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„Schulabsentismus“: Wenn Schüler nicht in den Unterricht kommen

28.10.2026 Lüneburg/Stuttgart. Der Begriff Schulschwänzer ist wohl jedem geläufig. Dass es aber vielfältige Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht gibt, soll der Begriff Schulabsentismus deutlich machen, denn auch emotionale Belastungen oder familiäre Probleme können Auslöser dafür sein, dass Jugendliche nicht zur Schule gehen.

Der Europarat hat jetzt Empfehlungen vorgelegt, wie man auf das Problem Schulabsentismus eingehen sollte. Beraten wurde er dafür unter anderem von Professorin Dr. Christine Sälzer von der Leuphana Universität Lüneburg. Die Bildungswissenschaftlerin hat jetzt in einem Interview Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht erläutert und wirksame Präventionsmöglichkeiten benannt.

Zu den vielfältigen Gründen für Schulabsentismus zählt für Sälzer das Gefühl, in der Schule oder in der Klassengemeinschaft nicht dazuzugehören. Auch Konflikte mit Mitschüler*innen, Schwierigkeiten beim Lernen oder instabile Wohnverhältnisse können eine Rolle spielen, so die Wissenschaftlerin.

Häufiges Fehlen kann dazu führen, dass Jugendliche die Schule abbrechen. Damit steigen dann auch die Risiken für Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung. Es ist also wichtig, möglichst frühzeitig und differenziert auf die Fehlzeiten zu reagieren. Nachvollziehbare, pädagogisch sinnvolle Konsequenzen können die Schüler*innen darin unterstützen, Verantwortung zu übernehmen und wieder aktiv am Schulalltag teilzunehmen. Auch die Schulgemeinschaft kann in diesem Zusammenhang Aufgaben übernehmen.

Sälzer fordert dazu auf, die Schulen mit der Aufgabe nicht allein zu lassen. Politik und Kommunen, so die Wissenschaftlerin, müssen klare Zuständigkeiten und verbindliche Wege der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und psychosozialen Diensten schaffen. Entscheidend sei, dass Warnsignale nicht nur erfasst werden, sondern zeitnah Unterstützung auslösen.

Das vollständige Interview steht hier zur kostenfreien Verwendung für Redaktionen zur Verfügung:

Über Christine Sälzer 
Prof. Christine Sälzer ist Expertin für internationale Schulleistungsstudien, Schulabsentismus  und Professionsorientierung in der Lehrkräfteausbildung. In ihrer Forschung widmet sie sich etwa der Frage, welche Faktoren Bildungserfolg beeinflussen und wie sich Bildungsungleichheiten erkennen und verringern lassen. Von 2010 bis 2017 leitete Sälzer die PISA-Studie in Deutschland. Ihre Forschung zu Schulabsentismus reicht bis zu ihrer Promotion im Jahr 2010 an den Universitäten Bern und Fribourg in der Schweiz zurück. Nach weiteren akademischen Stationen in Braunschweig, Stanford, Tübingen, München und Heidelberg trat sie 2018 die Professur für Erziehungswissenschaften an der Universität Stuttgart an. Seit September 2026 ist Sälzer Mitglied der Leuphana Universität Lüneburg.

Weitere Informationen finden Sie hier.