LIAS Podiumsdiskussion »War, Memory and Infrastructure: Where is Art«
03. Juni
Mit: Madhusree Dutta, LIAS Public Fellow | Maddalena Fragnito, LIAS Fellow | Clarissa Thieme, Leuphana University Lüneburg | Ala Younis, Artist, Kuwait City | Heidi Grunebaum, LIAS Senior Fellow (Moderation)
Datum: Mittwoch, 3. Juni, 2026, 18–20 Uhr
Ort: Campus | Zentralgebäude | C40.501
Kriege schaffen Erinnerungen – persönliche und kollektive, sowohl in der Form gelebter Erfahrungen, als auch übernommener Narrative. Diese Erinnerungen werden dann im Laufe der Zeit durch komplexe und bisweilen konkurrierende Infrastrukturen kommentiert und in Umlauf gebracht – erhaltene Denkmäler, verhandelte Museen, veröffentlichte Dokumente, bestätigte Zeitzeugnisse; aber auch verbotene Erzählungen, in Landschaften begrabene, verborgene Hinweise, kaum deutbare Klanglandschaften, zerbrochene Gegenstände, und vieles mehr. Grob gesagt lassen sich Erstere als deklarierte Handlungen kategorisieren, die mahnen sollen, während Letztere als eine Art von lokalisiertem Instinkt zur Erinnerung verstanden werden können. Die greifbaren Eigenschaften des Handelns und die flüchtige Natur des Instinkts stimmen oder stimmen nicht miteinander überein.
Zudem verändert sich das Ausmaß eines Ereignisses / einer Erfahrung je nachdem, ob sie aus einem lokalen Kontext oder auf einer globalen Bühne wahrgenommen werden – was eine Frage der räumlichen Entfernung ist. Dennoch werden bestimmte durchsetzungsfähige Handlungen / Prinzipien eines kolonialisierten Volkes, welches die hegemonialen / kolonialen Kräfte hinterfragt, im Laufe der Zeit zu einer Waffe für post-kolonialen toxischen Nationalismus. In beiden Szenarien bleibt Erinnerung am anfälligsten für den Wechsel der Jahreszeiten.
Welche Rolle können künstlerische Bestrebungen und menschliche Archive in diesen Konflikten zwischen verschiedenen Erinnerungsregistern spielen? Können Interventionen durch Kunst Sicherheitsmechanismen ausbilden, um die Durchlässigkeit von Erinnerung sicherzustellen und dennoch der status-quo-artigen Aneignung der gleichen widerstehen?
Dies sind einige der Fragen, mit denen sich die Podiumsdiskussion »Krieg, Erinnerung und Infrastruktur: Wo ist Kunst«auseinandersetzt.
Abstracts
Madhusree Dutta: Post-youth Female Body and War
Im Universum des Krieges sind weibliche Körper in vielerlei Hinsicht Infrastrukturen – Archive von Erinnerung, Orte der Invasion und gelegentlich, wenn auch nicht selten, Quellen des Widerstands. Ich möchte mich mit einer bestimmten Gruppe von Frauen befassen, deren Rolle sich wandelte: waren sie einst staatlicher Gewalt ausgesetzt, leisteten sie später organisierten Widerstand gegen die Militarisierung, bis hin zum Aufrechterhalten von Kriegs- und Sexualverbrechen im Namen ihres Clans – innerhalb eines Zeitraums von 50 Jahren. Dies ist eine weniger bekannte Geschichte von Manipur, einer Grenzregion in Indien, die von militarisierter Gewalt und einer clan-basierten Identitätspolitik durchsetzt ist. Diese älteren Frauen haben einen militanten Diskurs und eine Praxis etabliert, die auf ihren post-menopausalen Körpern aufbaut; es gelang ihnen so, bis in die politische Führungsebene zu gelangen. Die Erinnerung an eine traditionelle matriarchale Gesellschaft der Vergangenheit mag bei der Entwicklung dieser Initiative geholfen haben. Die gegenwärtige künstlerische und aktivistische Kampagne, den post-menopausalen weiblichen Körper zu feiern und diesem Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu verleihen, mag auch zur Bereicherung der Sache beigetragen haben. Die vorherrschende Politik verwandelte diese Initiative jedoch in eine reine Infrastruktur im Dienst von Patriarchat und Ultranationalismus.
Erfahren Sie mehr über Madhusree Dutta.
Maddalena Fragnito: Managed Futures: Facts Do Not Speak for Themselves
Ausgehend von einem Kurzdossier – How to Build Support for Defence Spending (Centre for European Reform, 2026) – befasst sich dieser Vortrag mit Kultur als Infrastruktur, die das formt, was als akzeptabel gilt. Nach Edward Said wird darin die Frage aufgeworfen, unter welchen Bedingungen Fakten zirkulieren, und wie diese Bedingungen über Governance-Rahmenbedingungen hinweg geschaffen werden, die festlegen, was, wann und mit welchen Auswirkungen gesagt werden kann. Dann wendet sich der Vortrag der Erinnerung zu und der Frage, wie damit innerhalb einer verwalteten Zukunft gearbeitet werden kann, in der sie nicht ausgelöscht, sondern bereits im Vorhinein vorgeformt wird.
Anfragen und Kontakt:
- Dr. Christine Kramer