LIAS Filmreihe: »Mit Hasan in Gaza«
Mittwoch, 22. April, 19 Uhr | SCALA Programmkino | Eintritt frei
22. Apr.
Dieser Film gehört zur LIAS-Filmreihe in Kooperation mit dem SCALA Programmkino. Jeden Monat werden internationale Filme zu kultur- und sozialkritischen Themen von Einführungen und Diskussionen begleitet.
Datum: Mittwoch, 22. April 2026, 19 Uhr
Ort: SCALA Programmkino | Apothekenstr. 17 | 21335 Lüneburg
LIAS Senior Fellow Heidi Grunebaum
Mit Hasan in Gaza von Kamal Aljafari entsteht aus einem Akt der Wiederentdeckung und Re-Kontextualisierung von Archivmaterial. Drei MiniDV-Kassetten, die der Regisseur kürzlich in seinem Archiv fand, enthalten Aufnahmen aus dem Jahr 2001, die während einer Reise durch den Gazastreifen entstanden. Ursprünglich war diese Reise Teil einer persönlichen Suche nach einer Gefängnisbekanntschaft aus dem Jahr 1989; unterwegs wird Aljafari von einem lokalen Reiseführer namens Hasan begleitet, dessen späteres Schicksal unbekannt bleibt.
Der Film entspinnt sich entlang dieser Fahrt vom Norden in den Süden Gazas und folgt dabei keiner klassischen dokumentarischen Dramaturgie. Stattdessen präsentiert er eine Serie fragmentarischer Beobachtungen: Straßen, Landschaften, Gespräche, beiläufige Begegnungen und alltägliche Situationen. Diese scheinbar unspektakulären Bilder gewinnen retrospektiv eine besondere historische und affektive Dichte. Aus heutiger Perspektive erscheinen sie als visuelle Zeugnisse eines sozialen und urbanen Gefüges, das sich seither tiefgreifend verändert hat oder teilweise verschwunden ist.
In diesem Sinne lässt sich Mit Hasan in Gaza als eine Form des filmischen Archäologieprojekts verstehen. Das Material wird nicht lediglich dokumentarisch präsentiert, sondern als Medium der Erinnerung neu gerahmt. Aljafari interessiert weniger die Rekonstruktion einer kohärenten Geschichte als vielmehr die Frage, wie Bilder aus der Vergangenheit gegenwärtige Erfahrung strukturieren können. Die Kamera registriert eine Reihe flüchtiger Momente des Alltagslebens, deren Bedeutung sich erst im Abstand der Zeit entfaltet.
Der Film bewegt sich damit an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, Essayfilm und persönlichem Archivkino. Die Aufnahmen fungieren zugleich als historische Spur und als poetische Reflexion über Verlust, Abwesenheit und die Fragilität von Erinnerung. Indem Aljafari das Material in der Gegenwart neu montiert und betrachtet, wird die Reise von 2001 zu einer nachträglichen Meditation über Orte und Menschen, deren Spuren möglicherweise unwiederbringlich verloren gegangen sind.
Mit Hasan in Gaza feierte seine Premiere im Wettbewerb des Locarno Film Festival und fügt sich in Aljafaris fortlaufende künstlerische Praxis ein, die sich mit Bildarchiven, kolonialen und politischen Bildregimen sowie der Frage beschäftigt, wie Film als Medium des Erinnerns und der Wiederaneignung fungieren kann.
Eintritt frei.
Palästina, Deutschland, Frankreich, Katar 2025 | Regie: Kamal Aljafar | 106 min | Arabisches Original mit englischen UT