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©Leuphana/Jannis Muser

Kommunalwahl 2026: Niedersachsen sehen große Herausforderungen – und setzen auf Politik vor Ort

3. September 2026

Das Niedersachsenpanel zeigt: Bezahlbares Wohnen, Mobilität und Infrastruktur beschäftigen die Menschen besonders. Gleichzeitig glauben viele, mit ihrer Stimme vor Ort tatsächlich etwas bewirken zu können. Bei der Wahlentscheidung zählen Kandidatinnen und Kandidaten stärker als Parteizugehörigkeit.

Wirtschaft und Arbeit, Wohnen und Stadtentwicklung, Infrastruktur und Mobilität sowie Bildung sind aus Sicht der Menschen in Niedersachsen die wichtigsten Themen auf kommunaler Ebene. Das zeigt eine Befragung von 1.074 Niedersachsen, die Ende August 2026 im Rahmen des Niedersachsenpanels zur Kommunalwahl 2026 durchgeführt wurde.

Während die Sorge um Wirtschaft und Arbeit in städtischen und ländlichen Gebieten ähnlich stark ausgeprägt ist, unterscheiden sich die anderen Prioritäten nach Wohnort: In Städten steht Wohnen und Stadtentwicklung besonders weit oben, während in ländlichen Wohnorten Infrastruktur und Mobilität sowie Gesundheit und Pflege relativ wichtiger eingeordnet werden. Besonders deutlich wird der Handlungsdruck beim Thema Wohnen: 61,5 Prozent der Befragten sehen die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum als eher oder sehr große Herausforderung. In Städten wird das Problem dabei deutlich stärker wahrgenommen als in ländlichen Wohnorten. „Viele der Themen, die die Menschen vor Ort besonders beschäftigen, werden auf kommunaler Ebene maßgeblich mitgestaltet. Kommunalpolitik ist deshalb keineswegs weniger relevant als Bundes- oder Landespolitik: Ihre Entscheidungen prägen den Alltag der Bürgerinnen und Bürger oft unmittelbar“, sagt Prof. Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg, Leiter des Niedersachsenpanels.

Auch bei anderen Themen finden sich deutliche Unterschiede zwischen den Ortskategorien. In Städten sind 72,0 Prozent mit dem ÖPNV zufrieden, in ländlichen Wohnorten 27,5 Prozent. Bei der Erreichbarkeit von Fachärzten stehen 57,0 Prozent Zufriedenheit in Städten 25,9 Prozent auf dem Land gegenüber. Umgekehrt wird die Kinderbetreuung in ländlichen Wohnorten häufiger positiv bewertet als in Städten (63,6 gegenüber 51,9 Prozent). Auch Pflegeleistungen schneiden auf dem Land besser ab (50,8 gegenüber 42,5 Prozent). Die Angaben erfassen die subjektive Zufriedenheit, nicht die objektive Angebotsdichte. 

Über ganz Niedersachsen hinweg zeigen sich die Befragten besorgt um die finanziellen Möglichkeiten der Städte und Gemeinden zur Finanzierung kommunaler Aufgaben. Zwei von drei Befragten sehen dies als eher oder sehr große Herausforderung – vollkommen unabhängig, ob sie in ländlichen Regionen, kleinen oder größeren Städten leben. Als einer der Gründe für die schwierige Finanzlage von Städten und Gemeinden wird häufig genannt, dass Bund und Länder Aufgaben beschließen, die die Kommunen dann bezahlen müssen. Zu diesem Vorgehen haben die Befragten eine klare Meinung. Der Aussage „Wer Aufgaben an die Kommunen überträgt (z. B. Bund oder Land), sollte auch die Kosten dafür übernehmen“ stimmen 80,8 Prozent zu – auch hier ohne bedeutsame Unterschiede zwischen Stadt und Land.

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Können Kommunen die Probleme lösen?

Die Befragung zeigt zugleich, dass die Bürgerinnen und Bürger die kommunale Politik nicht als machtlos betrachten. Im Gegenteil: 71,9 Prozent stimmen der Aussage eher oder voll zu, dass ihre Stimme bei der Kommunalwahl einen echten Einfluss auf die Politik in ihrer Gemeinde oder Stadt hat. Bei der Landtagswahl glauben dies mit Blick auf die kommunale Politik dagegen nur knapp die Hälfte der Befragten. Dagegen gibt es bei der Transparenz und Bürgerbeteiligung aus Sicht der Befragten noch Nachholbedarf: Nur knapp ein Viertel fühlen sich ausreichend darüber informiert, wofür ihre Gemeinde ihr Geld ausgibt. Lediglich ein Drittel sagen, dass ihre Stadt oder Gemeinde die Menschen an kommunalen Planungen beteiligt. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger den Kommunen grundsätzlich zutrauen, vor Ort etwas zu bewegen. Gleichzeitig bestehen klare Erwartungen an Transparenz und Beteiligung. Kommunale Politik muss daher nicht nur konkrete Lösungen entwickeln, sondern auch nachvollziehbar vermitteln, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Handlungsspielräume vor Ort bestehen“, betont Dr. Janina Kraus, Koordinatorin des Niedersachsenpanels.

Person statt Parteibuch?

Und wie entscheiden die Niedersachsen bei der Kommunalwahl? Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die lokale Ebene tatsächlich nach eigenen Regeln funktioniert. Für mehr als die Hälfte der Befragten sind bei der kommunalen Wahlentscheidung die Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort wichtiger als deren Parteizugehörigkeit. Besonders stark ist dieser persönliche Faktor in ländlichen Regionen. 

Damit könnte die Kommunalwahl für Parteien und Kandidierende eine besondere Herausforderung darstellen: Wer vor Ort überzeugen will, muss offenbar stärker als auf anderen politischen Ebenen mit der eigenen Person, konkreten Lösungen und der Kenntnis lokaler Probleme punkten. Dazu passen frühere Studienergebnisse, die einen bedeutsamen Einfluss der Berufe von Kandidatinnen und Kandidaten auf ihren Wahlerfolg bei Kommunalwahlen zeigen. 

Weitere Infos auch unter www.niedersachsenpanel.de

Ein Jahr Niedersachsenpanel

3. August 2026

Im Juli 2025 ist das Niedersachsenpanel gestartet, mit einer einfachen Idee: Was denken die Menschen in Niedersachsen wirklich, über Politik, Klima, Künstliche Intelligenz und ihren Alltag? Ein Jahr später zieht das Team eine positive Bilanz.

Von der Einladung zum Niedersachsenpanel

Am 22. Juli 2025 gingen 150.000 Briefe an zufällig ausgewählte, niedersächsische Haushalte raus. Die Resonanz war groß: Innerhalb kurzer Zeit meldeten sich knapp 4.500 Menschen an. Kurz darauf folgte die Eingangsbefragung, die erste gemeinsame Befragung aller Panelmitglieder zu Demokratie, Klimawandel, Künstlicher Intelligenz und vielem mehr. Heute zählt das Niedersachsenpanel über 5.200 registrierte Personen aus ganz Niedersachsen.

Forschung und Austausch

Bereits sieben Studien wurden mit den Teilnehmenden des Niedersachsenpanels durchgeführt, unter anderem zu Gesundheit am Arbeitsplatz, dem CO₂-Preis, KI-Feedback und dem Vertrauen in Universitäten. Acht weitere Studien sind in Vorbereitung. Auch der Austausch mit Politik und Öffentlichkeit kam nicht zu kurz: Im Mai 2026 wurden die ersten Ergebnisse im Leibnizhaus Hannover vorgestellt, im Juni 2026 diskutierte Prof. Dr. Mario Mechtel gemeinsam mit Alexander Armbruster (Frankfurter Allgemeine Zeitung) über Künstliche Intelligenz und den Arbeitsmarkt der Zukunft.

Jetzt mitmachen und gewinnen

Zum einjährigen Bestehen bedanken wir uns bei unseren mittlerweile über 5.200 registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einem Gewinnspiel. Teilnehmen kann jede und jeder über 18 Jahren und mit Wohnsitzt in Niedersachsen. Hier geht es zur Gewinnspielseite: niedersachsenpanel.de/ein-jahr-niedersachsenpanel

©Henry Wagner via Pexels
Luftaufnahme einer norddeutschen Landschaft im Sonnenuntergang.

Chancen, Risiken, offene Fragen: KI und die Zukunft der Arbeit

3. Juni 2026

Am 3. Juni 2026 war Prof. Dr. Mario Mechtel Gastgeber einer öffentlichen Diskussion mit Alexander Armbruster, Leiter der Wirtschafts-Onlineredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer diskutierten mit ihnen im Forum des Zentralgebäudes der Leuphana die Frage: Was verändert Künstliche Intelligenz eigentlich in unserem Arbeitsleben?

Die Kernbotschaft des Abends: KI wird Berufe nicht über Nacht verschwinden lassen. Eher verändern sich Aufgaben. Mechtel zog einen anschaulichen Vergleich: Als Geldautomaten flächendeckend eingeführt wurden, verloren Bankangestellte nicht ihre Jobs, aber ihre Arbeit sah danach anders aus.

Daten des Niedersachsenpanels zeigen, wie unterschiedlich die Menschen in Niedersachsen dem Thema gegenüberstehen. Rund 44 Prozent nutzen KI-Anwendungen bereits regelmäßig. Gleichzeitig empfinden 42 Prozent der Befragten KI als unheimlich, wobei Frauen dieses Unbehagen deutlich häufiger äußern als Männer. Konkrete Angst vor dem eigenen Jobverlust ist dagegen weniger verbreitet: Etwa 17 Prozent machen sich diese Sorgen.

©Christiane Papenmeyer
©Christiane Papenmeyer
©Wissenschaftsraum Verhaltensökonomik


Einig waren sich beide Gesprächspartner darin, dass KI zwar Produktivität steigern kann, aber kein Allheilmittel ist. Für Journalisten etwa liefern KI-Systeme zwar brauchbare Texte, preisverdächtig seien sie laut Armbruster aber nicht. Es brauche insbesondere bei komplexen Themen vor allem Fachwissen und Einordnung. Ein exklusives Interview mit dem Bundeskanzler werde die KI auch künftig daher nicht führen.

Am Ende stand ein Plädoyer für Medienkompetenz in der Schule: Der Umgang mit KI gehört in den Stundenplan. Mechtel ergänzte, dass KI dort genutzt werden sollte, wo sie sinnvoll unterstützt, nicht aber dort, wo Verstehen und eigenes Denken gefragt sind.

Die gesamte Diskussion ist als Audio-Mitschnitt verfügbar und kann hier angehört werden: https://pubdata.leuphana.de/entities/publication/4f304988-87f0-4665-a2a0-82e1b2b6571e

Wissenschaft trifft politische Praxis

Niedersachsenpanel präsentiert erste Ergebnisse im Leibnizhaus Hannover

5. Mai 2026

Was bewegt die Menschen in Niedersachsen? Wie stehen sie zu Klimaschutz, Demokratie und künstlicher Intelligenz? Antworten auf diese Fragen liefert das Niedersachsenpanel – und präsentierte sie erstmals einer breiten Öffentlichkeit aus Politik und Gesellschaft: Am 5. Mai 2026 hatten die Projektverantwortlichen zum Workshop „Wissenschaft trifft politische Praxis“ ins Leibnizhaus Hannover eingeladen.

Das Niedersachsenpanel ist ein langfristig angelegtes, interdisziplinäres Forschungsinstrument, das Einstellungen und Verhaltensweisen der Bevölkerung in Niedersachsen systematisch erfasst. Seit dem Start im Juli 2025 haben sich mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer registriert. Das Panel ist Teil des Wissenschaftsraums „Verhaltensökonomik und gesellschaftliche Transformation“, gefördert im Rahmen des Programms zukunft.niedersachsen der VolkswagenStiftung und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Die Eingangsbefragung (August 2025 bis März 2026) hat bereits aufschlussreiche Ergebnisse zu zentralen gesellschaftlichen Themen geliefert: politische Einstellungen und Demokratiezufriedenheit, Haltungen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit sowie die Nutzung und Wahrnehmung von künstlicher Intelligenz. Diese Befunde wurden beim Workshop erstmals Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft vorgestellt und sind auf breite Resonanz gestoßen. Näheres zur Eingangsbefragung und zum dazugehörigen Working Paper finden Sie hier.

„Das Niedersachsenpanel soll nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sondern diese auch für eine evidenzbasierte Politikgestaltung nutzbar machen“, betont Prof. Dr. Mario Mechtel, Projektleiter und Professor für empirische Mikroökonomik an der Leuphana Universität Lüneburg. „Der Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern ist dabei ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.“

Neben der Vorstellung erster Studienergebnisse wurde gemeinsam diskutiert, welche weiteren Themen für das Niedersachsenpanel zukünftig interessant sein könnten und wie wissenschaftliche Erkenntnisse für eine zukunftsorientierte Politik genutzt werden können. 

„Die große Resonanz auf unsere ersten Ergebnisse zeigt, wie hoch das Interesse an wissenschaftlich fundierten Einblicken in gesellschaftliche Entwicklungen in Niedersachsen ist“, sagt Dr. Janina Kraus, Projektkoordinatorin. „Besonders erfreulich ist, dass im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft bereits zahlreiche Synergien identifiziert wurden. Genau dieser Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis ist entscheidend, um gemeinsame Perspektiven für zukünftige Herausforderungen zu entwickeln.“

Eine Registrierung beim Niedersachsenpanel ist weiterhin alle mit Erstwohnsitz in Niedersachsen unter www.niedersachsenpanel.de möglich.

©Leuphana Universität Lüneburg
V.l.: Dr. Janina Kraus, Prof. Dr. Johannes Lohse, Prof. Dr. Marina Schröder; Prof. Dr. Holger Rau, Prof. Dr. Heike Schenk-Mathes, Prof. Dr. Mario Mechtel, Prof. Dr. Gerald Eisenkopf, Prof. Dr. Ann-Kathrin Kößler - Ein Teil des PI-Teams des Wissenschaftsraums im Leibnizhaus Hannover
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