Prof. Dr. Andreas Möller

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Smart Home Basics (SBP)


Die Technik ist so weit fortgeschritten, dass man heute Computer in Alltagsgegenstände einbauen kann, etwa in LED-Leuchten, Thermostatventilen; Lichtschalter werden ersetzt durch "Panels" und Smartphone-Apps. Das Smart Home kann man aber auch selbst aufbauen oder um eigene Komponenten erweitern. Es ist möglich, sehr einfach einen winzigen Microcomputer um Sensoren (Temperatur, Bewegung, Energieverbrauch etc.) auszustatten, Aktoren wie Leuchtdioden oder Relais (z.b. als Schalter zu Ein- und Ausschalten von 240V-Leitungen) zu ergänzen und zu programmieren. Dazu besteht die Hardware (hoffentlich Raspberry Pi Pico) aus einem USB-Anschluss zum Anschluss an ein Laptop (benötigt man für das Programmieren), einem Anschluss für Spannungsversorgung und vor allem vielen Input- und Outputanschlüsse für die Sensoren und Aktoren. NICHT vorausgesetzt werden Hard- und Softwarekenntnisse, es ist auch nicht notwendig zu wissen, wie man Hardware aufbaut ("löten"). Im Vordergrund stehen kreative computerbasierte Lösungen für das Smart Home. Das fängt an bei einfachen Blicklichtern, Energieverbrauchsmessungen, Temperaturmessungen, CO2-und VOC-Messungen, Feinstaubmessungen... Im Internet finden sich zahlreiche Beispiele, was man alles mit diesen kleinen Microcomputern machen kann. In einer letzten Phase des Seminars werden Fragen der Zukunft der Gesellschaft und Nachhaltigkeit behandelt (Open Source und Open Hardware, Maker-Communities in der Gesellschaft, Green IT, Technik-Trends wie Matter usw.).

Ziel: Im Vordergrund steht der kreative Umgang mit moderner Technik. Das Anwendungsfeld "Smart Home" dient uns als Orientierung. Gleichwohl werden, nebenläufig, eine Reihe wichtiger Erfahrungen gemacht: anfassbare Hardware, deren Aufbau man nachvollziehen kann, Grundkenntnisse auf dem Gebiet der Elektronik (Anschluss einer Leuchtdiode), Entwickeln kleiner Programme in Python, die dann auf der Hardware laufen. Der erste Teil der Veranstaltung dient dazu, die StudentInnen in die Lage zu versetzen, die zur Verfügung gestellte Hardware um einfache Sensoren und Aktoren zu erweitern und in einfachen Programmen zu nutzen. Dazu sollen so genannte Starter-Kits zur Verfügung gestellt werden, die alles Notwendige dafür enthalten (Steckbrett, Kabel, Widerstände, LEDs usw.). Der zweite Teil dient dann der Realisierung studentischer Projekte. Diese können sein: Energiesparen, Heimautomatisierung, innovative Anzeigen (z.B. CO2- oder VOC-Ampeln)...

Researchers and Scientific Revolutions


In diesem Seminar wollen wir versuchen, uns dem Faszinierenden des Forschens nähern – und wir wollen versuchen, die Menschen dahinter besser verstehen: ihre Lebensumstände, ihr Antrieb, ihre Texte im Original. Das erlaubt dann auch einen ganz anderen Zugang zu den Erkenntnissen. Dabei weist der zweite Teil des Titels der Veranstaltung darauf hin, dass Forschen und der Wissenszuwachs nicht linear sind; vielmehr hat Thomas Kuhn, Autor des Buches „The Structure of Scientific Revolutions“, darauf hingewiesen, dass es in der Forschung Phasen der Normalforschung und wissenschaftliche Revolutionen gibt, und das zum Beispiel auch in den Naturwissenschaften. Die Revolutionen sind natürlich besonders spannend. Aber können solche Durchbrüche überhaupt interessant sein? In dem Zusammenhang kann man nun seit einigen Jahren auf den Film „Oppenheimer“ verweisen. Zwar könnte man auch zu Oppenheimer im Seminar berichten, aber interessanter könnte das Umfeld Oppenheimer sein. Zu erwähnen ist, dass in einer Nebenrolle auch Richard Feynman und Albert Einstein auftreten. Leider wird in dem Film Lise Meitner nicht erwähnt, die für alles im Film die Grundlage beigesteuert hat: Kernspaltung und die dabei freiwerdende Energie. Oppenheimer liefert also den Rahmen für mindestens drei spannende Forschende, mit denen wir uns im Seminar befassen könnten: Albert Einstein, Lise Meitner und Richard Feynman. Nun soll da kein neuer Kinofilm entstehen, wir können uns aber auf ähnliche Weise ihrer Forschung nähern: Wie haben sie gelebt? Was haben sie geschrieben? Usw. Im Zusammenhang mit Einstein könnte man auch noch Planck oder Schwarzschild erwähnen. Aus Lüneburger Sicht interessant ist auch Bernhard Riemann, vielleicht auch Gauß und Euler. Auch grenzüberschreitende Verständigungen können sehr erhellend sein, etwa Alexander von Humboldt und Goethe oder auch Maturana und Luhmann.

Falls das Alte Sie nicht so anspricht, können Sie sich auch gern in aktuelle Revolutionen einklinken. Wie ging das eigentlich los mit den Block Chains? Oder: Was sind eigentlich die Word Embeddings? Und wieso ein so seltsamer Name? Vielleicht ein paar Schritte zurück: Hilbert, Gödel und Turing?

Ziel: Sieht man sich die Ergebnisse der Forschung vor allem in den Naturwissenschaften ansieht, dann sind sie in der Sprache der Mathematik geschrieben, und wir müssen uns anstrengen, die zum Leben zu erwecken. Man denke an Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie. Oft beschreiben die Forschenden selbst, die sich erst mal ein Bild machen. Einstein sprach von Gedankenexperimenten, Feynman hat sich Visualisierungen wie die Feynman Diagrams überlegt. Besonders interessant sind auch Prinzipien.

Das Seminar ist somit der Versuch der Rekonstruktion von Erkenntnisprozessen der Forschenden, ausgehend von den Umständen, einfachen Überlegungen und ihren Publikationen: wenn man so will eine Art Storytelling. Wichtig: Es geht nicht darum, die Mathematik hinter der Forschung vollständig zu verstehen. Interessant ist aber zum Beispiel bei Einstein, dass er sich mit Mathematik befasst hat, um seine Theorien formulieren zu können, als Mittel zum Zweck.

Auf die Themen kommt es dabei gar nicht so sehr an. Daher können Sie auch andere Forschende vorschlagen, mit denen Sie sich immer schon mal befassen wollten. Der Schwerpunkt sollte aber bei den Naturwissenschaften liegen.

Wenn Sie sich für Thema entscheiden, dann sollte das Thema neu für Sie sein. Wer sich bei den LLMs auskennt, sollte sich vielleicht nicht in die Word Embeddings vertiefen!

Life Cycle Assessment


Life Cycle Assessment (LCA) ist eine Methode zur Bestimmung von Umweltwirkungen von Produkten und Dienstleistungen. Grundlage und wesentliche Herausforderung ist ein Produkt-Modell von der Wiege bis zur Bahre: Raw Material Extraction, Production, Distribution, Use und End of Life. Das hat seinen Grund: Man untersucht in einem ersten Schritt umfassend die mit einem Produkt oder einer Dienstleistung zusammenhängenden Stoff- und Energieströme in der Technosphäre. Das betrifft insbesondere auch den Stoff- und Energieaustausch mit der natürlichen Umwelt, etwa CO2-Emissionen. In einem zweiten Schritt wird dann abgeschätzt, welche Wirkungen sich in der natürlichen Umwelt ergeben, im Falle der CO2-Emissionen Beiträge zum Klimawandel.

Das klingt nach viel Arbeit und auch irgendwie abschreckend, ist es aber nicht. Hier kommen sog. Datenbanken im Zusammenspiel mit Software ins Spiel. Die enthalten die Daten zu zahlreichen Vorprodukten und auch für die Abfallentsorgung. Wenn Sie zum Beispiel verschiedene Getränkeflaschen vergleichen wollen, finden Sie bereits alle Rohstoffe wie Aluminium, Glas oder auch Kunststoffe, auch Daten zu Aluminiumabfällen usw. finden sich. Die Datenbanken stellen also ein Hintergrundmodell zur Verfügung, in das sich Ihr Vordergrundmodell einbettet. Regelmäßig bestehen die Vordergrundmodelle nur aus wenigen Prozessen - wenn man weiß, wie es geht.

Irgendwie hat sich in den Köpfen festgesetzt, dass es beim LCA immer nur um materielle Verbrauchsprodukte geht: Taschentücher, Getränkeverpackungen usw. Und es stimmt: Es geht um den Stoff- und Energieaustausch mit der natürlichen Umwelt. Das bedeutet aber nicht, dass auch der Ausgangspunkt direkt ein materielles Produkt ist. Im Gegenteil: Es geht um den immateriellen Nutzen, den wir aus materiellen Produkten ziehen können. Das schließt auch unsere schöne neue und digitale Welt ein: von Posts in sozialen Medien bis hin zur Nutzung von AI (wir sollen uns ja nicht bei der AI bedanken ;-). Dabei verdeutlicht sich, dass wir "Bestände" schaffen, die wir dann nutzen können, PKW, Flugzeuge, Computer-Hardware, aber auch LLMs.

Die Dauerhaftigkeit von Beständen mag als Randerscheinung des Life Cycle Assessments eingestuft werden. Sie ist aber konstituierendes Element des den Modellen zugrunde liegenden Ausschnitts des sozio-technischen Metabolismus. Auf diesen Aspekt weist etwa Hannah Arendt hin: the durability oft he world. „The work of our hands … fabricates the sheer unending variety of things whose sum total constitutes the human artifice. They are mostly, but not exclusively, objects for use and they possess the durability Locke needed for the establishment of property, the ‘value’ Adam Smith needed for the exchange market” (Arendt 1958, p. 136). Sie weist darauf hin, dass der sorgfältige Gebrauch die Dauerhaftigkeit nicht gefährdet und die dauerhaften Dinge am Ende auch den Menschen 'beherbergen'. Sie dürfte dabei nicht an LLMs, Wasserflaschen, Smartphones und Handy-Hüllen gedacht haben. Die sind aber bestimmt eingeschlossen.

Da geraten die Datenbanken derzeit noch an ihre Grenzen: Wie lange nutzt man ein Smartphone? Wie lange ein Laptop? Aber wir fangen klein an, bei den Zahnbürsten, Wasserflasche, Kaffeebecher, das Mittagessen, die bedruckte Seite Papier, die Anreise zur Uni...

Ziel: Die Erstellung bestimmter Formen von LCAs entwickelt sich nach und nach zu einer Routineaufgabe in vielen Unternehmen. Das gilt auch für Forschungsprojekte: Erwartet wird eine Abschätzung der Umweltperformance von neuen Produkten, Verfahren usw. Im Bausektor wird erwartet, dass Zulieferer sog. Environmental Product Declarations (EPDs) ihrer Produkte (Zement, Türen, Ventile usw.) zur Verfügung stellen. Wenig überraschend ist daher, dass LCAs oft in Abschlussarbeiten eine Rolle spielen - und das fakultätsübergreifend. Nicht zuletzt spielen sie eine Rolle bei Bewerbungen. In diesem Seminar steht entsprechend die praktische Erstellung von LCAs im Vordergrund. Dazu ist der Einsatz von Software und Datenbanken vorgesehen.

Cradle to Cradle & Life Cycle Assessment


Cradle to Cradle & Life Cycle Assessment


In einem Lehrbuch zur Organisations- und Wirtschaftsinformatik beklagt der Autor Arno Rolf kleinteilige Strukturen, die das Machen vom Lamentieren trennt (Rolf 1998, S. 32): Während die Macher:innen unzureichend die Folgen ihres Machens reflektieren, verändern die Lamentieren:innen gar nichts. Er verwendet den Begriff der Gestaltung bzw. des Designs, um beide Dimensionen das Handelns zu integrieren, und spricht von Gestaltungsforschung. Diese Überlegungen wollen wir im Minor übertragen: Gestalten als Beitrag zu einer Nachhaltigen Entwicklung.

Dieses Gestalten findet statt in einem Zusammenhang aus vorhandenen Strukturen, Regeln, Prinzipien und Orientierungen. Oft verinnerlichen wir diese implizit anhand von Vorlesungen, Abhandlungen, Lehrbüchern usw. Sie müssen nicht explizit angesprochen werden - und dennoch beeinflussen sie unser Handeln. Regelmäßig sind sie auch Auswege aus (ehemaligen) technischen, organisatorischen und sozialen Problemlagen oder sie stehen für Strukturelemente: Produktion, Entsorgung, Konsument usw. Arno Rolf spricht von Macher:innen, wenn diese Verinnerlichungen, etwa durch eine Ausbildung oder ein Studium, stattgefunden haben und das Problemlösen und Handeln anleiten. Immer wieder versetzt es uns in Erstaunen, wenn wir auf solche Expert:innen treffen: Wir schildern ihnen verzweifelt ein Problem, und sie antworten mit Sätzen wie „Daran liegt es“ oder „Das mach ich dir“.

Dieses Wissen schließt in der Regel auch die Frage der Machbarkeit oder Unmöglichkeit mit ein. Solche Einschätzungen finden allerdings in den bereits erwähnten Zusammenhängen aus vorhandenen Strukturen, Regeln, Prinzipien und Orientierungen statt. Es geht hier also nicht um Unmöglichkeit im Sinne der Quadratur des Kreises. Vielmehr könne Kostenrechner:innen zum Design eines Produkts anmerken, dass es nicht machbar sei, während die Produktion technisch kein Problem darstellt. Eine Folge davon ist, dass man kleine Änderungen leichter umsetzen kann als große.

Wir gehen bei diesem Minorangebot davon aus, dass die bisher durchgeführten kleinteiligen Änderungen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung nicht ausreichen. Vielmehr ist ein neues Orientierungswissen notwendig, welches die gesamten Systeme neu denkt. Hierfür bietet das Cradle to Cradle-Konzept (C2C) eine Möglichkeit, neues Orientierungs- und Gestaltungswissen zu generieren und in einen größeren Zusammenhang der Transformationsprozesse einzubringen.

Zumindest in einer Phase des Übergangs und bei frühen Phasen der Anwendung in Bereichen (neue Formen und Infrastrukturen der Mobilität) stellen sich dabei auch Fragen der Konkretisierung. Nicht selten hat man verschiedene Optionen, und man will natürlich die beste bestimmen können (wobei erst mal zu klären ist, was überhaupt "das Beste" ist). Hier kommen Methoden in den Blick, die versuchen, Umweltwirkungen von Produkten, Dienstleistungen, verbundenen Wertschöpfungssystemen usw. abzuschätzen, insbesondere Stoffstromanalysen und das Life Cycle Assessment (LCA).

Nun ist das LCA nicht als Evaluationsinstrument für Cradle to Cradle entwickelt worden, so dass wir im Rahmen des Minor auch darüber nachdenken, inwieweit das Prinzip des Life Cycle Assessments anwendbar ist oder abgewandelt werden kann. Das Konzept von Cradle to Cradle geht dabei nicht von einem rein auf Effizienz ausgelegten Produktlebenszyklus aus, sondern von einem, der auf Effektivität ausgerichtet ist. Darüber hinaus beinhaltet Cradle to Cradle Themen, wie die Einschätzung der Materialgesundheit oder die Wiederverwendungsmöglichkeit von Materialien.

Ziel: In diesem Seminar wird ein pragmatischer Ansatz verfolgt, d.h. Cradle to Cradle und Life Cycle Assessment sind Hauptbestandteil des Seminars, aber die Arbeitsgruppen entscheiden über die praktische Anwendung.

Im ersten Minor-Semester stehen verschiedene Aspekte von Cradle to Cradle und Life Cycle Assessment im Vordergrund, um Grundlagen zu vermitteln und das erforderliche Hintergrundwissen aufzubauen. Schrittweise soll sich der Minor zu einem praxisorientierten Projektseminar weiterentwickeln, bei dem die Projektarbeit im Vordergrund steht.

Ziel ist es, gemeinsam mit den Studierenden den Weg des „Gestaltens“ und damit auch des „Machens“ zu ergründen, echte Transformation zu bewirken und die Fesseln des „Lamentierens“ aufzubrechen.

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Prof. Dr.-Ing. Eckhard C. Bollow

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Prof. Dr. Helmut Faasch

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