Integrated Reporting, Sustainability Reporting & Assurance

Nach der Finanzkrise 2008/09 wurde das Vertrauen der Unternehmensadressaten in die kapitalmarktorientierte Unternehmenspublizität wesentlich beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund ist die traditionelle Finanzberichterstattung um eine Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) zu ergänzen, die idealerweise zu einem Integrated Reporting weiterentwickelt wird.

Während das CSR Reporting bereits einen empirischen Forschungsschwerpunkt aus internationaler Sicht bildet, steht das Integrated Reporting nach dem Rahmenwerk des International Integrated Reporting Council (IIRC) noch am Beginn der betriebswirtschaftlichen Forschung.

Das Forschungsprojekt Integrated-/CSR Reporting behandelt die aus Sicht der Investoren nachgefragten Inhaltskomponenten und die Qualität der integrierten Berichte am deutschen Kapitalmarkt. Fragen der externen Beurteilung der in Rede stehenden Berichte werden ebenfalls diskutiert.

Sustainable investors & ESG performance

Die Forschung in Bezug nachhaltiger Finanzierung und Investitionen zielt darauf ab, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten zu untersuchen und in Hinblick auf das Konzept der „triple bottom line“ in Einklang zu bringen. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008/09 interessieren sich Aufsichtsbehörden, Finanzintermediäre, Unternehmensleiter und weitere Stakeholder zunehmend für die Interdependenzen zwischen finanzieller und nicht-finanzieller Leistungen von Unternehmen.

Dieses Forschungsprojekt untersucht die Determinanten eines nachhaltigeren globalen Finanzsystems. Insbesondere besteht ein wesentlicher Antrieb darin, die Auswirkungen von „socially responsible investments“ (SRI) für das Unternehmensverhalten zu verstehen.

Im privaten Sektor zeichnet sich ein starker Trend hin zu diesen nachhaltigen Investitionen ab. Freiwillige Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Prinzipien für verantwortliches investieren (UN PRI) verwalteten im Jahr 2017 Vermögenswerte im Wert von 68,4 Billionen US-Dollar. Mehr institutionelle Investoren integrieren ESG- (Umwelt-, Sozial- und Regierungs-) Themen in Anlageanalysen und Entscheidungsprozesse. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht, welche Auswirkungen nachhaltige Investitionen auf die Qualität der nichtfinanziellen Offenlegung auf die wirtschaftliche Leistung von Unternehmen haben.

Im März 2018 hat die Europäische Kommission den von der hochrangigen Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft entworfenen Aktionsplan für nachhaltiges Wachstum angenommen. Das Hauptziel der Europäischen Kommission ist die Neuausrichtung von Kapitalströmen hin zu nachhaltigen Investitionen. Der zunehmende Fokus auf nicht-finanzielle Aspekte bei Investitionsentscheidungen auf regulatorischer und privatwirtschaftlicher Ebene kann zu systematischen Veränderungen des europäischen Finanzsystems führen, woraus sich insbesondere die Aktualität und Relevanz dieses Forschungsthemas ergibt.

Board Composition & (Gender) Diversity

In jüngerer Zeit wurden aus internationaler Sicht vielfältige Reformanstrengungen unternommen, um die Unternehmensperformance durch die Berücksichtigung von Vielfalt bei der Board-Zusammensetzung zu verbessern.

Neben der im Fokus der Diskussion stehenden Einführung einer gesetzlichen Frauenquote im Aufsichtsrat werden auch andere Diversitäts-Merkmale, z.B. Internationalität oder berufliche Erfahrungen, sowie die Unabhängigkeit und Expertise zunehmend in der empirischen Corporate Governance-Forschung aus internationaler Sicht untersucht.

Dieses Forschungsprojekt Board Composition richtet sich an das  monistische und dualistische System der Unternehmensverfassung in Europa und untersucht die Kapitalmarktwirkungen auf Ebene des Managements und der Überwachungsinstanzen.

Sustainable CEO Compensation

Durch ihre Ausrichtung auf die nachhaltige Unternehmensentwicklung sollen die Managementvergütungssysteme als Steuerungsinstrument der unternehmensinternen Corporate Governance das wirtschaftliche Fortbestehen des Unternehmens sichern sowie das seit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise dezimierte Vertrauen von Stakeholdern in die Unternehmensführung wiederherstellen. Wenngleich die empirische Vergütungs-Forschung aus internationaler Sicht auf eine Tradition zurückblickt, steht ein wissenschaftlicher Konsens hinsichtlich relevanter Wirkungszusammenhänge in Bezug auf die nachhaltige Unternehmensleistung derzeit aus.

 
Vor diesem Hintergrund widmet sich dieses Forschungsprojekt der vergleichenden Untersuchung der Bestandteile der Vergütung des Chief Executive Officers (CEO) im Zusammenspiel des gesamten Vorstands und fokussiert insbesondere den Einfluss unternehmensexterner und –interner Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung und Anreizkompatibilität der nachhaltigen Vergütungssysteme.

Say-on-Pay in the German two-tier system

Die Vergütung von Vorständen wird sowohl in der wissenschaftlichen Fachliteratur als auch in den öffentlichen Medien seit Jahren kontrovers diskutiert. Um die zum Teil als ‚exzessiv‘ empfundenen Vergütungen zu regulieren und die Interessen der Aktionäre zu stärken haben mehrere Länder sogenannte ‚Say-on-Pay‘ Regelungen erlassen.

Say-on-Pay bezeichnet im Allgemeinen die Möglichkeit, dass Aktionäre während der Jahreshauptversammlung über die Angemessenheit der Vorstandsvergütung abstimmen. Auch wenn diese Abstimmungen vielfach nicht bindend sind zeigen erst Forschungsergebnisse aus Ablehnungsquoten resultierende Veränderungen der Vergütungsstruktur oder -höhe.


Im Rahmen des Forschungsprojektes werden zunächst die Faktoren ermittelt welche die Unternehmen zu einer Aufnahme der Say-on-Pay Abstimmung auf die Tagesordnung der Hauptversammlung bewegen. Darüber hinaus sollen die Gründe für die Ablehnung von Vergütungspakten durch Aktionäre sowie der Einfluss des Abstimmungsergebnisses auf die Vergütungspraxis untersucht werden.

Der Fokus liegt dabei auf den deutschen Kapitalmarkt. Dieser Kapitalmarkt bietet ein natürliches Experiment durch ein Dualsystem und die Möglichkeit einer freiwilligen Abstimmung.

Fair Value Accounting, Earnings Management and Corporate Governance

Der Ansatz und die Bewertung von Vermögenswerten und Schulden mit ihren aktuellen Zeitwerten (Fair Value Accounting) rückt aus internationaler Sicht in den Fokus der empirischen Rechnungslegungsforschung. Mit der Implementierung von IFRS 13 wurde eine postenübergreifende Fair Value-Hierarchie eingeführt, bei der in einem dreistufigen System der Fair Value abgeleitet werden muss. Kritisiert wird die eingeschränkte Objektivität, besonders in den Fällen, in denen der Fair Value auf der dritten Stufe durch Methoden der Unternehmensbewertung bestimmt wird. Aktuelle Studien belegen, dass Investoren die beizulegenden Zeitwerte der dritten Stufe als weniger wertrelevant erachten.
Im Rahmen der empirischen Forschung wird bislang nur nachrangig untersucht, welchen Einfluss einzelne Corporate Governance-Variablen (z.B. Gender Diversity im Board) auf die Fair Value-Bewertung und die damit verbundenen Anhangangaben haben. Auch ist fraglich, wie sich das Fair Value Accounting der dritten Stufe auf die Qualität der externen Abschlussprüfung auswirken. Vor diesem Hintergrund richtet sich das vorliegende Forschungsprojekt einerseits an die Analyse von einzelnen Corporate Governance-Faktoren im Zusammenhang mit dem Fair Value Accounting sowie andererseits auf den Einfluss von Fair Values auf die Prüfungsqualität.

Assessing the association between joint audits, audit quality and corporate governance

Unternehmen des öffentlichen Interessens müssen in den meisten Staaten ihre Rechnungslegung extern prüfen lassen, üblicherweise durch eine Prüfungsgesellschaft. Eine andere Alternative sind die sog. Joint Audits. In einem Joint Audit werden zwei separate Prüfungsgesellschaften vom Unternehmen beauftragt, wobei beide Gesellschaften ein gemeinsames Prüfungsurteil abgeben. Joint Audits sind aus EU-Sicht lediglich in Frankreich seit 1966 für Unternehmen des öffentlichen Interesses verpflichtend. In Dänemark gab es ebenfalls bis 2004 ein Joint Audit-Regime. Andere Länder bieten freiwillige Gestaltungen für eine Beauftragung von zwei Prüfungsgesellschaften, z.B. Deutschland.

Die empirische Joint Audit-Forschung richtet sich bislang an die Rechnungslegungs- und Prüfungsqualität sowie die Prüfungskosten. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, den Einfluss der Corporate Governance auf die Auswahl der Joint Audit-Partner zu untersuchen, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Joint Audits, Prüfungsqualität und Prüfungsausschüssen liegt. Aufgrund der aktuellen Reformdiskussion nach dem Wirecard-Skandal ist die Thematik relevant. Prüfungsausschüsse sind verantwortlich für die Beauftragung des Abschlussprüfers, für die Zusammenarbeit mit dem Prüfer während der Abschlussprüfung und die Auswertung des Prüfungsberichts. Insofern muss die Rolle des Prüfungsausschusses in einem Joint Audit-Regime näher untersucht werden.