierung bewirkten wichtige Verschiebungen in zeitgenössischen Debatten um Subjektivität. Ihnen ist es zu verdanken, dass sie nun nicht mehr als Frage nach ihrem Wesen gestellt wird. Die Frage richtet sich nun auf die Genese oder die Bildung des Subjekts innerhalb transindividueller Strukturen. Die Idee des gründenden Subjekts hat sich zum Verständnis eines konstituierten Subjekts hin verschoben. Die Frage nach dem Subjekt ist eng mit dem nach der Macht verbunden. Das Seminar untersucht die Macht als ein Modell komplexer differentieller Beziehungen. Im Zentrum stehen dabei Prozesse, die zwar enge Beziehungen zu Unterwerfung und Ausschließung voraussetzen, jedoch präziser zu beschreiben sind als Einbeziehungen, die ausschließen und gleichzeitig Subjektivität produzieren.
Paradigmen 1 (Vorlesung)
Dozent/in: Andrea Kretschmann, Roberto Nigro
Termin:
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 13:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C HS 1
Inhalt: In der Vorlesung werden zentrale Paradigmen der Kulturwissenschaften aus kulturtheoretischer und kultursoziologischer Perspektive einführend erarbeitet: Die Vorlesung widmet sich zentralen Positionen der Kulturwissenschaften und ihren unterschiedlichen Weisen, Kultur zu denken und zu analysieren. Hierbei kommen Positionen der philosophischen Anthropologie und ihre Kritik durch Subjekttheorien, Kapitalismus und seine globale Dursetzung sowie kritische Gegenstimmen, ein Grundverständnis der Verhältnisse von Strukturalismus und Post-Strukturalismus, Zugänge des Critical Realism, der Cultural Studies, Kritik der „Kulturkreislehre“ sowie der Post- und Decolonial Studies und des Posthumanismus vor. Zudem beleuchtet die Vorlesung das Paradigma der sozialen und kulturellen Kräfte, Theorien kultureller Gewalt und symbolischer Macht, als auch Varianten des biologischen und kulturellen Rassismus und bezieht Positionen der Queer Studies und des (Post-)Operaismus ein. Die Vorlesung schließt an die Grundlagen der Einführung in die Kulturwissenschaften an und vertieft theoretische Strömungen, mit besonderem Fokus auf französische und anglophone Traditionen der Kulturwissenschaften.