Heterogeneity in Family Firm Finance and Accounting: The Role of Family Influence for Financial Decisions in Family Firms

Familienunternehmen repräsentieren einen signifikanten Anteil der globalen Wirtschaftsleistung. Aktuelle Literaturauswertungen zeigen, dass das Forschungsinteresse sowie entsprechende Publikationen in der Familienunternehmensforschung stetig zunehmen. Historisch ist diese Forschung insbesondere geprägt von vergleichenden Untersuchungen, die Familien- und Nicht-Familienunternehmen gegenüberstellen und damit vor allem die charakteristischen Merkmale von Familienunternehmen in Abgrenzung zu anderen Organisationsformen betonen.

In der jüngeren Forschung gewinnt hingegen das Thema der Heterogenität von Familienunternehmen an Bedeutung, welches Unterschiede innerhalb der Gruppe der Familienunternehmen stärker in den Vordergrund stellt. Basierend auf dieser Heterogenitätsperspektive soll das Forschungsprojekt unter anderem die Frage beantworten, welchen Einfluss Heterogenitätsüberlegungen auf Finance und Accounting-Variablen in Familienunternehmen haben. In der Forschung werden Finanzierungsentscheidungen beispielsweise mit verschiedenen familienspezifischen Motiven in Verbindung gebracht, z.B. der Aversion gegenüber Kontrollverlustrisiken. Analog werden Accounting- Variablen wie die Qualität der Finanzberichterstattung oder Steuervermeidung beispielweise im Kontext familienspezifischer Motive wie Reputationsverlust oder nicht-finanzieller Zielsetzungen diskutiert.

Insgesamt soll das Forschungsprojekt daher Dimensionen von Heterogenität innerhalb der Gruppe der Familienunternehmen erforschen und deren Wirkung auf Finance und Accounting Entscheidungen in den Familienunternehmen untersuchen. Mithilfe quantitativer Methoden sollen zudem einige dieser Dimensionen weiterführend analysiert werden.

Transparency on tax avoidance by the (integrated) EU Corporate Sustainability and Country-by-Country-Report

In den letzten Jahren haben eine Reihe von Datenleaks und Medienberichte über niedrige Körperschaftssteuersätze international tätiger Unternehmen den Eindruck erweckt, dass aggressive Steuervermeidung eine weit verbreitete Unternehmenspraxis ist und der Öffentlichkeit erheblichen Schaden zufügt. In diesem Zusammenhang rücken Unternehmenssteuern nicht nur aus Sicht der Öffentlichkeit, sondern auch aus Sicht der Forschung und regulatorischer Sicht, als Instrument zur Erreichung verschiedener wirtschaftlicher und unternehmerischer Nachhaltigkeitsaspekte, immer mehr in den Fokus.

Als Reaktion darauf haben die OECD-Länder die Initiative "Base Erosion and Profit Shifting" (BEPS) ins Leben gerufen und zahlreiche Steuervermeidungspraktiken identifiziert, die in Zukunft beseitigt werden sollen, um ein nachhaltigeres wirtschaftliches Handeln zu erreichen. Des Weiteren soll die Transparenz im Bezug auf die Steuerpolitik von Unternehmen vergrößert und dadurch der gesellschaftliche Druck nach nachhaltiger Steuerpolitik erhöht werden.

Im Rahmen der öffentlichen Berichterstattung gibt es neben dem obligatorischen Nachhaltigkeitsbericht für eine Gruppe von Unternehmen, die Berichterstattung im Rahmen der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung beispielsweise nach GRI 207 Tax und im Rahmen des Country-by-Country-Reportings, welches bis lang nur den Finanzbehörden zur Verfügung steht aber auf Vorschlag der EU-Kommission ab dem Jahr 2025 auch öffentlich zugänglich werden soll.

Das Forschungsprojekt untersucht diesem Dreiklang der Berichterstattung im Zusammenhang mit Steuervermeidung bzw. Steuerpolitik von Unternehmen und soll konkrete Handlungsempfehlungen für Forschung, Praxis, Gesetzgeber und Standardsetzer herausarbeiten, indem es insbesondere die Qualität der Berichterstattung und die qualitativen Unterschiede der verschiedenen Berichterstattungsarten untersucht.

Integrated Reporting, Sustainability Reporting & Assurance

Nach der Finanzkrise 2008/09 wurde das Vertrauen der Unternehmensadressaten in die kapitalmarktorientierte Unternehmenspublizität wesentlich beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund ist die traditionelle Finanzberichterstattung um eine Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) zu ergänzen, die idealerweise zu einem Integrated Reporting weiterentwickelt wird.

Während das CSR Reporting bereits einen empirischen Forschungsschwerpunkt aus internationaler Sicht bildet, steht das Integrated Reporting nach dem Rahmenwerk des International Integrated Reporting Council (IIRC) noch am Beginn der betriebswirtschaftlichen Forschung.

Das Forschungsprojekt Integrated-/CSR Reporting behandelt die aus Sicht der Investoren nachgefragten Inhaltskomponenten und die Qualität der integrierten Berichte am deutschen Kapitalmarkt. Fragen der externen Beurteilung der in Rede stehenden Berichte werden ebenfalls diskutiert.

Sustainable investors & ESG performance

Die Forschung in Bezug nachhaltiger Finanzierung und Investitionen zielt darauf ab, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten zu untersuchen und in Hinblick auf das Konzept der „triple bottom line“ in Einklang zu bringen. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008/09 interessieren sich Aufsichtsbehörden, Finanzintermediäre, Unternehmensleiter und weitere Stakeholder zunehmend für die Interdependenzen zwischen finanzieller und nicht-finanzieller Leistungen von Unternehmen.

Dieses Forschungsprojekt untersucht die Determinanten eines nachhaltigeren globalen Finanzsystems. Insbesondere besteht ein wesentlicher Antrieb darin, die Auswirkungen von „socially responsible investments“ (SRI) für das Unternehmensverhalten zu verstehen.

Im privaten Sektor zeichnet sich ein starker Trend hin zu diesen nachhaltigen Investitionen ab. Freiwillige Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Prinzipien für verantwortliches investieren (UN PRI) verwalteten im Jahr 2017 Vermögenswerte im Wert von 68,4 Billionen US-Dollar. Mehr institutionelle Investoren integrieren ESG- (Umwelt-, Sozial- und Regierungs-) Themen in Anlageanalysen und Entscheidungsprozesse. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht, welche Auswirkungen nachhaltige Investitionen auf die Qualität der nichtfinanziellen Offenlegung auf die wirtschaftliche Leistung von Unternehmen haben.

Im März 2018 hat die Europäische Kommission den von der hochrangigen Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft entworfenen Aktionsplan für nachhaltiges Wachstum angenommen. Das Hauptziel der Europäischen Kommission ist die Neuausrichtung von Kapitalströmen hin zu nachhaltigen Investitionen. Der zunehmende Fokus auf nicht-finanzielle Aspekte bei Investitionsentscheidungen auf regulatorischer und privatwirtschaftlicher Ebene kann zu systematischen Veränderungen des europäischen Finanzsystems führen, woraus sich insbesondere die Aktualität und Relevanz dieses Forschungsthemas ergibt.

Board Composition & (Gender) Diversity

In jüngerer Zeit wurden aus internationaler Sicht vielfältige Reformanstrengungen unternommen, um die Unternehmensperformance durch die Berücksichtigung von Vielfalt bei der Board-Zusammensetzung zu verbessern.

Neben der im Fokus der Diskussion stehenden Einführung einer gesetzlichen Frauenquote im Aufsichtsrat werden auch andere Diversitäts-Merkmale, z.B. Internationalität oder berufliche Erfahrungen, sowie die Unabhängigkeit und Expertise zunehmend in der empirischen Corporate Governance-Forschung aus internationaler Sicht untersucht.

Dieses Forschungsprojekt Board Composition richtet sich an das  monistische und dualistische System der Unternehmensverfassung in Europa und untersucht die Kapitalmarktwirkungen auf Ebene des Managements und der Überwachungsinstanzen.

Fair Value Accounting, Earnings Management and Corporate Governance

Der Ansatz und die Bewertung von Vermögenswerten und Schulden mit ihren aktuellen Zeitwerten (Fair Value Accounting) rückt aus internationaler Sicht in den Fokus der empirischen Rechnungslegungsforschung. Mit der Implementierung von IFRS 13 wurde eine postenübergreifende Fair Value-Hierarchie eingeführt, bei der in einem dreistufigen System der Fair Value abgeleitet werden muss. Kritisiert wird die eingeschränkte Objektivität, besonders in den Fällen, in denen der Fair Value auf der dritten Stufe durch Methoden der Unternehmensbewertung bestimmt wird. Aktuelle Studien belegen, dass Investoren die beizulegenden Zeitwerte der dritten Stufe als weniger wertrelevant erachten.

Im Rahmen der empirischen Forschung wird bislang nur nachrangig untersucht, welchen Einfluss einzelne Corporate Governance-Variablen (z.B. Gender Diversity im Board) auf die Fair Value-Bewertung und die damit verbundenen Anhangangaben haben. Auch ist fraglich, wie sich das Fair Value Accounting der dritten Stufe auf die Qualität der externen Abschlussprüfung auswirken. Vor diesem Hintergrund richtet sich das vorliegende Forschungsprojekt einerseits an die Analyse von einzelnen Corporate Governance-Faktoren im Zusammenhang mit dem Fair Value Accounting sowie andererseits auf den Einfluss von Fair Values auf die Prüfungsqualität.

Monitoring of Internal Corporate Governance Systems by Audit Committees, Internal Auditors and External Auditors

Bereits seit einigen Jahrzehnten ist eine kritische Auseinandersetzung mit Corporate-Governance-Strukturen in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu erkennen. Sowohl die Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 als auch diverse Bilanzskandale und Unternehmenszusammenbrüche seit den 1990er Jahren können als einige der bedeutenden Ursachen für diesen Diskurs genannt werden. Insbesondere durch den Wirecard-Skandal im Jahr 2020 ist das öffentliche Vertrauen in Wirtschaft, Unternehmensführung und deren Kontroll- bzw. Überwachsungsstrukturen abermals stark beschädigt worden und veranlasste Forschung und Praxis erneut dazu, bestehende Corporate-Governance-Strukturen zu hinterfragen und potentielle Reformmaßnahmen zu diskutieren. Darüber hinaus rückt auch der Aspekt der Integration von Nachhaltigkeit in die Corporate-Governance-Systeme immer mehr in den Fokus von Öffentlichkeit und Gesetzgeber, was auf europäischer Ebene besonders durch das Green Deal Projekt der EU und der damit verbundenen Sustainable Finance-Regulierung forciert wird.

Die drei folgenden Corporate-Governance-Träger: Prüfungsausschuss, interne Revision und Wirtschaftsprüfer stehen in diesem Zusammenhang oftmals im Fokus, da diese drei Parteien eine entscheidende Rolle bei der Überwachung von internen Corporate-Governance-Systemen spielen und deren Interaktion somit unentbehrlich ist, wenn es um die Verhinderung von Fehlverhalten in Unternehmen und damit einhergehenden Bilanzskandalen oder ESG-Verstößen geht.

Das Forschungsprojekt soll dieses dreiseitige Beziehungsgeflecht im Kontext einer kooperativen Überwachung von internen Corporate-Governance-Systemen untersuchen und konkrete Handlungsempfehlungen für Forschung, Praxis, Gesetzgeber und Standardsetzer herausarbeiten.