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Werdegang

Kevin Drews ist Juniorprofessor (W1) für "Literatur und Theorie" am Institut für Geschichtswissenschaft und Literarische Kulturen (IGL) der Leuphana Universität. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Rolle und dem kritischen Potential von Literatur in historischen und aktuellen Kontexten gesellschaftlicher Krisen und Transformationen (Das Politische der Literatur, Literatur und Öffentlichkeit, Literarische Zeitdiagnostik, Repräsentationskritik in der Gegenwartsliteratur). Weitere Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Literatur und Geschichtsschreibung, Wissenspoetik (Literatur und Natur), Walter Benjamin im Kontext. Seit 2024 ist er Co-Editor der Kulturwissenschaftlichen Zeitschrift (KWZ). Seit 2025 ist er Vorstandsmitglied des Literaturbüros Lüneburg e.V.

WISSENSCHAFTLICHER WERDEGANG

- seit Januar 2024: Juniorprofessor (W1) für Literatur und Theorie an der Leuphana Universität

- 03/2022 - 12/2023: wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) im DFG-Projekt Literarische Chronistik. Elemente einer Schreibweise der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Weidner (Universität Halle)

- 03/2022: Promotion (Inmitten der Extreme. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin und Salomo Friedlaender, Brill/Fink 2023)

- 2021-2022: freiberufliche Tätigkeiten (Lektorate)

- 2019-2020: wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur von Prof. Dr. Cornelia Zumbusch an der Universität Hamburg

- 2017-1019 Assoziiertes Mitglied des PhD-Net ‚Das Wissen der Literatur‘ an der Humboldt-Universität zu Berlin

- 2015-2018 Promotionsstipendium des Doktorandenkollegs Geisteswissenschaften der Universität Hamburg

- 2007-2015 Studium der Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum (B.A) und an der Humboldt-Universität zu Berlin (M.A.)

 

 

Projekte

  1. Zukünfte des Erinnerns in der Postmigrationsgesellschaft: Konflikte, Kontinuitäten, Konkurrenzen
    Kevin Michael Drews (Wissenschaftliche Projektleiter*in) , Monika E. Schoop (Wissenschaftliche Projektleiter*in) , Lea Carmen Otremba (Projektmitarbeiter*in) , Ellen Kollender (Wissenschaftliche Projektleiter*in)
    →

    Projekt: Forschung

  2. Populismus und Protest. Deutsche und italienische Gegenwartsliteratur inmitten polarisierter Öffentlichkeiten
    Kevin Michael Drews (Wissenschaftliche Projektleiter*in)
    →

    Projekt: Wissenschaftliche Veranstaltung

Publikationen

Bücher und Anthologien

  1. Zukünfte des kulturwissenschaftlichen Publizierens: Jubiläumsausgabe Kulturwissenschaftliche Zeitschrift
    Kevin Michael Drews (Herausgeber*in) , Gabriele Dürbeck (Herausgeber*in) , Laura Beck (Herausgeber*in) , Thorsten Carstensen (Herausgeber*in) , 2026 Hamburg , 138 S.

    Publikation: Bücher und Anthologien › Zeitschriftenhefte › Forschung

  2. Kalender und kleine Form: Kulturwissenschaftliche Kontextualisierungen von Johann Peter Hebels Kalendertexten
    Kevin Michael Drews (Herausgeber*in) , Bernhard Stricker (Herausgeber*in) , 2026 Göttingen , 292 S.

    Publikation: Bücher und Anthologien › Sammelwerke und Anthologien › Forschung

  3. The Opportunities of Laughter: On the Aesthetics and Politics of Humour in Walter Benjamin
    Kevin Michael Drews (Herausgeber*in) , Szilvia Gellai (Herausgeber*in) , 2025 Oxford , 170 S.

    Publikation: Bücher und Anthologien › Zeitschriftenhefte › Forschung

  4. Inmitten der Extreme: Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin und Salomo Friedlaender
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 2023 Paderborn , 608 S.

    Publikation: Bücher und Anthologien › Monografien › Forschung

  5. Die Frage in den Geisteswissenschaften: Herausforderungen, Praktiken und Reflexionen
    Kevin Michael Drews (Herausgeber*in) , Ann-Kathrin Hubrich (Herausgeber*in) , Sandra Ludwig (Herausgeber*in) , Stephan Renker (Herausgeber*in) , Friederike Schütt (Herausgeber*in) , 2019 Berlin , 228 S.

    Publikation: Bücher und Anthologien › Sammelwerke und Anthologien › Forschung

Beiträge in Zeitschriften

  1. Zukünfte des kulturwissenschaftlichen Publizierens. Jubiläumsausgabe der KWZ: Einleitung
    Laura Beck (Autor*in) , Thorsten Carstensen (Autor*in) , Kevin Michael Drews (Autor*in) , Gabriele Dürbeck (Autor*in) , 05.08.2026 , in: Kulturwissenschaftliche Zeitschrift, 2026, 1 , S. 7-14 , 8 S.

    Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung › begutachtet

  2. Zwischen Chronik und Erzählung. Emil Ludwigs "Juli 14" und die Zeitgeschichtsschreibung des Ersten Weltkriegs
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 20.07.2026 , in: Non Fiktion. Arsenal der anderen Gattungen, 20, Heft 1/2 , S. 193-218 , 21 S.

    Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung › begutachtet

  3. Thinking with Laughter: Notes on Walter Benjamin’s Humour
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , Szilvia Gellai (Autor*in) , 01.07.2025 , in: Forum for Modern Language Studies, 61, 3 , S. 193-222 , 30 S.

    Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung

  4. "ein Registrieren von Impulsen, Aussagen, Erinnerungsbildern".: Chronistische Schreibverfahren in Peter Weiss’ "Die Ästhetik des Widerstands"
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 09.10.2024 , in: Weimarer Beiträge, 70, 2 , S. 218-238 , 21 S.

    Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung

  5. Benjamins zeitdiagnostische Rezensionstätigkeit zwischen Text und Kontexten. Exemplarische Analysen eines Spannungsverhältnisses
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 22.06.2023 , in: Monatshefte für deutschsprachige Literatur und Kultur, 115, 2 , S. 204-222 , 19 S.

    Publikation: Beiträge in Zeitschriften › Zeitschriftenaufsätze › Forschung

Beiträge in Sammelwerken

  1. Einleitung: Zur kulturwissenschaftlichen Kontextualisierung von Hebels Kalendertexten
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , Bernhard Stricker (Autor*in) , 02.09.2026 Göttingen , S. 7-24 , 18 S.

    Publikation: Beiträge in Sammelwerken › Aufsätze in Sammelwerken › Forschung › begutachtet

  2. »Die Fortsetzung meines Briefs, der unter meinen Händen alt zu werden beginnt«. Serielle Zeitmodellierungen in J. P. Hebels Briefen
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 02.09.2026 Göttingen , S. 81-102 , 22 S.

    Publikation: Beiträge in Sammelwerken › Aufsätze in Sammelwerken › Forschung › begutachtet

  3. "... eine Geschichte erzählen, die zählt." Serielle Notationsverfahren von Zeit in Judith Schalanskys "Schwankende Kanarien" (2023)
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 01.09.2026 , S. 117-130 , 14 S.

    Publikation: Beiträge in Sammelwerken › Aufsätze in Sammelwerken › Forschung › begutachtet

  4. Anna-Lena Eick. „Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten“. Visualität in der literarischen Geschichtsdarstellung. Paderborn: Brill/Fink, 2024. 407 S.
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 01.01.2026 Bielefeld , S. 247-251 , 5 S.

    Publikation: Beiträge in Sammelwerken › Rezensionen › Forschung

  5. Arbeit, Klasse, Migration. Kritische Erinnerungsarbeit in der postmigrantischen Gegenwartsliteratur
    Kevin Michael Drews (Autor*in) , 01.12.2025 Berlin, Boston , S. 81-103 , 23 S.

    Publikation: Beiträge in Sammelwerken › Aufsätze in Sammelwerken › Forschung › begutachtet

Impact

  1. Zukünfte des Erinnerns in der Postmigrationsgesellschaft
    Monika E. Schoop , Kevin Michael Drews , Lea Carmen Otremba

    Impact: Akademischer Impact, Bildungsimpact, Kultureller Impact, Politischer Impact, Sozialer Impact

Presse / Medien

  1. Vorüberlegungen zur literarischen Vertextung von Zeit im Zeichen des Anthropozäns
    1 eigener Medienbeitrag

    Presse/Medien: Presse / Medien

  2. COVID Diary II – Alltag im globalen Ausnahmezustand
    1 eigener Medienbeitrag

    Presse/Medien: Presse / Medien

  3. Wendezeiten zwischen Faxgeräten und Graffitis
    1 eigener Medienbeitrag

    Presse/Medien: Presse / Medien

  4. Statistiken, Kuriositäten und Erfolge – eine Fußballchronik
    1 eigener Medienbeitrag

    Presse/Medien: Presse / Medien

  5. COVID Diary I – Alltag im globalen Ausnahmezustand
    1 eigener Medienbeitrag

    Presse/Medien: Presse / Medien

Auszeichnungen

  1. Joseph Carlebach-Preis
    Kevin Michael Drews (Empfänger/-in) ,

    Auszeichnung: Externe Preise, Stipendien, Auszeichnungen, Ernennungen › Forschung

  2. Walter Benjamin Förderpreis für junge Forschende
    Kevin Michael Drews (Empfänger/-in) ,

    Auszeichnung: Externe Preise, Stipendien, Auszeichnungen, Ernennungen › Forschung

Lehrveranstaltungen

Im Herbst 2023 wurde in der F.A.Z. ein ungewöhnlicher verlagsinterner Vorgang im Hause S. Fischer bekannt: Der Verlag hatte den Debütroman "Gittersee" von Charlotte Gneuß an den Schriftsteller Ingo Schulze weitergeleitet, der in den 1970er Jahren, der erzählten Zeit des Romans, in Dresden aufgewachsen ist. Schulze reagierte mit einer ausführlichen Mängelliste, in der er historische Ungenauigkeiten und vermeintliche Fehler in der Darstellung der DDR-Geschichte benannte. Dieser Vorgang löste eine breite Debatte über die literarische Darstellung von Zeitgeschichte aus und warf grundlegende Fragen nach literarischer Zeitzeugenschaft, Erinnerung und Authentizität auf: Welche Rolle spielt die Glaubwürdigkeit von Erinnerung in der literarischen Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen? Wie prägt die jeweilige Perspektive die Darstellung von Geschichte?

35 Jahre nach dem Fall der Mauer ließe sich der „Fall Gneuß“ auch als Ausdruck eines literarischen Generationenkonflikts deuten, der Verschiebungen im Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität anzeigt und damit auch die diskursive Position von Zeitzeug:innen verändert. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar der literarischen Auseinandersetzung mit der Wendezeit seit den 1990er Jahren.

Im ersten Teil des Seminars stehen Texte von Ingo Schulze, Helga Königsdorf, Thomas Rosenlöcher und Martin Gross im Mittelpunkt, die in den 1990er und frühen 2000er Jahren entstanden sind. Diese Texte sind häufig an eine starke Chronistenfigur gebunden, durch die der Versuch unternommen wird, unmittelbare Gegenwart zu dokumentieren. Wie erzählen diese Chronist:innen von der Wendezeit? Wie inszenieren sich Autor:innen in und mit solchen Figuren? Welche Modelle von Zeitzeugenschaft und welche Konzepte von Erinnerung werden dabei entworfen?

Im zweiten Teil des Seminars stehen exemplarische Lektüren von Texten der „Spät- bzw. Nachgeborenen“ im Mittelpunkt, etwa von Autor:innen wie Jana Hensel, Peter Richter, Lukas Rietzschel oder Anne Rabe, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Erbe der DDR und seinen Nachwirkungen in der Gegenwart auseinandersetzen, von der Vergangenheit der Eltern und Großeltern erzählen, aus der eigenen Erfahrung der Nachwendezeit heraus dem Verschwiegenen, Unverarbeiteten und Verdrängten nachspüren und neue Erzählformen zwischen individueller Erinnerung und kollektivem Gedächtnis erproben.

+++Hinweis: Die meisten Texte werden in Auszügen gelesen und über MyStudy zur Verfügung gestellt. Die Romane von Ingo Schulze "Simple Storys" und Anne Rabe "Die Möglichkeit von Glück" werden vollständig gelesen. Bitte besorgen Sie sich beide Romane eigenständig und lesen Sie möglichst viel davon bereits zur Vorbereitung auf das Seminar.+++
Nächster Termin:
Dienstag, 20.10.2026 um 16:15 Uhr
Seit der Atmosphärenchemiker Paul Crutzen und der Biologe Eugene Stoermer im Jahr 2000 den Begriff des Anthropozäns als neue erdgeschichtliche Epochenbezeichnung vorgeschlagen haben, erlebte der Anthropozän-Diskurs eine rasante disziplinübergreifende Konjunktur. Zwar hat die International Commission on Stratigraphy kürzlich entschieden, vorerst keine neue geologische Epoche auszurufen; die Auseinandersetzung mit dem Anthropozän als paradigmatischem „Kristallisationspunkt von Debatten“ (Eva Horn/Hannes Bergthaller) ist dadurch jedoch nicht weniger dringlich geworden. Auch in Kunst und Kultur wurde die Anthropozänthese früh aufgegriffen.

So hat die Schriftstellerin Judith Schalansky in einem Interview konstatiert, dass die „ökologische Krise […] auch eine Krise des Erzählens“ sei, weil sie „nicht nur die Vorstellungskraft, sondern auch Begrifflichkeiten und Erzählmuster [sprengt]“. Das von Schalansky adressierte Problem betrifft insbesondere die komplexen Zeitverschränkungen zwischen geologischer Tiefenzeit und menschlicher Kulturgeschichte sowie die Frage, wie sich davon erzählen lässt. Im Seminar diskutieren wir gemeinsam, welche Wahrnehmungs- und Darstellungsprobleme die ökologische Krise aufwirft, aber auch, welche ästhetischen Strategien und literarischen Versuchsanordnungen entwickelt werden, um anthropozäne Zeiterfahrungen zwischen Natur- und Kulturgeschichte, individuellen und kollektiven sowie lokalen und globalen Zeitordnungen zu modellieren, zu erzählen und zu deuten.
Anhand von Romanen, Essays, Gedichten und Theatertexten untersuchen wir, wie Literatur Zeit im Zeichen des Anthropozäns erfahrbar macht, Zeitkonzepte entwirft und Deutungen von Zeit hervorbringt; etwa durch den Umgang mit unterschiedlichen Materialien wie Zeitungen, Archivdokumenten oder Tagebüchern oder im Zusammenspiel mit anderen Medien wie der Fotografie.

Im Rahmen des Seminars wird es einen Gastvortrag von Dr. Lorina Buhr (Universität Göttingen) anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches "Die Tiefe des Eingriffs. Wie wir Menschen unsere Umwelt unumkehrbar verändern" (Reclam Verlag 2026) geben.

--> Bitte lesen Sie zur Vorbereitung Judith Schalanskys Essay Schwankende Kanarien. Berlin: Verbrecher Verlag 2023.
Nächster Termin:
Donnerstag, 22.10.2026 um 12:15 Uhr
Kein Text steht für sich allein. Im Gegenteil: Literarische Texte entstehen stets im Zusammenhang mit anderen Texten und treten auf vielfältige Weise mit ihnen in Beziehung. Sie zitieren, spielen aufeinander an, greifen Figuren, Motive oder Stoffe auf oder verweisen bereits durch Titel, Widmungen oder andere paratextuelle Elemente auf andere Werke. Darüber hinaus stellen auch Leser:innen im Prozess der Lektüre Bezüge zwischen Texten her, und zwar auch dort, wo diese nicht ausdrücklich im Text angelegt sind.

Diese vielfältigen Formen der Text-Beziehungen werden unter dem Begriff der Intertextualität gefasst, einem zentralen Grundbegriff einer kulturwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft. Das Seminar führt in die wichtigsten theoretischen Ansätze zur Intertextualität ein und vermittelt grundlegende Kenntnisse literaturwissenschaftlicher Textanalyse. Dabei werden Fragen danach diskutiert, was überhaupt ein literarischer Text ist, welche Funktionen intertextuelle Bezüge haben und wie unterschiedliche Lektüre- und Interpretationsverfahren mit ihnen umgehen.
Nächster Termin:
Donnerstag, 03.12.2026 um 14:15 Uhr